Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 21 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 243 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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243 in verschiedensten Lebenslagen findige, stets seinem Ideale zugekehrte Mann wächst dem Leser ans Herz. Die Briefe enrpsing die Gattin. Sie, die Tochter ides raböi wisch gelehrten DavieS, ragt hervor als Frau und Literatur. Sie trägt werbliche Schönheit natürlich als Himmelsgeschenk mit fürstlicher Würde, sie erzieht ihre zahlreiche Kinderschar sorgfältig zu treuen Juden und feinen Europäern, sie betätigte, besonders im Kriege, Nächstenliebe als unseres Stammes eigenste Pflicht. Und sie hat aus dem Hebräischen viele Poesien übersetzt und in -eigenen Dichtungen religiöse Glut, Sprachgewandheit und Musik erwiesen. So ist sie weichin jüdischen Lesern bekannt, sogar dem Kellermeister der Weinbausiedlung Rischon (le Zion), und als unser Verfasser beim Siegessest seinen Soldaten die Rede zu halten beauftragt wird, schließt er diese mit Versen „Zion, Mutter, rufend deinen Söhnen", aus Nina Salamans „Marf-chlied der Judäer". Dr. Salaman reiste rhoneabwärts zunächst nach Kairo. Hier tadelt er das Getto scharf und findet, Aegypten lohne den Briten ihre Leistung für das Land mit Undank. Erst im August 1918 kam er nach Palästina ins Feld und zu Kolnidre ins Feuer gegen Türken und Deutsche. Dreihundert Deutsche hörte er der Gefangennahme sich freuen, den Kaiser anklagen und den Frieden ersehnen; nur einer behielt vor, daß dieser ehrenvoll -werde. Sie machten die Türken für die Niederlage verantwortlich, die sogar aus sie gefeuert hätten; und letzteres, sagt Verfasser, geschah Anfang September wirklich. Auch als Landesherr Palästinas, wie als Arzt findet der Türke beim Verfasser keine Gnade. Der Arzt erfüllte manche nichtmedizinischen Befugnisse: er leitete und ermunterte auch die Truppen und besorgte, selbst Hand anlegend, Beerdigung der Gefallenen und der Tierkadaver. Bemerkenswertes verlautet über die Rekrutierung der Juden und das Sanitätswesen: nur für Verwundete, nicht aber für Malaria, die 80 v. H. der Truppe befiel, war vorgosorgt. Die Remonte krankte an demselben Bureaukratismus wie jede zentralisierte Riesenverwaltung: Als Salaman sein Dienstpferd, weil es vor Kamelen scheute, Umtauschen wollte, hielt man chm den umständlichen Instanzenweg entgegen; er drang erst mit der Drohung durch, seinen Fall einem Parlamentarier anzuzeigen. Die britische Verwaltung des eroberten Palästina tadelt Verfasser freimütig; sie behandle die Araber zu freundlich zuungunsten der Juden. Jene schätzt er dort auf 600 000, das Zehnfache der Juden, schmäht sie als antizionistisch, diebisch, treulos und eines hingebenden Nationalismus unfähig; der Panarabismus sei Mache eigennütziger syrischer EssendiS. Jedoch die Araber aus Palästina entfernen, wie mancher Zionist träume, könne man nicht. Palästina fei heute kein Land, in dem Milch und Honig flieht, könne aber teilweise ein solches werden. Ein Drittel des Bodens sei fruchtbar, nur ein Zehntel bebaut. Das Klima findet er köstlich, Jerusalems Lage majestätisch-schön. Eine Karte liegt dem Bande bei, die 47 jüdische Siedlungen angibt. Zur Volkskunde steuert das Buch einiges bei. An heilige Bäume hängt der Muselman Bänder als Anhänglichke i t s - Pfand, und der jüdische Beter treibt einen Nagel, möglichst des eigenen Schuhs, in die Klagemauer des Tempels, die dem ernsten Verfasser als eine Schande, wie das Heilige Grab als ein Skandal erscheint. Auf Moriah habe wohl schon die Urzeit vor Abraham an gebetet. — Das Schwein verabscheute Moses als unrein, vielleicht weil es dem Aegypter den bösen Geist verkörperte. — Arabervolk ruft als Himmelsmacht manchen von Juden gerühmten Rabbi der Borzeit an. Aus die Grausigkeit des Pogroms fällt ein grelles Schlaglicht: ein zehnjähriger Jude wird darob in Rostow epileptisch und 'erschießt dann als Bauer in Palästina in plötzlichem Wahnsinn, einer Folgeerscheinung, Mutter, Braut und Schwiegervater. Als Anthropologe stellt Sakaman die Aschkenastm Mitteleuropas den Juden Esras zunächst. Die unter Moses reinsemitischen Hebräer verbanden sich dann in Kanaan mit Hethitern, den Ahnen heutiger Armenier,, mit Amvritern, den Ahnen heutiger Kurden, die teilweise blond sind, und mit Philistern, die den frühen Griechen verwandt find. Der Beduine ist jetzt reiner Semit. Der herrschende Judentyp dagegen, besonders in der Karikatur (wie schon eine englische Schatzvolle des 13. Jahrhunderts zeichnet), ist hethitisch; die beiden anderen Mischelemente treten dagegen zurück. Etwa 2O v. H. heutiger Aschkennasim ähneln Nordeuropäern, wohl von Philister-Ahnen her. Ihre Ehe mit den Hethitern Wohnlichen ergibt Nachkommen hethstischen Typs. (Ich kenne Beispiele vielmehr der Mendelschen Regel.) Der Mischling von letzterem mit dem Germanen steht unlj-üdisch aus. Jene Verschmelzung erfolgte bis zu Esr-as Zeit, nur bei den Sephardim unter arabischer Herrschaft setzte sich Rassenmischung fort; in Südrußland floß auch Tatarenb'lut in jüdische Adern. Der dunkle Jemenit fei nicht rassenhaft Jude. (Diesem widerspricht die Einleitung von Ormsbh Gore.) Die Chalukä in Palästina beklagt Verfasser -als einen Fluch; etwa die Hälfte aller 60 000 Juden dort -gehören zu ihr. Um so Günstigeres berichtet er ausführlich, allerdings ohne statistische oder wirtschaftliche Zahlen^ nach fleißiger Kenntnisnahme von den bäuerlichen Siedlern. Don physischen Minder-wert der Aelteven -gleiche Intelligenz und Begeisterung aus; schon die jetzt Jungen -erstarken körperlich; die Frau arbeite gleichberechtigt überall mit. (Solchen Optimismus teilte nicht der Bericht des auch vom Verfasser verehrten Goldsmid, den ich fürs Berliner Komitee der russischen Auswanderer verdeutschte.) Der Streit -um religiöse Reform brenne dort nicht wie bei uns, well am Sabbat niemand arbeite und es Un-koscheres -zu genießen nicht gebe. Den Kolonisten mangle Organisation und ein starker Führer mit Eisensaust im Seidenhandschuh; -von Träumern wimmle es. Sie streiten -über Kleinigkeiten (doch auch Kommunismus!) und gefallen sich in maßloser Rederei. Bei der Jugend vertritt die Religion, die die Eltern -ausrechbhielt, ein überspannter Nationalismus Mit Uebertreibung des Hebräischen, doch wohl nur eine Roa-ktiou gegen die Gedrücktheit des jüdisch-deutschen Getto. So, meint Verfasser, war umgekehrt die Religion ihrer Väter national. (Das trifft für deutsche Orthodoxe um 1850 bis 1880 nicht zu.) Der Zionismus aber könne nur siegen, wenn auch die Religion wiedererwache. Seine jüdischen Soldaten taten zwar ihre Pflicht, blieben aber beim Heere unbeliebt. Verfasser bedauert die Auflösung der Judenbataillone und hätte ihre Hebung zum Stamm eines jüdifchen Volksheeres gewünscht. Wohl opferte der orthodoxe Rekrut Bart und Peoth dem rasierten Typ des Tommy, um zu Zions Befreiung zu helfen; wohl erwies er sich intelligent, auch musikalisch und lernbegierig; aber an allgemeinen hohen jüdischen oder englischen Idealen teilzunehmen blieb er doch unfähig; er ist im Cheder am Talmud, nicht an der Bibel geschult. Zum Regenten Palästinas wünschte Verfasser mit richtigem Blicke Samuel, den jetzigen Oberkommissar (Gouverneur). Er als britischer Zionift darf die Frage nach einer Heimat für die Juden nunmehr für gelöst halten. — Stets Antizionist, Hab' ich an Salamansernstem Werke noch einmal nachzuprüfen für Pflicht erachtet, ob eine solche Frage notwendig bestehe. Ich bin nicht bekehrt! Ein Zukunftsideal für die Jujden erblicke ich in keinerlei.besonderer Nationalität und keiner Bauerngemeinde, vollends nicht in einem Mandats-