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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-14 · Heft 21 (14.10.1921) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 21 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 240 (sequence 6)
Language
German
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240 betätigen wollen? Auf demselben Schiff langten auch 6—7000 Tonnen landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte im Werte von 100 000 Dollar an, die durch die Arbeiterorganisationen in Amerika gesammelt wurden, wie auch Kleidungsstücke, gesammelt vom People Relief Committee, das für diesen Zweck 10 000 Dollar zugesagt hat. Am 6. September wurde in Haifa in Anwesenheit von Vertretern der verschiedenen Negierungsdepartements in offizieller Weise die jüdische Handelskammer eröffnet. Während der letzten 14 Monate wurden in Tel-Awiw Häuser mit über 700 Zimmern neu erstellt; trotzdem ist von einem Rückgang der Mietzinse noch nichts zu bemerken. Anfang September hat die Regierung in Zemach ein Zollamt eröffnet, in dem alle importierten und exportierten Waren der Revision unterliegen. Auch die französische Regierung hat jenseits des Jordans ein Zollamt eröffnet, so daß die Reisenden zwei Revisionen unterworfen werden, was zweifellos ungemein hinderlich für die Handelsentwicklung ist, um so mehr, als im französischen Zollamt noch sehr wenig Ordnung herrscht. Der Ertrag der Winterernte in den nördlichen Bezirken Palästinas wird auf 60 bis 70 Proz. des ietztjührigen Ertrages geschützt, während in den südlichen Distrikten ein normaler Ertrag erw.ar.tet wird. Der Ertrag der Somme re rnte ist infoilge der außergewöhnlichen Hitze im allgemeinen nicht befriedigend. Es steht nur eine schwache Olivenernte in Aussicht. Dagegen versprechen Mandeln und Feigen eine Durchschnittsernte, trotz der verschiedentlich zu verzeichnenden Insektenplage. Die Tranbeirsaifon verspricht gut zu werden und der Handel mit Aegypten großen materiellen Rutzen seit der Einführung spezieller Tranbenwagen bei den Passagierzügen und andere Erleichterungen. Der Viehstand ist befriedigend. Die Maul- und Klauenseuche konnte erfolgreich bekämpft werdenso daß sich kein weiterer Fall ereignete. 4. P. Z. Die Otto manische Bank hat von der palästinensische!: Regierung die Erlaubnis zur Wiedereröffnung ihrer Jernsailiemer Abteilung erhalten und in den letzten Taigen bereits ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Das landwirtschaftliche Departement der palästinensischen Regierung hat einige Versuchsparzellien zur Prüfung verschiedener Tabaksorten. angelegt. Das Departement hofft ans diese Weise, die neuen Bestrebungen zur Belebung der palästinensischen Tabakindustrie zu fördern. Z. K. * Deutsche Waren in Palästina. Man schreibt uns aus Palästina: Im ganzen Lande ist nichts so gesucht wie deutsche Waren. Jedermann verlangt sie und zieht sie allen anderen vor, die Engländer an: allermeisten. Die Kaufleute machen damit glänzende- Geschäfte. Ein arabischer Geschäftsmann sagte mir: „Die größte politische Propaganda für die Deutschen war hier im Orient der Versailler Frieden, dessen Ungerechtigkeit jedermann empörte. Aber die größte geschäftliche Propaganda für euch war die sechsjährige Blockade, während der keine deutschen Waren mehr ins Land kamen. Das hat euch mehr genützt als einst die erzwungene Aufschrift: Made in Germany. Denn jetzt hat man gemerkt, daß wir seither meist Schund hatten. Deutschland steht in der Einfuhr in Palästina nach amtlichen Berichten 'schon wieder an dritter, tatsächlich aber wahrscheinlich schon an zweiter Stelle." * Nichteignung Mexikos für jüdische Immigration. Die New Yorker Hanptzentra-le 'der „Hi-as" hat bekanntlich vor einer gewissen. Zeit eine Konnnisision nach Mexiko' entsandt, um zu prüfen, welche Möglichkeiten dort für eine jüdische Einwanderung, bestünden. Die bereits nach New Jork zurückgekehrte Kornmifsion hat über ihre Ermittlungen einen längeren Bericht überreicht, worin sie noch allst itiger Behandlung der Bedingungen, sowohl der ökonomischen wie auch der politischen, zum Schlüsse kommt, daß Mexiko für eine jüdische Einwanderung nicht günstig sei, und daß die jüdischen Emigranten davon Abstand nehmen sollen, dorthin zw gcheni. Was andere Länder betrifft, wie znm Beispiel Kuba, darüber wird die „Hins" demnächst ein spezielles Communique veröffentlichen. J. P. Z. Lur Erinnerung au Orokrllor Dr. W. Lrann l. % m Rüsttage desHüttenfestes ist es nun ein Jahr, daß die .gelehrte Welt eine Kraft von der Bedeutung, wie es Braun gewesen, verloren hat. Was er sür Seminar und Wissenschaft, für die Lehrerschaft insbesondere geleistet, es lebt noch in aller Gedächtnis; dieses sein geistiges Erbe zu hegen, zu erhalten, daß nichts davon verlorengehe, bleibt unsere Aufgabe. Ein Zug des Verklärten ist 'in den ihm gehaltenen Grabreden, den ihm gewidmeten Nachrufen nicht genügend gewürdigt, überhaupt kaum berührt worden: es ist der Standpunkt, den er als praktischer Theologe, was er gleichfalls gewesen, vertreten hat, wie er in dem Ausrufe zur Bildung einer Partei der Mitte hervortrat, den er als erster unterzeichnet hatte. Streng konservativ, wie er im Leben nach meinen Beobachtungen in langjährigem verwandtschaftlichen Verkehr mit ihm gewesen, erkannte er doch, von der Vorsehung auf die Hochwarte theologischen Lehramts gestellt, daß in den Beziehungen zu den jüdischen Gemeinden — und er unterhielt auch solche vielfach — auch den Forderungen der Neuzeit ihr Recht einzuräumen sei. Bei den verschiedenen Richtungen im Judentum von der besonderen Art, wie sie zu seiner Zeit bestanden, forderte er die Mtte einzuhalten; er fand darin die Zustimmung zahlreicher führenden Theologen. Es war zur Zeit, da auch der liberale Rabbinerverband ins Leben trat, der heute noch besteht und erst jüngst wieder getagt hat. Sollten die Bestrebungen desselben —ich weiß das Nähere nicht — heute auf Neugestaltung des öffentlichen Gottesdienstes, auf das, was noch hinzuzukommen hat, als dem Rufe der Zeit folgend gerichtet sein, so dürften dieselben eher freudig zu begrüßen sein. Zu Brauns Zeit aber liehen liberale Kundgebungen — ich erinnere mich derselben wohl — vielmehr befürchten, daß damit bedenklichen Reformen an den bis dahin unangetastet dagestandenen Institutionen des Judentums Eingang verschafft werde. Da war ■ denn der Ruf M. Brauns — es war dies Juli 1908 —, daß das, was da gefordert werde, am Stande geschichtlicher Entwicklung zu prüfen sei. Es dürfe, sagte er zur Begründung weiter, das Baud nicht zerrissen werden, das uns mit der Vergangenheit verbindet; die Kontinuität, als einer der Hauptgrundsätze im Judentum, müsse gewahrt bleiben. Es war eben, der so rief, der Schüler Z. Frankels, auch meines Meisters, es war die historische Schule, die mit ihm Eintritt ins jüdische Leben verlangte. Es ist bis jetzt beim Aufrufe geblieben, die Gegensätze haben an Schärfe verloren; will man schon Unterschiede im heutigen Judentum konstatieren, so wäre es der Unterschied von Gesetzestreuen und Bekennern des Judentums ohne die äußeren Formen von religiösem Leben. Zudem wird die Aufmerksamkeit im jüdischen Lager gegenwärtig durch Zeitströmungen, wie Zionistenkongreß, Stellung des Zentralvereins usw. zum Zionismus, viel mehr in Anspruch genommen. Doch fehlt es nicht ganz an Objekten, die die religiösen Gegensätze, die Verschiedenheit religiöser Parteien auch im heutigen Judentum hervortreten lassen; es darf hier nur an die Gebetbuchsrage erinnert werden, die von Zeit zu Zeit in Gemeinden mit mehreren Synagogen wieder da ist, die beratende Körperschaft in denselben zu beschäftigen hat und nicht anders zurzeit als im Kampfe des Für und Wider in der Sache gelöst wird. Ganz besonders aber ist auf den Gegensatz hinzuweisen, der vielfach heute zwischen dem Religionsunterrichte in der Schule

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