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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-14 · Heft 21 (14.10.1921) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 21 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 239 (sequence 5)
Language
German
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239 nierung Deutschlands zu verhindern, bei. großen inneren Unruhen deren völlige Niederwerfung, zu erzwingen und durch Einsetzung einer nationalen Regierung die Wiederkehr der heutigen Verhältnisse -unmöglich zu machen, «die durch den Versailler Vertrag angestrebte Entmannung und Entlvaffnung .folveit wie -möglich zu.erhalten." Die Organisation charakterisiert sich in weiteren Bestimmungen wie folgt: „Die Organisation ist eine Geheimorganisation; sie verplslichtet die Mitglieder untereinander, ein Schutz- und Trutzbündnis zu schließen, wodurch jeder Angehörige der Organisation der weitestgehenden Hilfe aller anderen Mitglieder sicher sein kann. Die Mitglieder verpflichten sich, ein Machtfaktor zu sein, um geschlossen als starke Einheit dazustehen, wenn die Not, die Ehre unseres deutschen Vaterlandes' und die Erreichung unserer Ziele es erfordern. Jeder verpflichtet sich zu unbedingtem. Gehorsam gegenüber der Leitung der Organisation." Die Berpflicht.ungsformel lautet: „Ich erkläre ehrenwörtlich daß ich deutscher Abstammung bin. Ich verpflichte mich ehrenwörtlich durch Handschlag, mich den Satzungen zu unterwerfen und nach ihnen zu handeln. Ich gelobe, demobersten Leiter der Organisation unbedingten Gehorsam zu leisten und über alle "Angelegenheiten strengstes Stillschweigen zu bewahren." * Oesterreich. Nach der neuesten österreichischen Verwaltungspraxis sind Inden von der Erlangung der Staatsbürgerschaft auf dem Wege der Option ausgeschlossen, selbst getaufte Juden-. Laut dem Fr iedensver trage soll Zugehörigkeit der Optanten nach, Raffe und Sprache verlangt werden. Bisher konnten zahlreiche, aus dem Osten eingewanderte Juden tatsächlich nach Vorlage entsprechender Nachweise aus dem Wege der Option die österreichische Staatsbürgerschaft erlangen, die sie von allen behördlichen Schikanen und der drohenden Ausweisung befreite. Nachdem jedoch Dr. Waber, ein Vertreter der antisemitischen Großdeutschen Partei, zum Innenminister ernannt wurde, ist in dieser Praxis ein radikaler Wandel eingetreten und kein Jude wird als Optant bestätigt. Am härtesten werden hierdurch die aus Polen stammenden Ostjuden betroffen, welchen die polnische Gesandtschaft die Ausfolgung von Pässen zur Rückkehr in die ursprünglichen Wohnorte mit der Begründung verweigert, daß sie nicht mehr polnisch,e, sondern auf Grund der Optionserklärungen österreichische Staatsbürger sind, während sie in Oesterreich als solche nicht anerkannt werden. Die Tatsache, daß Jaden gegenwärtig ausnahmslos abgewiesen werden, wird vom Innenministerium offen zugegeben. Dr. Waber beruft sich daber -auf ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtsh'ofes, wonach der Friedensvertrag für dm Fall der Option beide Voraussetzungen, sowohl Raffe als Sprache, erfordere, für welche der Optierende „saßtnire Merkmale" darzutun habe. Der Nachweis der sprachlichen Zugehörigkeit zum deutlichen Volke sei bedeutungslos, da -es ein Bekenntnis zu einer bestimmten Raffe nicht gäbe, w^il dies nicht von der freien Entschließung des Individuums abhänge. Cs -müsse die Bedingung nach Sprache und Raffe erfüllt werden. Beide Instanzen, Innenministerium und Derwaltungsgenichts Ho f, wirken somit harmonisch zusammen, um den klaren Sinn des Friedensverträges in sein Gegenteil zu umstellen und die Juden zu entrechten. Man geht deutlich darauf aus, aus Oesterreich, bei dessen Bewohnern von irgendwelcher „Raffenreinheit" keine Rede sein kann und die -vielmehr — hauptsächlich in Wien, das ja hier fast ausschließlich in Frage kommt —, ein Produkt beständiger Rassenmischungen und -kreuzungen darstellen, einen „Nationalstaat" mit Ausschluß der Juden zu machen. Tie Autoren der Friedenstver träge werden sich lebhaft wundern, wenn ihnen bekannt werden wird, »daß die österreichische Regierungspraxis, die in den Verträgen wechselnden Ausdrücke „race et liangue“ oder -nationalite et langue“ ausnützt, um sie zu einem Instrument rein luitisemitischer Willkür-Praxis zu machen. Sollten die dagegen mehrfach erhobenen 'Proteste keinen baldigen Erfolg zeitig,en, so werden die' mtsprechenden Schritte unternommen werden müssen, um die österreichische Regierung durch das kompetente Forum zu zwingen, den ttaren Sinn der Vertrüge zu achten. J. P. Z. 0 Antisemitische Strastenexzeffe in Budapest. Aus Budapest wird unter dem 20. September gemeldet: Den gestrigen Tag über kam es in verschiedenen Teilen der ^tadt Zll antisemitischen Straßenexzeffen. Die Gäste wurden aus den Kaffeehäusern auf die Straße geholt und mißhandelt. Vor der Redaktion der sozialistischen Zeitung „Nepizava" kam es zu größeren Exzessen, denen erst die Polizei ein Ende machen konnte. 14 Verhaftungen wurden vorgenommen. In den. Abendstunden kam es im Judenviertel zu Prügelszenen, wobei eine Reihe von Personen verletzt wurde. 0 14 Millionen Dollar für das hungernde Europa. Paris, 26. September. „Chicago Tribüne" meldet aus Chicago: 200 hervorragende Juden der Verei rügten Staaten, die Gäste von Julius Rosenwald waren, beschlossen, für ein Hilsswerk zur Bekämpfung des Hungers in Europa 14 Millionen Dollar zu stiften und dabei mit dem amerikanischen Ernährungshilfswerk und der Gesellschaft der Freundezusammenzuarbeiten. Sir Ernest Cassel gestorben. Am 22. September ist in London Sir Ernest Cassel, einer der bedeutendsten Finanziers Englands, .gestorben. Cassel, geboren 1852 in Köln, war als 16j>ühriger. Jüngling nach England gekommen, wo er ün Lause der Jahre durch seinen großen Unternehmungsgeist sich eingroßes Berum gen erwarb, hauptsächlich durch Geschäfte in Amerika, Mexiko, Argentinien und durch den Bau des Staudamms von Assuan in Aegypten. Cassel hat -als eifriger Philanthropzahlreiche Stistungen mit seinem Gelbe .gegründet und w-ar ein intimer Freund König Eduards und König Georgs, weshalb er von den Antisemiten stark .angefeindet wurde. Sir Ernest Cassels Nachlaß wird aus eine Summe von 8 bis 10 Millionen Pfund- 'Sterling geschätzt. Die genaue Feststellung der Werte wird indessen noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Vollstreckung des Testaments soll -einem staatlichen Kurator übergeben werden. * Ans nnd über Palästina. Da allgemein angenommen wird, daß die Regierung nur solchen Personen Bodenkäufe bestätigt, die in Palästina wohnen, weist der „El Napir" darauf hin, daß dem High Commissioner das Recht zustehe, jeden Bodenkauf zu bestätigen, sofern nur der Käufer, auch falls er außerhalb Palästinas wohnt, Nachweisen kann, daß er beabsichtigt, entweder den Boden selbst zu bearbeiten oder aus ihm Bauten zuerrichten, und daß er keinen Weiterverkauf bezweckt. Der Palästinenser Salinen Barsel, Besitzer -einer Tabaksabrik, erwarb käuflich die ganze Hauptstraße Jaffas, die sogenannte Bastros^ straße, wo sich 26 Häuser und 80 Magazine befinden, nebst dem großen Hotel „Kmninitz". Außerdem beginnt Barsel sofort mit dem Bau öpn 39 Magazinen und 10 darüber errichteten Häusern auf dem Platze -neben -der Bastrosstraße, in den sogenannten „Alleen König Georgs". „Do-ar Hajo-m." Dank den großen Bemühungen Baron. James Rothschilds um die demobilisierten' Legionäre, gedenkt die „JCA" unweit von Zemach und drei viertel Stunden von Menhamie, wo ihr einige Dunam Boden zur Verfügung stehen, 50 demobilisierte Legionäre anzusiedeln. Eine Kwuzah von 20 demobilisierten Legionären soll noch dieses Jahr angestedelt werden, und zwar vorderhand in Menhamie. Die Jaffaer Stadtverwaltung hat von Ingenieur Ruthenberg die telegraphische Verständigung erhalten, daß die Londoner Behörden die Konzession für. fein Audjaprojekt (Ausnützung der Jarkongewässer für elektrische Kraftgewinnung) erteilt haben. Ruthenberg spricht seine Zuversicht aus, daß die Durchführung dieses Planes die Entwicklung des Bezirkes Jaffa fördern und den Wohlstand feiner Einwohner -heben wird. Am 3. September sind auf der „Hedwig" gegen 200 Einwanderer eingetroffen, darunter zahlreiche Familien. Am 7. September sind in Jaffa 230 Immigranten aus Triest ein* getroffen, wo sie einige Tage in Quarantäne blieben. Ferner trafen in derselben Woche 43 Reisende aus Amerika ein, größtenteils Familienväter -und kapitalkräftige Leute, «die sich im Lande vielfach

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