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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-14 · Heft 21 (14.10.1921) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 21 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 237 (sequence 3)
Language
German
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237 hebräische Abendkurse, handwerklichen Unterricht, Anschaffung von Lehrmitteln, Lehrerpensionen, Eröffnung eines orthodoxen, Lehrerseminars, für die« Bibliothek, für den Waad halaschon und für landwirtschaftliche Kolonisation hervorzuheben. Wenn die Kolonisation und überhaupt die zionistische Arbeit auf eine solide Grundlage gestellt wrden sollen, dann muß mit allen Mitteln dafür gesorgt werden, daß die Erfordernisse des Mindestbud'gets regelmäßig eingehen, und nicht mehr wieder der Zustand eintritt, daß infolge Geldmangels Anleihen bei anderen Fonds gemacht werden müssen. Die Referenten zur Finanzfrage mußten über diese Zustände dom Kongreß sehr traurige Eröffnungen machen. Nur wenn die Delegierten mit demselben Ernst, mit dem sie den Beratungen des Budgets folgten, auch ihre Versprechungen in Wirklichkeit umsetzen würden, dann besteht Aussicht, daß bessere Zustände eintreten werden. Vor Beginn der Budgetdebatte gab es einen Zwischenfall, der beinahe zu einer Sprengung des Kongresses geführt hätte. Seitens des Misrachi war folgender Antrag eingebracht worden: „Die zionistische Organisation darf nur solche Institutionen gründen, erhalten und subventionieren, in deren Führung und öffentlichen Handlungen nicht gegen die Vorschriften der jüdischen Tradition verstoßen wird. Die Leitung der zionistischen Organisation hat die Durchführung dieses zu sichern." Dieser gegen den Willen eines Teiles der rabbinischen Mitglieder des Misrachi eingebrachte Antrag wurde von der Linken als eine Provokation und als Eingriff in die Gewissensfreiheit betrachtet. Es entstand ein großer Tumult, und aus den Reihen der Linken wurde vorgeschlagen, über diesen Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Wenn der Antrag des Misrachi vielleicht ein taktischer Fehler war, so mußte natürlich der Gegenantrag auf Uebergang zur Tagesordnung als eine direkte Beleidigung des Misrachi empfunden werden, und die Beleidigung war um so größer, als der Antrag in namentlicher Abstimmung mit 155 gegen 146 mit 9 Stimmenthaltungen angenommen wurde. Die Exekutive hatte gegen Uebergang zur Tagesordnung gestiunnt. Nach dem Ergebnis dieser Abstimmung erklärte Herr Struck namens des Misrachi, daß der Misrachinicht nur gegen das Budget stimmen, sondern auch in Zukunft nicht imstande sein werde, für den Keren Hajessod und den Nationalfonds zu arbeiten. Präsident W e i z m a n n und. Oberräbbiner Dr. C h a j e s legten sich ins Mittel, und es gelang schließlich in der darauffolgenden Sitzung, einen Kompromißantrag folgenden Wortlauts zur Annahme zu bringen: „In den öffentlichen Handlungen der von der Zionistischen Organisation gegründeten, erhaltenen und subventionierten Institutionen darf nichts geschehen, was gegen die jüdische Tradition verstößt. Die Leitung der zionistischen Organisation hat die Durchführung dieses Beschlusses zu sichern." Präsident Weizmann versicherte, daß jeder Eingriff in die individuelle Freiheit vermieden werden würde. Namens der Arbeiterparteien wurde erklärt, daß sie sich jedem Versuche, ihnen die Führung eines religiösen Lebens aufzuzwingen, mit allen Kräften widersetzen würden und das Recht auf die Einbeziehung religiöser Fragen in den Kompetenzbereich des zionistischen Kongresses aus das entschiedenste bestreiten. Diese Erklärung wurde von ihnen auch auf die von Dr. Chajes vorgeschlagene Resolution bezogen. Die Linke enthielt sich der Abstimmung. Damit war der Zwischenfall erledigt. 8. Organisation. Der Kongireß hat eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, welche das Gefüge der OrganisatiE auf eine andere und nach feiner Meinung Ilcherere Basis stellen sollen. Die Aeniderungen in der Organisation detreffen vor allem! dasl Aktiouslkomit.ee, das -nach den Beschlüssen der vorjährigen Jahresko-nferenz in London ein unförmlicher Apparat war, mit dem nichts Rechtes angefangen werden konnte. Der Kongreß hat dahier beschlossen, das Aktionskomitee Widder auf die frühere Zahl von 25, allerdings mit einer entsprechenden Anzahl wu Erfatzlnännern, zu reduzieren. Eine Neuerung bildet die Gründung des sogenannten Zentralrates, dem u. a. ganz besondere. Befugnisse dahingehend ein geräumt wurden, indem er mit % Majorität das Recht hat, die Exekutive abzinberufen. Eine fernere Neuerung bedeutet die Schaffung eines Finanz- und Wirtsichastsrates G'r zionistischen Organisation, der aus 3 bis 7 Mitgliedern besteht "ud zur Prüfung aller wirtschaftlichen und finanziellen Fragen berufen ist. Drei von diesen Mitgliedern haben Sitz und Stimme w der Exekutive; im Aktionskomitee und Zentralrad haben sie die gleichen Rechte wie die Mitglieder der Exekutive. Jur Zusammenhang mit der Organisation wurde auch die Frage der Stellung der zionistischen Beamten besprochen. Diese haben sich zu einer Organisation zusammengeschlvssen, uim ihre Rechte zu vertreten und insbesondere eine feste Grundlage für ihre Anstellungsverhältnisse zu erlangen. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, künftighin sämtliche neu zu besetzende Stellungen aiuszuschreiben und die Wahl öffentlich bekanntzugeben. Ferner wurde beschlossen, sämtlichen Beamten, einschließlich der Mitglieder der Exekutive, die Verpflichtung aufzuerlegen, soweit sie dies noch nicht können, innerhalb eines Jahres die hebräische Sprache zu erlernen und bei Neuanstellungen die Kenntnis der hebräischen Sprache zu fordern. — Die Poale Zion benutzten die Gelegenheit zu einer recht deplacierten Demonstration für das Jiddische und verlangten, daß sämtliche Beamte auch die jiddische Sprache beherrschen müßten, lieber diesen Antrag ging man zur Tagesordnung über. 9. Die politischen Resolutionen. Dre Wühlen. Schlutzsitznng. Ungemein schwierig gestalteten sich die Verhandlungen über die politischen Fragen. Zn der politischen Kommission gab Professor Dr. Weizmann einen genauen Ueberblick über die Verhandlungen und legte der Kommission auch einen großen Teil des Materials vor. Stellenweise waren die Beratungen sehr bewegt, insbesondere in der Frage der Legion und der Frage des High Commissioners. Das Ergebnis der Beratungen bestand in neun Resolutionen. Sie behandelten die Stellung zur Balfour-Deklaration, forderten eine rasche Bestätigung des Mandates, gaben der Hoffnung Ausdruck auf eine bessere Grenzregelung, insbesondere bezüglich des Ostjordanlandes, protestierten gegen die Verhetzung des arabischen Mobs und gegen die Pogrome und verlangten eine gerechte, entschiedene Politik gleicher Rechte und gleicher Pflichten für alle Bevölkerungsteile lind gaben dem Wunsche nach einer aufrichtigen Verständigung mit dem arabischen Volke unter uneingeschränkter Wahrung der Balfour- Deklaration Ausdruck. Weiter wurde die Wirksamkeit des Jischuw in Erez Israel begrüßt, die Heranziehung des Waad haleumi zur Mitarbeit von der Leitung der zionistischen Organisation verlangt, sodann die Entsendung von Delegierten nach Palästina, London, Genf und Washington zwecks Wahrung der jüdischen Interessen und Führung der erforderlichen Verhandlungen beschlossen. Ferner wurde, eine die Minoritätsrechte betreffende Resolution angenommen, welche die ganze politische Arbeit in den Galuth-Lündern als einen integrierenden Teil der zionistischen Arbeit an sieht, aber sie in die Kompetenz der Landesand Sonderverbände verweist, die auf diesem Gebiete selbständig und von der Leitung der zionistischen Organisation unabhängig sind. Bei der Abstimmung über die Balfour-Deklaration und die Entsendung von Delegierten enthielten sich die Poale Zion und die Zeire Zion der Stimme. Gegen die Resolution über die Minoritätsrechte stimmte ein Delegierter, Herr Jean Fischer. Die Poale Zion beantragten nach Annahme der politischen Resolutionen, noch die nötigen Schritte zur Einberufung eines jüdischen Weltkongresses zu unternehmen. Es wurde sodanu beschlossen, an das jüdische Volk ein Manifest zu richten, dessen Entwurf von dem Dichter R i ch a r d Be e r - Hof m 'g n n stammt, der den Kongreßverhandlungen mit lebhaftestem Interesse beiwohnte: ins Hebräische wurde der Aufruf von dem Dichter Bialik übersetzt. Präsident S o k o l o w hielt sodann eine Protestrede gegen die Pogrome. Schließlich wurden in später Nachtstunde die Wahlen auf Grund der Vorschläge des Permanenzausschusses vorgenommen. Sie ergaben bei Stimmenthaltungen des Misrachi und der Poale Zion für die Exekutive die Annahme folgender Liste: Dr. Chain: Weizmann, Präsident der zionistischen Organisation, Nahum So ko low, Präsident der zionistischen Exekutive, Menachem U s si sch k i n , Dr. M. Eder, Wladimir- I a b o - t i n s k y , Richard L i ch t h e i m , Leo M o tz k i n , Dr. Ni. Solow e j t s ch i k, Professor Dr. Hermann Pick, Josef Cowe n , Bernhard R o s e n b l a t t, Dr. Arthur R u p p i n , Josef S P r i n z a k. — Sitz der Exekutive ist London. Ein Teil der Exekutive bildet die zionistische Kommission i-n Palästina; die Wahlen in die übrigen zionistischen Körperschaften wurden unter allseitiger Beteiligung des Kongresses vorgenommen. Die Schlußsitzung gestaltete sich wiederum zu einer sehr imposanten Kundgebung. Insbesondere ist die von glühendem

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