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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-30 · Heft 20 (30.9.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 20 (30.9.1921)
Date
1921-09-30
Page
Seite 2 (sequence 12)
Language
German
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2 L. Breslau, 23. Septelltber. In hex unbängst abaeh-alkuten Sitzung der Ne p r ä se nt ante nve r sam m lang ehrte man »btt# Ableben des verstorbenen ehenmliigen Vorstaudsntitgliedes M u g d >a n durch Erl'-elien von den Plätzen. Danach erfolgte die Einführung des Amtsgerichtsrats Dr. Nechnitz aus Beuchen O.-S. als Verlvaltungsdirektor und Syndikus bei der hiesigen Gemeinde. In der Dankrede für seine Wahl führte Tr. Nechnitz unter anderem aus, der Oberlandesgerichtspräsident habe uns die Nachricht von feiner Wahl> zum Verlvnltnngsdirek'tor und Syndikus der Breslauer Gemeinde ihm mitgeteilt, daß seine Ernennung znnr Oberlandesgerichtsrat im Gange sei. Trotzdem habe er es vor gezogen, seine richte rlichie Tätigkeit zngn-itsteit derjenigen bei der Breslauer Gemeinde aufzug-eben. Hierauf bewilligte mau einmalige Beihilfen: der jüdischen Arbeiter für sorge in Breslau 3900 Mark, für die notleidenden Juden in der Ukraine 3000 Mark, dem jüdischen M'jä>dchenhort in Breslau zwecks Unterbringung von Kindern in Segeberg 1000 Mark, dem ober schlesischen H'itfÄv-erk 1000 Mark, -dem jüdischen Schwester nheiitt in Breslau 10 ooo Alark, für Umbau inr Schlvesternheinr Ki'rsch-Dlllee 33 zur Einrichtung einer Wohnung für Tr. Nechnitz 58 000 Nbark. Die Platzkartenpreise für die Abte und Neue Sy-nagoge lvurden um je 100 Prozent und für die Zweiggottesdienste gestaffelt um 100 bis 300 Prozent erhöht. Die Gebühren für die nett einzuführende Gr-abdenklnalprüfnug lind -abnahme lrerden wie folgt festgesetzt: bei einem Kostenpreise bis zu 800 Ätark gleich 0 Prozent, bis zu 5000 Mart gleich 3 Prozent, bis zu 10 000 Mark gleich 4 Prozent, bis 30 000 Mark gloich 6 Prozent, bis 50 000 Abart gleich 10 Prozent, von mehr als 50 000 Mark gleich 15 Prozent. Nachträglich bewilligte man 34 000 Mark für Instai\h]etzttngsnrbeiten in der Neuen Synagoge und 54 430 Mark für den llintati der dortigen Orgel. In der geheimen Sitzung beschloß man unter anderein, dem bisher iaeu ersten Gemeiiidesekretär Glaser den Titel Bureaudirektor zu verleihen. M. Hamburg, 23. September. Der 7 0 j äh r i g e Ge b u r t s - tag des O b e r r a b b i n e r s Tr. L e i m d ö r f e r gestaltete sich zu einein Festtag für weite Kreise unserer Gemeinde. Bereits am Borabend fand in der festlich geschmückten Menen Dammtor-Synagoge ein Festgottesdienst statt. Sein Amtsbruder, Herr Dr. Sonderling, gab ein treffendes Bild der so erfolgreichen, fast 40jährigen Tätigkeit des Jubilars an der Hamburger Gemeinde, «der heute in der Vollkraft seines Wirkens steht. In ergreifenden Worten erflehte der Redner den Segen Gottes für die weitere Arbeit des Geistlichen, dem der Allgütige 'Kraft und Stärke verleihen möge, damit er noch lange Jahre wirken möge, zum Wohle seiner Familie, zum Segen seiner Gemeinde und zum Segen der gesamten Judenheit. Am Festtage stlbst fand der Festgottesdienst im Tempel statt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Außer den Vertretern des Gemeinde- Vorstandes loa reu auch viele Abordnungen der einzelnen Gemeindeinstitntionen erschienen. Nach ehrenden Ansprachen an den Jubilar verkündete Herr Dr. Sonderling von der Kanzel, daß Vorstand und 'Repräsentanten einstimmig beschlossen haben, Herrn Dr. Leimdörfer zum Oberrabbiner des Tempelverbandes zu ernennen. In bewegten Worten sprach hierauf der Jubilar seinen Dank aus für alle ihm so reich erwiesenen Ehrungen. Die Feier stand im Zeichen hoher künstlerischer Betätigung. Oberkantor Kornitzer hob durch Entfaltung seiner prachtvollen Stimmittel beim Bortrag der Gebete die Weihe der Stunde. Die Tochter des Jubilars, die unter dem Namen Agnes Lenbach bekannte Opernsängerin, vertiefte durch ein künstlerisch vollendetes Solo im Gesang vor der Predigt die Bedeutung der Feier für die beglückten Eltern. In der Wohnung des Herrn Dr. Leimdörfer fanden sich dann später Abordnungen des Borstandes und vieler Bereinigungen ein, die Glncklv un schab ressen und Ehrengeschenke überreichten. Bon den Freunden des Jubilars nmrde ein bedeutender Betrag für eine Stiftung gezeichnet, die seinen Namen tragen und deren Zweck er bestimmen soll. Auch hervorragende Personen aus nichtjüdischen Kreisen erschienen persönlich oder übersandten ihre Glückwünsche. Die Wohnräume glichen bald einem Blumengarten, die Zahl der aus allen Gemeinden Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns eingegangenen Glückwilnschtelegramme betrügt viele Hunderte. Die Freunde versammelten sich am Abend um den Jubilar zu einem Festabend int Logenheim. M. Hamburg, 23. September. H ermann G u m p e r tz, einer der führenden Persönlichkeiten der gesetzestreuen Juden Deutschlands, beging seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist nicht nur in vielen Institutionen unserer Genieinde in der Verwaltung tätig, sondern gehört auch dem Vorstand des Hilfsvereins, des Nabbinerseminars in Berlin, der Jüdisch - Literarischen Gesellschaft usw. an. Die Stemthal-Loge in Hamburg hat ihn in diesem Jahre zum Präsidenten gewählt. Hermann Gumpertz genießt weit über die Hamburger Gemeinde hinaus den Nus als bedeutender Talmudist. Er studierte unter Oberrabbiner Altmann in Karlsruhe Talmud und erhielt dort die Autorisation zum Rabbiner?. Trotzdem wandte er sich aber dem Kausmannsbernf zu, kam im Jahre 1879 von seiner Vaterstadt Frankfurt a. Al. nach Hamburg, wo er sich die letzten Jahrzehnte ganz seinen wissenschaftlichen Forschungen widmete. Im Jahre 1900 wurde er von dem unvergeßlichen Oberrabbiner Hirsch zum Dajan ttnb Nabbinatsverweser ernannt. An seinem Ehrentage erschienen u. a. Herr Rabbiner Dr. M. Hildesheimer (Berlin) mit einer Abordnung des Borstandes des Nabbinerseminars, die nebst einer Glückwunschadresse auch ein Poranches überreichten, das zur Ehrung des Jubilars in der Seminarsynagoge in Berlin seinen Platz haben soll. Auch andere Bereinigungen überreichter^ Adressen und Ehrengeschenke. Hermann Gumpertz gehört auch zu den Gründern des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, dessen langjähriger Vorsitzender er war. Möge dem Jubilar, der sich um das Geistesleben unserer Gemeinde sehr verdient gemacht hat, noch ein langer Lebensabend veschieden sein. or. Nordhausen, 23. September. Das d u n k e l st e Blatt in der Geschichte der Judenunserer alten, alten Stadt bildet die schwere Verfolgung zur Zeit -des Schwarzen Todes. Tie Pest, die damals ganz Europa verheerte, wurde den Inden zur Last gelegt. Daß die J-nfektionskei.me 'im Wasser vorhandenseien, ist eine lieberzenguing, die zwar -auch dein Mittelalter geläufig war, nur das; man glaubte, dieses Wasser sei künstlich vergiftet worden. Natürl'ich suchte ma>n nach hm Urhebern dieses vermeintlichen, Bvrb!rechens nnfo verfiel dabei aus die Juden, die weint für ein beauemes AG leitnngsobjekt des Bolkszornes hielt, um. so mehr, als sie sich nickst wehren konnten, und so mit. ihre Versoilgu-ug ohne Gefahr für den süßen Pöbel verbunden war. Charakteristisch für die Denkweise der damaligen Zeit ist ein Brief, den während der Pest von 1439 Landgraf Friedrich der Strenge von Thüringen», Markgraf von Meißen, an den Rat der Stadt Nordhausen schickte. Ins Neuhochdeutsche übertragen kantet der Brief so: „Ihr Nnts-meister und Rat der Stadt Nordhausen! Wisset, daß lvir alle unsere Inden haben Verbrennelt lassen, soweit unser Land reicht, der großen Schuld wegen, die sie der Christenheit getan haben, indem sie sie mit Gift töten wollten, das sie in alle Brunnen geworfen haben. Darum raten wir euch daß ihr eure Inden töten laßt, Gott zu Lob und Ehre und zur. Seligkeit der Ehristenheit. Damit sie die Christen nicht schwächen'können. Wollte einer darum wider euch klagen, so wollen wir euch vor unserem Herrn dent Könige und vor allen Herren das abnehmen. Auch wisset, daß lvir Herrn Heinrich Suoze, unseren Vogt von Salza, zu euch senden; der soll eure Inden der vorgenannten Schuld anklagen, die sie an der Christenheit, getan haben. Darum bitlen wir euch fleißig, daß ihr ihm dazu helft. Das wollen wir zu eurem Besten. Gegeben zu Eisenach aut Sonnabend nach Walpurgis unter unserem Siegel. Friedrich." L. Mainz, 23. September. Der hiesige Kaufmann Herr Mhrtill Joseph, Gärtnergass-e 30, schreibt uns: Während meines Aufenthaltes art der russischen Front im Weltkriege mußten lvir int Sommer 1916 in der Stellltng einen Brunnen graben. Auf etwa 5 bis 6 Meter Tiefe kam frisches, klares Wasser. Da ich gern frisches, Wasser trank, versuchte ich -es. Nach dent Gertufse hatte ich das Gefühl, als ob ich eilte starte Arznei getrunken hatte.. Ich war bis zu diesem Zeitpunkte, seit 13 Jahrelt, krank. Die Aerzte erklärten mich als unheilbar neurasthenisch. Während eines Aufenthaltes in Amerika vor damals 13 Jahren hatte ich mir einen heftigen Anfall von Malaria zugezogen. Trotz sorgfältiger Behandlung wurde das Leiden schlimmer. Nachdem ich lange gedoktert und alle möglichen Heilquellen und Methoden versucht hatte, gab man tnir den Rat, nach Etlropa zll meinen Eltern zu reisen. Ich gelangte im Februar 1912 zurück und fragte die ersten Autoritäten für Nerven und innere Krankheiten um Rat. Trotz gewissenhafter und genauester Untersuchltngen konltteu sie die Ursache meines Leidens nicht entdecken. Ich wurde stets al-7 der eingebildete Kranke angesehen. Ich war trostlos. Bei Kriegsausbruch wurde ich Soldat und war froh, bald an die Front zu komllten, weil ich hoffte, daß vielleicht eine feindliche Kugel beut

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