Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 20 (30.9.1921)
- Date
- 1921-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229502--76415-3289008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SS. Jahrgang. Nr. 20 Der Oemeindebote. Berlin, 30. September 1031 Beilsge zur „Allgemeinen Leitung dezs Judentums. lkorrespondrn?en und Nachrichten. DrutschlänL. &&& Berlin, 27. September. Das Kuratorium der H o ch s ch u t e f ü r d -i e Wissenschaft des I u d -en t u m s sendet uns das Verzeichnis der Vorlesungen im Wintersemester 1921/22. Herr Tr. B a e ck wird lesen: 1. NtidrasckMmngen, 2 Stunden. Dienstag <S—10; 2. Homiletische Hebungen, 2 Stninden. Freitag 8—10; 3. Besprechung moderner religiöser Literatur, 1 Stunde. Mittwoch 8--9 abend. Herr Professor Tr,. Banety wird lesen: 1. Mischna: N'zikin, 2 Stunden. Sonntag 10—12; 2. Vab. Talmud: Baba Kamma, 4 Stunden. Montag, Donnerstag 9—11; 3. Tur und Schulchan Aruch Jvre Tea, 2 Stunden. Mittwoch 9—11; 4. Tie Einrichtungen einerjüdischen Gemeinde, 1 Stunde. Montag 11—-12; 5. Der jüdische Kalender, 1 Stunde. Donnerstag 11—12. Herr Professor Tr. E l b o g e n wird lesen: 1. Einleitung m die Wissenschaft des Judentums, 2 Stunden. Dienstag, Freitag 10 11; 2. Geschichte der Heden im neunzehnten Hahr hundert, 1 Stunde. Mittwoch 8 9 abends: 3. Altjüdische Trauergebräuche im Anschluß an Moed gaton 111, 4 Stunden. Montag, Donnerstag 8-- 10; 4. Literatur und Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, 2 Stunden. Montag, Donnerstag 10—11; 5. Hebräische Gejchichtsquelleu, 1 Stunde. Freitag 9 - 10, Herr Professor Dr. Guttmann wird lesen: 1. .Die religiösen Grundgedanken -des Judentums, 2 Stunden. Mittwoch, Freitag, 10—11; 2. Einführung in die jüdische Philosophie des Mittelalters, 1 Stunde. Dienstag 8—9 abends; Hebungen zur Ethik der Gegenwart, 2 Stunden. Freitag 9—11. 4. Lektüre des Sr Adonai von Ehasdai Krestas, 2 Stunden. Dienstag 11—1; 5. Lektüre ethischer Texte für Anfänger, 2 Stunden. Dienstag 9 11. Herr Dr. Torezyner wird-lesen: 1. Israel und Aegypten. Dienstag 8—9 abends; 2. Jesaia, 3 Stunden. Ntontag, Donnerstag, Freitag 12—1; 3. Diepentateuchischen Gesetze unter besonderer Berücksichtigung der hebräischen Bibeltvmmentare, 3 Stunden. Ntontag, Donnerstag, Freitag 11—12; 4. Hebräische Stilübnngen, 1 Stunde. Donnerstag 10—11. Herr Dr. F r e u n d wird lesen: Die staatskirchenrechtliche Stellung des Judentums in Deutschland nach der neuen Reichsverfassung, 2 Stunden Mittwoch 6—8 abends. In der Präparandie werden wie bisher Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik, Mischna, Talmud und das Gebetbuch von den Herren Dr. B a r o l, Dr. Grünthal und Dr. Rosenthal laut Anschlag am schwarzen Brett gehalten werden. Außerdem finden an den Montagen vom 15.. November bis 18. Dezember 1921, abends 8 Uhr, einige Gastvortrüge in hebräischer Sprache über „L i t e r a t n r n n d W i s s e n s ch a f t der Juden O st e u rvPa s" durch namhafte hebräische Schriftsteller statt. Näheres, über die Abendvorlesungen und die Gastvorträge wiro noch bekanntgemacht. Alle Vorlesungen und Hebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung, des Wintersemesters erfolgt Montag, 31. Oktober, 11 Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegeiums, Herrn Professor Dr. Guttinann, am Dienstag, 1., Mittwoch, 2., und Freitag, 1. November, 12-1 Uhr, im Sprechzimmer der Hochschule. Berlin, 27. September. Ans dem Wlmf-che heraus, die Tätigkeit der P r o vinzialk a s s e n der D e ii t s ch e n Z e n - t r a l st e l l e f ü r j ü d i s ch e W a n d e r a r m e n s ü r s o r g c neu zu beleben, ebenso die Wiederanfnahme der während des Krieges und seiner Folgezeit etwas locker gewordenen Fühlungnahme mit den Ortskassen, den benachbarten Prouinzlallassen und der Deutschen Zentralstelle, hatte die Provinzialkasse H a n n v v e r zunr 4. September t921 an ihre Nlitglieidertassen sowie an die Nachbartassen Bremen, Magdeburg und Kassel eineu dies bezüglichen Ausruf ergehen lassen. Diesem Rufe haben die Eingeladenen bereitwillig Folge geleistet und in einer anregend verlaufenen Versammlung, ist dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den Mitgliedern der Kassen und ihrer Zentrale zu erfreulichem Ausdruck gelangt. Mit 3tücksicht ans die große Bedeutung dieser Beratung für die fünftico Gestaltung der Ostjudensürsorge waren von der Deutschen Zentralstelle der Vorsitzende Herr Sanitätsrat Dr. Wreschner sowie der Generalsekretär Herr Dr. Wilhelm 91c um aitn, vom Generalsekretariat des Arbeitersürsorgeamtes Herr Tr. Werner Senator erschienen. Auf der Tagesordnung stand die Besprechung der Grundsätze für die praktische Handhabung der Abfertigung. Diese soll unter Benutzung des wertvollen, in der Diskussion zutage getretenen Materials gemäß den reichen Erfahrungen der Vergangenheit den neuen erweiterten Aufgaben der Organisation angepäßt werden. Der von dem Vorsitzenden in der Generaldisknsston gewährte breite Spielraum bot ausgiebig benutzte Gelegenheit, das im Vordergrund des Interesses stehende Ostjndenprobtenr im Zusammenhänge mit den Ausgaben, die den Provinzialkassen gemäß ihrer engen Verknüpfung mit dem Arbeitersürsorgeamt zufallen, zu erörtern. Tie interessanten Ausführungen, die besonders Herr Dr. Senator in dieser Beziehung machen konnte, fanden allseitige Zustimmung und ihren Niedersckstag in der Annahme einer Resolution, die die Notwendigkeit des Ausbaues der Provinzialkassen, wo keine Arbeiterfürsorgestellen bestehen, zu Zentralstellen der politischen und sozialen Hilse, insbesondere für die ostjüdischen Flüchtlinge, ausspricht. Die Provinzialkassen sollen in analoger Weife wie die Arbeitersürsorgestellen den Schutz, die Arbeitsbeschasfnug und die soziale Fürsorge für die ostjüdischen Arbeiter übernehmen. Diese neue Ausgabe der Proviiizialkassen kann und soll gemäß den Intentionen des Arbeitersürsorgeanites ansgeübt werden. Die versammelten Vertreter empfahlen einstimmig die moralische und finanzielle Unterstützung der beiden Berliner Zentralen des Arbeiterfürsorgeamtes und der Deutschen Zentralstelle und des von ihnen gemeinsam verwalteten Ostjndenhilfefonds. -- Das in Hannover begonnene Reorganifationswerk soll in einer Mitgliederversammlung der Deutschen Zentralstelle, die unmittelbar nach den Feiertagen in Berlin stattsinden soll, weiter durchgeführt werden. r. Breslau, 23. September. Am 15. d. Nt. fand im Repräsentantensitznngssaale der Gemeinde eine vom Vorstände einberufene Versammlung, statt, in der über Mittel und Wege beraten werden sollte, um die Auslösung der Industrieschule für israelitische Mädchen, deren Bestand gefährdet ist, zu verhüten. Herr Rabbiner Dr. Bvgelfteiu schilderte die Lage der seit 120 Jahren segensreich wirtenden Pflanzstätte, betonte ihre erzieherische und-kulturelle Bedeutung, insbesondere für diejenigen Kreise unserer Gemeinde, die ihre Kinder aus bestimmten Gründen nicht in die allgemeinen Schulen zu schicken gesonnen sind, wie für die zahlreichen Kinder der Ostjnden, die sonst dem Spotte, Hohn und der' Geringschätzung ausgesetzt sein würden und antisemitische Neigungen fördern könnten. Er dankte ferner dem Lehrerkollegium für seine hingebende Arbeit, das ungeachtet der schwierigsten Verhältnisse ausgeharrt, und forderte zu Vorschlägen auf, wie die Erhaltung der Schule zu ermöglichen wäre. In der darauf folgenden Aussprache, an der sich der Leiter der Anstalt, Herr Lehrer Moops, Herr Justizrat Gumpert, Sanitätsrnt Dr. Staub, der derzeitige Präsident der Lessing-Loge, Dr. Freyhan, und Fräulein Münz rege beteiligten, erkannte man allgemein die dringende Notwendigkeit an, den Fortbestand der Schule zu sichern. Die vorgeschlagene Resolution: Die Versammlung beschließt eine Werbetommission einzusetzen mit der Ausgabe, Mittel zur Erhaltung der Anstalt für eine Reihe von Jahren zu gewinnen, wurde einmütig angenommen. Aus Anregung von Justizrat Gumpert bildete sich sofort unter Vorsitz von Sanitätsrnt Dr. Staub eine Kommission, die ans 30 Personen erhöht werden soll, um alsbald die Werbetätigkeit zu. beginnen. Im Verlaufe der Debatte machte Rabbiner Tr. Vogelstein auf Anfrage die Mitteilung, daß auch unsere'Gemeindebehörden die Erhaltung der Schule als Notwendigkeit betrachten und aus die jetzt eiuznleitenden Schritte bereits früher hingewiesen haben. Wie wir erfahren, .wollen auch ehemalige Schülerinnen der Anstalt, deren eine Anzahl hier und auswärts in angesehenen Stellungen lebt, tan nächsten Sonnrage f'i den Räumen der Lessing-Loge Zusammenkommen, um auch ihrerseits für den Fortbestand der Schule tatkräftig mitzuwirken.