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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-30 · Heft 20 (30.9.1921) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 20 (30.9.1921)
Date
1921-09-30
Page
Seite 233 (sequence 9)
Language
German
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-233 Kossunenklang. R o f ch h a i ch a nah 5 6 8 2. vsannenklang aus unserer Vorzeit Tagen. Da aus Morija noch der Tempel stand, Sei Gottesruf, zu Höhen uns zu tragen, Wo von der Schuld der Mensch Erlösung fand! Posaunenklang! — Du sollst als Kampfruf klingen, Den Feind zu zwingen, der im Herzen wacht, Und rüste uns, auch mit d e m Feind zu ringen. Der uns voll Haß verlästert und verlacht. Posaunenklang! — Erwecke neues Hoffen Aus Glückestrümmern und aus Grab und Not, Und halt' uns weit des Himmels Tore offen Für besserer Zeiten lichtes Morgenrot. Gelsenkirchen. S. K a tz. Der Fall Lerjack. (3 Forts.) Von Lydia Auerbach. ine Gruppe, welche untereinander verhandelt hatte, trat an denRabbiner heran: „Wir müssen unsretten," sprachen sie, einer den anderen inuner unterbrechend, „was sollen wir Ule leiden für einen schlechten Menschen! Wir wollen' nicht. Wir haben genug zu leiden ohne das neue Nebel. Der Rabbi muß hin zum Staatsanwalt. Er muß ihm sagen, wir geben ihn preis, den Jsaschus, er ist 'n Wüterich und hat den Jungen erstochen. Wir wollen zahlen Buße an den Staat, an die Eltern, an die christliche Kirche, nur soll er 'n anklagen auf Totschlag, auf Mord aus Wut; hängen soll er 'n lassen, aber den Ritual soll er zurückziehen, der Staatsanwalt, den Ritual soll er zurückziehcn!" Viele Umstehende riesen: „Gott sei's gedankt, ein Weg zur Rettung! Rabbi, tut's, tut's gleich!" Der Rabbiner wehrte mit beiden Händen ab, doch sie bestürmten ihn. Da trat David Rvsenbanm vor seinen Oheim. „Ruhe!" donnerte er, „feiges Volk! Ihr wollt das Volk des Heiligen Israels sein? Ihr wollt Bekenner sein des mächtigen Gottes, der uns führte durch das Meer, uns einst siegen ließ im Kampf um Palästina? Ihr wollet rühmen euch als Davids Stamm, als Sprossen von den Makkabäerheldeu? Meint ihr, der Christen Achtung zu erwerben, wenn ihr vor ihnen wie die Hunde kriecht? Nach Westen blicket hin auf unsre Brüder! Frei leben sie in ihrem Vaterlande, mit warmem Herzen und mit milder Hand für alle, die bedürftig sindder Hilfe; kein Unterschied trennt Bürger dort von Bürger. Erfüllt vom Geist der Allgemeingesetze, treu der Regierung, der sie untertan, stehen sie in Reih und Glied mit allen anderen, ein gleiches Heimatrecht verbindet alle. Und ihr? Gesondert lebt ihr von dem Volk, mit dem ihr eins sein solltet durch Geburt. Im vierten, fünften Gliede schon entstaininet dem Lande ihr, das ihr eure Heimat nennt, und eurer Ahnen Liebe zu der Scholle, die sie gebar, vererbte sich auf euch. Doch auch die scheue Furcht habt ihr geerbt, in welcher die gemeinen Menschenhetzer, die ihres eigenen Gottes Namen schänden, sie niedevhielten und Ul Boden drückten. Nun werft sie ab, die Angst vor Söldnerscharen! Zertretet jetzt die Ritualmordlüge! Nicht bitten geht, kein Leisetreten fordert, reißt das Gewebe durch, das schlaue Bosheit um euch gewunden hat seit alten Tagen. Es handelt sich hier nicht um den Jsaschus. Es handelt sich darum, vor aller Augen den Kopf der gist'geu Schlange zu zertreten, den bösen Wurm Verleumdung zu vernichten. Wenn ihr den Mut habt, wird das Volk euch achten, wird Haß und Scheelsucht nicht inehr Boden finden!" Die Gesichter erhellten sich, die Gestalten strafften sich; Rufe erschollen: ' „Recht hat er! Heil dem Ewigen! Wir wollen wie die Makkabäer sein! Wir wollen uns eine Heimat erkämpfen! Das Land, in dem wir sind geboren, soll uns ein Vaterland sein!" Da entstand tosender Lärm auf der Straße; dröhnende Schläge hallten gegen die Tür: „Oeffnen!" schrien die Außenstehenden. „Was tun?" drängten die innen Weilenden sich um David. „Die Tür öffnet sich nach außen," rief dieser, „ich schiebe den Riegel zurück, alle auf einmal strömen wir hinaus. Die draußen fallen zurück, mein Ohm, der Rabbi, hält sich als letzter und schließt zu." So geschah es. Durch den Ausfall nach außen entstand ein wildes Tohuwabohu. Johlendes Volk schrie: „Steckt die Buden an! Schlagt das Judenpack nieder! Nehmt ihre roten Füchse weg!" Die Juden jammerten: „Pogrom! Pogrom!" Ein Trunkener packte einen Juden: „Wo habt ihr" — schrie er — „den unverschämten Lümmel versteckt, den nichtsnutzigen? Her mit dem Balg!" „Der ist ja ins Leichenschauhaus gekommen," wimmerte der Angegriffene. „Was? Tot? In den zwei Stunden tot? Du lügst!" „Soll mer Gott bewahren zu lügen ins Gesicht von der lebendigen Wut." Der Strolch schlug ihn nieder. „Hallo!" schrie einer, „da ist der Alte. Der muß den Schlüssel rausgeben vom Tempelschatz." In einem Augenblick war der Rabbiner von Rowdies umringt; ihn deckende Juden wurden zurückgestoßen oder verprügelt. „Hütet euch!" riefen einige, die von den sie umklammernden Armen verhindert wurden, zu Hilfe zu eilen, „wir sind Engländer!" „Wissen wir," höhnten die anderen, ,-darum schützen wir Sie ja, daß Sie nicht ins Unglück rennen!" Neben dem Rabbi stand ein junger Jude. „Zu Hilfe! Se morden den Rabbi!" schrie er, ohne seinerseits einen Finger zu rühren. Da riß ein Mädchen ihn zur Seite; es >oar Miriam, Rabbi Jehudas Tochter. „Feiger Max!" rief sie, „hole wenigstens einen Mann." Wie aus dem Boden gewachsen, stand David neben ihr. Nock) bevor er eingreifen konnte, triumphierte ein Schuft: „Ich Hab' den Schlüssel! Laßt den Alten los! Kommt! erst ausrauben, dann anzünden!" Ihnen voran eilte David, er und andere Mutige drängten sich zuerst durch die geöffnete Tür, wandten sich und stürzten den Angreifern entgegen. „Benja, einen Stock!" rief David, seinen Bruder erblickend. Der Knabe hatte einem Manne unter Anwendung seines alten Kunstgriffes, leinen Faustschlag auf den Oberarm, einen Revolver entrissen. Er hielt ihn schußbereit hoch, ries: „Keinen Schritt weiter oder ich schieße!" und warf seinem Bruder seinen mitgebmchten Knüppel zu. „Verfluchter Schwindler," schrie der Trunkene von vorher, „sagt, der Bengel ist im Leichenschauhaus." Ungezählte, Knüppel erhoben sich in die Luft: „Den Revolver weg, du Kröte! Den Durchgang sreigeben! Mir nach! Der Judentempel ist voll Gold!" schrie es von da- und dorther. Benjamin gab einen Schuß ab, die Waffe mit gerade emporgestrecktem Arm in die Höhe haltend. David wandte sich M ihm und entriß ihn: den Revolver. Polizisten, welche dein Tumult schon geraume Zeit in einiger Entfernung beigewohnt hatten, ohne einzugreifen, kamen heran. Einer von ihnen rief: „Juden zurück! Wollt ihr Ruhe geben! Habt ihr noch nicht genug Unheil angerichtet! Wer nicht pariert, wird festgenommen." Scheinbar bemüht, Ruhe stiften )u wollen, zogen die Polizisten gegen die Juden. Das Volk johlte. Da erschien Leutnant Saurier. „Mannschaft: Rücken gegen die Häuser kehren!" .kommandierte, er, Front gegen die

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