Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 20 (30.9.1921)
- Date
- 1921-09-30
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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--- 228 (Hainburg) wieder-, foivie Geheirner Rat Xu ne und Rechtsanwalt Braubach (Berlin) neugewählt. In den A n s s ch u sz iverden neu gewählt: Professor Ban m g a r t e n (Kiel), Hauptpastor Melden (Bremen), Senator Friedrich (Lübeck), Hermann H a >m m e r s ch l a g (Harnbrirg), Georg Hart in a n n (Berlin), Lehrer K o s l e r (Dresden), Generalmajor a. D. Dr. Freiherr von S ch ö n - a i ch (Hamburg), Syndikus Dr. S ch w e e r (Halle), Studienrat Tr. S t ü m e r (Magdeburg), praktischer Arzt Dr. W n l d st e i n (Hamburg), Verwaltungsdirektor Dr. Weigt (Hannover). Zum Schluß fordert der Vorsitzende Dr. Gothein aus, tüchtig für unsere Ideen zu arbeiten, ähnlich wie es die Gegner tun. Er schließt: „Arbeiten Sie mit uns, seien Sie opferwillig und unterstützen Sie mit aller Kraft unsere Bestrebungen!" * Der Frankfurter Katholikentag. In wohltuendem Gegensätze zu dem Münchener deutschnationalen Parteitage stand der am 28. bis 30. v. M. in Frankfurt a. M. abgehaltene Katholikentag. Einer der Redner, Dr. Ludwig Nieder (München-Gladbach), verlas dort voller Entrüstung das gemeine Gedicht, das zur Ermordung Wirths und Rathenaus ausfordert. Der Redner bezeichnete das Absingen eines solchen Liedes als einen Rückfall in die schlimmsten Landknechtsroheiten und bemerkte dazu: „Der r asfenhasf ende Anti se m i t i s m u s i st d u r ch und durch u n k a t h o l i s ch und u n ch r i st l i ch! Möge der Gemeinschaftsgeist des deutschen Volkes für alle Zeiten auch in den einfachsten Dolkskreisen für immer solche Roheiten verbannen!" Das Schmutzgedicht ist kurz vor der Ermordung Erzbergers auch von der deutschnationalen „Schwarzwälder Volkswacht" in Schramberg verbreitet worden. Griesbach, wo Erzberger ermordet wurde, liegt nicht weit von Schramberg. Auf dem Katholikentage traten auch zwei Redner auf, die sich früher häufig schriftstellerisch und rednerisch in antisemitischem Sinne betätigt hatten, der Wiener Schriftsteller Dr. Josef E beite, der „über die katholische Presse der Gegenwart" sprach, und der Bischof Ottokar Prohaszka -von Stnhlweißenburg in Ungar ns, der einen Vortrag über „Freiheit, Autorität und Kirche" hielt. In dem sehr ausführlichen Berichte der „Germania" finden wir in dem Vortrage Dr. Eberles nicht die geringste Bezugnahme auf den Antisemitismus oder die Judenfrage. Rach dem „Berliner Tageblatt" hat der Bischof Prohaszka die sozialen Kämpfe unserer Zeit als ein Machwerk der jüdischen Presse und den B v l s ch e w i s m u s als ein P r o - d u f1 russisch-jüdischer Literatn r hingestellt. In denn ausführlichen Bericht der „Germania" finden wir diesen Passus ' nicht. Der Bischof hat also offenbar, mit seiner antisemitischen Entgleisung nicht den Beifall vieler Teilnehmer gefunden. Antisemitische Kundgebungen vor der Wiener Börse. (Telegramm des „Berliner Tageblattes".) Wien, 20. September. Vor dem Börsengebände fanden heute mittag Demonstrationen statt, die von antisemiti scher Seite arrangiert worden waren. Etwa 1000 Personen rotteten sich zusammen und brachen in Drohungen und Beschimpfungen gegen Börsenbesncher und einzelne Leute aus. Einige wurden insultiert und mißhandelt. Die Polizei zog einen Kordon um das Gebäude -und zerstreute schließlich die Demonstranten. Diese zogen in die umliegenden Straßen und zertrünunerten die Fenster mehrerer Wechselstuben und Börsenkontore. Eine Deputation begab sich zum Chef der Staatspolizei und forderte die Schließung der Börse, was von diesem abgelehnt wurde. Er erklärte, die Polizei tue alles, was sie gegen die Auswüchse des S'peku lauten tn-ms machenkönne. * Die Notwendigkeit einer jüdischen Universität für Budapest. Aus Budapest wird uns geschrieben: Im September beginnt an den ungarischen Hochschulen das neue Schuljahr. An der medizinischen Fakultät der Budapester Universität ist'die Zahl der für die ersten Semester inskribierbaren jüdischen Hörer laut dem nunierus clausus auf 30 — 26 männliche und 4 weibliche Hörer — festgesetzt. In früheren Jahren, im alten Ungarn, Pflegte die Zahl der erstjährigen Hörer dieser Fakultät 1400 zu betragen, von denen 800 Israeliten waren. Statt 800 jüdischen Hörern wirddiesmal um 30'Hörern der Zutritt gestattet — und das nennt man die Lehr- und Lernfreiheit. Die jüdische Presse Ungarns, die sich neuerdings mit dieser Frage befaßt, wirft wieder die Frage einer jüdischen Universität für Budapest auf, die wir schou vor zlvei Jahren als die einzige Lösung .dieser Frage betont haben. Seither ist der Frieden voll Trianon ratifiziert, und dieser Frieden bietet mit seinen Verfügungen über die Minoritätsrechte der Nationen und Konfessionen auch den Juden die Möglichkeit, eine eigene Universität zll errichten. Hierfür silld alle Vorbedingungen vorhanden, lind es kalm keinem Zweifel unterliegen, daß eine solche Universität alsbald zu den bestenanerkanntesten Lehrinsti tuten nicht nur Ungarns zählen würde. Nichts fehlt zilr Verwirklichung dieses Planes als Geld. Das ungarische Jndent.mn, das wohlhabende Judentum des Auslandes werden hoffentlich ihre Pflicht erkennen lmd auch dessen eingedenk sein, loas sie den es neu so schweren Existenzkampf ansfechtendell Juden des heutigen Ungarns schulden. & Lord Balfour und die Araber. Die „Jewish Times" („Die Zeit") in London berichtet unter dem 11. September folgendes: v Biusa Kasim-Pascha-el-Husseini, Präsident der Delegation der palästinensischen Araber, die nach England gekommen ist, um die Ansprüche der Araber geltend zu machen, machte einem Pressevertreter folgende Mitteilung: Die arabische Delegation hat sich nach Genf begeben, um Mr. Arthur Balfour, den ehemaligen englischen Premierminister, der im Namen der englischen Regierung die historische Deklaration, die unter der Bezeichnung „Balsour-Deklaration" bekannt ist, zu sprechen und ihm die. Forderung zu unterbreiten, Palästina den Zionisten nicht abzutreten. In Genf hat Mr. Balfour, dem wir unsere Forderungen zu übergeben suchten, kategorisch nbgelehnt, uns zu empfangen. Er ließ sich nicht sprechen, mied uns und ließ nn§ durch seinen Sekretär sagen, wir möchten uns doch an den Führer der Zionisten, Dr. Weizmann, wenden. * Zu den bevorstehenden heiligen Festtagen Rosch Haschanah und Jom Kippur entbieten wir unseren Lesern die besten Wünsche. Nicht bloß dem einzelnen, sondern der Gesamtheit! Die jüdische Gesamtheit, die in dem nun zu Ende gehenden Jahre so unsäglich gelitten, möge erstarken mtb für all die traurigen Erlebnisse, Schmähungen und Verfolgungen, die sie so reichlich erfahren, Trost und Beruhigung in der alten prophetischen Verkündigung finden: „Ich gebe euch wieder Tage, wie ihr sie einst gekannt, denn meines Wortes Verheißung ist ein treues Unterpfand." Lur Dsnte-Gellenkkeier. ante Alighieris Name undWerk ist von so universeller Bedeutung, daß keine Kulturgemeinschaft an der Feier der 600jährigen Wiederkehr seines Todestages stillschweigend vorübergehen darf. Die Freunde der jüdischen Kultur werden bei dieser Erinnerung sich durch das Bewußtsein starker gegenseitiger Beeinflussung besonders gehoben fühlen. Bei Erwähnung dieser Beziehungen denkt der Leser zunächst an den Dichter Immanuel ben Salomo ans Rom, der seit mehreren Generationen in der Literatur als „Freund Dantes" dargestellt wird. Man stützt sich hierbei aus zwei Paare von Sonetten, in denen Dante zu Immanuel in Beziehung gefetzt wird. Nach Dantes Tode wechselte Bosone da Gubbio mit Immanuel Sonette, in denen der Schmerz um das Hinscheiden Dantes in Zusammenhang gebracht wird mit der Wehklage um den gleichzeitigen Tod einer Immanuel sehr nahestehenden Frau — nicht seiner Gattin, wie man fälschlich angenommen hat. In einem zweiten Paar von Sonetten, die zwischen Bosone und dem Dichter Eino da Pistoia nach Immanuels Tode ausgetauscht wurden, wird der Verlust des gemeinsamen Freundes beklagt und ihm als Ungläubigen ein Platz in der Hölle, freilich an der Seite Dantes, Angewiesen. Von unmittelbaren persönlichen Beziehungen oder gar einer Freundschaft zwischen Immanuel' nnd Dante ist in diesen