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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-16 · Heft 19 (16.9.1921) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 19 (16.9.1921)
Date
1921-09-16
Page
Seite 224 (sequence 10)
Language
German
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224 - „So war's! So muß es sein gewesen; «aller wir sind verloren, weil sie's drehen -anders rum." „Er hat doch aber gerufen „Rabbi, ich war's nicht." „Was einer ruft, wenn er «schon fühlt den Strick um den Hals." Einer, der noch kein Wort geäußert hatte, winkte seinem Bruder; sie zogen sich in eine Ecke zurück. „Schweig still," sagte der erste, „wenn ich geh' raus, so tu, als sichst de's nicht. Ich eil' heim, pack' zusammen die Scheine, ne-him' die zwei Beutel, und wir gehen noch die Nacht über die Grenze. Du gehst vorweg, gleich von hier und warbst, bis ich komme." „Sie werden uns gerad lassen durch." „Wenn man dich hört, sollt' man meinen, du bist nicht mein Bruder. An der Grenze heißen wir Hiltan oder Taschkant oder sonst wie." „Sind sie blind, die Grenzwächter, daß sie nicht können sehen mit ihre Augen, daß wir heißen Isaak?" „Haben fe nicht Hände, die Grenzwächter, un«d fünf Finger an jede Hand, daß sie können fassen 100 inländsche Schilling, zu täuschen ihre Augen?" „Und die Pässe?" „Der Peter Lanßern «setzt das Geschäft von seinem verstorbenen Vater fort. Kostet pro Stück 30 Schilling. Geh, in 'ne halbe Stunde «mach ich mer unsichtbar." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. ----- Josef Meis-l: Geschichte der Juden in Rußland und Polen. 1. Band. Berlin 1921, Schwetschke u. Sohn. Es ist merkwürdig, mit welchem offenen Blick Meist die Geschichte eines Volkes, einer BoNDgung überschaut, undwie er die hauptsächlichen Ereignisse herauszuarbei-ten versteht und so die Linien der Entwicklung und ein Gesamtbild herausarbeitet. In seinen beiden Werten, sowohl in der „Haskalah: Geschichte der Anfklärungsbewegung unter den Juden in Rußland" (Berbin 1919) wie in obigem Werke, legt Meist ein Zeugnis von seinem Können ab. Wenn auch verschiedene Vorarbeiten schon vorhanden gewesen sind, so hat doch Meist in seiner Geschichte einu'al den richtigen Faden gefunden, der durch dieses Labyrinth von Mühsal und Leiden, von Anschauungen und Bewegungen, von Kämpfen und Erfolgen führt. Wie er diesen Faden fortführt und um ihn die Geschichte der späteren Teile gruppiert, werden die späteren in Aussicht stehenden Bände zeigen. Deshalb kann man auch heute ein abschließendes Urteil über das Ganze noch nicht geben; auf jeden Fall bietet er uns Westjuden viel Neues und manches, was« wir zur Beurteilung der Geschichte der deutschen Juden benötigen. Anderseits sehen wir auch den gewaltigen Unterschied in der Auffassung des „Judentums", der sich eben in allen Teilen der Geschichte wider spiegelt: während nur bei der Geschichte der deutschen Juden mehr die Geschichte einer religiösen Gemeinschaft und ihrer Schicksale haben, ist im allgemeinen die Geschichte des russischen Judentums die Geschichte einer Nation, einer Einheit inmitten der Vielheit. Im ersten vorliegenden Bünde behandelt Meist die Geschichte der Juden in Polen bis zu den Teilungen und parallel damit auch das Schicksal der jüdischen Splitter in den Gebieten des inneren Rußlands. Sfr. * „Tie Arb eilt", Zeitschrift des Deutschen Landesverbandes Hapoel Hazair, Berlin N 24, Angnststraße 17. Das dritte Heft des laufenden Jahrganges, das soeben erschienen ist, ist dem Zivnistenkongreß und der gleichzeitig in Karlsbald stattsi übenden zweiten Weltkonserenz des Weltverbandes Hapoel Hazair Zeire Zion gewidmet. In dem einleitenden Artikel „Kriegoder Verständigung" setzt sich Robert Weltsch mit dem Plan der Gründung einer Jüdischen Legion in Palästina auseinander. Er tvendet sich mit Entschiedenheit gegen diesen Plan und gegen die Denkungsart, welcher er entsprungen ist. In dem Aussatz wird mit Nachdruck gefordert, daß die Zionistische Organisation eine Politik der Berständigung gegenüber den Arabern führe und.! keinerlei- Anlaß gebe, an der Ehrlichkeit einer solchen Politik, die allein dem wahren Wesen des Zionismus entspricht, zu zweifeln. — Der Programmfrage des Hapoel Hazair gelten drei Aufsätze von Georg Landauer, Rudolf Samuel und Robert Weltsch. Darin wird das Programm einer auf Pioniergesinnung beruhenden politischen Bewegung untersucht und eine Programmformulierung im Sinne der Idee des Pioniertums und des konstruktiven Sozialismus gefordert. — Besonders bemerkenswert ist ein Artikel von Dr. Siegfried Beruf.eld über den Begriff der soziäl'isiifchen Erziehung. Bernfeld legt darin in sieben ausführlich begründeten Thesen die Grundforderungen dar, welche eine sozialistische Gruppe an jede Erziehung stellen muß. — Eine Anzahl von Glossen zu den Tagesereignissen beschließt das reichhaltige Heft. *** ffiiidjrrrinlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Negierungsassessor Karl Lemberg, Referent am Finanzamt in Oppeln: 1. Lehrbuch des Erbschafts- und Schenkungssteuerrechts. Preis 5 Mark. 2. Lehrbuch des Grnnderwerbssteuerrechts. Preis 3,50 Mark Breslau 1921, I. A. Kerns Verlag (Max Müller). Die Geschichte des Veteranen- und Militärvereins „Kampsgenossenschast" in Göppingen 1871- 1921. Eine Festschrift zur Feier seines 50jährigen Bestehens von Dr. A. Tänzer, Göppingen 1921. Monatsschrift für Geschichte u n d Wissenschaft des Judentums. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. L. Heinemann. Heft 4—6, April—Juni 1921. Breslau, Kölln er sche Verlagsbuchhandlung. Jakob K l a tz -k i n : Hermann Cohen. Mit einem Bildnis von Hermann Cohen nach einer Radierung von Hermann Struck. Zweite, erweiterte Auflage. Preis drosch. 16 Mark, geb. 21 Mark. 1921 Jüdischer Verlag. Berlin. Albert Kah: Israels Feste und Gedenktage. Betrachtungen. Preis gebunden 14 Mark, mit Leinenrücken 15 Mark. Verlag von Gustav Engel, Leipzig 1921. Schriften des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, Heft 11: Ostjuden in Deutschland. Philo-Berlag, Berlin SW. 68. 1921. Lprrchlaal. Im Anschluß an den Artikel: „Wagner und Meyerbeer" von S. Meisels (Nr. 18 dieses Blattes vom 2. September 1921) dürfte folgende Notiz, die ich in meinen Exzerpten fand, von weiterem Interesse fein: ° . Adolf Frey schreibt in seinen „Erinnerungen.an Gottfried Keller" (Leipzig.1892): „Er (Gottfried Keller) fühlte sich von Richard Wagner abgestoßen, weil dieser, ein großer und berühmter Herr geworden, der materiellen Hilfe seiner Züricher Freunde sich nicht inehr erinnerte." Undankbarkeit war ein charakteristisches Merkzeichen Richard Wagners. Es gibt viele — wie Keller —, die den K ünstle r mißachten, wenn.in ihm nicht echt Menschliches wurzelt. Magdeburg, 4. September 1921. . Sp. * Die Tuberkulose unter den jüdischen Kindern hat durch die Not der Zeit einen erschreckenden Umfang angenommen. Der Verein „Weibliche Fürsorge" hat anläßlich seines zwanzigjährigen Bestehens die Absicht, eine Aktion zur Bekämpfung dieser verheerenden Krankheit zu unternehmen. Unsere langjährigen Erfahrungen weisen sowohl ans die Notwendigkeit der Behandlung der Erkrankten als auch der Prophylaxe in den Familjen hin. Es gehören dazu erhebliche Mittel, zu deren Aufbringung wir uns an das Verständnis und die Warmherzigkeit aller jüdischen Frauen und Männer wenden. Für den Vorstand der weiblichen Fürsorge: Bertha Pappenheim, Vorsitzende. Therese F r e i m a n n , stellvertretende Vorsitzende. Lina K a n d e r , Kassiererin. Spenden erbeten an „Verein weibliche Fürsorge", Postscheckamt Frankfurt a. M. Nr. 5980.

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