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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-16 · Heft 19 (16.9.1921) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 19 (16.9.1921)
Date
1921-09-16
Page
Seite 221 (sequence 7)
Language
German
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mit dem Strome schwimmen lernte", entledigte sich frühzeitig der drückenden Fessel morsch gewordener Ueberlieferungen und begab sich nach der freien Schweiz, um frei und ungehindert dem inneren Drang nach Wissen und Bildung folgen zu können. Er studierte mit gutem Erfolg an den Hochschulen zu Gens und Bern sowie seit 1871 mehrere Jahre an verschiedenen Universitäten in Deutschland, wo er auch, von Keinen Frühgedichten abgesehen, mit Berichten aus einer Sanitätskommission, die der deutschen Armee beigegeben waren, seine schriftstellerische Tätigkeit begann. Nach Veröffentlichung einiger Erzählungen und politischer Broschüren, die die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich lenkten, wirkte er 1874 als Redakteur des „Freischütz" in Hamburg, von 1875 bis 1877 als Chefredakteur der fortschrittlichen ,-Dresdner Presse" in Dresden, seit Dezember 1877 bis 1896 als Redakteur und von 1897 bis 1912 als Chefredakteur des „Berliner Börsen-Couriers". Seit 1913 ist er Leiter der von ihm begründeten Zentralstelle für den Fremdenverkehr Groß - Berlins, die als eine der angesehensten Institutionen der deutschen Metropole geachtet wird. Damit ist die Tätigkeit des Jubilars, um dessen vielseitiges Wissen und große Belesenheit ihn so .mancher Ltterarprofessor beneiden könnte, noch nicht erschöpft. Er ist, wie unser unvergeßlicher Gustav Karpeles, mit dem ihn innige Freundschaft verband, sich über ihn einmal äußerte, „einer der begabtesten und Produktivsten deutschen Schriftsteller: eine stets wachsende, nie versagende Quelle". Außer seinen unzähligen Theaterkritiken, die noch in aller Erinnerung sind, möchten wir heute von den vielen Schriften, die aus seiner Feder flössen, nur seine Reisewerke „Nordland", „Westindien" usw. nennen und, ohne sie einzeln namhaft zu machen, an die zahlreichen Broschüren, längere und kürzere Abhandlungen erinnern, die er in jüdischen und nichtjüdischen Zeitungen auch zur Erörterung jüdischer Angelegenheiten und zur Bekämpfung des Antisemitismus — 1879 bis 1881 stand er im dichtesten ■ Kampfgetümmel — veröffentlicht hat. Erwähnt sei auch seine tätige Anteilnthme bei der Begründung verschiedener Vereine zur Förderung jüdischen Lebens in Berlin und zur Restaurierung des Judentums im Deutschen Reiche, wie insbesondere seine glänzende Rednergabe, die er wie in den Dienst der Allgemeinheit mit größter Bereitwilligkeit auch in den der jüdischen Literaturvereine stellt. Seit dem Hinscheiden seines Freundes Gustav Karpeles nimmt er auch regen Anteil an der Leitung des Berliner Litcraturvereins, in dessen Vorstand er bis vor kurzem das Amt eines zweiten Vorsitzenden bekleidete, gehört seit einer Reih; von Jahren dem geschästsführenden Ausschuß des Verbandes der Literaturvereine an und bekundet sein Interesse für dessen Bestrebungen ganz besonders dadurch, daß er alljährlich für die Publikation des Verbandes, das Jahrbuch, die politische Jahresrevue schreibt. Der Reorganisator des Judentums nach der Zerstörung des zweiten Tempels, Jochanan den Sakkei, sagte einmal zu seinen Jüngern: „Gehet hin und sehet zu: welches ist der gute Weg, an dem der Mensch festhalten soll?" Von den verschiedenen Antworten, di; er erhielt, gefiel ihm am besten die folgende: ein gutes Herz. Isidor Landau hat von seiner frühesten Jugend an an diesem guten Wege festgehalten.' Mögen ihm in geistiger und körperlicher Frisch; und Rüstigkeit noch viele arbeitsfrohe Jahre beschieden sein, zur Freude seiner seinsinnigen Gattin und Kinder und nach dem innigen Wunsche seiner zahlreichen Verehrer und Freunde, die traurig sieht es hier aus! Ja — die Menschen, die ich dort gesehen habe, tragen noch voll Stolz ihrer großen alten Ueberlieserung Rechnung, aber cs sind ja nur noch Ueberbleibsel der früheren blühenden jüdischen Gemeinden! Welche Denkmäler einstiger Größe sind da vorhanden! Prachtvolle, geräumige Synagogen, weiträumige Schulhäuser, aber alles ziemlich verödet. Nur di; Friedhöfe, sic sind leider vollzählig belegt, die Grabstätten zählen nach Hunderten. Gegenwärtig wird der wunderschön gelegene, weite, alte Friedhof in Mühringen in Ordnung gebracht; die Wiederherstellungsarbeiten erfordern natürlich beträchtliche Mittel, die von der kleinen Gemeinde allein nicht aufgebracht werden können. Trotzdem geht man mit Mut und unter beträchtlichen persönlichen und anderen Opfern an das Werk. Mögen doch ’ Interessenten und Wohltäter sich finden, die hier tatkräftige Unterstützung gewähren! Insbesondere ist es doch wichtig, dies; Fundgruben der geschichtlichen Wissenschaft zu Isidor Landau. ihn schätzen und lieben und ihm als Geleitwort für den neuen Lebensabschnitt ein herzliches „Ad meah schau ah" zurufeu A. K. Brief aus dem SchWgrHwaM. Bon E. iS n p e l l (Wiesbaden). nordstetten,' Horb! Wie vertraut klingen der fühlenden Seele diese Namen! Schöne Wochen habe ich diesmal im Schwarzwald zngebracht, und all.die lieben Auerbachschen Gestalten, die mir von früher Jugend an lieb sind, stehen vor meiner Seele. Wo die Heyerle grüßt mich freundlich von dem Horber Ktosterberge, und Barfüßele wandert neben mir nach Ehringen und Ahldorf; auch erscheint es mir im Moosbrunnenwalde, der ja heute nur Brunnenwald heißt, Neben dem schönen Schloß in Mühringen erjcheint mir das freundliche, weißblonde Tonete mit seinem heißen Blut, .und der Tolpatsch nimmt traurigen Abschied von der geliebten Heimat. Aber auch mein jüdisches Interesse findet in dieser Gegend Nahrung. Aber traurig, bitter

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