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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-02 · Heft 18 (2.9.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 18 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 dentist, bei den Hinauswurs Oesterreichs aus dein Deutscher: Bunde nie verwinden konnte, schwor wiederum auf Bismarck, den Hinausschmeißer. Und dem .gab er auch wieder recht, denn wiederanschliehen an Deutschland wollte er nur 'das slawensreie Deutsch-Oesterreich. So erhob der körperlich gewaltige Mann einst die flatternde Fahne und die dröhnende Stimme gegen die Deutschliberalen, die sich mit den gegebenen Tatsachen absanden und Oesterreich zum deutschen Staate machen wollten.. Die Selbstlosigkeit dieser Liberalen ging aber doch nichit so weit, daß sie nicht Gegendienste für ihre Kapitalinteressen genommen hätten, und so erhielt das rein alldeutsche Programm Schönerers neben dem antisemitischen Einschlag, der der „Verjudung" der Liberalen galt, auch jenen Tropfen sozialen Oels, der Schönerer für das allgemeine Wahlrecht eintreten ließ und ihm die Anhängerschaft der jungen deutschdemokratische'n Akademiker Lueger und Pernerstorfer verschaffte. Aber Schönerer war ein Selbstherrscher, und da er nicht nur „Los von Juda", sondern auch „Los von Rom" befahl, gab es> bald Trennung von allen rot- oder schwärzlich-sozial Gesinnten. Neben jenen „Unverfälschten Deutschen Worten", deren jede Nummer mehrmals wegen Hochverrat konfisziert wurde, und in der man trotzdem, behaglich schmunzelnd, die Brieskastennoltizen über „Franz Joseph Schrattinger" genoß (weil die Schauspielerin Schratt des Kaisers wahre Lebensgefährtin war), entstanden des Dissidenten Pernerstorfer „Deutsche Worte", in der ein gewisse'r „Tischler" Arbeiterfragen besprach; es war der Schulkamerad Dr. Viktor Adler. Inzwischen hatte Schönerer seinen Adel und sein Mandat verloren und etliche Monate gebrummt, weil er die Todesnachricht und die Würdigung des alten Wilhelm im „Tagblatt" durch einen blutigen Sturmangriss aus die Redakteure gerächt. Der große Kampf gegen Badenis Sprachenverordnung sah ihn wieder in: Parlament, und eine ganze Obstruktionssitzung ging draus, als Schönerer auf das tschechische „ano!" (ja) und „ne!" sein „Oh‘Yes!" setzte, das der Präsident nicht als landesübliche Sprache anerkennen wollte. Bitteren Schmerz erlitt das Führerherz, als es Jung-Siegsried, Karl Hermann Wolf, und seine Mannen, sozusagen die ganze Partei bis aus die Paladine, strafweise „entdeutschen" mußte. Und als Schönerer 1906 gar mit den polnischen Junkern und den -deutschen Bourgeois vereint gegen das gleiche Wahlrecht kämpfte, .gab es kein Mandat mehr für ihn. Jetzt ist der unverfälschte Jrredentist dahin. Unverfälscht? O „völkische Schmach", da d>er alte Börsenjude Alexander Scharf in seinem MontagsblM der Gattin Abstammung in monatelangen Fortsetzungen auf den guten alt Schmul Loeb Kohn zurückführte. Der Jrredentist mußte sterben — in einer Zeit, wo die deutsche Jrredenta eine weit stärkere Förderung, erfahren hat, als sie der breitschulterige, stiernackige Bierbauch jemals erträumt hat. Voll Aah und jfern. Der Ber b a n d r u s s i scher I u d e n i n D e u t s ch land gewährt unter anderem dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen eine monatliche Subvention von 10 000 Mark und dem Jüdischen Arbeitsamt eine -ebensolche Subvention von 3000 Mark. Der Verband begründete ferner ein Hilfskomitee zugunsten der hungernden jüdischen Kinder-in Südvußland. Dem Komitee gehören Senator Margolin, der Historiker Wischn i tz e r und andere an. — Unter dem Namen „Jüdisches Künstlertheater" hat die neue Direktion G a l e e n - G o t t o w t, di>e an: 1. September im Theater in der Komma ndan t e n st r a ß e ihre Tätigkeit begiinnt, die bekanntesten jüdischen Schauspieler zu einem Ensemble vereiniigt, um die eigenartilge Kirnst dieser Darsteller in Berlin zu zeigen. — Der bekannte Kapellmeister Eduard Levy, Dirigent an der Berliner Jüdischen Reformgemeinde, ist nach kurzer schwerer Krankheit gestorben und am 29. August unter Beteiligung weiter Kreise aus dem Friedhof in Weihensee zur letzten Ruhe bestattet worden. Die Trauerrede hielt Herr Prediger Dr. I e l s k i. — Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde widmet -in der August- Nummer des „Gemeindeblattes" dem am 16. Juni in hohem Alter verstorbenen Herrn Bernhard B e h r e n s solgen-den ehrenden Nachruf: „Mehr als ein Vi>erte>ljäh!rhun!dert gehörte er der Waisenkommission Uinserer Gemeinde an. In stcler Hilssbeveitsschast und vorbildlicher Hingabe hat er sein Amt versehen, bi,s ihn sein hohles Alter zwaing, -der ihm li-eib -geivordenen Tätigkeit zu entsagen." Der Dahing>eschiedene, einer alten deutsch-jüdischen Familie -entstammend, wirkte mit der gleichen Hingabe auch in verschiedenen Vereinen! und Wohillfah'rts'eiinrichtu'ngen und erfreute sich überlall -des. größten Ansehens und wohlverdienter Wertschätz-ung. Alle diejenigen, die diesen edlen Mann kannten, werden ihm ein treues Gedenkelt bewahren. — die Zionistische Organisation in Danzig intervenierte beim Sekretär des Völkerbundes Colban in Angelegenheiten der 'in Danzig wohnenden Ostjuden, die von Ausweisung bedroht sind. Der Sekretär versprach, sein möglichstes für die Verbesserung ihrer Lage zu tun. — Aus Breslau wird berichtet: Unter dem 5. August hat der hiesige Regierungspräsident der Ortsgruppe Breslau des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nntgeteilt, daß der Herr Minister des Innern, Dr. Dominicus, die ihm vorgetragenen Fälle über VMstigungen und MißhandbunMn jüdischer Mitbürger durch Mitglieder des SMstschutzes zum Anlaß genommen habe, den hiesigen Polizeipräsidenten aus diese Vorfälle unmittelbar hinzuweisen und ihn uim energische Gegenmaßnahmen zu ersuchen. Diese seien getroffen. — Bei einem Automobilunfall ist Kommerzienrat Ladewig, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Chemnitz, ums Leben .gekommen. — Kürzlich ging die folgende Mitteilung uinwiiderspröchen diurch die Presse: Eine Mnchener Faurilie hatte einen sechs Wochen .alten Knaben au.s Wien .an Kindesstatt mcenonrmen. Minister Poehner wollte das Kind — als lgefähMchen.und lästi.gen Ausländer aus Deutschland ausweisen. Das Kind lv.ar nämlich ein Jude. und ein -hoher Polizeibeamter soll den salomonischen Ausspruch >getan habm: „Wenn wir das Kind he rein lassen, wächst es heran und. kann in zwanzig Jahren ein — Kurt Eisner sein." Nur mit Mühe konnte die Aufhebung dieser- Ausweisung durchgesetzt werden. — Die "Universität München will, nach einem. Beschluß der Mehrheit des Studentenausschusses, beantragen, die! Hochschulkreise Bayerns sollen sich .aus dem Verbände der reichsdeu.t.schen Stüdentenscha.st lösen und für sich Autonomie verlangen, weil die reichsdeut sche Studenten schlaft in Erlangen das Kultur - nnd nicht das Rassenprinzip zur Bestimmung der duu>tschen Nationalität herangezogen habe. — Herr Gabriel Paßmann in Krefeld «feierte anr Tischa bealb seinen 91. Geburtstag. Der Jubilar ist l«angjähriig.er Vorstand der dortigen Kippe Machne Jehnda und Vorstand,snritglied der Chewr-a Kädi.scha. — Auls Eisenach wird geschrieben: Dr. Arthur Di nt er protestiert in den ihm nahestehenden Zeitungen gegen das Gerücht, er sei wahnsinnig ACHTUNG HAUSFRAUEN! gelangt nur in den bekannten gelben Paketen in den Handel, niemals lose. Dasselbe ist heute unentbehrlich zur Herstellung wohlschmeckende, nahrkräftiger und leicht verdaulicher Speisen für Kinder, Kranke und Genesende. Kochbüchlein kostenfrei erhältlich. Deutsch* Maizena Gesellschaf t, Hamburg 15, Maizena-Haus J. Tauentzienstrasse 18, btrgtrrsiE;e Hofphotograph K.Olby Teppichreinigirng und -aufvewahrung Desinfektion Ungeziefernnd Mottenvertilgung E. R. Koy & Co. G.m.b.H., Berlin NW 21 Bundesratufer 5. Fernruf: Moabit 5464 und 7599. TEE CEYLON - INDIEN - CHINA - JAVA. In Originalpaketen! Ordo-Tee-Company, Berlin W57. Rührige Vertreter allerorts gesucht! OPDOI TEE mm

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