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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-02 · Heft 18 (2.9.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 18 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der Halle vor. Am Abend vereinte ein Festmahl die zahlreichen Festteilnehmer. Herr G>eneraldirektor Ossenberg führte ans, daß die Badedirektion und die Gemeindeverwaltung in Kudowia sich alle Mühe gälben, den jüdischien Kurgüisten den Ausenth,alt so angenehm w>ie mö-g- (lich zu machen. Etwa 65 Prozent der Kurgäste seien jüdischen Glaubens, aber die Zahl von Bes,chw>erden' jüdischer Kurgäste, welche arr die Direktion gelangensei.gering'. Ta>rans müsse man schließen, daß die jüdischen Kurgäste sich in Kudowa wohilsühilen, unibi es werde nach wie vor sein Bestreben sein, alles zu tun, was den jüdischen Kurgästen den Aufenthalt in Kudowa.angenehm m»ache. Deshialb werde auch die Chewra, wenn sie -einmal daran gehen werde, eine würdige Synagoge ztr errichten, die tatkräftigste Unterstützung der Gemeindebehörden finden. Herr Rabbiner Ellgnther gab die Ernennung des bisherigen Vorsitzenden Dr. Josef Schlesinger zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden der Chewra bekannt. r. Breslau, 26. August. Nach kurzer Krankheit verschied am 23. d. M. ein hochangesehener Bürger unserer Stadt und Gemeinde, der Erste Vizepräsident der Breslauer Handelskammer und Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Handelsrichter David Mugdan. Geboren am 22. Juni 1840 zu Kempen (Provinz Posen), kam er im Alter von 15 Jahren nach Breslau, mit sich denr kaufmännischen Berufe zu widmen. Scho bald, nachdem er sich als Getreidehändler selbständig gemacht hatte, errang er sich in der hiesigen Kaufmannschaft eine so angesehene Stellung, daß er mit 38 Jahren in die Breslauer Handelskammer gewählt wurde. 43 Jahre lang, bis zu seinem Heimgange, hat er dieser Körperschaft angehört, und daß er hier eine bedeutende Rolle spielte, beweist die Tatsache, daß er im Jahre 1903 zum zweiten Vizepräsidenten gewählt und im Jahre 1915 mit dem Amte des ersten Vizepräsidenten der Kammer betraut wurde. Aus Vorschlag der Handelskammer wurde er auch in den Breslauer Eisenbahnbezirksrat entsendet und zum Handelsrichter beim Breslauer Landgericht -ernannt. — Als um die Wende dieses Jahrhunderts der Riesenkonkurs der Reederei Vereinigter Schisser die Oeffenillichkeit in Breslau in höchste Aufregung versetzre, wurde Handelsrichter Mugdan mit dom ehrenvollen, jedoch überaus schwierigen Amte der Konkursverwaltung betraut und nach der Rekonstruktion dieses Unternehmens wurde er zu dessen Direktor gewählt, welchen Posten er bis zur Auslesung der Gesellschaft innehatte. — Im Ehrendienst der Stadt Brest, aut hat er sich , da ihn die Bürgerschaft immer wieder wählte, länger als ein Vierteljahrhundert als Stadtverordneter bestätigt, und zwar bis zu der infolge der Revolution ein getretenen Auflösung' dieser Körperschaft. Um den Heimgang dieses tüchtigen, selbstlosen, und pflichttreuen Mannes trauert neben der Breslauer Bürgerschaft ganz besonders unsere jüdische Gemeinde, die in ihm einen ihrer treuesten und besten Söhne verliert. — Zur Beisetzung, die gestern erfolgte, hatte sich in der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes in der Lohestraße eine zahlreiche Trauerversammlung eingefunden, darunter Oberpräsident Zimmer, Oberbürgermeister Dr. Wagner, die Stadträte Leß und Dr. Landsberg nebst zahlreichen Stadtverordneten, Handelskammerpräsident Dr. Grund und Handelskammersyndikus Dr. Fr-eymarck sowie eine stattliche Anzahl von Mitgliedern der Handelskammer; auch Landgerichtsrat Geh. Justizrat Dc. Fiedler, Vorsitzender der IV. Kämmer für Handelssachen, nebst vielen Handelsrichtern war erschienen und zahlreiche Vertreter der Synagogengemeinde und der Vereine, denen der Verewigte angehörte. Nach einer stimmungsvolllen musikalischen Einleitung hielt Rabbiner Dr. Hoffmann die Trauerrede. Er würdigte die Verdienste des Verstorbenen, seinen gerechten Charakter und sein kluges, umsichtiges Wesen: Eigenschaften, die ihm als Privatmann wie 'im öffentlichen Leben eine hochgeachtete Stellung verschafft haben. Als Vertreter der Handelskammer widmete deren Präsident, Stadtrat Dr. Grund, dem Verstorbenen warme Worte des Nachrufes und schilderte die großen Verdienste, die er sich um das Wirtschaftsleben unserer Stadt, und Provinz erworben hat. Im Aufträge der Israelitischen Krankenverpslegungsanstalt /und Beerdignngsgesellschaft sprach dann noch Rittergutsbesitzer Dr. Paul S ch o t t l ä n d e r und rühmte dem Verewigten nach, daß er trotz seiner zahlreichen ehrenamtlichen Stellungen seine unermüdliche Tatkraft mehr als 36 Jahre in den Dienst der Verwaltung dieser Wohlfahrtsanstalt gestellt hat. Nach den Trauerreden wurde der mit Kränzen reich bedeckte Sarg zur letzten Ruhestätte getragen. 22 Frankfurt a. M., 26. August. Die Stadt Frankfurt a. M. veranstaltet in der Zeit vom 5. September bis 15. Oktober 1921 einen sechswöchigen Kursus für ehrenamtliche und nebenamtliche Mitarbeit in der Jugendwohlsahrtspslege, für Lendas Ministerium dos» Innern Unterstützung zugesagt hat. Der Kursus beginnt mit der Einführung in das Verständnis der kindlichen Natur'und der Entwicklungsjahre sowie der daraus sich ergebenden Erzieyungs- und Fürsorgefragen. Darauf folgt die praktische Einführung in die Arbeitsgebiete der Jugendwohlsahrtspslege. Als Ort der Tagung ist die „Wegscheide", die Kindererholungsstätte der Frankfurter Kinderhilse, . vorgesehen. „Wegscheide" liegt 400 Meter hoch im Spessart, in der Nähe von Wächtersbach, das auf der Hauptbahnlinie Frankfurt a. M.—Bebra zu erreichen ist. Ein ausführliches Programm ist im Wohlfahrtsamt Frankfurt a. M., Saaligaffe 33, zu haben. Die Teilnehmerkarte für den Kursus beträgt 50 Mark; Wohnung und volle Verpflegung aus' der „Wegscheide" täglich 15 Mark. Anmeldungen sind an das Wohlfahrtsamt. Saalgasse 33. zu richten. F. T. Saupheirn (Württ.), jm August. Hier starb im patriarchalischen Alter von 86 Jahren der Besten und Edelsten einer, unser Glaubensgenosse Victor Heinrich Steiner. Hoch geachtet in Stadt nnd Bezirk, erfreute sich der Entschlafene allfeitiger Liebe und Verehrung. Cr gehörte Jahrzehnte hindurch als Obmann dem Bürgerausschuß an, war über 25 Jahre ehrenamtlich Aussichtsrat bei der Städtischen Gewerbebank. Um den Leseverein „Concordia", dem er, «in selbstloser Weise und immer aus. dessen Hebung bedacht, 50 Jahre lang diente, erst als BWiothekar, dann als Vorstand, erwarb er sich viele Verdienste. Herr Steiner war auch unser Lokaldichter, und seine Gedichte bildeten allemal die Glanznummern bei den früheren Königsfesten. Es gingen ihm darob viele Dank- und Anerkennungsschreiben von höchster Stelle, aus der Hoskanzlei des Herrschers zu. Ein unübersehbares Gefolge begleitete den Entschlafenen zur letzten Ruhestätte. Nach dem Stadtrabibiiner sprach Herr Rechtsanwalt Löwigard für die „Concordia", Herr Stadtschultheiß Schick für die Mwerbebank. Beide Herren legten in dankbarer Verehrung Lorbeer kränze an der Bahre nieder. Die Gedenkworte aller drei Redner klangen darin ans, daß der Entschlafene in Stadt und Gemeinde unvergessen sortleben wird. Polen. H. W. Posen, im Augiust. Die durch den jähen Wandel in unseren politischen Zeitverhältnissen eingetretene Lebensänderung hat auf das jüdische Gemeinwesen in unserer Provinz eine verheerende Wirkung ausgeübt. Das religiöse Leben verliert zusehends an Bedeutung und innerem Halt. Vor der polnischen Umwälzung hatte die Provinz Posen 23 Rabbiner im Amte. Nach und nach verlassen die Seelsorger den Ortihrer bisherigen Tätigkeit und mühen sich um eine Stelle in den jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches. Einigen Flüchtlingen ist es bisher gelungen, eine Existenz für die Ihrigen, wenn auch mit geringerem Einkommen, zu finden. Die Zusammengehörigkeit wird in den verwaisten Gemeinden den traurigen Umständen nach gelockert und das Weiterbestehen stark gefährdet. So zum Beispiel hatte die Gemeinde Wreschen zu einer Zeit 864 Seelen; durch die rapide Auswanderung ist die Zahl auf kaum 40 gesunken. Die zurückgebliebenen Steuerzahler vermögen nicht die religiösen und Wohltätigkeitsinstitute in der Gemeinde zu erhalten. Wie traurig ist es um die Jugend, den Religionsunterricht entbehren zu müssen. — Schwere seelische Erschütterungen haben die Zustände im besetzten Gebiete zuwege gebracht. In Ehrenämtern ergraute Männer wurden von der städtischen Verwaltung ausgeschaltet. Gemeindeführer verfassen durch Zwang die Heimat, an der sie mit ganzem Herzen hängen. In Jarotschin starb der Kaufmann Herr Simon Pietrkowski „ der fast 40 Jahre hindurch dem Magistrat als Mitglied angehörte und dem die Auflösung der Synagogengemeinde, die zu den ältesten Gemeinden in der Provinz Posen gehörte, seinen Lebenswillen vorzeitig gebrochen. Der Dahingeschiedene war ein Muster eines Staatsbürgers und Familienvaters. Deutsch-Sesterreich. 2. Wien, im August. Der Name 'des nun im Alter von achtzig Jahren verstorbenen Georg v. Schönerer war int alten- Oesterreich ein Panier. Einer vom Schlage jener Unversöhnlichen wie «der Franzose DeroulQde und mancher greise Welfe, unversöhnlich die Weltgeschichte verneinend, freilich als reicher Schjlohherr in der Lage, es ohne persönliches Existenzwagnis zu tun. Dieser unbedingte Irre-

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