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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-02 · Heft 18 (2.9.1921) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 18 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 214 (sequence 12)
Language
German
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214 -- Babyloniern gehört halten. Und hoben nicht ibiie babylonischen Priester die Massen in dem Gla-uben bestärkt, daß die GötteriL'ilder lebende Wesen seien, die tatsächlich die ihnen Vorgesetzten Speisen verzehrten. Auch -ans die von Delitzsch berührten neutesta merklichen Fragen geht ,König mit trefflicher Sachkunde ein. Gegen den Irrwahn, Jesus sei als Kind Galiläas kein Jude gewesen, zeigt er, wie die Mischna das Judenland in drei Kreise: Jud>aea, Ostjordauiea und Galilaea zerlegt, und macht darauf ausnrerksam, wäre Jesus ein Fremdbürtiger gewesen, so hätte man. ihn doch nicht im Samaritergeb'ete für einen Inden geh,alten. Jedenfalls hat er sich unbedingt selbst als Jude dem Blute nach gefühlt, so daß er sein Evangelium auch zunächst seinen Stammesgenossen glaubte erschließen zu müssen (Matth. 10,5) und sogar zur Samariterin sagte: „Das Heil! kommt von den Juden" (Joh. 4,22). Vergeblich zerschneidet Delitzsch die Verbindung Jesu mit der jüdischen Bibel. Auf jeder Seite der Evangelien spürt man, daß Jesus in seinein Werke die Fortsetzung der 'israelitischen ük* liaionsgeschichte sah. Es ist unrichtig, den erwarteten jüdischen Messias als den Gewalt sherr scher mit eisernem Szepter zu denken. Der Demütige und Gütige von Jes. 11, der Liebreiche und Friedvolle von Sech. 9, der Gerechte und Sanfte aus Jer. 23, der Gottesknecht, der das zerknickte Rohr nicht zerbricht (Jes. 42), beweisen zur Genüge, daß Delitzsch die Dinge vergewaltigt, wenn er das neutestamentliche Messiasbitd mit feiner rnitder Glorie von dein biblifch prophetischen weit abrückt. — MHgen Königs Bemühungen, der Wahrheit gegen' gehässige Verdrehung zürn Siege zu verhelfen, Erfolg haben. B e e r m a n n (Heilbronn). * — Der Jüdische Verlag -kündigt zwei Neuerfdpimutigen an. die als zuverlässige Wegweiser durch die jüdische Literatur bezeichnet zu tverden verdienen. Von S i m o n B e r n fe l d erschien eine Einführung in „Tie j ü d i s ch e Lit e r a t,u r" (zunächst Teil I: Bibel, Apokryphen und jiidisch-hiell>e<nisti>sches Schrifttum), die diese-s Gebiet zum ersten Male -unter modernen und zugleich jüdischen Ge sicht sp,unkten behandelt. Jose P h K >l a at >s n er lgibt eine „G e s ch i ch t e d e r n e u h e b r ü i sch-e n L i teratn r" mit klarer Gliederrlng der einzelnen Epochen und Richtungen soüvie mit anschaulich ku'rzen Charakteristiken der wich tieften Persönlilchkeiten des n'^uhebrätschen Schrifttnuis, eines Vtapu, Smolenski, Go>rdon, Ltcha-d« Haa-m, Mendeve, Perez, Bialik u. a. Die beiden Bände sind trotz des mäßigen Preises lbroschiert 17 Mark, gebunden 22 Mark) sehr gut ausgeftattet, so daß sie sich ebenso sehr wie zuin Studium auch zu Geschenkzwecken eignen. Süchrrrinlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem??alle statt. Die Dinte wider das Blut. Ein Zeitroman von Artur Sünder. 1921. Verlegt bei Paul Steegemann in Hannover und Leipzig. Dr. N a t h a n b e n N a t h a n : Die Erbpacht. Geschichte, Wesen und Reform. 1921. Weltverlag, Berlin. Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914—1918. Eine statistische Studie von Dr. oec. publ. Jacob Segall. Mit einem Vorwort von Professor Dr. .Heinrich Silbergleit, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin. 1921. Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Wie weit hat Delitzsch recht? Beantwortet durch kritische Beleuchtung des zweiten Teils von Delitzschs „Die große Täuschung". Bon Eduard König, Dr. litt., somit, ph.il., th-col., ordentlicher Professor und Geheimer Konsistorialrat in Bonn. Berlin 1921. C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung. Gegründet 1729. EsratJisrael. Hilfe für Israel. Von S. K o m e t. Wien 1921. Selbstverlag des Verfassers S. Komet, Baden bei Wien. Tie jüdische Geschichte. Ein geschiichts-philosophischer Versuch von S. M. Dubnow. Autorisierte Uebersetzung aus dem Russischen von Israel Friedländer. Zweite Auflage. I. Kaufma'N'N Verlag, Frankfurt a. M., 1921. Preis 14 Mark. Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der neuen Damtor- Synagoge in Hamburg am 15. Elul 5680 (29. August 1920). Herallsgegeben von der Verwaltung. Hamburg, 1921. „Z edak a h." Mitteilungen der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden. Herausgegeben von Eugen Caspary, Dr. Jakob S erg all, Paul Frank. Nr. 2/3. Berlin, Februar—Juli 1921. „H a d e rech." Hebräische Monatsschrift. Herausgegeben vom Zentratbureau der Agudas Jisroel in Wien. Nr. 8/9 und 10/11. Nissar-Thammus 5681 (1921). Wien II, Malzgasse 12a. Die „Wundermänner im jüdischen Volke". Jh>r Leben und Treiben dargestellt von Rabbiner Dr. I. Günzig. 1921. Druck und Verlag Del,place, Koch u. Co., Lange Koepoo-rtstir-aiat 49, Antwerpen. „Gut Jomtob!" Humoresken und Erzählungen von L i o n.W o l f s. Leipzig, Verlag von Gustav Engel. 1921. K. C.-Blätter. Mai/Juni 1921. Nr. 5/6. 11. Jahrgang. Verlag Berlin SW, Lindenstrahe 13. Bilder aus dem Leben der' christlichen Kirche djes Abendlandes. Gesammelte Reden und Vorträge von Dr. Ludwig Wahrmund, Professor der deutschen Universität in Prag. Heft 1. Der Ursprung des Christentums. Verlag von Arnold Strauch in Leipzig. Freie Zionistische Blätter. Sonderheft: Die Araberfrage. Drittes Heft. Juli 1921. Dr. M. Poppelauers V o l k s k a l e n »b e r für Israeliten auf das Jahr 5682 (1922). Mit literarischen Notizen und einem Ge>- dklnkblatt versehen. 62. Jahrgang. Berlin 1921. Verlaig von M. Poppelauer, Buchhandlung, Berlin C 2, Neue Friedrichstraße 59. Sprkchlaal, S e h r g e e h r t e r Herr R e d akte u r! Eben beginne ich, das letzte Werk Wilhelm Wundts „Erlebtes und Erkanntes" zulesen. Auf Seite 32 stoße ich auf eine Stelle, die kennenznlernen den Lesern Ihrer Zeitung willkommen sein dürfte. Sie lautet: „Es gab noch einige andere Freundschaften, die ich zuweilen Pflegte. Da war es besonders eine JudensamUe, die nicht nur mit mir, sondern auch mit meiner Mutter einigen Verkehr hatte. Die Großmutter dieser Familie handelte mit allerlei Waren und verfehlte nicht, um die jüdische Osterzeit einige Osterbrote als Geschenk zu überbringen. Der Vater wanderte Tag für Tag als Hausierer in der Umgegend herum. Für mich aber war es ein besonderes Fest, wenn ich ihn gelegentlich' einmal in die Synagoge begleiten durste oder wenn ich von ihn: zu dem Laubhüttensest in seine Wohnung geladen wurde. Noch stehe ich unter dem erhebenden Eindruck, den es auf auf mich machte, wenn der Mann, den ich sonst nur gebückt unter seinem über die Schulter gehängten Sack durch die Straßen gehen sah, aufrecht und feierlich, von schmückendem Laub umgeben, die Festgebete rezitierte." Dieses mit vielem Geschmack erzählte Kindheitserlebnis aus seinem Heimatsdorf Heidelsheim ist von rührender Anmut und blich, wie wir sehen, dem greisen Gelehrten bis in seine letzten Tage, in denen er die Ereignisse seines Lebens in dem Buch „Erlebtes und Erkanntes" beschrieb, in ungetrübter Erinnerung. Hochachtungsvoll Elbing, im August. Rabbiner Dr. H. A u e r b a ch. 'Mi Dringende Warnung. In jüngster Zeit ist die hiesige Gemeinde durch zwei jüdische Schwindler heimgesucht worden, die jedenfalls versuchen werden, an -anderen Orten mit gleichen oder ähnlichen Lügen Mitleid zu erregen. Der ein? ist ein alter Bekannter aus diesem Gebiet, Abraham (Artur Alsons) Blumenfeld, der mit angeblichem Blutsturz und' mit Arztzeugin'issen. operiert. Es aeliingt ihm durch Vortäuschen von Krankheiten immer tvieder, jüdische Gemeinden zu brandschatzen, obwohl er bereits vor etlva 15 Jahren das gleiche Handwerk betrieb und mehrmals vor ihni gewarnt worden ist. Er sollte mitlei'dslos den Behörden als ein öffentlicher Schwindler übergeben lverden. Der zweite ist Heinz Solomon aus Ribnitz in Mecklenburg, angeblich bei Leopold Nußbaum G. m. b. H. in Halle in Stellung. Er reist mit einem anderen jungen Manne, einem angeblichen Detter, und gibt vor, Geld ails der Reise verloren zu haben, um dadurch Privatpersonen und Gelneinden zur Hergäbe von M'itteln zu bewegeni. Auch hier muß es sich mn einen Schwindler handeln, da er entgegen seiner Angabe bisher keine Nachricht gegeben oder das ihm zur Reise eingehäudigte Geld zurückgeschickt hat. Peine, 20. August. Alexander.

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