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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-09-02 · Heft 18 (2.9.1921) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 18 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 212 (sequence 10)
Language
German
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212 ort wird das Freiheitslied in der gegensätzlichen aufgehellten Dur-Tonart. Der Anbetungston steigert sich wirklich festesfreudig zum Hymnus! Der Wajhi binssoa in 6-äur für Jom tow jubelt in Bekenntnisfreudigkeit, wirkt wie ein Weckruf für die einzig große Lehre, die das Judentum durch Jahrtausende vor dem Untergang rettete. Nur wer die Thora im Herzen trägt, kann sie so besingen, und wenn dieses Thoralied von dir, Emanuel Kirschner, in unserm weiten, großen Tempel erschallt, da danke ich dir, dem Schaffenden, der du begeisterungsfähigen Vorbetern solche Töne in den Mund legtest. Deine Harfe war 40 Jahre, bis zum heutigen Tage, eine Zionsharfe. Sie töne fort in erhebend heiligen Klängen! Eugen Dawison, Oberkantor (Teplitz). Wagner und Mryerbeer. Bon 3. MeiseIs (Wien). ei Richard Wagner gilt es für uns Meierlei zu beachten: erstens das Verhältnis der Juden zu Richard Wagner, und zweitens das Verhältnis des Meisters zn den Juden. Das Verhältnis der Juden zu Richard Wagner ist derart klar, daß es zu seiner Erklärung keiner besonderen Psychologischen Analysen bedarf. Dieses Verhältnis bestätigt wieder einmal die alte Tatsache, daß das Genie stets bei den Juden eine uneingeschränkte, restlose Verehrung genießt, eine Verehrung, die, der Liebe ähnlich, auf alle menschlichen Schwächen und Mängel, von denen auch die genialste Persönlichkeit nicht ganz frei ist, den Schleier des Vergessens wirft. Gegenüber dem Mächtigen im Reiche der Wissenschaft oder der Kunst schalten die Juden für gewöhnlich das Vergeltungsprinzip aus; sie suchen vielmehr mit edler Absichtlichkeit die ihnen von dem Großen zugesügte Kränkung zu vergessen, um nicht nach dem vom Volke als ethisch einwandfrei anerkannten Grundsatz: Wie du mir . . . handeln zu müssen. Die Juden gestatten dem Jupiter so mancherlei Lizenzen und nehmen ihm sein Donnern nicht sonderlich übel, selbst wenn es nicht der Ausfluß eines gerechten Zornes, sondern eines ungerechten Hasses ist. Beim Meister von Bayreuth haben die Juden den Judenhaß mit Wagner-Liebe, die Verkennung des Judentums mit der Anerkennung des Genies dieses seltenen Tonkünstlers vergolten. Je weniger der Meister sie verstand, um so besser verstanden sie ihn, um so mehr zeigten sie das redliche Bestreben, zum Verständnis seiner Werke vorzudringen. Sie leisteten ihm liebevolle, von wahrer Kunstbegeisterung durchwärmte treue Gefolgschaft. Sie folgten ihm zum heiligen Gral, obgleich sich dieser aus dem Montsalvatsch und nicht auf dem Zionsberge befindet, und jubelten seinen Rittern zu, die von den älttestamentlichen Gottesstreitern ziemlich weit entfernt sind. Es ist nicht zu leugnen, daß ein guter Teil jüdischer Mithilfe diesen Großen auf die ihm gebührende Höhe gebracht hat, und es gewährt einem mitunter eine stille Freude, daß der Meister, der über das Judentum in der Musik wehleidig jammerte, einen winzigen Teil seiner Unsterblichkeit mit einem Herrn Levi (Hermann Levi) teilen muß. Aber nicht allein auf dem Felde des Erfolges, auch auf dem Gebiet seiner Kunst haben Juden seinen Weg gekreuzt. Das Verhältnis Wagners zu Giacomo Meherbeer erklärt uns vieles in Wagners Stellungnahme zum Judentum. Als der sechsundzwanzigjährige Richard Wagner, den „Rienzi" in der Tasche, nach Paris kam, war sein erster Gang zu Meherbeer. Dieser empfing den jungen Kollegen Überalls freundlich und versprach ihm Unterstützung lind Förderung. Meyerbeer machte den jungen Künstler mit Halevy, Berlioz, Leon Pillet, dem Direktor der Großen Oper, und vielen andern Musikern und Musikfreunden bekannt. Durch Meherbeers Verwendung bei der Dresdener Intendanz wurde .„Rienzi" auf der Königlichen Bühne zu Dresden zur ersten Aufführung gebracht. Wagner sparte auch nicht in seinen Briefen an Meherbeer mit Worten der Anerkennung und des Dankes. Er gebraucht die überschwänglichen Ansprachen: „Jnnigst verehrter Herr und Meister!" „Mein teurer Meister!" „Mein Verehrtester Selbstherrscher aller Töne!" Einen Brief schließt er mit den Worten: „Gott mache jeden Tag Ihres schönen Lebens zur Freude und trübe Ihr Auge nie mit Kummer, dies das aufrichtige Gebet Ihres aufrichtigen Schülers und Dieners Richard Wagner." Aber im Jahre 1851 schreibt er an Liszt: „Ich hasse ihn (Meherbeer) nicht, aber er ist mir grenzenlos zuwider; er erinnert mich, da er sich den Anschein gab, mich zu protegieren, an die unklarste, fast möchte ich sagen, lasterhafteste Periode meines Leben." Dieses Bekenntnis sagt viel; der Meister konnte es offenbar sich und seinem Schicksal nicht verzeihen, daß ein anderer, und sei es selbst ein Giacomo Meherbeer, ihm den Weg zum Ruhme ebnen hals. Das Genie liebt es, sich aus sich selbst zu stellen; deshalb wendet es sich mit Widerwillen von der Zeit, da es noch der Stütze bedurfte. Außerdem — das Genie ist öfter eine auf sich selbst bezogene, sich seiner Einzigkeit bewußte Macht, die keine anderen Mächte neben sich duldet. Wie Nietzsche seinen „Fall Wagner" hatte, so kann man füglich bei Wagner von einem „Fall Meherbeer" sprechen. Vielleicht waren die Beweggründe in beiden „Fällen" dieselben. Da es sich aber bei Meyerbeer zugleich auch um einen Juden handelte, lag es sehr nahe, den politischen Strömungen der Zeit Rechnung tragend, den Widerwillen auf das Judentum auszudehnen. Wagner wollte wahrscheinlich über Meherbeer und Mendelssohn in der Musik schreiben; geschrieben aber hat er über „das Judentum in der Musik" — gemäß der Sitte der Zeit. Der faü Lerjack. (1. Forts.) Von Lydia Auerbach. avum ging er denn immer hin?" — „Er kriegte immer Geld, wenn er's Feuer anmachte am Freitag abend und die Lichter aus, weil sie das nicht dürfen; das nennen se ,Schabb-es'." „Und warum hat er denn Angst gehabt? Der hat 'n wohl schon mal schlachten jewollt? Er hat wohl wilde Augen gemacht?" „Ne, davor nich, -aber weil die Jungens immer lauerten, wenn er rauskam, weil se ihm's Geld Wegnehmen wollten." Ein Jude sprach ein Mädchen an: „Frailein, wie viele sind denn schon drin gewesen beim Herrn Polizeirichter?" Sie wich zurück. „Nu, nu, Se brauchen sich nich zu forchten vor mir, ich hi’ Se nischt, ich bin der Moses vom Altkleidermarkt." Das hörte -ein anderer Jude. „Du, Mansche." redete er ihn an, „was gibst de for'n nägelneien Reiterrock?" „Wird er sein so nei wie's Jahr 1850?" „Komm und seh'n dir an." „Zeig her." „Schaute, Hab' ich 'n mit zum Verhör?" Miriam, zum Ausgehenangezogen, -ging zur Gassenpforte. „Na, Mamsell, wohin?" fragte der Polizist. „Ich habe eine Besorgung zu erledigen." „Ja, so geht das hier nicht, hier ist strenge Bewachung. Da kommen Sie erst mal ran zu mir, erst muß ich solch Judenfräulein mal Verschiedenes fragen, eh' ich sie durchlasse. Nun, gucken Sie mich mal hübsch an."

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