Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 18 (2.9.1921)
- Date
- 1921-09-02
- Page
- Seite 209 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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209 Opfer der im Monat Juli im Bezirk von B o b r o uisk (Sowjet- Weißrußland) stattgehabten Pogrome. In Kozlovitch 3 Tote und 7 Verwundete; in Rou d o >bi e >l k <a 5 Tote; in Glaubokovitch 18 Tobe und 6 Verwundete; in Kadka 4 Tote; in Khalopotchi 2 Tote; in Kharmitchi 1 Toter; in Slovakov itch 9 Tote; in Zogalie 2 Tote; in Bo ubnovkn 4 Tote; in Letschitz 2 Tote; auf dem Wege zwischen A,l o u sk nnd B o b r o u i s k 3 Tote; auf dem Wege zwischen Slousk und Bobrouisk 5 Tote. Der Liste ist auch ein Namensverzeichni's der Opfer beigegeben. * Der B/rarrd in Pinsk. Die Jüdische Gesellschaft „Ort" erhielt die Nachricht, daß bei dem tchten 'großen Brand in Pinsk das dortige Maschinen- und Werkzeuglager der „Ort" vollständig ab,gebrannt ist. Auch >die Handwerkerschule und das Lager der Produktionsgenossenschaft sind verbrannt. Der Schaden ist sehr groß. Das Berliner Komitee der „Ort" hat sofort eine Million polnischer Mark überwiesen. Die Pariser Zentrale der Gesellschaft hat einen Delogierten nach Pinsk geschickt, um die allgemeine Lage und »den Grad!der Arbeitslosigkeit festzustellen. * Argentinien. Laut einem beim Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilsskonferenz eingelangten Bericht hat das Zentrale jüdische Komitee für Bolkshilse in Buenos Aires von Januar 1920 bis 30. Apr.il 1921 für Hilsszwecke gegen 270 000 Pesos gesammolit. Außerdem würde im ganzen Land.e eine Kleidersammlung organisiert, die gute Resultate zeitigte. Ein großer Kleider- und Wäfchetransport wurde nach der sowjetistischen Ukraine ges-andt. Außer Argentinien umfaßt die Tätigkeit des ^Komitees auch die südamerikanitschen Republiken Brasilien, Uruguay, Paraguay und Chiile. Bo-n den gesamten -Geldern hat das Komitee dem Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilsskonferenz in Paris 73 000 Pesos übersandt, davon 30 000 für die ukrainischen Flüchtlinge, 33 000 für den Transport von 100 Waisenkindern nach Argentinien und 10 000 für Medikamente. Das Komitee in Bvenos-Aires entwickelt eine fruchtbare Tätigkeit sowohl aus dem Gebiete der allgemeinen Hi.lse als auch der Hilfe für Jmmig,rianten, die nach! Argiem tinien kommen. J. P. Z. * Aus unb über Palästina. In «letzter Zeit wurde von extrem-anti,zionistischer Seite behauptet, daß die sephardischen Juden Palästinas die Durchführung der Balfour-Teklaration Lekämpften, weil sie grundsätzliche Gegner der Schaffung eines jüdischen Nation.alh.eims seien. Dieses Gerücht hat die anerkannten Führer der sephardischen Judenheit in Palästina zu einer Erklärung veranlaßt, deren Inh,alt nicht nur geeignet ist, die Erfinder eines „sephardischen Antizionismus" ad absurdum zu führen, sondern auch Zeugnis -atb«l!egt von der Solidarität der gesamten palästinensischen Judenheit gegenüber der zionistischen Bewegung. In der Kundgebung heißt es: „Die sephardischien Inden Palästinas befinden sich in vollkommener Einigkeit mit der übrigen palästinensis-chien Judenheit in, d«em Verlangen der Durchführung jener Versprechungen, .die bezüglich der Schaffung des- ° jüdischen Nationaliheims in Palästina gegeben worden sind. Die sephardischen Föderationen Palästinas reichten vor einigen Wochen beim Oberkommissa'r einen Protest gegen die Behauptung ein, daß zwischen ihnen und den übrigen palästinensischen Juden in der Frage des Nationalheims irgendwelche Differenzen vorhanden seilen." Zu den Unterzeichnern dieser Erklärung gehören u. ader sephardische Oberrabbiner in Palästina, Jacob Metr, und der Präsident der allgemeinen sephiardischen. Organisation, Lupo. Araber aus Hebron haben den Direktor des Erzichungs-Departements der Zionistischen Kommission gebeten, ihren Kindern den Besuch der hebräischen Ortsschule zu erlauben. Sie begründen ihren Antrag mit einem Hinweis auf die hohe Bedeutwlg der hebräischen Sprache. W. D e e d e s, der Zivilsekretär der Palästinensischen Verwaltung, hat Iticr jüdischen Kolonie Rifchon^le-Zion einen offiziellen Besuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit eine Rede über die gegenwärtige Lage in Palästina gehalten, deren Inhalt wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung besondere Beachtung verdient. „In denletzten Wochen", so lei'tete Deedes seine Ausführungen .ein, „konnte ich, viele Kolonien beobachten - und alle Landstraßen untersuchen, an denen jüdische Pioniere arbeiten. B-esonderes Vergnügen aber habe ich in Rischonle-Zion empfunden, das ich als Symbol der kommenden Nationalheimstätte betrachte. J>ch glaube, daß die Grundlage des Nationalheims im Boden und nicht in der Industrie zu suchen, i-st; deshiallb mei'ne ich auch) daß sich die Kolonien im Lause der- Zei't entwickeln und vermeh-ren werden. Was die politische Lage -anbetriM, somuß ich betonen, daß ich alle gegenwärtigen Faktoren als natürliche Erscheinungen betrachte; zweifellos werden die Schwierigkeiten' allmählich zu überwin'den sein'. Die Verwaltung hat alle möglichen Schritte unternommen, um das Gefühl der Sicherheit im Lande wiederherzustellen. Da sie fest überzeugt ist, daß die jüdischen, Kolonisten keine Veranlassung zu einem Angriff geben werden, wird die Regierung sie beschützen." Ein in Tunis ansässiger jüdischer Großkausmann, hat eine Gesellschaft zur Pflege der Beziehungen zwischen Arabern und Juden begründet. Viele prominente Juden und Mohammedaner haben sich der Gesellschaft angeschlosfen. In Warschau hat sich ein besonderes Komitee gebildet, das jüdische Pogromwaisen zu Landarbeitern erziehien will, um sie nach erfolgter Ausbildung in Palästina anzusiedeln. Dev rumänische Außenminister Take Joneseu gewährte ei nein Mitarbeiter der Zeitung, „Uj Kelet" eine Unterredung, in deren Verlauf er sich auch über seine Stellung zur zionistischen Bewegung! aussprach. „Ich kenne", begann der Minister, „«den Zionismus schon seit langem. Schon vor Jahren hatte ich Gelegenheit, mit einiigen intimen Freunden Theodor Herzls zu sprechen, die an der zionistischen Bewegung aktiv teiluahmen. Ich« fragte sie damals, ob sie die Errichtung 'des Judenstaates für möglich, hielten. Ich dachte selbstverständlich nicht an ein so mächtiges Land, in welchem sämtliche 14 Millionen Juden Platz finden würden. Mer es wirkte wohltuend auf mich, von ihnen eine überzeugende, ermunternde, bejahende Antwort zu hören. Auch, ich biinüberzeugt, daß das jüdlisch,e Volk die Eignung und die Fähigkeit zur Staatsgründnng und auch zur grundlegenden landwirtschästlichen Arbeit besitzt. Denn es ist nicht wahr, daß die Juden zur Bod-enbearbeitung niichit im.stande sind. In Beßarabien gibt es viele jüdische Gemeinden, deren Bewohner sich seit Alexander I. ununterbrochen mit Landwirtschaft beschäftigen." Take Jonescu schloß seine Ausführungen, indenr er erklärte, daß der Zionismus „sowohl vom Gesichtspunkt der Juden als auch von dem der ganzen Welt" eine erfreuliche Bewegung sei. Aus einem soeben erschienenen offiziellen Bericht der palästinensischen Zollbehörde geht hervor, daß die aus Rauche und Schnupftabak, Zigarren und Zigaretten erhobenen Einfuhrzölle sich im Monat Mai auf 13600 Pfund Sterling' belaufen. Diese Summe übersteigt die Apr-ileinniahmien um 3951 Pfund! Sterling. Der Schutzverband der palästinensischen Schriftsteller plant die Organisation einer großen hebräischen Volksbibliothek, d>ie ihre Leih,- häuser und Lesehallen über ganz Palästina «erstrecken soll. Der Verband verhandelt gegenwärtig mit der zionistischen Organisation über einen großen Kredit zur Deckung der ersten- Ausgaben des Unternehmens. Tie Bibliothek wird neben hebräischer Literatur auch Ue'berfetzungen aus allen europäischen Sprachen enthalten; itier Plan für die philosophische Bücherei sieht die Anschaffung, vieler Werke der deu'ffchen Geisteswissenschasten vor. Die letzten' Ausgrabungen in Caesarea, die, wie bereits gemeldet, zu interessanten Skulpturen^- und Töpferkunstfunden, führten, haben den örtlichen Magistrat zur Errichtung eines besonderen Museums veranlaßt. Alle in Caesarea arrs,gegrabenen' Gegenstände sollen in diesen: Museum .ausbewahrt werden, da erfahrungsgemäß jeder Fund unter dem Transport leidet. Das Vorgehen von Caesarea findet bereits Nachahmung. So soll auch in Askalon ein Ortsmuseum errichtet werden, das -die bei' der Bloßlegung der Herodes'-Bautien gefundenen Skulpturen und Schnitzereien ausnehmerr soll. In der Nähe der Synagoge in Capernaum ist neuerdings ein sechseckiger Vorhof mit Mosaikpflasterung bloßgelegt worden. Z K.