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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-19 · Heft 17 (19.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 17 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 gebracht werden. Die Rechtspresse schwelgt in Antisemitismus. Noch vor wenigen Wochen hat der Generalsekretär der Deutschen Volkspartei, Major Woenninder, in München Reinhaltung des deutschen Blutes, Schuh -des deutschen Geistes vor „freimden" Einflüssen, Bekämpfung des jüd'isch^marxistischeu Zersetzungsgeistesgefordert. Und siehe da, ein Berliner Rechtsanwalt, ein Herr Dr. Max Na u mann, gründet -einen „Verband n-ationak-de u-tscher Juden", weil nach seiner Meinung vielen Juden deutsche Gesinnung.nicht genügend eigen sei. Diese Verdächtigung löst bei der erdrückenden Mehrheit der deutschen Juden geradezu Empörung aus, denn sie meinen, daß Einigkeit und Frieden mehr das Vaterland fördern als Hurra-Patriotismus und Volksverhehung. Indessen wiederholt sich hier nur das alte Spiel, das Deutschtum zum Mäntelchen der Reaktion zu machen. Wenn die Trauben nicht zu hoch hingen, wäre für die gesinnungsfromme Naumannsche Garde vom,nationaldeutschen bis züm deutschnationalen Juden nur ein kleiner Sch>ritt." M. F. Eisleben, 12. August. Wie seit vielen Jahren schon unterhält die Germania'loge zu Halle a.d. S. -auch in diesem Jahre ein Ferienierhiolungsheim für schwächliche Kinder in der Dölauer Heide unweit der Saalemetropole. In dankenswerter Weise leitet Frau Dr. Ziegebrock unter der wertvollen Mithilfe einer Oberschwester (Fräulein Henuy Fisch) und zweier selbstlosen, menschenfreundlichen jungen Damen aus Halle (Fräulein Annti Schloß und Fräulein Lucie Rosenthal) das Wohltätigkeitsinstitut, während die ärztliche Aussicht und Behandlung der Kinder — in der Saison sind es 220 bis 250 — in den bewährten Händen des Herrn Sanitütsrakes Dr. Oppenheim, des zugleich wohlverdienten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Hülle, liegt. In liebevollster Weise betreut Herr Lehrer H e y m a n n Tag und Nacht die kleinen lebhaften Gäste. Alle Kräfte des Heims, welche Arbeitsleistung ihnen auch zugeteilt sein mag, wirken in harmonischer Weise zusammen zum Wohle der gut gedeihenden Kleinen,, die aus der Provinz, aus Anhalt, aus den benachba.rten Ländern und Provinzen,, hauptsächlich aber aus B e r l i n stammen, von wo sie durch den Verein Berliner jüdischer Ferienkolonien zugewiesen werden. Sind doch auch alle Faktoren gegeben, die -dem humanen Unternehmen den vollen Erfolg sichern. In weit ausgedehntem Kiefern- und Laubwald mit 'abwechselungsreichem Terrain, mit schönen Lager- und Spielplätzen, romantischen Landschafts- Partien, eingebettet liegt das „Haideschlößchen", der Sitz der Ferienkolonie. Helle, geräumige Wohn- und Schlafräume stehenden Kindern zur Verfügung, im großen Garten unter gedeckter Halle werden die reichlichen und schmackhaften Mahlzeiten eingenommen, lustiges Geplauder mischt sich mit dem Geklapper der eifrigen Löffel, Mädchen und Knaben leben neu auf in Sorglosigkeit und unter sorgsamer Pflege, es wetten sich die lufthungrigen kleinen Lungen und allgemach färben sich die vorher fahlen Wangen unserer Lieblinge in gesundem, frischen Rot; Spiel. Scherz, Belehrung im bestrickenden Märchengewande, echt jüdische Lebensweise, alles dieses finden die Kinder im Erholungsheim „Haidesch'lößchen", dem edlen Werk der Germanialvge. Wünschen wir der Erholungsstätte weiteres gutes Gedeihen und stetes Anwachsen zum Segen der leidenden Jugend, und fügen wir außerdem aus ganzem Herzen unseren innigsten Dank an alle Wohltäter hinzu. F. Z. Frankfurt a. M., 12. August. Mit dem vor kurzem in Philadelphia an Herzlähnmng im 60. Lebenswahr' verschiedenen Professor und Bibliotheksdirektor der Universität von Pennsylvania, W orris Ia st r ow , hat Amerika einen seiner bedeutendsten Orientalisten verloren. Er war am 13. August 1861 in Warschau als Sohn des durch sein Wörterbuch zunr Targmn, M-drasch und Talmud berühmten, 1903 verstorbenen Gelehrten Dr. Mordechui Jastrow, nachmals Oberrabbiners von Philadelphia und Vizepräsidenten der amerikanischen Zi-onistenvereinianua, geboren, hatte in der Pennsylvania-Universität, am Breslauer aübisichen Seminar, in Str.aßbur.g und Paris studiert, 1884 in Leipzig das Doktorat der Philosophie erworben, war 1892 gim Professor für semitische Sprachen, 1898 zum B-iblio-theksdiire-ktor der Pennlst)lvani-a-Univerfität ernannt worden. Sein Hauptwerk ist die vierbändige Geschichte der „Religion Bäibiylonien-s und Assyriens" »Doepelmann, Gießen 1909—4912), in deer u. a. zum ersten Male eine 'Zusammenhängende grundlegende Darstellung der babylonischen Vor- ^eichienleh.re — insbesondere der Leberfchantexte — zu finden ist. Ein t910 erschieneu>os Ti te-lverzeichnis seiner kleineren, Schriften arabistischen, assyriologischen, he'brtaiftisch-alttesta'Men!tlichen, judüologischen und allgemein rle«l'i,gio-ns!Feschi.chtti>chen Jnhialts füllt zwölf Seiten, engen Drucks und müßte heute auf den doppelten. Umfang gebracht werden. Von dem Einfluß der eine kurze ZeiKanig im Schslv-unigbefindli-chen panbab-ylo-nischeu Phantasterei hat sich.der skeptisch veranlagte Gelehrte ganz frei zu halten -gewußt. Bts zur Lusitanta-Katastrophe hat er sich redlich bemü-hit, der Verhetzung gegen Teuff'chland, wo er die nreisten Sommer feriie-n mit Stud-i-en beschäftigt zubrachte u-ntbviele Freunde hatte — seine Frau entstammte einer angesehenen Frankfurter Familie —, durch ausklärende Zeitungsauffätze entge-Mnzutroten. Daß später auch er der Ueber macht der Massensuggestion erlag-, ist hier sehr bedauert worden. Nach dem Waffenstill stand hat er sich tatkräftig der dentschj-amerikanischen> Hilfsaktion für die deutsche Wissenschaft a-N'gen-omme'N'. Auch die jüdischen Hilfsverbände werden ihm ein dankbares Anld>enken bew-ahren. Angsrn. z. Budapest, im August. Die Pester Israelitische Religionsgeinein.de hielt Ende Juni ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, die in ihrem imposanten Verlauf ein beredtes Zeugnis für die Glaubenstreue, den unverbrüchlichen ungarischen Patriotismus und die Kulturbestrebungen des ungarischen Judentums erbrachte. Präsident Hofrat Franz Szekely beleuchtete in seiner inhaltsvollen Begrüßungsansprache die Aufgaben des ungarischen Judentums und sagte unter anderem: Die Pester Israelitische Religionsgemeinde ist sich als leitendes Organ der ungarländischen jüdischen Konfession der Pflichten bewußt, die unser heute in Ermangelung eines gesetzlichen Forums des ungarischen Judentums harren. Sie hat die Ereignisse ständig mit Aufmerksamkeit verfolgt und sich in Zahlreichen Fällen mit Beschwerden und Bitten an die Landesregierung gewendet, um die Beilegung der brennendsten Mißbräuche zu erbitten. Wir haben die Absicht, diese Praxis -auch in Zukunft fortzusetzen, da wir an unserem, im ungarischen Gesetze wurzelnden Standpunkte festhalten, daß wir vollbevecht-ig-te Bürger dieses Vaterlandes sind, bereit, alle hieraus folgenden Pflichten zu tragen, aber auch keines Haares Breite von den Rechten zu opfern, die uns gebühren . . .Wir bedauern unendlich, daß wir noch keine einheitliche Vertretung des ungarischen Judentums: die ungarländische jüdische Kirche besitzen, die mit größerer Kompetenz, mit größerer,Krast und Wirksamkeit die Interessen unserer Konfession, unser aller moralische und materielle Interessen verteidigen könnte. Ich fühle, daß der Ort, von dem ich jetzt spreche, derzeit der einzige ist, von dem nicht nur jedes einzelne Mitglied der Pester Israelitischen Religionsgemeinde, sondern auch das gesamte ungarische Judentum, ja sogar auch jener Teil desselben, der heute infolge fremder Besetzung von uns losgerissen ist, meine Worte vernehmen kann. Und ich kann -ihnen auch heute nur wiederholen: Geduld, Kühnheit, Vertrauen! Der Wiederaufbau Ungarns ist nur möglich, wenn an diesem Werke alle Bürger des Landes teilnehmen. Ohne Mitwirkung der vielen hunderttausend Mitglieder unserer Konfession, aller arbeitsamen, nüchternen, intelligenten Bürger dieses Landes ist das gar nicht denkbar. Die numerische und Verniö-gensbedeutung des Ungartu ms der besetzten Gebiete ist an vielen Orten in nicht geringem Maße auf dem dortigen Judentum begründet. Ich bin mir dessen gewiß, daß das ungarische Judentum, wie es im Frieden und Krieg auch bisher ' stets ein treues, opferwilliges, pflichtgetreues und arbeitsames Mitglied der ungarischen Nation gewesen, auch in Zukunft begeistert und hingebungsvoll den wahren Interessen des ungarischen Vaterlandes dienen wird, weil die Schranken fallen werden, die heute dem redlichen Bestreben im Wege stehen. Und unsere .Gegner werden die viel erwähnte jüdische Solidarität darin finden, daß sie sich mächtig in der unverbrüchlichen Treue zur ungarischen Nation und in der Liebe zum ungarischen Vaterlande bekunden wird." Hierauf unterbreitete Generalsekretär Dr. Julius Gabor den umfangreichen Jahresbericht, der ein übersichtliches Bild des Unterrichts-, Zeremonien-, Finanz-, Kulturwesens und der Wohltätigkeitsinstitutionen der Gemeinde bietet und besonders das in den letzten Jahren immer stärker aufflammende religiöse Gefühl der Gemeindemitglieder betont, das sich in einer ungeahnten Renaissance des Tempelbesuches und «der Opferwilligkeit für jüdische Interessen kundgibt. Gegenüber den vielfach übertriebenen Mitteilungen über

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