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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-19 · Heft 17 (19.8.1921) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 17 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 198 (sequence 8)
Language
German
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Tyo (16,68 Prozent) und Schlesien (15,97 Prozent) hohe Ziffern auf; ebenso übertrifft der Freistaat Sachsen den Durchschnitt um mehr als 3 Prozenteinhoitcu. Welchen Einfluß die Siedlungsverhältnisse aus das Maß der Kriegsfreiwilligkeit ausübten, erhellt daraus, daß 5,71 Prozent Kriegsfreiwilligem Gemeinden unter 200 Seelen 14,33 Prozent in den übrigen Gemeinden gegenüberstehen. Die Frage bezüglich der Verwendung jüdischer Kriegsteilnehmer an der Front ist nicht restlos geklärt worden; immerhin kann die höchst bedeutsame Tatsache konstatiert werden, daß von 100 jüdischen Soldaten durchschnittlich 7 8 an der Front waren, und zwar steht hier Pommern mit 81,16 Prozent an erster Stelle, es folgen Westpreußen mit 80,70 Prozent, Brandenburg mit 80,65 Prozent, Groß-Berlin mit 79,23 Prozent und an letzter Stelle Württemberg mit 70,40 Prozent. Nach den kriegsstatischen Erhebungen beträgt die Zahl der als gefallen bezw. gestorben gemeldeten jüdischen Soldaten 9216; das ist der neunte Teil der FeldzugSteitnehmer. Zählt man hierzu noch die 873 Vermißten, so ergibt sich eine Verlustziffer von 10000 Mann, die sich, für das ganze Reich auf 12 0 00 erhöht. Das sind 12 Prozent, ein Durchschnittssatz, der in Brandenburg (14,46 Prozent), Groß-Berlin (12,35 Prozent), Pommern (14,39 Prozent), Schlesien (13,22 Prozent), Sachsen (14,39 Prozent), Schleswig-Holstein (13,72 Prozent), Westfalen (12,76 Prozent) und im Freistaat Sachsen (14,07 Prozent) wesentlich übertroffen wird. Da das Reichsheer bei einer Gesamtstärke von zirka 2'A Millionen einen Gesamtverlust von 1686 061 Mann zu verzeichnen hat, d. h. 13,49 Prozent, so bleibt die jüdische Verlustziffer um 1 bis 2 Prozenteinheiten hinter der allgemeinen zurück. Dr. Segall erklärt die Differenz aus folgenden Erwägungen: Aktive Offiziere gab es unter der deutschen jüdischen Bevölkerung überhaupt nicht, und Reserveoffiziere, die in der ersten Krilegszeit sehr schwere Verluste erlitten haben, in geringer Anzahl; ebenso war der Prozentsatz der Gedienten unter ihr geringer als bei der Gesamtbevölkerung. In der Berufszählung 1907 wurde sestgestellt, daß auf je 100 000 Juden 3 Offiziere und Beamte mit gleichstehendem Ziang sowie 35 4 Unteroffiziere und Gemeine entfallen, aus je 100000 Personen der Gesamtbevölkerung dagegen 54 Offiziere und 10 01 Unteroffiziere und Gemeine; ferner wurde eine nicht unerhebliche Anzahl jüdischer Soldaten infolge des höheren Bildungsgrades ohne ihr Zutun in Stellungen berufen, die weniger gefährdet waren als der Schützengraben. Endlich ist bei der Verlustzisfer auch der Unterschied, der zwischen der Altersgliederung der Juden und der Gesamtbevölkerung besteht, zu berücksichtigen. Die wehrfähige Bevölkerung ist infolge des immer stärker werdenden Geburtenrückganges bei den Juden schwächer; die höheren Altersklassen dagegen sind stärker besetzt als bei den Christen, so daß jene Massen, welche das Hauptkontingent der Kriegsteilnehmer stellen, vergleichsweise weniger ergiebig sein konnten. Es entfallen auf die Altersklassen 15 bis 29 26,2 männliche Christen und 22,5 männliche Juden, aus die Altersstufen 30 bis 49 dagegen 24,9 Christen und 28,6 Juden. Von den 84 352 jüdischen KriegsteilnehINern — mit Ausschluß von Posen, Elsaß-Lothringen und Hamburg — sind 28 874 — 35,42 Prozent Dekoriert und 19 545 23,17 Prozent befördert worden, darunter 2022 — 2,40 Prozent zu Offizieren und 1159 1,37 Prozent zu Sanitätsoffizieren und Militärbeamte« im Offiziersrang: wahrlich ein beredtes Zeugnis treuester Pflichterfüllung und eine glänzende Widerlegung deutschvölkischer Legendenbildungen über das Verhalten jüdischer Soldaten. - Die Schrift Dr. Segalls, die eine Fülle außerordentlich wertvoller konfessionsstatistischer Feststellungen bietet, verdient die weiteste Verbreitung und ausmerkfamfte Beachtung. I. Basch (Berlin). Lkilebriek aus drm Mklrngebirsr. Von Dr. Willy Cohn (Breslau). ir Juden in Deutschland sind in der großen Mehrzaht ein Volk von Städtern, aber um so tiefer lebt in uns die Sehnsucht nach der l/katur, nach ein wenig Grün, nach Bergen und Wiesen, nach Wellen und Wogen! Gerade weil wir es nicht immer haben können, steigt oftmals in den Steinwüsten der Städte, mitten in tiefster Arbeit, vor unserem Ohr die Erinnerung an das Murmeln eines Gebirgsbaches auf, der harzige Duft schlanker Tannen und der Geruch frischen Wildheus. Nun dürfen wir wieder ein paar kurze Wochen alle Nöten und Plagen des täglichen Lebens vergessen, irgendwo im Grünen frische Kräfte sammeln für die kommenoe Zeit der Arbeit! Langsam trägt uns ein altmodisches Bähnchen, dessen Lokomotive sich arg anstrengen muß, den Bergen zu. Krieg und Revolution ftno an dem Bahnhof Krummyübel spurlos vorübergangen, aber nun rast em großer Autobus Hinaus nach Brücrenverg. 800 Meter über dem Meeresspiegel sind wir und zum Greisen nahe liegt die doppelt so hohe Schneekoppe vor uns! Immer wieder, fo oft man auch schon den Riesenkamiu gesehen hat, macht er einen tiefen Eindruck, und man dantt dem Schöpfer, daß man ihn wieder sehen darf. Wie ein Kind fveut man sich, in Rüoezayis Reich! sein zu dürfen, und man oenkt an all die schönen Märchen, die man in fernen Jugendtagen hörte und die man auch jetzt noch mit Behagen liest, etwa in der Form, wie sie Kart Hauptmann wiedererzahlt hat! Sitzt man aber träumend am Kleinen Teich, so steigen die Geslailen aus Gerhart Hauptmanns „Versunkener Glocke" aus den Tiefen jenes zauoeryaften Bergsees herauf, man glaubt daun in gluatichen Augenblicken unten tonen zu hören und sieht Rautendelein und Meister Heinrich, vernimmt deS Wasierinanns grunzendes Quoax, Quoax, Brekkeks. — Fröhliche, junge Leute vevöltern die Wege! Es wächst doch jetzt ein anderes, dem Wirrshausteben aogeneigtes Geschlecht yeran, das mit der Laute und dem Kochtopf durch die Berge wandert und für das es eine Teuerung nicht gibt, weil es in großem Bogen um die Gasthäuser herumgeht und lieber sein Zelt im Freien ausfchlägt. Und wir freuen uns, daß auch die gingen Juden und Jüdinnen das Zeichen der Zeit verstanden haben und daß auch sie in den Ferien die Welt durchstreifen und ihren Körper stählen, in dem das jahrtausendelange Galuthleben seine Spuren zurückgelassen hat. Viele von ihneii werden einstmals hinausziehen und das Land der Väter wieder aufbauen Helsen! Uns ist nicht bange um die Zukunft Israels! Wir glauben den Schwarzsehern nicht, die da von einer Auflösung sprechen. Alle Krisen der Weltgeschichte haben wir noch sieghaft überwunden, und auch diese wird uns nicht vernichten! Unsere Jugend bestärkt uns in dieser Hoffnung. Gewiß, nicht alles ist erfreulich, was man in den Bergen sieht. Gar mancher, ans den die verflossenen sieben mageren Jahre eine Fülle von Papiergeld herabregnen ließen, weiß mit ihm nichts Rechtes anzufangen, kennt nur materielle Genüsse und trägt seine Reichtümer störend zur Schau. Sie, die man unserer Gemeinschaft am meisten zur Last legt, haben am wenigsten Anspruch auf den Ehrentitel eines Juden; was wissen sie in der Regel vom Judentum, von der Sittlichkeit

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