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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-19 · Heft 17 (19.8.1921) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 17 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 196 (sequence 6)
Language
German
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196 sein könne, wo doch ir^ der Bibel selbst Palästina den Juden versprochen worden sei. 1. P. Z. * Südafrika. In Südafrika hat in letzter Zeit eine Bewegung eingesetzt, um auch dort das Schächtverbot einzuführen. Die Initiative dazu stammt vom Tierschutzverein, der behauptet, daß die Tiere beim Schächten besondere Qualen erleiden. Der Oberrabbiner Südafrikas, Dr. Landau, hat in der Presse eine Erwiderung auf diese Behauptung erscheinen lassen und daraus hingewiesen, daß diese Frage in Deutschland und in der Schweiz bereits behandelt wurde; von den bedeutendsten Tierärzten und Universitätsprofessoren sei sestgestellt worden, daß diese Angriffe gegen das Schächten jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. J. P. Z. * Aus und über Palästina. Seit Jahrhunderten und Jahrtausenden ist zum erstenmal wieder in Palästina ein Aufschwung der Kunstübung zu spüren, und ein Zeichen dieser Bewegung ist die K u n st g e w e r b e s ch au in Jerusalem, die von der „Pro Jerusalem-Vereinigung" veranstaltet und durch den englischen Oberkommissar Sir Herbert Samuel feierlich eröffnet wurde. Das Gebäude, in dem sie stattfindet, liegt inmitten der Ruinen der Zitadelle und der alten Davidstore, stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert und setzt sich aus einer Gruppe von Türmen zusammen, deren Gemächer von Grund auf wiederhergestellt wurden und dauernd zu Ausstellungszwecken dienen sollen. Samuel wies in seiner Eröffnungsrede daraus Hin, daß die Kunst in Palästina neben Landwirtschaft und Industrie eine Zukunft haben müsse, und zwar solle sie nicht nur für den Bedarf des Inlandes, sondern auch für den Außenhandel arbeiten. Die Ausstellung besteht aus drei Abteilungen: „Kunst und Handwerk der Vereinigung jüdischer Künstler", „Mohammedanische Kunst" und der Abteilung des Stadtbauwesens. Die vielseitigste und bedeutendste Gruppe ist die jüdische, in der vortreffliche Schmuckgegenstände, Kameen, Büchereinbände, Kupsergeräte usw. auffallen. Besonders Vortreffliches bietet die Ausstellung in Handarbeiten. Ta sieht man wundervolle Spitzen und Gardinen, prächtige Tapeten, alles in Palästina von dort eingerichteten Schulen und Fabriken verfertigt. Ferner sah man eine neue Art Keramik, die von Arabern herrührt und stark an italienische Majolika erinnert, Erzeugnisse Jerusalemer Webereien und auch alte mohammedanische Kunstgegenstände. Der in politischen Kreisen hochangesehene „Observer" veröffentlichte am 24. Juli ein Interview mit Professor Geddes, dem Entwerfer der Pläne für die hebräische Universität in Jerusalem. Professor Geddes äußert sich sehr optimistisch bezüglich Palästinas und dessen Kolonisierung durch die Juden. Er berichtet von den großen Fortschritten in den jüdischen Kolonien und den Erfolgen der Juden auf dem Gebiete der Erdarbeit. Es sei sicher anzunehmen, daß der neue jüdische Bauernstand sacherfahren und fortschrittlich fein wird. Mit großem Zutrauen spricht Geddes von der erfolgreichen Entwicklung der Stätte und betont, daß die jüdische Bevölkerung einen wichtigen Faktor in der Entwicklung der Kultur und Erziehung bilden werde. Er entwickelt sodann den Plan der Universität, die, von einer Gartenstadt umgeben, ein Bildungszentrum zu werden verspricht, und er hofft, daß sich im Zusammenhänge mit der Universität gewisse Industrien entwickeln werden für Fabrikation von Artikeln für wissenschaftliche Zwecke. Die arabische Zeitung „Al Salam" wendet sich in einem scharfen Artikel gegen die Verhetzung der arabischen Bevölkerung gegen die Juden und warnt das Volk, den daran interessierten Hetzern aus dem Wege von Judenexzesfen und Unruhen zu folgen. Das Blatt schreibt: „Du mußt, o Volk, deine Augen öffnen und sehen, welche Scheußlichkeiten in deinem Namen von Leuten verübt werden, die sich als deine Freunde ausgeben und dich in eine Politik des gegenseitigen Mordes hineintreiben. Die Mordpolitik wird die Rückkehr der Juden nach Palästina nicht verhindern können. Der einzige Weg ist der der friedlichen Verständigung mit ihnen, da deren Ahnen unsere Propheten sind und deren Geschichte auch die unsere ist." | Lsmson hochkkw. | m Mittwoch, den 10. d.M., vormittags, ist Rabbiner Dr. Samson Hochfeld in Berlin im Alter von 50 Jahren plötzlich verschieden. Er war, lautete die durch die Abendblätter verbreitete schmerzliche Kunde, im Begriff, eine Sommerreise anzutreten, als chn im Zuge auf dem Bahnhof Zoologischer Garten der Tod ereilte. Die erschütternde Nachricht hat in allen Kreisen der Berliner Judenschaft, auch in den konservativ gerichteten, innige Teilnahme und aufrichtige Trauer ausgelöst. Man kannte und schätzte Samson Hochfeld nicht bloß als gediegenen -Kanzelredner und vorzüglichen Jugendbildner; man ehrte und liebte ihn als einen Mann edler Gesinnung und vornehmen Charakters, der, ohne nach außen glänzen zu wollen, still und ernst alles Schöne und Gute zu fördern bestrebt war, das unserer Glaubensgemeinschaft zum Segen und der Berliner Jüdischen Geineinde zum Ruhme gereichte. Wenn es wahr ist, daß Jude sein, wie das bekannte Wort lautet, Mensch sein heißt, so war Samson Hochfeld einer der gesinnungstreuesten Juden, die uns je begegneten: frei von allen Vorurteilen und jeder Engherzigkeit gegen Andersdenkende — und frei auch von Eigendünkel, Selbstüberhebung und 'Ehrsucht. Er war im edelsten Sinne des Wortes ein Priester im Dienste der Wahrheit, des Rechts und des Friedens, auf denen, nach dem Worte eines alten Weisen, die Welt beruht, und — man darf es ihm, wie jenem Priester der Vorzeit, nachrühmen — „Falsch ward nicht gefunden auf seinen Lippen". Am 21. Juli 1871 zu Höxter als Sohn des Mustklehrers Michael Hochfeld geboren, besuchte der Entschlafene das Gymnasium seiner Vaterstadt, das er 1888 absolvierte, und trat dann in die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ein, um sich rabbimschen Studien zu widmen. Gleichzeitig studierte er an der Berliner Universität semitische Sprachen, Geschichte und Philosophie und erlangte 1892 auf Grund seiner Dissertation „Beiträge zur syrischen Fabelliteratur" die Doktorwürde. Ende 1896 legte er an der Hochschule die Rabbinatsprüfung ab und wurde gleich darauf zum Rabbiner in Frankfurt a. d. Oder gewählt, wo er bis zu seiner 1903 erfolgten Berufung nach Düsseldorf eine segensreiche Wirksamkeit entfaltete. Nach vierjähriger Tätigkeit in Düsseldorf, wo er sich gleichfalls allgemeiner Wertschätzung zu erfreuen hatte, folgte er dem ehrenvollen Ruf der Berliner Gemeinde, in der er vierzehn Jahre lang bis zu seinem jähen Ende mit bestem Erfolg wirkte. Das bezeugt der ehrende Nachruf, den der Vorstand der Jüdischen Gemeinde ihm in der Presse widmet: „Von den mannigfaltigen Aufgaben seines Berufes lag ihm in besonderem Maße die Erziehung der jüdischen Jugend am Herzen. Der Ausbau des Religionsunterrichts, die praktische und theoretische Unterweisung des Heranwachsenden Lehrerstandes. gehen nicht zuletzt aus seine tatkräftige Mitwirkung zurück. In der Festgottesdienstkonrimssion fand er Gelegenheit, sein feinsinniges Kunstverständnis und seine musikalische Begab ring für die moderne Ansgestaltung des Gottesdienstes zu betätigen." Nicht minder herzlich und anerkennungsvoll lauten die Worte, die das Kuratorium und das Lehrerkollegium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, an der er als Dozent wirkte, ihm Nachrufen: „Ein Schüler unserer Hochschule, hat der Verstorbene in Treue zu ihr gehalten und diese Treue als ihr Dozent bewährt. Als Rabbiner und als Lehrer, als Redner und als Forscher hat er im Geiste unserer Hochschule gewirkt und sich die Anerkennung seiner Mitarbeiter, das Vertrauen unserer Hörer erworben."

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