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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-05 · Heft 16 (5.8.1921) · p. Seite 189

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 16 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
Seite 189 (sequence 11)
Language
German
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189 gemeinsamen Wohnungen der Christen durch einen Zaun/ eine Mauer oder einen Graden getrennt ist. Der Diözesanibischof und der Landesherr sollen Christen und Juden, deren Häuser durcheinander stehen, durch geeignete Mittel zum Verkauf oder Austausch derselben nach dem Spruch ehrlicher Männer zwingen. Wenn diese Sonderung nicht bis zum nächsten Feste der Geburt Johannis des Täufers duvchgesührt ist, sollen der Bischof und der Landesherr von der Kirche ausgeschlossen sein, falls sie nicht gegen die Widerstrebenden mit aller Strenge eingeschritten sind. Je mehr wir uns dem Ende des deutschen Mittelalters nähern, um so eifriger arbeitet die Kirche an der Erreichung ihres Zieles. Am 7. September 1434 dekretiert das Konzil von Basel: die Juden sollen von den Christen getrennt und., soviel als möglich von den Kirchen entfernt wohnen. Als die Juden in Genf, woselbst sie in einem hochgelegenen Stadtteil, in der heutigen Rue de Granges, anstoßend an den Sitz der 'öffentlichen Mädchen, wohnten, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts verschiedene Anläufe zur Durchbrechung ihrer Schranken machten, führte der Vorsteher oder Cur« der Pfarrkirche von St. Germain. Wie preisenswert erscheint einem Amadeus VIII. von Savoyen über diese Dinge Klage. Obschon das Verbot bei der ganzen Welt, Fürsten, Christen, Untertanen bestehe, daß die Juden vermischt mit Christen lebten, obschon ihnen im Gegenteil geboten sei, gesondert in abgeschlossenen Straßen (canzellmn) und hinter vergitterten Fenstern zu wohnen, mischten sich diese Perfiden Menschen unter die Christen der Stadt Genf in den Häusern und in der Gemeinde der Kirche von St. Germain. Wie Preisenswert erscheint einem Pius II. der Entschluß des Frankfurter Rates im Jahre 1462, die Juden an eine gesonderte Stelle der Stadt zu versetzen, da sie zu nahe am Dome wohnten und die religiösen Zeremonien beobachten konnten, was der Papst als ein großes Aergernis anfah! Damals wurden sie angehalten, sich auf dem Wollgraben niederzulassen, also außerhalb der alten Stadtbefestigung, in einem entlegenen, nur schwach bewohnten Teil der Neustadt. Ebenso hat Kurfürst Johann Philipp von Mainz durch das Dekret vom 8. Dezember 1662 die Mainzer Juden aus ihren Wohnsitzen gewiesen und sie gezwungen, auf den sogenannten Schweinemisten, einem der ungesündesten Teile der Stadt, die heute noch bestehenden Judengassen zu erbauen. Spärlich kam Licht und Lust in die Judengassen. Zusammengepfercht faßen die Juden in ihnen, ohne die Möglichkeit, für ihre zunehmende Zahl ausreichenden Platz zu finden, ansteckenden Krankheiten und Feuersbrünsten preisgegeben. Mit dürren Worten kennzeichnet noch Christian Wilhelm Dohm im Jahre 1781 ihren Zustand: „Sie haben an manchen Orten ... die nachteilige Folge, daß sie die Juden zwingen, ihre Häuser sehr unförmlich in die Höhe zu bauen und sehr eng gepreßt aufeinander zu wohnen, wovon Unreinlichkeit, Krankheiten, schlechte Policey und größre Gefahr der Feuersbrünste sehr nachtheilige Folgen sind." Die beste Erläuterung hierfür liefert die Geschichte der Judengasse in Frankfurt a. M. von 1462 bis 1811. Erst durch die Französische Revolution sind >nis eisernem Besen auch die Mauern des Gettos in Deutsche land — häufig als erstes Zeichen der bürgerlichen Verbesserung der Juden — weggefegt worden. Der Münte ftb. I iedor atmet die schlafende Zeit. Es jährt sich der Tag. Ich fühle meines fiebernden Volkes Herzensschlag. Ein Wind weht von der Klagemauer um meine Stirn. Wie einer steinernen Harfe Saiten, hör' ich's schwirren. Merkt auf, Brüder, Israels tönende Seele ist's, die durch die lauschenden Länder zieht! Die Welt wartet. Jeremias singt unser Heimatlied. Dr. B. Götz. Der Neunte Ub. Von S. Aschner. 0 Tempel, deine Stunde, Die wehumflorte, naht. Steig auf aus Herzensgründe, Frucht alter Schmerzenssaat. Breit um uns deinen Schatten, So kühl, so segnend still. Tränk unsre Nimmersatten Seelen aus Brunnen tief und kühl. Die Bundeslade drohet, Von Cherubsschwing' bewacht, Von Cherubsgeist umlohet. Aus urgeheimer Nacht. Des Leuchters sieben Armen Entquillt der Liebe Licht, Das göttlichste Erbarmen Strahlt süß sein Angesicht. Es kommt ein Duft, ein Frieden Von Gottheitshöhen fern. Wir atmen tief hienieden Die Nähe Gotts des Herrn. Bleib bei uns, süße Leuchte, In unsrer Jrrnis Qual! Erquick uns Leidgescheuchte Mit deiner Wunder Glorienstrahl! Sieh, unsre Wunden brechen Wie heiße Quellen auf. In wilden Tränenbächen Ergießt sich warm ihr Lauf. Der Zähren Glutstrom regnet Auf unsrer Hoffnung Grab. Dein starker Zauber segnet. Erlöst uns. Neunter Ab! Frau Hanna Maier. (Schluß.) Von Anna G 01 d s ch m i d t. 3ch wunderte mich gar nicht, als Ach am nächsten Tag schon hörte. Verwandte und Geschäftsfreunde, vielleicht solche, die den Maiers viel zu danken hatten, seien bereit, helfend einzuspringen, so daß das Schlimmste, der Zusammenstoß mit dem Gericht, vermieden wurde. Gott sei tausend Dank! - Alle Menschen atmeten erleichtert aus. ■!! Und Frau Hanna? Würde auch ihr damit eine Zentnerlast vom Herzen genommen? Hier hatte ich wirklich das Gefühl gehabt, als sei sie, wie sie sagte, „zu dumm" dazu gewesen, die ganze schreckliche Wahr-

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