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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-05 · Heft 16 (5.8.1921) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 16 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
Seite 185 (sequence 7)
Language
German
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185 nach Triest, also auf italienisches Sprachgebiet, verpflanzt, ward ihm hierdurch später, bei Uebersiedlnng seiner Familie nach Roin, die Erlangung des italienischen Bürgerrechts erleichtert. Im Besitze dieses ward es ihm möglich, zuerst die Stellung eines Hilfsarbeiters im Statistischen Amt, dann die eines Vizebibliotzhekars am Senat zu erlangen. Vom Ministerpräsidenten Giovanni G i o l i t t i wegen seiner nationalökonomischen, juridischen und Sprachkenntnisse geschätzt und gefördert, konnte er, noch jung an Jahnen, Referendar am Staatsrat (etwa dem eines Assessors am Oberverwaltungsgericht entsprechend), dann Staatsrat und Generaldirektor im Ministerium des Innern, später sogar Abgeordneter und Postminister werden. Wegen der Treue und Ergebenheit, welche « stets seinem Gönner Giolitti bewahrte, während des Krieges als Neutralist und geborener Oesterreicher stark angeseindet, ist er gegenwärtig zum Senator aufgerückt, bei allen Parteien Widder „persona grata", und hat als offizieller Vertreter Italiens bei der Gesellschaft der Nationen in Genf mit seinen weit ausschauenden Ansichten vielen Beifall gefunden. Als wohlerworbenen Lohn für seine außergewöhnlichen Leistungen als Verwaltungsbeamter erhielt seinerzeit den Sitz im Senat der Turiner Giacomo Malvano, über zehn Jahre lang Generaldirektor im Ministerium des Aeußercn. Der Grund, warum er, gegen alle Gewohnheit, so lange in dieser Stellung verblieb und keinen Botschafterposten annahm, bildet einen Ehrentitel nicht nur für ihn, sondern auch für die italienische Regierung. Diese hielt nämlich dadurch, daß sie ihr gesamtes diplomatisches Personal für geraume Zeit einem Israeliten unterstellte, den anderen Großstaaten Europas ihre kulturelle Rückständigkeit vor Augen. Hatte sich doch keine derselben, als, wie üblich, vorher vertraulich angefragt worden war, dazu aufzusckiwingen vermocht, einen Israeliten als offiziellen Vertreter Italiens für genehm zu bezeichnen. Nur Japan, in denr vielleicht gerade darum Manch gekröntes Haupt eine Gefahr für die europäische Kultur erblickte, teilte bereits im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts derartige Vorurteile nicht! Doch seine leitende Stellung in Rom aufzugeben, um nach Tokio zu gehen, oder gar den Glauben seiner Väter abzuschwören, nur um an einem rückständigen Hof sein Vaterland vertreten zu dürfen, das war nicht Sache Giacomo Malvanos! Natürlich fanden es dann dieselben Regierungen, denen der „Jude" nicht genehm gewesen, keineswegs unter ihrer Würde, ihn seitens ihrer hochgeborenen diplomatischen Vertreter hofieren zu lassen, als er in der Consulta auf dem Ouirinal, in seiner Eigenschaft als Generaldirektor bei den durch parlamentarische Konstellationen nur allzu häufig eintretenden Ministerwechseln, die Stetigkeit in der italienischen Politik aufrecht zu erhalten hatte, was ihm meisterlich gelang. Später war er dann, bis ihn das eiserne Gesetz über die Altersgrenze der Beamten zum Abschied zwang, mehrere Jahre hindurch erster Präsident des Staatsrats — der erste Israelit in dieser hohen, verantwortungsvollen Vertrauensstellung. An denselben Gerichtshof ist noch jetzt als Abtctlungsvorstand der feine juridische Kops Gabriele Pincherle, ein venezianischer Israelit, der ebenfalls dem Senat angehört, tätig. Um nur eine der vielen delikaten Missionen, deren er von der Regierung für würdig befunden wurde, hervorzuheben: Er gehörte dem mit diskretionären Vollmachten ausgestatteten Ausschuß der Drei an, welcher seinerzeit über die Aussonderung ungeeigneter Kräfte aus dem Personal des Unterrichtsministeriums, also über das Wohl und Wehe Hunderter von Bcamtensamilien, zu entscheiden hatte. In keiner der genannten Gruppen, also web« in der der Universitätsprofessoren noch der ehemaligen Deputierten oder Bürgermeister/noch auch der Verwaltungsbeamten, und doch nicht minder wohlverdientermahen, befindet sich im Senat Luigi DellaTorre, einer der Inhaber des altangesehenen Bankhauses Zaccaria Pisa in Mailand. Rechnet man jedoch — was Wohl berechtigt — die mit einem Anfangskapital von 10 000 000 Lire in Mailand von dem mantuanischen Juden Moise Loria begründete Societa Umamtaria zu den öffentlichen Wohlsahrtseinrichtungen, so gehört er der zweiten Gruppe an. Ward er doch zum Reorganisator der Stiftung! Aus wissenschaftlichen Gründen huldigt er dem gemäßigten oder Reformsozbalismus. In die Praxis hat er ihn durch Gründung und Zentralisierung von Kreditinstituten für Genossenschaften, durch Förderung der Vereinheitlichung des Bankwesens Und vieler humanitärer Einrichtungen, auch solcher zugunsten der Privatbeamten, umzusetzen gesucht. Man behauptet von ihm, er wäre der Bankier sein« Partei, die fast nur allein durch ihn im Senat des Königreichs vertreten ist. 3. Schlußbetrachtung. Wie es aus den Gemeindefriedhösen Italiens von Jahr zu Jahr schwerer fällt, die christlichen von den jüdischen Abteilungen zu unterscheiden, da sich in diesen die Stein- und sonstigen Abbild« der Verstorbenen sowie die Lämpchen am katholischen Allerseelentag fortwährend mehren, so verwischen sich, wie aus unser« Darstellung hervorgeht, auch im Leben die Unterschiede zwischen der lateinischen und semitischen Rasse mehr und mehr. Es ist außer Zweifel,, daß die große Mehrzahl der vorgesührten Persönlichkeiten kaum für irgendwelche speziell jüdischen Interessen zu haben wäre. Um so höh« ist übrigens eben deshalb Luigi Luzzattis Teilnahme an d« denkwürdigen Kundgebung in Rom am 8. Dezember 1918 zugunsten der zionistischen Bewegung anzuerkennen. Er, der ehemalige Ministerpräsident, der sich vom religiösen Leben der Israeliten gänzlich sernhält, wollte für seine Stammesgenossen nicht weniger tun, als was er bereits seit länger« Zeit für die Armenier zu fördern suchte: die Wiederherstellung ihres untergegangenen Staates. Von diesem Gesichtspunkte aus halte er einige Tage vorher, am 26. November, in der Kammer ausgerusen, Juden und Armenier nähmen die erste Stelle ein im Märtyrertum der Völker! Doch nicht allein bei guten Worten will er's bewenden lassen: Vor kurzem hat « sich zur Ausarbeitung von Satzungen für die jüdischen Genossenschaften in Palästina bereit erklärt. Aber wollte man auch Luzzatti als Einzelerscheinung unter den politischen Persönlichkeiten d« Inden Italiens betrachten: Die Tatsache, daß sich unter einer Gesamtbevölkerung von gegen 40 Millionen Katholiken, denen niemand ihre hohe geistige Beanlagung abzusprechen vermag, eine winzige Minorität von noch nicht 45 000 Juden, von denen übrigens nur noch 34 000 als solche gelten wollen, derartig auszeichnet, daß sie, ohne irgendwie zu dem Zwecke eigens organisiert zu sein, elf der ihrigen ins Abgeordnetenhaus und 23 in den Senat entsendet, läßt natürlich doch bei manchem den Gedanken aufkommen, ob denn nicht wenigstens ein Teil der Kräfte, die dieser Zweig des Semitentums hervorbringt, geeignet sem sollte, beim Wiederaufbau eines eigenen Heims am östlichen Ufer des Mittelmeeres mitzuwirken. Der „heilige" Verein. Von Gotthard De u ts ch (Cincinnati). ine Notiz in Nr. 4 dieser Zeitung legte mir den Gedanken nahe, die Entwicklung der Vereine, die sich mit Krankenpflege und Beerdigung befassen, in Kürze populär zur Darstellung zu bringen. Ein Korrespondent sagte an der angeführten Stelle („Gemeindebote", S.2): „S)a§ Epitheton ornans

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