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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-05 · Heft 16 (5.8.1921) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 16 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
Seite 183 (sequence 5)
Language
German
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183 - Die „I. P. Z." meldet aus Amerika: Das Repräsentantenhaus hat mit 171 gegen 70 Stimmen eine Resolution. von Johnson angenommen, wonach allen Immigranten, die vor dem 8.. Juni sich nach Amerika begeben haben, die Landung gestattet werden soll, wenn auch die Monatsquote schon überschritten sei. Durch dieses Gesetz soll jenen Immigranten, die keine Kenntnis vom neuen Gesetz hatten, resp.' ihre Reise nicht mehr verschieben konnten, geholfen werden. Natürlich wird deren Zahl den weiteren Monatsqüoten'angerechnet werden. ' * ■ Ans irr«d über Palästina. Wie erinnerlich hat der Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Santuel, kürzlich mitgeteilt, daß die Schaffung einer palästinensischen Volksvertretung unmittelbar bevorstehe. Meldungen aus Jerusalem befassen sich mit dieser Frage, um vornehmlich das Verhältnis der neuen Körperschaft zu dem bereits vorb'audenen „Advfforv Council" sestzustellen. Danach steht fest, daß die Mi.tgli'ederzah.l des Parlaments die des Council erheblich übersteigen wird (der Council zählt bekanntlich nur zehn Mitglieder). Sicher ist ferner, daß das Parlament von der gangen Bevölkerung des Landes nach einem nock» fesizUsetzenden Modus gewäblt werden, wird. Was den Charakter der Volksvertretung anaeht. so glaübt man, daß lediglich eine Erweiterung der beratenden Funktionen' des Advisorv Council zu erwarten ist. Jedenfalls wird' die neue Vertretung d'em> europäischen Parla-ments'thpu's nähersteben, ohne ihm jedoch gilekchgukonnnen. Man erwartet, daß die nächsten zwei Monate die Frage der VMerveriretung endgültig klären werden. In einer Sitzung des Großen' Zionistischen Aktionskomitees erklärte der Hervorraaende Kenner Palästinas, Dr. Arthur Rüvvin. daß es möglich sei, mit einenr Kostenaufwand von 1 500 000 Pfund Sterling die Zabl der geaenwärtigen jüdischen Bevölkerung in Palästina innerhalb dreier Jahre zuverdoppeln. Der Wirtschaftsausschuß (Board) für Palästina ist nuumebr als eine Gefells.ch>aft mit beslckirän-kter Haftungohne Aktienkapital eingetragen worden. Sein Zweck ist, dev der Entwicklung Palästinas in U^bereinstimmuna mit den Vorkehrungen des Palästina Mandats oder auf andere Weise zu helfen. b»;e Errichtung einer jüd-isckknationalen 'Heimstätte unddie Entwicklung der Interessen d-er jüdischen Bevölkerung Palästinas zu fördern im Zusammenschluß mit der Zionistischen Organisation oder einer anderen geeigneten jüdischen Vertretung, welche von dem genannten Mand-at anerkannt ist oder anerkannt werden 'wird-. Die Präsidenten der Zionistischen' Organisation und der Jewish Cölomsiation Association sollen das Recht haben, je zwei Personen in das genannte Komitee zu entsenden. Zu den Unterzeichnern des Gesellsichiasitsvertrags gehören u. a.: Sir Alfred Mo'nd-, James A. de Rothschild, W. H. S>a,muel und H. Hirst, der Vorsitzen d-e der größten englisch,en Elektrizitätsgesellschast. Mit einem Kapital von fünf Millionen Francs hat Baron Edmond de Rothschild in Haisa eine- Mtiengesellfchaft gegründet, die sich vornehmlich dem Mühlenbau widmen will. Die neu zu errichitenden Mühlen sollen Mehl nicht nur für die Bedürfnisse Palästinas, sondern auch für die der angrenzenden Länder vermahlen. An der Spitze dieser „8oeiet6 des Grands Moulins de Palestine" stehen hervorragende Fachleute aus Deutschland. — Baron Edmond de Rothschild hat ferner den bekannten Chemiker Heisetz nach Palästina' entsandt mit dem Auftrag, die Errichtung einer Parfümerieindustrie vorzubereiten. Heisetz glaubt, daß di'eser Industriezweig in Palästina eine große Zukunft verspricht und hat deshalb seinem Auftriaggeber vorgeschliagen, in Schum und Petach Dibwiah Parsümeriiefabriken zu errichten-. Die Gründung einer besonderen Aktien-geMschast stcht unmittelbar bevor. Die Telegrammgebühren vo-n Deutschland nach Palästi-nai sind neuerdings aus 21 Mark für das Wort herabgesetzt worden. Ende dieses Monats werden die Triester Schiffahrtsgesellschaften für den Mittelmeer- und Schwarzen-Meer-Verkehr neue Frachttarife in Kraft setzen. Da die Absicht besteht, für Waren, die aus entfernten Gebieten kommen, besondere Frachtermäßigungen zu gewähren, werden die Tarife in einigen Relationen stärk herabgesetzt sein. So sollen vor allem süddeutsche Waren eine 20prozentige Ermäßigung auf die Tarifpreise genießen, während österreichische, ungarische und tschechoslowakische Waren (je nach der Entfernung ihrer Abgabestation) eine Frachtreduktion von 10 bis 20 Prozent erfahren sollen. Die Zionistische Konunission in Palästina hat in den letzten Taigen den dem griechischen Patriarchat in Jerusalem gehörenden Riesenkomplex für 350 000 Pfund Sterling erworben. Das Terrain liegt im Zentrum der Stadt und soll jetzt in ein. großes Geschäftsviertel verwandelt werden. . Der letzte große Bodenerwerb des Jüdischen Nationalfonds erweckt * unter den Juden wegen der Lage und Ausdehnung des neuen Gebietes besonderes Interesse. Die Böden liegen in der Ebene Jesreel und bilden zwei zusammenhängende Stücke: Malul westlich und Nuris östlich der Grenze jüdischer Siedlungen Merchaviah, Balfouria und Tel-Adas, mit denen sie wahrscheinlich bald durch kleine Zukäufe zu einem abgerundeten Aeral von 70 000 bis 80 000 Dunam verschmolzen werden. Da der Westkomplex des Malulgebietes von der Straße Haifa—Nazareth—Beth-Schan und der Ostkomplex des Nurisstückes von der Bahnstrecke Haifa—Beth-Schan—Damaskus durchschnitten wird, können die Produkte der neuen Böden rasch, leicht und billig den Markt erreichen. Malul ist zum größten Teil eben, doch auch im Hügelland für Pflanzungen gut geeignet; besonderen Erfolg verspricht der Anbau von Tabak. Nuris ist säst in seiner Gesamtheit flach und gehört zu den fruchtbarsten Böden; Zuckerrübe, Zuckerrohr und Baumwolle gedeiht dort besonders günstig. Als Vorzug beider Bodenstücke wird die Eignung für intensive Kultur bezeichnet. „Der Jud" in Warschau teilt mit, daß eine Gruppe orthodoxer Politiker in Warschau beschlossen hat, eine Farm zur landwirtschaftlichen Ausbildung orthodoxer junger Leute, die nach Palästina gehen wollen, zu gründen. Außer den sonstigen Einrichtungen werden an der Farm auch Talmudkurse eingerichtet, um den jungen Leuten die Pflege jüdischen Geistes zu ermöglichen. Besondere Aufmerksamkeit soll den Teilen des Talmud geschenkt werden, die sich auf Palästina beziehen. Aus Vorschlag der Direktoren des Keren Hajessod soll das Statut des Keren Hajessod einige Aenderungen erfahren. Geplant ist dabei eine Erhöhung des Zinsenbringenden Anteils, und zwar der rein geschäftlichen Investierungen, auf 50 Prozent der gesamten Einzahlungen. Im Maaßerprinzip (Zehntelabgabe) soll außerdem eine Modifikation im Sinne einer Staffelung vorgenommen werden, da eine Zehntelabgabe bei den arbeitenden und kleingewerblichen Klassen als viel zu starke Belastung angesehen wird. Diese Aenderungsvorschläge bleiben dem in Karlsbad zusammentretenden Zionistenkonigreß Vorbehalten. Z. K. lörieke aus Ungarn. us den jüngsten Wochen sind über die sogenannte Judenfrage in Ungarn mehrere interessante Aeußerungen zu verzeichnen, die den beredten Beweis dafür erbringen, daß der Haß und die Feindseligkeit gegen die Juden Ungarns, dieser bedauerliche Auswuchs der revolutionären Strömungen der letzten Jahre, keinen Boden in der ungarischen Intelligenz finden und immer mehr im Sande zu verlausen beginnen und daß anderseits die immer sporadischeren Fälle dieser Gehässigkeit nicht imstande waren, die Gefühle und Bestrebungen des Patriotischen ungarischen Judentums irgendwie zu beeinträchtigen. Fürstprimas Dr. Johann Csernoch äußerte sich am 7. Juni einer zu seiner Begrüßung erschienenen jüdischen Deputation gegenüber, daß er stets ein Wortführer und Fürsprecher der Sache des Judentums gewesen, so oft es in Nöten war, daß er stets die Eintracht zwischen den Konsessionen gepflegt habe und den Judenhaß aus vollem Herzen verurteile:

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