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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-05 · Heft 16 (5.8.1921) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 16 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
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182 Die Tagung -es Zionistischen Aktionskomitees. Dom 1V,. bis 17. Juld hielt bas Zionistische Aktionskomitee in Prag, seine Beratungen ab unter Vorsitz* Professor Marburgs. Einem Berichte Sokolows über die Lage in Palästina folgte der ausführliche Bericht des Präsidenten Dr. Wei zman n über die politische Lage, wie er sie in London und Amerika gefunden habe, wo alle Politiker an der Balfourschen Deklaration sesthalten. Wenn auch Herbert Samuel Schwächen gezeigt habe, so könne das keineswegs auf das Schuldkonto der Zionistischen Organisation gebucht werden. Ter Leiter des Palästinaamtes, Dr. Ruppin, berichtete über die Neugründungen und Bodenankäufe in Palästina, Professor Marburg über den Nationalfonds, dessen Größe in stetem Wachsen sei. Dem Bericht Rvssows über den Palästina-Ausbaufonds ist zu entnehmen, daß der Fonds bisher 154 000 Pfund eingenommen hat, wozu Amerika den größten Teil spendete. Lichthelm teilte mit, daß vom Februar, 1919 bis Mai 1920 rund 14 000 Juden in Palästina neu eingewandert sind. Der palästinensische Delegierte Sprinzak erklärte, in den letzten drei Jahren fei im Lande wenig geschaffen worden und Palästina sei noch immer arm. Jabotinsky erklärte, zur Sicherung der Kolonie wäre die Wiederaufrichtung der jüdischen Legionen unbedingt notwendig. Die Konferenz hatte auch den Zweck, die unmittelbaren Vorbesprechungen zu erledigen, die als Grundlagen für den am 1. September in Karlsbad tagenden Welt - Zionistenkongreß dienen sollen. — Folgende Resolution gelängte zur Annahme: „Das Aktionskomitee fordert die strenge Bestrafung aller an den Ereignissen in Palästina schuldigen Personen sowie vollen Schadenersatz für die zugefügten Schäden. Ferner fordert das Aktionskomitee, daß in Zukunft politische Stellungen in Palästina nur an Beamte übertragen werden, von denen man mit Bestimmtheit weiß, daß sie loyale Anhänger der Balfour-Deklaration sind. Alle Einwanderungsbeschränkungen müssen abgefchasst werden, die Regelung der Einwanderung muß im Einvernehmen mit der Zionistischen Organisation erfolgen. Das. Aktionskomitee besteht auf einer gründlichen Reform des palästinensischen Polizeiwesens sowie auf einer Regelung der Grenzfragen, die den wirtschaftlichen Anforderungen Palästinas Rechnung trägt. Das Aktionskomitee beaustragt die Exekutive, Schritte zu unternehmen, um. die endgültige Regelung des Mandates durch den Völkerbund herbeizuführen und das Mandat so auszubauen, daß es als eine vollständige Garantie der jüdisch-nationalen. Heimstätte und. ihre einzige rechtliche Grundlage angesehen werden kann. Bis zur Erreichung dieser Forderungen sollen aber keine Maßnahmen getroffen werden, die mit der Balfour-Deklaration im Widerspruch stehen." Offizieller Empfang. Die tschechische Regierung und der englische Gesandte Sir Clark veranstalteten im Prager Luzernasaal einen feierlichen Empfang zu Ehren des Zionistischen Aktionskomitees. Für die tschechische Regierung war Legationsrat Jan Masaryk, als Vertreter Englands der Gesandte Sir Clark erschienen. Das Aktionskomitee selbst war mit Ausnahme von Professor Weizmann, der zu einer Konferenz mit Lloyd George nach London abgereist ist, vollständig anwesend. Nach mehreren Ansprachen ergriff Sir Clark das Wort. Er hob hervor, daß er ein ausrichtiger Freund der zionistischen Bewegung sei und sie genau kenne, da er unter Balfour diplomatisch gearbeitet habe. Eine Bewegung, meinte er, die 'von Männern wie Masaryk und Benesch unterstützt und von Männern wie Weizmann und Sokolow geführt werde, könne man nicht hoch genug schätzen. *!■ England. Laut dem „Daily Telegraph" hat die britische Reichskonferenz (Konferenz der britischen Premierminister) sich mit der allgemeinen Politik der Regierung im nahen Osten bzw. Mesopotamien und Palästina einverstanden erklärt, das heißt mit anderen Worten, die Mandatspolitik Englands gebilligt. Vorige Woche fand im Kolonialministerium die Feier der Uebergabe der Churchill in Palästina geschenkten Sefer Thora statt. Da diese Thora bei der Abreise Churchills aus Palästina noch nicht fertig war, hat sie Sokolow nach London mitgebracht und nun Churchill überreicht. Aus der am 10. Juli abgehaltenen Sitzung der Anglo Jewish -Association hat Claude M o n t e s i o r e, der seit mehr als 25 Jahren Präsident der Association ist, resigniert, um mehr freie Zeit , für seine wissenschaftlichen Arbeiten zu haben. Zum Präsidenten wurde an seiner Stelle O. A. Goldsmith gewählt. O Bialik über die Lage in Sowjetrntzland. Die Konstantinopler „La Nation" veröffentlicht ein Jnterwiew mit dem soeben in Begleitung mehrerer literarischer Freunde in Konstantinopel .eingetroffenen hebräischen Dichter B i a l i k, dem wir folgendes entnehmen: Was die allgemeine Lage in Sowjetrußland anlangt, so sind Antisemitismus und Progrome nicht in das Programm der Sowjetregierutrg ausgenommen. Die Juden sind keineswegs Anhänger oder Verteidiger des Bolschewismus, aber es beherrscht sie ein Angstgefühl vor der Rückkehr des autokratischen Regimes, das bei ihnen einen starken Eindruck von Schrecken hinterlassen hat. Die Freiwilligen Denikins und Wrangels haben so viel Morde verübt, so viel Gut verwüstet und verbrannt, so viel Frauen, Greise und Kinder getötet, daß, wenn man nur ihre Namen nennt, die Juden all die unbeschreiblichen Leiden vergessen, denen sie jetzt ausgesetzt sind. Es muß fortwährend betont werden, daß die Juden in Rußland keine Bolschewisten sind und auch genügend Gründe Haben, es nicht zu sein. Durch die Nationalisierung des Handels und die Unterdrückung der Industrie wurde die ganze jüdische Bevölkerung, mit Ausnahme einer kleinen Zahl jüdischer Arbeiter, ruiniert und dem größten Elend ausgeliefert. Von den 18 Volkskommissären, die Moskau regieren, sind allerdings drei — Trotzki, Kamieniew und Sinowiew — jüdischer Abstammung. Aber obwohl in ihren Adern jüdisches Blut fließt, gibt es absolut nichts, weder moralisch noch geistig, was sie mit ihrer Rasse verbinden würde, von der sie sich in jeder Weise sernzuhalten bemühen. Der Bolschewismus duldet die jüdische Religion in den Synagogen und mengt sich nicht in religiöse Fragen. Die Gewissensfreiheit ist im heutigen Rußland eine vollkommene. Die einzige Bedingung ist, daß die Religion nur in den Synagogen bzw. Kirchen oder Moscheen ausgeübt wird. Was die hebräische Sprache betrifft, so dürsten die gegenwärtigen Regierungen ihr nicht feindlich gesinnt sein, aber die jüdische Sektion beim Bildungskommissariat, die vom „Bund" aufgehetzt wird, der von keinen Unterschieden bezüglich Rasse und Religion wissen will, zieht vor, daß man in den jüdischen Schulen Jiddisch und nicht Hebräisch unterrichtet. J- P- Z. # Eine jüdische Handelsflotte. Ein seit 35 Jahren in London wohnender reicher Konstante nopeler Jude, M a z z a h, organisiert jetzt nach Mitteilungen der palästinensischen Zeitungen eine jüdische Handelsflotte. Er erstand von der britischen Regierung 16 große Handelsschis.se, die England während des Krieges erworben hatte und deren es jetzt nach dem Kriege nicht mehr bedarf. Die „Zionist Revue" enthält die Abbildung eines dieser Schiffe mit dem Namen „Chajim Mazzah" zum Andenken an den Vater des Erwerbers. Auf dem Verdeck ist ein großer „Magen David" angebracht und der Name „Zion" in hebräischen Lettern. Dieses erste Schiss hat. bereits den Hafen Alexandrien, überfüllt von Reisenden aller Klassen, verlassen. Diese „Zion National Steam Navigation Company Ltd." beabsichitgt, aus folgenden Linien den Verkehr zu vermitteln: 1. Alexandrien—Palästina—Syrien und Konstantinopel; 2. Schwarzes Meer—Konstantinopel—Jsmid und Marseille und 3. Piräus—Alexandrien und Syrien. Aus allen Schiffen flattert die englische und die zionistische Flagge. ' *■ Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. Die scharfe Handhabung und prohibitive Wirkung des neuen Einwanderungsgesetzes der Vereinigten Staaten von Nordamerika, das die jährliche Zuwanderung für Angehörige fremder Nationalität auf drei Prozent ihres Bevölkerungsstatus in den Vereinigten Staaten im Jahre 1910 beschränkt, geht aus folgendem Vorfall hervor. Auf Grund eines im letzten Augenblick aus New Port eingegangenen Kabels wurden sämtliche Polen, darunter 254 Juden, von der Einschiffung mit dem am 14. Juli fahrplanmäßig von Hamburg nach New Uork abgehenden Dampfer „Mount Clay" zurückgewiesen. Dieselben sind zur Fahrt mit dem Dampfer „Mount Carroll" zum 21. Juli zugelassen, damit ihr Eintreffen - erst im Auguft — im Rahmen der festgesetzten Einwandererzahl — erfolgt.

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