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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-07-22 · Heft 15 (22.7.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 15 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 der Rellgionsschule und der israelitischen Volksschule chm Nachrufen; Hermann Katz war der pflichttreueste Beamte, der warmherzigste Freund, der selbstloseste, edelste Mensch, ein Meister der Lehrkunst, ein wahrer Vater seiner Schüler. Ms solcher wird er in den Herzen aller, die ihn kannten, sortleben, und sein Andenken wird dauernder sein als ein Denkmal von Stein und Erz. „Er war ein Lehrer." Möge ihm die Erde leicht sein! Wiesbaden, 15. Juli. Antisemitische Angriffe auf die Direktoren der hiesigen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime, Dr. G o l d st e i n und Steffens, die die „Rheingau-Warte", das Organ des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, und die „Deutsche Handelswacht" in Hamburg wegen angeblich, unsozialen Verhaltens den Angestellten gegenüber erhoben, beschäftigten das hiesige Schöffengericht. Angeklagt waren die beiden Redakteure Noa und Zimmermann. Das Gericht sah sämtliche unter Anklage gestellten Behauptungen als durch die Beweisaufnahme widerlegt an und verurteilte Zimmermann wegen öffentlicher Beleidigung zu 300 Mark Geldstrafe. In der Klage gegen Noa steht das Urteil noch aus. Ängarn. Z. Budapest, im Juli. Nach sieben Wochen mühevoller angestrengter Tätigkeit hat der Vorstand der Pester Chewra Kadischa die diesjährige Ausnahme neuer A Mitglieder mit einer Festsitzung, und einem feierlichen Gottesdienste zum Abschluß! .gebracht. Es wurden insgesamt 8200 neue Mitglieder ausgenommen, und zwar: 8 Rabbiner und Kantoren, 85 Professoren und Lehrer, 202 Advokaten und Richter, 180 Aerzte und Apotheker, 181 Architekten und Chemiker, 101 Schriftsteller, Künstler und Journalisten, 22 Landwirte, 88 Fabrikanten, Unternehmer und Großhändler, 156 Rentiers und Pensionisten, 176 Direktoren und Prokuristen, 1562 Beamte, 1260 Kaufleute, 465 Agenten und Kommissionäre, 526< kaufmännische Angestellte, 1140 Gewerbetreibende, 515 gewerbliche Gehilfen und Arbeiter, 175 Diener, 16 Soldaten, 160 Schulkinder, 46 Hochschüler und 1136 sonstigen Berufen ungehörige Personen. In der jüngsten Jahresgeneralversammlung dieses Humanitären Institutes wurde der Kostenvoranschlag für das laufende Jahr mit über 12 Millionen Kronen veranschlagt. Dem vorn Generalsekretär Dr. Heinrich Endrei unterbreiteten Jahresberichte entnehmen wir folgende Daten: Die Chewra Kadischa hat im abgelaufenen Jahre bei 1014 Millionen/Kronen Einnahmen 11X> Millionen Kronen Ausgaben zu verzeichnen. Hiervon entfielen auf das Alterversorgungshaus und Asyl 4^ Millionen, auf das Spital des Versorgungsheimes 1% Millionen und das Spital der israelitischen Gemeinde 900 000. Kronen, für Armenunterstützung 300 000 Kronen, auf Erhaltung der Friedhöfe, Gräberpflege und unentgeltliche Bestattungen 2% Millionen, so daß 90 Prozent sämtlicher Ausgaben für Wohltätigkeits- und Pietätszlvecke verwendet lvurden. Die Generalversammlung beschloß, die durch den Tod Julius Winterbergs verwaist gewordene Prästdentenstelle zum Zeichen ihrer Pietät ein Jahr lang nicht zu besetzen und den. Vizepräsidenten Julius Adler mit den Prästdia'lagenden zu bietrauen. — Die Pester Israelitische Religionsgemeinde hat ans Antrag des Präfesstellvertreters Tr. Alexander Lederer eine wichtige Institution ins Leben gerufen, die geeignet fein dürfte, das in den Leiden und Heimsuchungen der letzten Jahre vertiefte religiöse Gefühl der Gemeindemitglieder noch mehr zu vertiefen und das allgemeine Interesse für die jüdischen Wissenschaften und Forschungen zu neuern intensiven Leben anzufachen. Tie Gemeinde hat nämlich ein Bech^Hamidrasch ins Leben gerufen, an dem die hervorragendsten Rabbiner und jüdischen Gelehrten der ungarischen Hauptstadt ihre Vorträge zugesagt haben. Die neue Institution, besteht vorläufig aus. einer Zentralanstalt und aus drei ähnlichen Lehranstalten in den äußeren Bezirken der Stadt, deren Eröffnung schon für den Herbst bevorsteht. — Der Pester Israelitische Frauenverein hat in feiner jüngsten Generalversammlung ein übersichtliches Bild, seiner Tätigkeit im abgelausenen Vereinsjahre geboten. Demnach hat der Verein im abgelaufenen Jahre für 100 000 Kronen au Unterstützungen verteilt, in feinem Mädchenwaisenhause und Waisenasyle 72 Waisenkindern mit einem Kostenaufwand von über einer halben Million Kronen eine Zufluchtsstätte geboten, iirx Alice- Weiß-Wöchnerinneuheim 583 Wöchnerinnen mit einem Kostenaufwand von dreiviertel Millionen verpflegt. Die Pester Israelitische Religiousgeineinde ließ dem großzügigen. Verein und seinerverdienstvollen Präsidentin Frau Anton Deutsch durch ihren Präsesstellvertreter Pr. Bäla Feleki den Dank der Gemeinde znm Ausdruck bringen. — Die Pester Israelitische Nel-igionsgemei-nde veranstaltet im Verein mit der Chewra Kadischa am 24. Juli eine pietätvolle Tranerseier. Im Pester neuen Jüdischen Friedhöfe sind laut den statistischen Daten der Friedhofsverwältung an 2000 Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten begraben, die im großen Weltkriege für ihr Vaterland gefallen sind. An ihren Grabstätten wird nun am 24. Juli eine pietätvolle Trauerfeier veranstaltet und sämtliche Gräber mit je einem Blumenstrauß geschmückt werden. Zu der Feier, die zugleich, einen beredten Beweis gegen die oft erhobene Behauptung bilden wird, daß die ungarischen Juden nicht im Verhältnisse ihrer Gesamtzahl im Kriege Opfer gebracht haben, werden auch die militärischen Kommandos und die bedeutendsten Politiker des Landes geladen. Die Gemeinde beschloß ferner, die Namen der Kriegsopfer im Tempel in der Tohäny-utca auf einer Marmortasel zu verewigen und an ihren Gräbern alljährlich eine Trauerfeierlichkeit zu veranstalten. — Der Verein ungarischer israelitischer Handwerker und Ackerbauer hielt vor kurzem unter dem Vorsitze des Präsidenten, Baron Adolf Kohner, feine 78. Jahresgeneralversannnlung ab, die die aus die vollständige Wiederaufnahme der Vorkriegstätigkeit des Vereins bezüglichen Anträge der Direktion genehmigte. Demgemäß wird die bisher infolge der Verluste während der Kommune und der rumänischen Besetzung stark reduzierte gemeinnützige Tätigkeit des Vereins durch die Wiedereröffnung des Handlverkerlehrlingsheims ergänzt werden. Die zweite Anstalt des Vereins, die Gärtnerausbildungsanlage, soll durch eine Abteilung für den Unterricht im Ackerbau erweitert werden. %\\d) soll die Unterstützung der externen Handwerkslehrlinge mit Kleidern und Schuhen und jene der Gewerbesachschüler mittels Stipendien wieder ins Leben treten. Der Verein, der durch die traurigen Ereignisse der jüngsten Jahre, namentlich durch die Plünderungen der Kommune und der rumänischen. Besetzung, außerordentlich gelitten hat und seither mit einem beträchtlichen Defizit arbeitet, rechnet für seine weitere humanitäre und eminent kulturelle Tätigkeit aus die tatkräftigste Unterstützung des Judentums. Dolen. W. Posen, 8. Juli. Nach längerem Leiden starb hier im Alter von 86 Jahren der Rentier Herr Gustav Goldschmidt. Seine Bestattung gestaltete sich zu einer großen Ehrung. Sämtliche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, auch Nichtjuden wohnten der Beerdigungsfeier bei. Mit Gustav Goldschmidt ist einer der geachtetsten Männer der Stadt Posen dähingegangen. Vor sieben Jahren war es ihm noch vergönnt, mit seiner Gattin Frau Rosalie Goldschmidt, geb. Prochownick, das Fest der goldenen Hochzeit zu feiern. Sein Leben war Forschen in den Religionssatzungen, Gottesdienst und Wohltun. Bis an sein Lebensende stand er an leitender Stelle in den Vereinen innerhalb der Jüdischen Gemeinde, denen „Nächstenliebe" die Hauptausgabe ist. Selbst bei der rauhesten Witterung schonte er sich nicht, trotz feines Alters Kranke zu besuchen, zu trösten und Leichen zu bestatten. Früh und abends sah man ihn im Tempel mit inniger Andacht sein Gebet verrichten. In seinen Wohltätigkeitswerken wurde er von feiner braven, gottesfürchtigen Frau unterstützt. Die Armen und Warfen wehklagen um den Verlust ihres Helfers und Beraters. Ehre seinem Andenken! Von Ash unü Lern. — Ein hier erscheinendes russisches Blatt berichtet über eine geheime Konferenz der russischen Monarchisten.in Reichenhall. In offizieller Form wurde auf dieser Konferenz zur Judensrage nicht Stellung genommen, doch wurde der Wunsch geäußert, bei elckschiedener Ablehnung und Bekämpfung des Bolschewismus, diese verderbliche Bewegung nicht eiuzig den Inden in die Schuhe zu schieben. Es gäbe rmter Juden wie unter Nichtjnden ebenso kommunistische unie antikommunistische Elemente. -- Nach kurzen schweren Leiden verschied in Bad Kissingen am 4. d. M. der Berliner Justizrat Dr. Sally Kronf.eld im 68. Lebensjahre. Die Berliner Judenschaft verliert in deyi Heimgegangenen eines ihrer angesehensten und treuesten Mitglieder, einen Mann, der, ohne nach außen glänzen zu wollen, seine mit reichem Wissen verbundene Tatkraft in den Dienst seines Glaubens wie der Nächstenliebe stellte. Er war ein liberaler Jude inr edelsten Sinne des Wortes und zählte auch zu den. Begründern des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Berliner Jüdischen Gemeinde. Ehre seinem Andenken! — Sanitätsrat Dr. Karl Edel, der verdienst-

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