Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 15 (22.7.1921)
- Date
- 1921-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SS. Jahrgang. Nr. 15 Berlin, 22. Juli 1921 Vetlsse zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". lKorrrsponden?en und Machrichtkn. Deutschland. &&& Berlin, 19. Juli. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, die Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B., das Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen JudRi, der Verband der russischen Juden in Deutschland- und die Vertretung der Jüdischen Welch ilfsorganifation in Deutschland haben kn Anzeigenteiil der vorigen Nummer unserer Zeitung einen Aufruf: Hilfswerk für d i>e U k r a i n e! erlassen, auf den wir heute bte besondere Aufmerksamkeit unserer Leser lenken möchten. Das Unglück, das über die Juden in der Ukraine -gekommen, ist so ungeheuer, daß die Phantasie fast erlahmt, um es wirklich zu erfassen! „Niemals," heißt es in dem Aufruf, „auch nicht in den 'entsetzensvollen Tagen des Mittelalters, ist über die Juden eine Katastrophe hereingebrochen von so unvorstellbarer Furchtbarkeit, wie sie sich jetzt am Rande des zivilisierten Europas, in der Ukraine, abgespielt hat. Das fürchterliche Elend der ukrainischen Juden kann nur einigermaßen gemildert werden, wenn die Gesamthei't der Juden in der zivilisierten Welt sich zusammentut, um, entsprechend dem entsetzlichen Elend, sich zu einer gewaltigen Hilfstätigkeit aufzurassen. Wie ernst die Lage der deutschen Juden auch ist — wir müssen in diesem Augenblick uns auch unserer Pflicht gegen die gehetzten Brüder in der Ukraine bewußt bleiben; wir müssen einen Hilfsfonds von einer Größe schaffen, die der Größe des Unglücks entspricht." Indem wir nochmals auf die vom Hilfsverern der Deutschen Juden gemeinsam mit den anderen großen jüdischen Organisationen unternommene Sammelaktion Hinweisen, fordern auch wir unsere Leser auf, reichlich für die ukrainischen Juden zu spenden. Der Aufruf ist an die gesamte Judenschast gerichtet; mögen auch alle Juden, ein jeder nach seinen Kräften und seinem Vermögen, zum Gelingen des Hilfswerkes beitrag,en. Wir erinnern an das Wort, der Heiligen Schrift: Lo taamod al dam achicha! Stehe nicht still, verhalte dich nicht ablehnend, wenn deines Bruders Blut vergossen wird, wenn er dich um Hilfe anruft! &&& Berlin, 19. Juli. Vom Deutschk-Jsraelitischen Gemeindebund erhalten wir folgende Zuschrift: Das Kura-toriunr der Friedri-ch-Wilhelm-Viktoria-Stiftunghatte für die Zeit vom 1. Oktober 1920 bis dahin 1921 die Zuschußquoten zu den Prämien der bei der „Viktoria" abgeschlossenen Lebensversicherungen für JOie Klienten der Stiftung automatisch um 100 Prozent erhöht. Da diese Frist demnächst abläust, und die Teuerung sich noch gesteigert hat, hat das Kuratorium beschlossen, vom 1. Oktober 1921 ab auf ein Jahr die Zuschüsse automatisch um 150 Prozent der zugrunde liegenden Bewilligungen zu steigern. — Da die freiwilligen Lehrerhilfskassen von ihren Klienten erhöhte Beiträge zu erheben gezwungen sind, so ist auch die Gesamtsumme für Beihilfen zu den Lehrerkassenbeiträgen verdoppelt worden. &&& Berlin, 19. Juli. Eine der wichtigsten Aufgaben des Hilfsvereins in der nächsten Zeit ist es, den Ostjuden, die sich nach Deutschland geflüchtet haben, zu ermöglichen, mit ihren Verwandten in den überseeischen Ländern in Verbindung zu treten und die Verwandten, sobald sie aufgefunden sind, zu bewegen, den in Deutschland sich befindenden Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen. Die amerikanischen jüdischen Organisationen, das Joint Distribution Committee und die Hias, haben sich zur Mitarbeit bereit erklärt. Sollten die Flüchtlinge, nachdem sie von ihren Verwandten in den überseeischen Ländern die nötige Unterstützung erhalten haben, Deutschland verlassen wollen, so wird ihnen der Hilfsverein behilflich sein, die zur Ausreise nötigen Papiere zu erhalten. Zur Durchführung einer umfassenden systematischen. Aktion hat der Hilfsverein der Deutschen Juden die Mithilfe von Vertrauensmännern und Komitees im Reiche gewonnen. In Anbetracht der großen Wichtigkeit der von ihm geplanten Aktion, die sowohl im Interesse unserer Glaubensgenossen aus dem Osten wie auch im Interesse der deutschen Juden liegt, veröffentlichen wir nachstehend die erste,Liste der Vermittelungsstellen, an die sich ostjüdische Glaubensgenossen behufs Erkundigungen über Verwandte, mit denen sie die Verbindung verloren haben, wenden können. Weitere Listen werden folgen. 1. Liste von V e rtrauensleuten und V e r - m i t t e l u n g s st e l l e n. B r a u n s ch w e i g : Landesrabbiner Dr. Rieger, Steinstraße; Bremen: Rabbiner Dr. R o s e n a k, Parkallee 15—17; B re s la u : Ernst Muhr, Körnerstraße 10; Cassel: Landesrabbiner Dr. Walter; D a r m st a d t: Theo dor Meyer, Bleichstraße 26; Düren: Alexander Bendix; Düsseldorf: Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r, Kasernenstraße 67; Emden: Jakob H. von der Walde; Erfurt: Rabbiner Dr. Salzberger; Fürth: David Lehmann i. Fa. Lehmann u. Co., Bahnhosstraße 1; Frankfurt a. O.: Max Struck, Schmalzstraße 3; Frankfurt a. M.: Israelitischer Hilfsverern, Lange Straße 30; Glogau: Max Moses; Göppingen: Rabbiner Dr. Tänzer; Göttin gen: Rabbiner Dr. Behrens, Bunsenstraße 12; Hagen: D. Strauß r. Fa. Kaufmann u. Strauß, 12—1234; Hamburg: Hilssv erein der Deutschen Juden, Ferdinandstraße 14; Hannover: Rabbiner Dr. Freund, Stiftstraße 11; Hildes heim: Landesrabbiner Dr. A. Lewinsky; Konstanz: Siegrnünd Schwarz, Döbelestraße 16, werktags 1—2; Lübeck: Martin Nt ansbacher, Antonistraße 2, 7—9 abends; Magdebur g: Leonhard Sperling, Kaiserstraße 16; München: Verband der Israelitischen Wohltätigkeitsvereine, Herzog-Max-Straße 5, Sprechstunden 10—12; R o st o ck : Arnold Bern h a r d, Schnickmannstraße 9, werktäglich 10—12; Saarbrücken : Gilbert Worms, Kaiserstraße 22; Ulm a. d. D,: Rabbiner Dr. Straßburger; Zwickau i. Sa.: Wilhelm Grünberg, Israelitisches Gemeindeamt, Mittelstraße 4, II. Berlin, 19. Juli.' Zu Ehren des aus Amerika zurückgekehrten Professors Albert E i n st e i n veranstaltete die „Zionistische Vereinigung für Deutschland" im Hotel Kaiserhof eine Begrüßungsfeier, an der zahlreiche bekannte Persönlichkeiten teilnahmen. Nach einer längeren Ansprache Kurt Blumenfelds, eines Mitgliedes der Zionistischen Weltorganisation, ergir-ifs der gefeierte Gelehrte das Wort, um über den Weg, der ihn zum Zionismus geführt, und über die besondere Mission der zionistischen Bewegung zu sprechen. Er erklärte einleitend, niemand werde ihm zumuten, daß er einer nationalistischen und gewalttätigen Sache seine Zustimmung oder gar seine Kraft geben wolle. Wenn er den Zionismus unterstütze, glaube er vor allem den Frieden zu fördern; denn die unter Führung der Zionisten sich vollziehende Erneuerung des Judentums müsse den; Freunden des Weltfriedens neue Zuversicht geben. Durch den Zionismus werde dem Judentum seine uralte Friedensmission wiedergegeben, deren Erfüllung jeder Jmde durch tatkräftige Förderung der! zionistischen Bestrebungen beschleunigen könne. Einsteins Ausfüh-; rungen wurden mit starkem Beifall ausgenommen. Berlin, 19. Juli. Wer sich bisher über die Geschichte des Zionismus von ihren Anfängen bis zur jüngsten Gegenwart insor- , mieren wollte, war genötigt, selbst zum Historiker zu werden. Er fand nur Material, aber nirgends die zusammenfassende Darstellung, die ihn über das Werden dieser Bewegung und ihren jetzigen Stand fortlaufend unterrichtet hätte. Nun erschien im vorigen Jahre Adolf B ö h ns „Zionistische B»e w e g u n g" im Welt- Verlag! (Berlin); sie gab in prägnanter Form und tieseindringender Betrachtungsart diese Geschichte bis zum Tode Herzls. Wie wir jetzt -erfahven, wird noch vor dem XII. Zionistenkongreß in Karlsbad der zweite Band dieses Werkes (ebenfalls im Welt-Verlag), der die Geschichte des Zionismus bis zur Gegenwart behandelt, vorliegen. Man darf mit Recht auf diese Darstellung gespannt sein, die ein Mann vom Range Böhns' diesem neuesten Abschnitt der Geschichte; gegeben hat. Der bereits erschienene erste Teil läßt vermuten, daß wir in diesen beiden Bänden wirklich „d i e" Geschichte des Zionismus in deutscher Sprache vorliegen haben. Berlin-Lichterfelde, 19. Juli. Ein Mitglied einer ausländischen Mission wollte am Schalter des Wannseebahnhofs