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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-07-08 · Heft 14 (8.7.1921) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 14 (8.7.1921)
Date
1921-07-08
Page
Seite 159 (sequence 5)
Language
German
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159 widmen, da dies das einzige Arbeitsgebiet ist, auf dem die Maschinen und Werkzeuge am leichtesten zu entbehren sind. * ' Im völlig überfüllten Blüthner-Saale sprach am Montag, den 27. Juni, abends, nach vorangegangenem Vortrag des Rabbiners Dr. Nobel (Frankfurt am Main), der die religiösen Grundlagen des Zionismus darstellte, Professor Albert Einstein über den „Aufbau Palästinas als Aufgabe der Judenheit". Einstein schilderte Eindrücke seiner Amerikareise, die er im Aufträge der zionistischen Weltorganisation soeben beendet hat. Er gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick über die Entwicklung des Judentums in den letzten hundert Jahren und betonte, zum ersten Male in Amerika jüdisches Volk gesehen zu haben. Volk nicht im Sinne einer Summe von Einzelwesen, sondern als eine nationale Gemeinschaft mit verbindendem Nationalbewußtsein. Ihrer Fähigkeit des Opferns und. Gestaltend verdanke er, daß die jüdische Universität in Jerusalem, der seine Reise eigentlich gegolten, wenigstens mit der medizinischen Fakultät gesichert sei. Jerusalem sei der Hort des Wiedererwachens jüdischen Nationalgefühls. Einstein schloß mit einem warmen Appell für die Errichtung einer Stätte, die geistiges Zentrum für alle Juden der Welt werden müsse und die Aufgabe habe, das große Sehnen der Masse des jüdischen Volkes zu stillen. Der begeisterte Beifall, der Einstein empfing und ihm am Schlüsse seiner Worte dankte, galt wohl ebenso dem philosophisch-naturwissenschaftlichen Denker wie dem begeisterten Zionisten. Die vielen Hunderte, die keinen Einlaß mehr erhielten und auf der Straße den Schluß der Veranstaltung abgewartet hatten, hinderten Einstein, seinen Heimweg änzutreten. Immer aufs neue brachte man Hochrufe auf ihn aus. Erst als die Sicherheitspolizei einen Wagen herbeigeholt hatte, war es Einstein möglich, seinen Weg sortzusetzen. „Es gibt nicht wenige Juden", bemerkt ein Berliner Blatt in bezug aus den Einsteinschen Vortrag, „die sich durch Leistungen berühmt gemacht haben; es gibt Juden, die als Führer der Juden hervorgetreten find. Aber einen Juden, der sich durch stine Leistung zu einem der gefeiertsten Namen der Ku'lturmenschheit gemacht hat und sich mit seinem ganzen Weltruhm und allen gehäuften Ehren fest und schlicht in den Dienst seines jüdischen Volkes stellt: einen solchen Mann hat es vor Albert Einstein noch nicht gegeben." * Die englische Politik in Palästina. Die eingehenden Ausführungen Churchills im Unterhaus über die Palästina-Politik und die daran anschließende Debatte haben gezeigt, daß England mit aller Energie beabsichtigt', an der bisherigen Politik sestguhaltem Wie der nunmehr vorliegende amtliche Wortlaut der Churchill-Rede zeigt, hat 'der Minister geäußert, daß England unter 'fnmn Umständen die eingegangene Verpflichtung von sich weisen könne, sondern, sie durchaus durchführen müsse. Die Befürchtungen der Araber seien unbegründet. Man könne es den Zionisten nicht verübeln, wenn sie sich mit Begeisterung und Hingabe ihrer Sache widmen, um dadurch in den jüdischen Reihen ihre Sache zu fördern. Wer die Arbeit der jüdischen Kolonien, welche in den letzten vierzig Jahren begründet sind, gesehen habe, müsse überrascht fein von ihren gewaltigen produktiven Erfolgen. Aus Wildnis und Unkultur seien .blühende Gärten geschaffen. Selbst die rohe Unkultur der umwohnenden Araber sei von den jüdischen Kolonien aus bereits günstigbeeinflußt. Die Entwicklung der palästinensischen Hilfsquellen werde dem ganzen Lande zugute kommen und sie werde mit der Zeit einer größeren jüdischen Einwanderung Daseinsmöglichikeit geben. In der Debatte schloß sich zuerst Lord Winterton Churchill an, daß man Herbert Samuel Gelegenheit geben müsse, seine Pläne in Palästina durchzuführen. General Townshend führte danach auf Grund seiner Erfahrungen aus, der Araber respektiere nur die Gewalt, und die englische Administration müsse dies berücksichtigen., wenn sie im Lande Ruhe haben wolle. Der Vertreter der Arbeiterpartei, Col. Wedgewood, führte danach aus, eine starke Garnison in Palästina sei schon mit Rücksicht ans den Suezkanal nötig. Die nach Palästina kommenden Juden brächten gewerkschaftlichen Geist und westliche Kultur in das Land. Die englischen Militärs verkehrten zu viel in den Kreisen der Effendis, der Grundgroßbesitzer; man dürfe keinesfalls in Palästina die Politik dieser Leute treiben. Der arabische Kleinbauer sei dem Juden durchaus nicht feindlich wie sich dies z. B. in Galiläa zeige. Die Hetze sei nur in den Städten. Danach hielt Major Ormsbh Gore eine längere Rede für den Zionismus, der berufen sei, m Palästina die Kultur der Bibel zu erneuern und Neuschöpfungen in religiösen und sozialen Gedanken hervorzubringen. Auch Lord Cecil nannte den Zionismus eine -gesunde und praktische Idee. Der einzige Opponent, der Abgeordnete Harmsworth, sprach sich -über den Zionismus an sich sympathisch aus, jedoch könne England kein Geld für diese Pläne opfern. Die von Churchill verlangten Kredite wurden danach vom- Parlament ohne Abstimmung 'bewilligt. * Aus und über Palästina. Die Orienthandelssirma „Standard Bau- und Jndustriebedars G. m. b. H." in Berlin, welche spezielle Handelsbeziehungen zu Palästina und Nachbarländern unterhält und in jüngster Zeit verschiedene industrielle Ausrüstungen für Palästina beschaffte, hat sich dem bekannten Berliner Exportkonzern Hecht, Pfeiffer u. Co. angeschlossen. Der Anschluß bezweckt den Ausbau des bisherigen Geschäfts, die Möglichkeit der Vorbereitung und Durchführung auch größerer wirtschaftlicher Unternehmungen namentlich in Palästina und den Nachbarländern. Die Inhaber der „Standard" sind zwei aus dem Orient stammende Zionisten, darunter ein Palästinenser. Der Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Samuel, empfing Vertreter der Kolonie Chederah und am Tage danach Vertreter der Kolonien in Judäa unter Führung des Kolonisten Eisenberg aus Rechoboth. Der Oberkommissar versicherte den beiden Delegationen, daß die Regierung für die Zukunft Maßnahmen zum Schutz der Kolonien getroffen habe, und daß Ereignisse wie die der ersten Maitage sich nicht wiederholen würden. Es wurde eine besondere Kommission zum Schutz der Kolonien -ernannt und ihr die erforderlichen Vollmachten gegeben. Die Kreisverwaltung von Galiläa, die bisher in Nazareth war, wird nach Berichten palästinensischer Zeitungen demnächst nach Liberias verlegt. Die Regierung beabsichtigt, ein neues Regierungsgebäude zu erichten, und hat zu diesem Zweck die Jüdische Gartenstadtgesellschaft, die im Norden der Stadt ein großes Terrain besitzt, um die Ueberlassung von zwanzig Dunam gebeten. Die palästinensische Regierung hat ein Komitee eingesetzt, um ein neues Strafgesetzbuch für Palästina auszuarbeiten. Als Grundlage soll das ägyptische Strafgesetzbuch genommen werden, das für Palästina umgearbeitet werden soll. Nach der Sanktion durch den Oberkommissar soll es in hebräischer, arabischer und englischer Sprache herausgegeben werden. In Jerusalem wurden die ersten Absolventen der von der Zivilregierung errichteten Polizeischule .in Gegenwart des Oberkommissars geprüft. Eine Anzahl von jüdischen, mohammedanischen und christlichen Absolventen bestand die Prüfung. Die Regierung von Palästina hat dem Universitätsmuseum von Pennsylvanien die Erlaubnis erteilt, Ausgrabungen bei der Stadt Beisan vorzunehmen, dem biblischen Beth Sean östlich der Ebene Israel und 20 englische Meilen südlich vom See Geneza^eth. Die Arbeiten sollen noch.in diesem Monat unter Leitung des Archäologen Fisher beginnen, der erklärt hat, er hoffe, die Ueberreste von mindestens sieben Städten ans Tageslicht fördern zu können, die nacheinander auf diesem Platze gestanden haben. Beth Sean wird im Buch der Richter als Stadt der Kanaaniter erwähnt, die die Israeliten nicht einnehmen konnten. An seinen Mauern hängten die Philister nach der Niederlage der Israeliten auf der Ebene

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