Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-06-24 · Heft 13 (24.6.1921) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 13 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
Seite 154 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229482-3229495--76297-3288877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 Alles drang so tief in mich ein. Diese Fülle von Schönem und Wertvollem ringsum, mochte es dem Geiste, der Pietät oder nur dem guten Geschmack und praktischen Gebrauch dienen, die das Leben so wunderbar schmückt, und die sich doch nur der Zusammentragen kann, der genug Zeit und Geld und einen von allen materiellen Sorgen freien Kops hat. Ich sah auf die schöne, vornehm gekleidete Hausfrau und - erschrak förmlich, als mir von neuem einfiel, wie es jetzt um Maiers stand. Einen Schein blasser war sie als sonst, auch war sie in der Nähe, so ohne Schleier, nicht mehr so schön und frisch, wie sie mir ans der Straße erschienen war, aber in ihren Allgen war noch immer dieses seltsame Strahlen und Leuchten, dieses Hinüberschauen über das Alltägliche, das ihr so etwas Festliches gab. Hatte sie denn noch immer nicht begriffen? Die einstige Profcssorensrau stand wohl geschäftlichen Dingen gar zu fern. Aber die Vorkommnisse im Hause? Frau Amalie hatte nicht ausgesehen, als scheue sie sich, jemand, der da träunlte, mit Zahlen und Tatsachen grausam zu wecken. „Meinen Mann müssen Sie entschuldigen," sagte sie. „Er hat sich auf meine Bitte ein wenig hiligelegt. Deshalb konnte ich auch mal wieder nach meiner Schwägerin sehen. Sie ist doch so allein. Mein, Schwager ist seit gestern verreist. Wenn es ihr doch erst besser ging," fügte st? mit leisem Seufzer hinzu, „oder meint Schwager käme erst zurück! Ich kann mich nicht so viel um sie kümmern, wie ich möchte. Mein Mann braucht mich zu nötig." Ich weiß nicht, warum — das Elend da drüben, das allzu deutlich begriffen, das Elend hier, das noch nicht so recht verstanden zu sein scheint — ich kann mich doch sonst beherrschen lind weiß ein Wort zu finden bei einem Trauevsall, auch bei einem unnennbaren, wie dieser hier einer ist, aber heute — fällt mir gar keine rettende Phrase ein. Und aus einmal, großer Gott, wie ich erschrecke, ich blicke ganz bestürzt auf Frau Hanna — ein paar große Tropfen haben sich mir vom Auge gelöst lind sie — — hatte es bemerkt. Wir haben eben die ersten Worte im Leben mit einander gewechselt, aber Hunderte von Pslichtbesuchen hätten wir uns machen, unzählige Unterhaltungen dabei mühsam erqualen können, wir wären immer in demselben unpersönlichen Ton wohlbeherrschter Höflichkeit verblieben. Diese eine ungerusene Träne reißt alle Schranken der Konvention nieder — wir sprachen wie zwei alte Vertraute. Sie hatte mir die Hand gereicht und gesagt: „ich danke Ihnen auch," und dann hat sie von dem gesprochen, was sich ereignet hat, das heißt, von dem und doch nicht von dem. .,Mein Mann soll nur gesund bleiben. Alles andere ist Nebensache. Gott soll es mir nur gelingen lassen, il^n wieder zuversichtlicher, wieder hoffnungsvoller zu stimmen." (Forts, folgt.) Litrrsrilchr Mitteilungen. — A cf] et b H a a m : A I p a r a f ch a t h der ach i in. Hebräische Gesamtausgabe der Schriften in 4 Bänden. Jüdischer Verlag G. m. b. H., Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35. Soeben ist die lange und sehnlich erwartete Ausgabe der hebräischen Schriften von Achad Haanh -des bedeutendsten hebräischen Denkers der Gegenwart, erschienen, nachdem sie viele Jahre vergriffen lim*. Diese Nachricht wird sicherlich bei allen Freunden der -hebräischen Literatur und den Verehrern dieses Meisters des hebräischen Sprach- und Tenkstiles große Freude Hervorrufen. Der Verlag gibt die Neuauflage der hebräischen Schriften Achad Haams in einer allen Ansprüchen genügenden würdigen Ausstattung heraus. Außer einem Bilde des Denkers in Lichtdruck enthält die Nenausgäbe noch ein neues Vorwort und ein vollständiges Sach- und Namenregister für alle Bände. Die Bände werden nur zusammen abgegeben. Der Preis der Ausgabe in Ganzleinen wurde unter Berücksichtigung der heutigen hohen Materialkoften und der besonders -großen Kosten für hebräische Druckarbeit so niedrig wie möglich bemessen. Tie Ausgabe in vier Ganzleinenbänden kostet für Deutschland und die Länder mit gleicher oder schwächerer Valuta für alle vier Bände 196 Mark, für Palästina, England und die Kolonien 30 Schilling, für Amerika 6 Dollar, für das übrige Ausland mit höherer Valuta 350 Mark. Außerdem ist noch eine broschierte Ausgabe erschienen, deren Preis für Deutschland mit gleicher oder schwächerer Valuta 160 Mark beträgt. Wir kommen auf dieses Werk, eine der wichtigsten Neuerscheinungen 0er letzten Jahre, noch ausführlich zurück. Tie Bände sind zu beziehen von der „Ewer" Eesellschaft für Bnch und Kunsthandel m, b. H., Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35, oder durch jede bessere Buchhandlung. — D e r Palast des H e r o d e s in A s k a l o n a u f g e -. deckt. Bei den Ausgrabungen in Askalon wurde ein Teil des von ' Herodes dem Großen erbauten Palastes blohgelegt, dessen Schönheit und Größe der Geschichtsschreiber Josephus als bewunderungswürdig bezeichnet. Es wurden Bildwerke des Apollo, der Venus, einer Viktoria und eines Giganten nnd eine Statue des Königs Herodes gefunden. 6. T. A u s dem heilige n Buche So h a r Des Rabbi S i m v n v e n Joch ai. Eine Auswahl, zusammengestellt und übertragen von I a n k e w Seid m a n n. Welt-Verlag, Berlin 1920. Eine kleine Ansiese ans dem Sohar ist hier dargeboren, „kurz lind gut"! Für den Lehrer eine brauchbare und lerchwersrändliche Wiedergabe einzelner Stellen aus dem Sohar, mir Denen er den Schürern in höheren Klassen einen Einblick m diese religiöse Geistesrichtnng geben kann. Mir erscheint die Mystik der Kabbala stets n n j u o 11 d},. sie ist eine AsstmuaNon an die Mystir oer katholischen Kirche, besonders des Mittelalters. (Wir können diesen Ausführungen des Rezensenten nicht zustimmen. Die Red.) Ob beide nicht aus diejelven Quellen zucücrgeyen, ist bis heute noch nicht nacygewieien. Es pno even beide Zeichen dafür, daß die menschliche Seele auch mit dem sich nicht zufriedenaeben rann, was man allgemein „Religion" nennt. Sie verlangt, nach dem Smn des Lebens zu forschen, und will gerade aus dem Quell alles Lebens, aus der heiligen Thora, tn ihrer Art fchvpfeu und genießen. Das Nachwort ist klar und gibt i" allem die nötige Erklärung. S t r a ß b n r ge r (Ulm). Sprrchsaal. A n die „A llgemeine Zeitung des I u de n t u m s". Diese vergangene Nacht ist in unserer Synagoge eingebrochenworden. Es wurden drei stliberne Garnituren zu den Thorarollen gestohlen. Ezim, Daß u. Zeiger. Wir bitten, in Ihrem geschützten Blatte die für den Ankauf in Betracht kommenden Kreise auf geeignete Weise davon zu benachrichtigen. Stuttgart, 12. Juni 1921. I s r a e l i t i sche K i rch e n p f leg e , S t u t t g a r t. * Berichtigung. Der in Nr. 12 gebrachte Bericht über die Tagung des Allgemeinen Deutschen Kantorenver ba u des zu Berlin am „27. April" (muß heißen 16. und, 17. Mai) rührt nicht von offizieller Seite her und ist ungenau und besonders in seiner Darstellung der „Vorstandswahl" (muß heißen Ausschußwahl) unrichtig und daher irreführend. Die Berliner Versammlung konnte 1. allein nicht über die Wahl der Ausschußmitglieder entscheiden, da gleichzeitig eine zweite Versammlung in Würzburg am gleichen Datum tagte und die dritte Versammlung in Düsseldorf (aus Zwingenden Gründen auf den 7. und 8. August verschoben), erst endgültig über diese Wahl entscheiden wird; 2. über die Verteilung der Aemter innerhalb des Ausschusses, also auch die Nominierung des ersten und zweiten Vorsitzenden, n u r der Auss ch u ß selbst entscheidet. Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Ka n to ren Verbandes. H. F a b i s ch, 1. Vorsitzender.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.