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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-06-24 · Heft 13 (24.6.1921) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 13 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
Seite 151 (sequence 9)
Language
German
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151 forschun-g -dieses Moment nicht aus dem Auge gelassen, und die dahingehenden Untersuchungen haben eine stattliche Literatur zutage gefördert. Und doch blieb diese 'ganze Wissenschaft ein Torso. Denn abgesehen davon, daß die meisten Abhandlungen nur speziellen Fragen gewidmet find, erscheinen auch die kompletten Untersuchungen durchaus lückenhaft. Es lag dies zum großen Teil auchdarin, daß die altpersischen Literaturdenkmäler nicht in erschöpfendem Maß? der Gelehvtenwelt zugänglich gemacht wurden. Vielfach aber erweisen sich die Verfasser in der Kenntnis der Quellen nur zu einseitig: entweder ihr persisches oder ihr jüdisches Wissen -hat einen Defekt. Wer sich daher über diese für die jüdische Religionsgeschichte so eminent wichtige Frage eingehend informieren wollte, sah sich genötigt, eine fast unübersehbare Zahl von Abhandlungen in allen Kultursprachen heranzuziehen, um schließlich doch im Unsichern herumzutasten. Es ist daher aufs freudigste zu begrüßen, daß ein auf dem Gebiete der altpersischen Literatur anerkannter Forscher, der auch im jüdischen Schrifttum zu Hause ist, uns jetzt ein persischjüdisches Kompendium geschenkt hat, welches dem, der nur das Tatsachenmaterial vor sich haben möchte, fast alle bisherigen Untersuchungen überflüssig macht. Herr Dr. I: Scheftelowitz, Rabbiner in Köln und Privatdozent an der Universität dortselbst, hat in seinem neuesten Buche („Die ältpersische Religion und das Judentum. Unterschiede, Uebereinstiimmungen und gegenseitige Beeinflussungen",Verlag Töpelmann, Gießen 1920) das gesamte diesbezügliche Quellen-material in einer das größte Lob verdienenden Weise Z-u-sammengesbellt. Herrn Dr. Scheftelowitz, dessen Philologische Forschungen auf dem Gebiete des Altiranischen bei den berufensten Beurteilern höchste Beachtung gesunden haben, darf der Leser bei der Derw-ertung des altpersischen Materials mit voller Zuversicht folgen. Die Darstellung, in der jede Polemik gemieden wird, ist äußerst populär, der Stoff, der das persische Material, wenn auch in gedrängter Kürze -erschöpfend wiedergibt, ist sinnvoll gegliedert, ein detailiertes Inhaltsverzeichnis nebst Miem Wortregister ermöglichen die rasche und leichte Uebersicht. Nicht allein die jüdische, sondern die Wissenschaft im allgemeinen wird dem Verfasser großen Dank wissen. Es ist ein Kompendium, das ein weites, großes Wissensgebiet in allen Einzelheiten zur Darstellung bringt und dasdaher unter die Handbücher jedes Lesesaals gehört. Dr. Ja mp e l (Schwedt a. d. £>.). Arbrr das Lruchtbarkritskrsut im Glauben der Hebräer. er führende Erforscher der allgemeinen Volkskunde Z. G. F r a z e r behandelt (in den Proceedings of the British Academy 1917/18 S. 57—59) den Alraun-Aberglauben. Er beginnt mit Josephs Geburt von der früher unfruchtbaren Rahel, die vorher von ihrer Schwester Lea dudaim (Liebesäpfel) erkauft hatte. Er nimmt mit anderen Bibelkritikern an, die ursprünglich erzählte Verursachung der Empfängnis durch Ratzels Genuß der Frucht sei später als heidnisch ansgemerzt worden aus unserem Texte der Genesis 30, 14 ff., 22 s's. Er identifiziert gemäß ältester U-eberfetzung die Pflanze mit der Mandragora und belegt ähnlichen Aberglauben bei sehr vielen Völkern-, unter anderenden Deutschen, bei denen noch heute Alraunwurzeln oder Galgemnännch-en spuken, und den Italienern, deren großer Politiker Machiavellr seine Komödie Mandragola betitelt. (Sie ging vor wenigen Jahren über die Berliner Bühne.) In Palästina schreibt man noch heute der Frucht Beförderung der Empfängnis zu, und fromme Juden in Nordamerika verschreiben sie sich aus dem Osten, wenn ihrer Eh-e Kinderlosigkeit droht. Die Wurzel, die nördlich bis zu den Alpenvorkommt, ähnelt entfernt einem zweibeinigen Rumpf, wird aber durch gewinnsüchtige Zauberer der Menschengestalt künstlich gleichgeformt. Ihre Ausgrabung droht Lebensgefahr laut des auch in Arabien nachweisbaren Aberglaubens. Dieser Zug kehrt zwar wieder - in dem, was Josephus von der Wurzel baaras im Lande Moab berichtet; da er aber jene dudaim ins Griechische durch „Mandragora- Aepsel" überträgt, will er wohl beide nicht identifizieren. Eine Judenlegende verbindet den Tod des Wurzelgräbers mit jener Genesisgeschichte, laut Ginsberg Legends of the Jews, 1,366. F. Lieb -e r m -a n n. Aus der Mappe eines Literaturoereins. -Erinnerungen und Auszeich-nun gen. Von Leon 3 d) c i n Haus (Memel), m 26. April 1896 — 13. Isar 5656 — ist unter den Auspizien des' Rabbiners Dr. I. R-ülif der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Memel begründet worden. Der Ort war geographisch der entlegenste in Deutschland, der Zeitpunkt um ein bis drei Jahre chronologisch der späteste in der Entstehung der gleichen Vereine in Ostpreußen. Und dennoch ist gerade der Verein in diesem ultima thule kein verlorener Posten in einem Krähwinkel geworden, sondern hatte im Gegenteil seinen Platz 25 Jahre lang vortrefflich behauptet. Es ist kein Zufall, daß unter den verschiedenen Vereinen der Juden in Memel ein Verein gerade der älteste und würdigste ist, ein Verein par excellence: der Talmudverein, welcher bereits 1860 von Rabbi Israel Lipkin Salant ins Leben gerufen wurde und in dem bis auf heute -und so fort allabendlich im Beth-Hamidrasch meistens von Mitgliedern aus dem Kaufmannsstande der Talmud verständnisvoll gelernt und gelehrt wird. Etwa sieben bis neun Jahve, je nach der Lage der Zeitläufte, dauert das vollständige Gesamtpensum der G'mara und neüerdings beging man stolz zum siebenten Male das Fest des großen Abschlusses -sämtlicher Talmudtraktate. Welch imposante und immense Summe des Wissens ist mit dieser Geistesarbeit verbunden! Aber die weiteren Wissenschaften des Judentums in neuzeitlicher Auffassung, die Pflege von jüdischer Geschichte und Literatur hatten hier so lange keine Stätte gefunden. Eine geistige Kapazität, wie Dr. Rülf es war, mußte sich -begnügen, außer den synagogalen Predigten im Gewerbeverein und in öffentlichen liberalen Versammlungen zu sprechen; etwa einen speziell jüdischen Vortrag öffentlich -abzuhalten, war undenkbar. Erst dem neuentstandenen jüdischen Literaturverein war cs Vorbehalten, in der Oeffentlichkeit hervorzutreten und über Juden und Judentum sich erfolgreich hören zu lassen. In der ersten Zeit kam es manchem Gemeindeältesten ungewohnt vor und etwas bange, die Veranstaltungen des Literaturvereins in der Tageszeitung bekanntgegeben zu sehen, aber die Bedenken waren bald überwunden. Mit der Begründung des Vereins in Memel war die Reihe geschlossen von den so zahlreich und erfolgreich - in Deutschland entstandenen jüdischen Literaturvereinen. G u st a v K a r p e l e s (Berlin) konnte damals mit Stolz aus einem Verbandstag das Wort Prägen, daß diese Stätten für jüdische Geschichte und Literatur „von Memel bis Metz" >d-ie deutsche Judenheit umfassen. Heute hört sich das als ein Treppenwitz der Geschichte an, beide Pole, Memel wie Metz, sind vom deutschen Vaterland abgetrennt. Aber die Vereine als solche, zur friedlichen Kulturarbeit berufen, dürfen keine Einbuße erleiden, wie sie auch den Haß und den Hader der Völker nicht kennen und nicht wollen. Wie Gedanken zollfrei sind, keine Schranken kennen, so haben auch im Bereich der Literatur Landesgrenzen wenig Geltung; markierende Scheide-

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