Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 13 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- 150 Vorsitzende des Ausschusses der italienischen Handelskammern und mit der Vertretung ihrer Interessen bei der internationalen Handelskammer in Paris betraute jetzige zweite Vorsitzende derselben, Marco C-assin, der hervorragende Kenner des Seerechts Dario Cassuto, der Finanzwissenschaftler Ugo Ancona, welcher eine Zeitlang Unterstaatssekretär war, ebenso wie der ebenfalls unterlegene Baron Eli o Morp ur g o und der Kolonialpolitiker Ernesto Artom in den diesbezüglichen Kommisionssitzungen wegen ihrer ungewöhnlichen Sachkenntnis unentbehrlich schienen. Fast alle der Genannten stellen übrigens, wie wir weiter unter sehen werden, ihre Kräfte gegenwärtig in den Dienst der Allgemeinheit, da sie vom König zu Senatoren auf Lebenszeit ernannt wurden Aus ihren Nichtwiedereintritt in die Kammer hatte Judenhaß gar keinen oder nursekundären Einfluß aus-geübt: Nicht als Juden, sondern als Vertreter der bürgerlichen Parteien sahen sie sich zeitweise aus der ersten politischen Kampslinie ausgeschaltet. Wir sagen absichtlich zeitweise. War doch im November 1919 die Wahlbeteiligung der bürgerlichen Bevölkerungskl-assen eine derartig geringe, daß sie fast einer Wahlenthaltung gleichkam. Nach der nunmehr erfolgten Kammerauslösung und bei festerem Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien könnten sich die Verhältnisse wieder zugunsten dieser gestalten. Immerhin mag nicht verschwiegen werden, daß die erst vor wenigen Jahren erfolgte Bildung der Katholischen Volkspartei schon an sich der Wahl von Juden nicht günstig ist. Sind doch bei früheren Wahlen, besonders in venezianischen Bezirken, eine Menge konfessionell katholischer Stimmen für gemäßigte Liberale, auch wenn sie Juden waren, abgegeben worden, so z. B. noch 1913 für Leone Romanin- I a c u r, den persönlichen Freund des Papstes Pius X! Doch hat die Katholische Volkspartei als solche keineswegs den Antisemitismus auf ihr Programm gesetzt. Trat doch sogar eins ihre Mitglieder, der Abgeordnete Piva, im August vorigen Jahres bei Beratung her Friedensverträge für die Rechte der Juden ein! Während die große Mehrzahl der kaum 45 000 Seelen zählenden italienischen Juden keineswegs der sozialistischen Richtung, sondern den bürgerlich liberalen Gruppen angehört, hielten sich dagegen die dem Judentum entstammenden Volksvertreter in ihrer Zugehörigkeit zu diesen beiden politischen Parteien ungefähr die Wage: sie standen wie 6 zu 5. Nämlich LuigiLuzzatti,GinoOlivetti,DinoPhiliPson sind Liberale; MaxBondi,ArturoLuzzatto Radikale; hingegen Alceste Della Seta, Pio Donati, Giuseppe Emanuele Modigliani, Riccardo Momigli ano, Elio Musatti undC l-audio Trev es Sozialisten. Nur einer von ihnen, Della Seta, will zu den Kommunisten gezählt werden. Uebrigens ist keiner der jüdischen Deputierten in Süditalien oder auf einer der Inseln, d. h. in den kulturell rückständigen Landesteilen, aus der Wahlurne hervorgegangen, was sich aus der ganz geringen Anzahl der dort wohnenden Juden erklärt. Seinem parlamentarischen Ursprung nach stünde von d.iesen elf Volksvertretern Luigi Luzzatti am weitesten rechts. Man rechnete ihn in früheren Legislaturperioden zur gemüßigten Rechten, während er heute -der großen liberalen Partei angehört und auch im letzten Wahlkampf für den Zusammenschluß aller ihrer Fraktionen eingetreten ist. Billigerweise kann man ihn auch nicht als prinzipiellen Gegner irgendeines noch so weit gehenden politischen oder sozialen Fortschritts bezeichnen: Wenn ihm -ein solcher wirklich in einem Gesetzvorschlag vorhanden zu sein scheint, so ist -er nicht der M-anN, aus irgendeinem Parteiprinzip davor zurückzuschvecken. Uebrigens war er im Jahre 1920, wie früher schon des öfteren, Schatzminister. Bei einer der zahlreichen Ehrungen, welche ihm, als einem der ältesten Parlamentarier, im -vergangenen März gelegentlich seines achtzigsten Geburtstages zuteil wurden, konnte er in launiger Weise darauf Hinweisen, daß er bisher beim Abschluß von nicht weniger als 28 internationalen Handelsverträgen als Vertreter der italienischen Regierung gewirkt. Einer der ersten, den er abschloß, war mit dem Norddeutschen Bunde, wobei er manchen nicht leichten Strauß mit Bismarck persönlich auszufechten hatte. Dino Philipson, der von einem der religiösen Unduldsamkeit wegen aus Preußen ausgewanderten Israeliten abstammen soll, ist ein lebendiger Gegenbeweis der leichtfertigen Behauptung, alle Juden huldigten dem Radikalismus- Ward er doch gerade wegen seiner gemäßigten Gesinnung im Dezember vorigen Jahres während einer stürmischen Kammersitzung von seinen sozialistischen Kollegen tätlich angegriffen und hatte mit seinem Stammesgenossen Modigliani, dem Haupt der Sozialisten, eine überaus heftige Diskussion. Da -er ganze Stadtbezirke in Florenz sein eigen nennt, so bewies seine Wahl ebendort zum mindesten, daß viele Tausende von Mietern der Arnostadt mit dem praktischen Sozialismus ihres politisch gemäßigten Hausbesitzers zufrieden sind. (Fortsetzung folgt.) Lin teil mehr als einem Jahrhundert erlehntes Luch. ^^ald nach dem Bekanntwerben der altpersisch-en Religionsurkunden, was in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts geschah, sielen- -die engen Beziehungen zwischen Parsismus und Judentum besonders -aus, die allgemeines Interesse erregten. -Seit jener Zeit hat die vergleichende Religions- Exzellenz Luigi Luzzatti, ehemaliger Ministerpräsident, feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. ss!- Wf'i4ä