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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-06-24 · Heft 13 (24.6.1921) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 13 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
Seite 148 (sequence 6)
Language
German
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148 und Interessen der gegenwärtigen Bevölkerung fixiert werden — und) Pa ln st in kommen, um mit ihren Mitteln und Bemühungen zu helfen, das Land zum Nutzen all feiner Einwohner zu entwickeln. Wenn irgendwelche Maßregeln notwendig sein sollten, um die mohammedanische und christliche Bevölkerung zu überzeugen, daß diese Grundsätze in der Praxis befolgt werden und daß ihre Rechte tatsächlich geschützt sind, so werder^ diese Maßregeln getroffen werden. Tenn die britische Negierung würde ihnen — als bevollmächtigter Mandatarmacht, die für das Wohlergehen des Volkes von Palästina zn sorgen hat -- niemals eine Politik auferlegen, die im Gegensatz zn ihren religiösen, politischen und ökonomischen Interessen steht. Mit Bezug auf die Immigration ist es in der Tat notwendig, daß ihr Umfang strikt der nützlichen Verwendung im Lande und der Arbeit von dauerndem Eharakter angepaßt wird. Tie Immigration ist suspendiert worden, um einen Rückblick über die Lage zu ermöglichen. Es sind Richtlinien festgelegt worden, wonach Personen, die zu den folgenden Klassen gehören, in Palästina zugelassen werden können: Touristen, Personen, die finanziell selbständig sind, Berufsleute, Verivandte, die gänzlich von in Palästina niedergelassenen Personen abhängen, und Personen, die/eine bestimmte Allssicht aus Anstellung bei genau angegebenen Arbeitgebern oder Unternehmungen haben. Ferner lvird einer beschränkten Anzahl von Personen, die hn Moment, als das Einwanderungsverbot erlassen wurde, angekommen oder in europäischen Häsen eingeschifft waren, der Eintritt jetzt erlallbt werden. Aber es muß mit Bestimmtheit anerkannt werden, daß die Verhältnisse in Palästina derart sind,'daß sie nichts von der Natur einer Massenimmigrntivn erlauben. Ich bin besorgt, das Volk von Palästina enger mit der Verwaltung, die unter dem Mandat errichtet wurde, zll verbinden und daß die Frage, die einen freien und autoritativen Meinllngsallsdruck sichert, die eifrigste Allfmerksamkeit der Regierulig deiner Majestät in London findet. In der Zwischenzeit schlage ich vor, sofortige Schritte zll unternehmen, die zu eitler engeren Beratung über lvichtige administrative Angelegenheiten zwischen der Negierung und verantwortlichen Personen, die alle Bevölkerungsschichten vertreteil, führen. Wenn das Mandat in Kraft treten wird, so ist es die Absicht der Negierung Seiner Majestät, Vorsorge für die Negierung von Palästina zn treffen. Die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung lverden durch das Mandat nicht nur völlig gewahrt bleiben, sondern lverden gewiß in jener Urkunde festgelegt lverden. Wie kürzlich bereits angekündigt wurde, lverden sofort Schritte unternommen lverden, um das Wahlsystem in den Munizipalitäten wieder zu erreichen. Bezüglich der ernsten Unruhen, die sich kürzlich in Jaffa und Umgebung ereigneten, erwarte ich den Bericht des unparteiischen Komitees, das jene Ereignisse und ihre Ursachen jetzt untersucht, bevor ich eine Meinung darüber äußern kann, aber es ist sicher, daß nichts offenbare Verbrechen wie Morde und Angriffe, die stattgefunden haben, entschuldigen kann. Eine große Zahl von Fällen, die sich anläßlich dieser Unruhen ereignet haben, lverden jetzt verhört und jene, die irgendwelcher verübter Verbrechen schuldig befunden werden, lverden die entsprechende Strafe empfangen. Ten Familien der Opfer und den zu Schaden Gekommenen drücke ich meine aufrichtigste Sympathie aus. Zu der Erklärung Herbert Samuels, die auf die Judenheit Palästinas einen äußerst deprimierenden Eindruck gemacht haben soll, möchten wir für heute folgendes bemerken: Sie ist unseres Erachtens weder als eine Absage an den Zionismus zu betrachten, noch als eine Restriktion oder gar Annullierung der Balfour-Deklaration aufzufassen. Man darf an dem redlichen Willen Herbert Samuels, die ihm gestellte Aufgabe getreulich nach dem Beschlüsse von San Remo zu erfüllen, nicht zweifeln. Seine Ausführungen, die freilich an manchen Stellen die nötige Klarheit vermissen lassen, stehen in engem Zusammenhang mit den letzten beklagenswerten Vorfällen in Palästina und enthalten indirekt eine nur zu beherzigende Mahnung an das jüdische Volk, die nötigen Mittel aufzubringen, um eine der wirtschaftlichen Anfnahmefähigkeit des Landes entsprechende jüdische Einwanderung ermöglichen zu können. Es ist jetzt nicht die Zeit, leichtfertige Kritik Air üben, es gilt vielmehr zielbe-wußte, praktische Arbeit All leisten. Schaffen nur den Keren Hajessod und Palästina wird von neuem als nationale Heimstätte der Inden erstehen. * Kairo, 15. Juni. Jnsiolge der Nachricht über die bevorstehende Ankunft eines Schiffes mit 500 jüdischen Einwanderern sind die Mnselinanen und Christen in Jaffa sehr erregt.. Infolge eines Unfalls, bei dein ein Jude getötet wurde, entspann sich ein Zwischenfall, wobei drei Juden getötet nnt> acht Juden und ein Muselman verwundet wirr den. J. P. Z. Lin mulikalischer Antrag?u ftdolf Jellmrks 10V Geburtstag. (26. Juni 1921.1 Von Musikdirektor A. F r i e d in a n n (Berlin). as Vorboten und das reiche musikalische Schaffen Calomon Sulzers riesen in Jellinek, dem genialen Kanzelredner, erhöhtes Interesse für den gottesdienstlichen Gesang hervor. Jellineks feiner Sinn für die poetische Seite der Musik und seine warme und reiche musikalische Innenwelt prägt sich in seinen Aussprüchen über die hohe Aufgabe des Gesanges zur Verehrung Gottes aus. „Die schöne und herrliche Gnadengabe, der Gesang," sagt Jellinek, „hat Gott seinem Volke in reichem Maße verliehen. Seit Moses und Israel das erste Lied angestimmt haben, ist es in Jakobs Wohnungen heimisch geworden, schmückt unser Volk ein herrlicher Kranz von Dichtern und Sängern." „Und wodurch", sagt Jellinek, „könnten die Verehrer des einig einzigen Gottes, die Bekenner Adonais, des ewigen, reinen, göttlichen Sems ihn würdiger preisen als durch Lied und Gesang? Nur derjenige Teil der Knust, welcher das Ohr trifft und durch das Ohr den Weg zum Herzen sich bahnt, nilr der Gesang ward Israel gegeben, und in der Tat ist der melodische Ton, das geistige Element gleichsam unter allen Künsten, der passendste Ausdruck der jüdischen Gottesverehrung und entspricht einer Religion des Geistes und des Herzens. Der Gesang ist die Seele des Gebetes, er allein vermag nur zur feierlichen Andacht, zur Erhebung und Belebung zn entflammen, er hat die göttliche Macht, die Tiefen unseres Herzens aufzuwühlen, daß wir gerührt und ergriffen werden." Diese Gefühlsergüsse und Gemütstiefe lassen es begreifen, daß Jellinek kein Anhänger der Orgel im Gottesdienste war. Als die Frage der Einführung der Orgel in den Gottesdienst der Wiener Knltusgemein.de (1892) akut geworden war, nahm Jellinek Stellung zu dieser Frage und veröffentlichte seine Ansicht in der „Neuzeit". Er schreibt dort unter anderem: „Ich selbst schwärme nicht für die Orgelbegleitung in der Synagoge. Diese langgestreckten Orgeltöne entsprechen nicht meinem Gefühle und meinenr 'wissenschaftlichen Bewußtsein, dem Charakter des Judentums. Die Erhabenheit desselben besteht in seiner Einfachheit, Schlichtheit, Gradheit, Klarheit, die von allen mystischen Hebeln frei ist! Das Wesen des Judentums läßt sich durch drei Worte ansdrücken: Gott, Mensch, Welt. So kann ich mich denn für eine Orgel in der Synagoge nicht erwärmen, räume aber ein, daß Tausende und aber Tausende unter meinen Glaubensgenossen ein heftiges, nicht abznweisendes Verlangen nach ihr haben, wie dies die zahlreichen modernen Synagogen in Europa und Amerika beweisen." Der musikliebende und m-usikverständige geistvolle Rabbiner betrachtete die Kunst des Gesanges als eine Gabe Gottes und erkannte daher neid- und selbstlos die Leistungen seines Amtsgenossen Salomon Sukzer an. So stellte Jellinek einige Vergleiche zwischen Mannheimer, seinem Vorgänger, und Sulzer an. „Mannheimer," sagte -er, „ein Meister des Wortes, predigte, Sulzer, ein unvergleichlicher Sänger und wahrhafter Künstler, riß das Publikum durch seinen Seelengesang zur Andacht und Bewunderung hin. Beide verstanden es, die Alte

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