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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-06-10 · Heft 12 (10.6.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 12 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
Seite 2 (sequence 12)
Language
German
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2 Echluhauh:a^»c§, das Recht der Rede zugebilligt wurde. Von «einer Eiltschließlu^g in dieser Frage wurde auf Wunsch der Verbaudsleihnrg abgesehen. Der Amtsniederlegung Dr. Apfels und Cora Berliners wurde einstinunig zu gebilligt.Der Rest der Tagung brachte eine, auch vom pädagogischen Standpunkt aus, hochinteressante Erörterung über praktische Jugendarbeit, an der sich insbesonders L. Wolf (Trier), Kurt Zacharias (Bremen), Semmy N o s e n b e r g (Lehr) beteiligten. Die Neuwahl der Verbandsvorsteher brachte eine erhebliche Verjüngung des Vorstandes. L2 Berlin, 7. Juni. Am 27. April tagte in Berlin die Ver- Gemeindesaal.e in Berlin der Allgenreine deutschje Kantoren verband Krsarnuren. Eine Huldigung an den« grohen Meister der jüdischen Musik, L e ui a n d o io f k i, leitete die Tagung ein. Ein Chor, der aus Berliner Kantoren gebildet War, trug Lewandowskis „Socharti loch" in meisterhafter Weise vor. — Kantor J a cobsohn lBerlimFriedenarr) zeickuete ein Lebensbild seines unvergeßlielDn« Mbisters, das er mit urblrei.rb.en, bisher unbekannten Zügen dieses Grohen im Reiche der j>''idisch'en Musik zu bereichern wußte. — Der stellvertretende Vorsitzende, Oberkantor David so hu. eröffnet die Verbandlunaen -mit einer Peariäßunasansvrache, in der er die Vertreter der Körperschaften besonders willkommen hieß und in kurzen, präananten Worten eine Geschlickte der Ora«an'isationsbestrebiluaen im deutschen Kantorenstande entwickelte. Tie Hebung der sozialen Position. Vor- und Fortbildungsfraaen waren von Anfang an «die bedeutsamsten Ziele der Verbandsleituna. — Mit herzlichen Worten aedackite der Vorsitzende der beimoegn'naenen Beru-fsaenoffen. Dann ging er auf die besondere Lage der Kantoren, ein. Dir neue Zeit hat vor dem Tor der jüdischen Gemeindestube Halt gemacht. In unserenr deuwkratisiben Zeitalter haben alle Stände ihre Verufsvertretuna, nur tu den jüdischen Gemeinden herrscht die Autokratie weiter. Der Rabbiner hat sich nach schweren Kämpfern in vielen Gemeiuden den Zutritt nxx Gemeind estube erkämvft: dem Kantor und Kultusbeamten bleibt sie noch verschlossen. Auch in der neuen Gesamtorgani'sation der deutschen Juden« äst der Kantor ans dem Großen Rat ausgeschaltet worden, obwohl derselbe in zahllosen Gellieinden' der einzige Träger jüdischer Religiosität und Bildung ist. An diese Anssprache schloffen sich d'e Bearüßunasanspr.achen der Delegierten der geladenen Körperschaften. Für den Vorstand' der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sprach Herr Bertbold Ki r stein, für die Nepräsentantenverlam'mluug der Berliner Gemeinde und den Geuieiudebund Herr'Emil Eobn. «als Vorsitzender der Lebrerbildungsabteiluna. des T. I. G. V., als Vertreter der wissenschaftlichen Verein iaung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen und als Direktor des Berliner Lehrerseminars sprach Direktor Dr. Gut-mann. Für die Rabbiner der beiden Berliner Gemeinden sprachen die Rabbiner Dr. L o e w e n th a l und Dr. Munk. Die Grüße der Hilsskaffe für Kautoren brachte Herr Rosenthal. Oberkantor Asch sprach namens der Berliner Gemeinde kantoren herzliche Begrüßungs Worte. Das erste Sachreserat über Besoldungs- und Anstellulugssvagen hielt Kantor G u t t m a n n (Potsdam). Seine Ausfuhr ungeg gipfelten in folgenden, in der Abstimmung angenommenen Leitsätzen: Die Kan«- torenvers.ammluug fordert zwecks Hebung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse folgende Maßnahmen: 1. Einreihung in die Gehaltsstufen der Volksschullehrer des Ortes. 2. Anstellunig nach einer vereinbarten Probezeit, die drei Jahre nicht übersteigen darf. 3. Teilnahme an den Verwaltungskörpern, in denen das Interessengebiet der Kantoren berührt wird, mit beratender und beschließender 'Stimme. 4. Aktives und passives- Wahlrecht. 5. Die Versammlung ersucht die Verbandsleitunig, diese Forderung sämtlichen Gemeinden und den zuständigen jüdischen Organisationen zu übermitteln. In der Aussprache über dieses Referat spricht sich Oberkantor Singer (Halle) für energische Maßnahmen zur Hebung dieses Standes aus. Kantor W i e s e r (Ppritz) hofft wenig für den Kantorenstand von dem guten Willen der Gemeinden. Kantor Freuden t h a l (Luckenwalde) stellt fest, daß es dem Kantorenstand jahrzehntelang an jeder Vertretung gesohlt hat. Jeder andere Berufsgenosse hat seine Arbeitsverhältnisse durch Daris geregelt, doch scheint «dieser Begriff für die jüdischen Gemeinden nicht vorhanden sein. Der Kantorenverband muß deshalb mit den modernen Waffen um die Existenz seiner Mitglieder kämpfen. Der Vorsitzende, Oberkantor Davidsohn, bedauert, feststellen zu müssen, daß die Haltung der Ge's-amtorganisation bei den Kultusbeamten und Lehrern« eine tiefe Verstimmung hervor,gerufen hat. Zur Aufklärung dieser Maßnahme sei der Verfasser des Statuts der neuen Gesamtorganisatiou, Dr. F r e u n d , um seine Teilnahme an der Tagung gebeten worden. Dr. Freund erklärt sich bereit, eine Aufklärung, über diesen Beschluß zu geben. Er stellt fest, daß «der Große Rat keine Berufsvertretung darstellt, sondern lediglich den Oberbau für den Bundestag bildet, der den Gemeinden, welche die Mittel aufzubringen, haben, einen genügenden Einfluß in der Exekutive sichern soll. Von Aus^ schließung oder Zurücksetzung der Kantoren und Lehrer kann keine Rode sein. Der Große Rat ist keine Berufskammer, sondern 'eine prinzipielle Vertretung. Die materielle Not der Beamten stand mit im Vordergründe der Beratungen. Ein Sonder.aussMß, der sich -mit dieser Frage beschäftigen soll, ist bereits, eingesetzt worden. Dr. Freund hofft, daß seine Ausführungen dazu beigetragen haben, die neue Gesamtorganifation vor Angriffen zu schützen. Kantor Deiler (Stettin) wünscht eine Enquöte über die Gehaltsverhältnisse der Kultusbeamten in jüdischen Gemeinden. Herr Fla t o w fordert, daß in dem Sonderausschuß des D. I. G. B., der über die Lage der KMusbe'amten berät, auch einige Kuktusbeamte Sitz und Stimme erhalten. Die Erfüllung dieser Forderung wird von Dr. Fr«eund zugesagt. Oberkantor S ch m a l bringt die Beschwerde eines Kantors einer Großgemeinde zur Kenntnis, der heute noch ein Gehalt von 641 Mark monatlich erhält, und übermittelt den Antrag, einen ständigen Ausschuß zur Wahrnehmung der Interessen der in Deutschland angestellten Kultrlsbeamten. gegem über ihren Gemeinden einzusetzen. Kantor Berthold Fried mann (Berlin) beantragt, die Kultusbeamten folgende n Gehaltsgruppen zuzuteilen: die ersten Kantoren der Großgemeinden der Gruppe 10; die zweiten Kantoren der Großgemeinden der Gruppe 8; die ersten Kantoren «der Mittelgemeinden der Gruppe 9: die zweiten Kantoren der Mittelgemeinden, der Gruppe 7; die Kultusbeamten mit Lehrerqualifikation in Kleingememden ohne Rabbiner der Gruppe 8, ohne Lebrerquälisikationi der Gruppe 7. Kantor Friedmann begründet feinen Antrag mit den bereits in Baden und Württemberg in diesem Sinne geregelten Verhältnissen. Kantor Freu d e n t h a l (Luckenwalde) beantragt, eine Gesamtorganisation «der Kantoren und aller anderen Kultusbearrrtengruppen zu schaffen, und durch! gemeinsames Vorgehen eine nachhaltigere Wirkung für ihre Forderungen zu erzielen. Der Antrag wird einsti.mmig angenommen. Oberkantor D a v i d s o h n (Berlin) beantragt, den Verbandsvorstand zu beauftragen, unverzüglich bei Staats- und Reichsbehörden dahin vorstellig zu werden, «daß bei der Schaffung des neuen Judengesetzes die Kultusbeamten in materieller und sozialer Hinsicht so sicher gestellt werden, daß ihnen eine ausreichende Existenz gewährleistet wird. Dieser Antrag wird unter anhaltendem Beifall einstimmig angenommen. Für Organisationsfragen hat Oberkantor Zivi (Elberfeld) eingehende Leitsätze eingereicht. Die Vorschläge gipfeln in einer weit durchgeführten Dezentralisation. Die auf Dezentralisation bzw. auf Schaffung von Provinzialverbänden gerichteten Anträge werden abgelehnt. Nach Schluß des ersten Verhandlungstages beantragt Arno Nadel (Berlin) die Einsetzung einer Kommission zur Förderung und Erhaltung des traditionellen Chasones. Diese Kommission soll im besonderen Vierteljahreshefte mit Noten herausgeben« und halbjährliche' Vortragszusammenkünste einrichten, an welchen von Kantoren für Klantoren die mitgeteilten Gesänge und andere musikalische Angelegenheiten vor getragen werden. — Der zweite Verhandlungstag wird von Kantor K o r n i tz e r (Hamburg) geleitet. Er ist in der Hauptsache sachmissenschiaftlichen Vorträgen gewidmet und bringt ei«n Referat von Oberkantor A s ch (Berlin) über den Gesangsvortrag unter Berücksichtigu.ng des shnagogalen Dienstes. Den zweiten Fachvortrag hält Kantor G n t t m a n n (Pots«dam) über das Sabbateingangslied. In Anschluß an diese Vorträge beschäftigt sich der Kantorentag eingehendmit den Verhältnissen der Kantoren an den Berliner subventionierten Gemeinden. Hierauf werden interne Vereinsangelegenhei«ten erörtert. Der Mitgliedsbeitrag wird auf 24 Mark jährlich festgesetzt. Bei der vollzogenen Vorstand sw ahl werden. ge)oählt: zum ersten Vorsitzenden Oberkantor Davidsohn (Berlin), zum zweiten Vorsitzenden Fa bisch (Göttingen)/ ’ ferner die Herren Schmal (Berlin), Ziv i (Elberfeld), F r e u d e n t h «a l (Luckenwalde), Levh, Bella ck, Guttmann (Potsdam) und K o r n i tz e r (Hamburg). «Berlin, 7. Juni. Am 27. April tagte in Berlin die Vertreterversammlung des Arbeitersürsorgeamts, in dem bekanntlich die grohen deutschjüdischen und ostjüdischen Organisationen Deutschlands zusammengeschlossen sind. Zu Beginn der Tagung gedachte der Vor-

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