Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 12 (10.6.1921)
- Date
- 1921-06-10
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Organisationen zusammenzuarbeiten, um Palästina als bevorzugtes Imm!igr-ation>s.lan'd ausWgestalten. Der Or>d>en erklärt den Aufbau Palästirios in diesem Sinne -als. ein großes allgerneinjüdischjes Hilfslverk, fordert aber eine paritätische Zufammensetzung der Leitung des Aufbauwerkes und Garantien für oie ausschließliche Verwendungder gesammelten Gelder in Palästina. Die deutschen Logen sollen sich an -dieser Aktion ohne Beeinträchtigung ihrer Mitarbeit beim Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes un8 -ihrer Fürsorge für das notleidende Deutsche Judentum und die in Deutschland weilenden jüdischen Flüchtlinge beteiligen. Wünlche kür die Tagung des lösyrilchen Hkrarütilchen Gememdroerbsndrs. m 19. Jutti wird das jüdische Parlament von Bayern zu seiner ersten Tagung sich in Nürnberg versammeln, um dem im April vorigen Jahres ins Leben gerufenen Gemeindeverbande eine endgültige 'Verfassung zu geben, die den Boden seines zukünftigen Daseins und Wirkens bilden wird. Die Eröffnung desselben wird gewiß ein feierlicher Augenblick von historischer Bedeutung sein, und die schönen Ansprachen, die man zur Begrüßung der aus der Wahlurne hervorgegangenen Vertrauensmänner und -damen halten wird, werden eine warme Stimmung verbreiten, eine Atmosphäre des Friedens, in welcher die unangenehmen Begleiterscheinungen eines unbrüderlichen Wahlkampfes für eine Weile vergessen fein werden. Wir Rabbiner, die wir dem Wahlkampfe serngeblieben und darum der Ehre eines Mandats zu einer Versammlung, in der das Herz des bayerischen Judentums schlagen soll, nicht teilhaft geworden, werden mit einigen Ausnahmen durch Abwesenheit glänzen müssen. Aber im Geiste werden wir anwesend sein und mit unseren wärmsten Wünschen an den Beratungen teilnehmen. Und diese Wünsche fassen wir zur bevorstehenden Tagung zu dem einen Wunsche zusammen: „Jehi rozon schetischre sch'chino b’maase j’dechem“, möge der Gottesgeist auf eurem Werke ruhen! Der Gottesgeist ist kein Parteigeist. Bor ihm gibt es keinen Unterschied von Liberalen und Konservativen, von Zionisten und Zentralvereinlern, von Großgemeinden und Kleingemeinden, vor ihm gibt es nur eine Gesamtgemeinde Israel. Darum wird es die erste und größte Aufgabe des bei allen Parteien wertgeschätzten Schöpfers des. Bayerischen Gemeindeverbandes sein, die Parteigeister, die er leider bei den Wahlen gerufen, von der Schwelle des Berhandlungssaals zu bannen und fernzuhalten. Der Gottesgeist kennt auch keine Herrschaft weder des Priestertums noch des Laientums. Er ist der „Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Weisheit und Einsicht". Er will regieren, und nicht regiert werden. Der Wahlverein der Liberalen hatte in seinem Wahlaufruf erklärt, c intreten zu wollen „für die Erhaltung und Schaffung eines geistig hoch stehenden Beamtenstandes". Ein gewiß sehr berechtigtes Streben. Der Beamten stand wird sicherlich nach Kräften bemüht sein, geistig hoch zu stehen, und darum wünscht er auch die Erhaltung und Schaffung von geistig hoch stehendenden Gemeindeverwaltungen, und das sind solche, die ein warmes Herz haben und ein lebendiges Gefühl nicht bloß für die materielle Notlage des Beamtenstandes aller Kategorien, sondern auch für die religiöse Notlage des Judentums und derselben im verständnisvollen Einvernehmen mit Rabbinern und Lehrern mit Einsetzung ihrer Persönlichkeit opferfreudig abzuhelfen suchen. Und in den beiden Vertretungskörpern des Verbandes wünschen wir uns eine geistig hoch stehendeGesamtverwaltung, die mit Treue gegen das Erbgut der Vergangenheit ein feines Gehör verbindet für die Stimmen der Zeit und durchdrungen ist von dem Bewußtsein der Verantwortung für die Zukunft unserer Gesamtheit. Einheit und Gemeinschaft ist das Gebot der Stunde, Idealität und Geistigkeit ist die erhaltende Kraft des Judentums. Zwischen Rabbinern und Gemeindeverwaltungen ist vor der staatlichen Umwälzung bei uns in Bayern in der Regel ein befriedigendes Verhältnis und bisweilen ein harmonisches Zusammenwirken gewesen. Das Verdienst daran gebührt der ehemals geltenden Magna Charta der jüdischen Gemeindeverfassung vom 29. Juni 1863, welche nicht bloß das Vorhandensein der zum Bestände einer jeden Kultusgemeinde notwendigen Anstalten obligatorisch erklärte, sondern auch die Bestimmung hinzufügte, daß gegen die Einsprache des Rabbiners wohlhergebrachte Einrichtungen, also zum Beispiel selbst ein Minhag, nicht abgeändert werden dürfen, wie auch umgekehrt der Rabbiner nicht selbstherrlich den Kultus formen und gestalten konnte. Dadurch war ein Gleichgewicht der Kräfte hergestellt, das selten durch einen Uebergriff von der einen oder anderen Seite gestört wurde. Durch die Neuordnung der Dinge sind die Rabbiner entrecht ei und bie Gemeinden oder vielmehr ihre Vertretungen souverän geworden. In ihr Belieben wird es zukünftig gestellt sein, den zum Hüter der gemeindlichen Heiligtümer Berufenen aus der Gemeinde hinauszuorgeln oder zu einem Gutachter herabzusetzen. Wohl wird die Macht hundertjähriger Tradition noch nachwirken, und zu den maßgebenden Leitern des Bayerischen Verbandes darf man mit dem Vertrauen blicken, daß sie die Verpreußung unserer Gemeindeverhältnisse nicht anstveben und nicht begünstigen werden. Aber Menschen und Traditionen sind vergänglich. Darum sollte die innergemeindliche Stellung der Rabbiner und ihr Lehramt in der endgültigen Verfassung des Verbandes stärker, als es in der vorläufigen der Fall ist, verankert und befestigt werden. Das sind unsere bescheidenen Wünsche für und an die bevorstehende Tagung der konstituierenden Versammlung. Außerdem wünschen wir dem Verbände einen großen Geldsack, damit es ihm ermöglicht werde, die manigsachen und umfangreichen Aufgaben, die er in seiner Satzung sich zum Programm gemacht, restlos zu erfüllen zum Heil des bayerischen Judentums! Auch Einer. Gklsmtorggnisstmn. Ein Epilog zum Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandstag in Berlin. Von I. F r c u b >cnth n l (Luckenwalde). esamtorganisation! Diese bedeutsame innerjüdische Frage beherrscht seit Monaten das Feld der jüdischen Presse, und keine Tagung irgendeiner jüdischen Vereinigung läßt man vorübergehen, ohne sich ans ihr mit diesem Thema beschäftigt zu haben. Auch auf der am 16. und 17. Mai in Berlin stattgefundenen Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes nahm die Erörterung dieser Frage einen breiten Raum ein. Ja, Herr Syndikus Dr. Freund war selbst anwesend, um die schwachen Stellen seines Entwurfs gegenüber den Angriffen der Kantoren und Lehrer zu verteidigen, deren Unzufriedenheit mit der ungenügenden Vertretung im Rate und dem Paragraphen, der die Regelung der Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der Beamten den einzelnen Gemeinden überläßt, in scharfen Protesten zum Ausdruck kam. Aber noch von einer anderen Gesamtorganisation als der der jüdischen Gemeinden , war die Rede, nämlich von der Gesamtorganisation aller KultusMamten (Rabbiner, Lehrer, Kantoren) und Gemeindoangestellten. Ein von mir gestellter Antrag, alle bestehenden Lehrer-, Kantoren- und Beamtenverbände zu einer Gesamtorganisation zusammenzuschließen, deren Aufgabe es sein soll, den Kultusbeamtenstand in seinem bitteren Existenzkampf zu unterstützen, wurde einstimmig angenommen.