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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-06-10 · Heft 12 (10.6.1921) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 12 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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138 Bestände bedroht. Der Rabbinerverband hält es für eine heilige Pflicht der deutschen Judenheit, trotz der Ungunst der Zeit, mit allen Krästen für ihre Erhaltung zu wirken. Durch die neue Gestaltung der Verhältnisse in Palästina i st die Hoffnung gegeben, daß für zahlreiche Glaubensbrüder dort eine Heimstätte geschaffen wird. Der Rabbinerv erb and erklärt es für eine heilige Pflicht aller Juden, an di e s e m Werke Anteil zu nehmen und sich an der Aufbringung der Mittel tatkräftig zu beteiligen, in der Voraussetzung, daß der Aufbau im Gei st e derLehre desJudentums erfolgt und die aufgebrachten Mittel dem Dien st e parteipolitischer Zwecke entzogen werden." Beschlossen wurde die Erhöhung des Mitgliederbeitrages auf 20 Mark. Ein Antrag Goldschmidt (Offenbach), der Rabbinerverband wolle sich mit den jüdischen Organisationen in Verbindung setzen, um gemeinsam für . die Friedensidee und einen wahrhaften Völkerbund zu wirken, wurde dem hessischen Rabbinerverband zur Bearbeitung überwiesen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Nobel (Frankfurt a. M.) gewählt. Gegen Hll Uhr nachts schloß die Sitzung. Mit besonderem Dank ist die reiche Gastfreundschaft der Frankfurter Gemeinde und >des ökonomischen Komitees der Frankfurt-Loge zu rühmen. * Die Mitgliederversammlung der Bereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands am 17. Mar 1921 zu Frankfurt a. M. Am Dienstag, den 17. Mai, tagte in der Frankfurt-Loge zu Frankfurt a. M. die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands. Von den 85 Mitgliedern, welche die Vereinigung zurzeit zählt, nahmen 46 Rabbiner, unter welchen einige Gäste waren, teil. In Vertretung des Vorsitzenden Bloch (Posen), der sich wegen seines hohen Alters entschuldigt hatte, eröffnete Seligmann (Frankfurt) die Sitzung. Aus seinen Vorschlag wurden Vogel st ei n zum stellvertretenden Leiter der Versammlung, Goldmann zum Schriftführer. Appel und S t e i n t h a l zu Protokollführern, Salzberger und Kronheim (Bielefeld) zu Kassenrevisoren berufen. Zur Vorbereitung der Vorstandswahl wurde eine Kommission, bestehend aus den Kollegen Dienemann, Jacob und N o r d e n eingesetzt. Hieraus begrüßte Justizrat Dr. Blau im Namen der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M., Sanitätsrat Dr. E t t l i n g e r im Namen des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben, Dr. Erwin Seligmann im Namen des Jüdisch-Liberalen Jugendvereins und Tr. Eduard Strauß im Namen der Frankfurt- und Hermann- Cohen-Loge die Versammlung. Ter Leiter der Versammlung dankte allen Rednern in herzlichen Worten und erstattete sodann den Geschäftsbericht für die Zeit von 1912 bis 1921. Er gedenkt der verstorbenen Mitglieder, insbesondere der Kollegen Map bäum, Guttmann, Appel und R ü l f, zu deren Ehren sich die Anwesenden erheben. Er dankt den Feldrabbinern für ihre opfervolle, segensreiche Tätigkeit während des Krieges und schlägt vor, den bisherigen Vorsitzenden zu Ehren feines 80. Geburtstages, den er Ende dieses Monats begehe, zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Dies geschieht unter lebhafter Zustimmung der Versammlung. Ein Telegramm mit der Mitteilung dieser Wahl wird an Bloch nach Berlin gesandt. In ausführlicher Darstellung beleuchtet der Leiter der Versammlung dann die Motive, Schicksale und Aussichten der Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum. Es folgen hieraus die Vorträge und Referate. D i e n e m a n n (Offenbach) hält einen tiefgründigen und gedankenreichen Vortrag über „Die Bedeutung des Irrationalen für das liberale Judentum". Er umschrieb zunächst den Begriff des Irrationalen als desjenigen in unserer Seele, was sich selbst als gegeben hinnimmt, was sich jenseits aller Ueberlegung als vorhanden betrachtet und sich unabhängig von Wahl als bestimmend empfindet, und versuchte zu zeigen, wie es ein Charakteristikum unserer Zeit ist, dieses Irrationale als entscheidend anzusehen, zu den letzten Fragen Stellung zu nehmen nicht auf Grund vernunftgemäßer Ueberlegung und wissenschaftlicher Durcharbeitung, sondern aus Triebhaftem und Unerklärbarem. Er skizzierte sodann die frühere Methode als beherrscht von dem Gedanken, daß die vernunftgemäße Erklärung und wissenschaftliche Durchdringung allein maßgebend sei. Diese Methode habe sich als einseitig erwiesen, es gelte nun, ohne auf vernunftgemäße und wissenschaftlich gegründete Regelung zu verzichten, das Irrationale stärker zu beachten und darum die innere Gläubigkeit, das Erarbeiten eines seelischen Verhältnisses zu Gott und Welt und zur jüdischen Gemeinschaft stärker zu betonen. Salzberger (Frankfurt) spricht in eindringlicher und fesselnder Weise über das Thema: „Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judentum?" Ausgehend von der religiösen Notlage, in der unsere liberale Jugend sich befindet, versucht der Redner Mittel und Wege zu zeigen, wie diese Jugend für das Judentum wieder gewonnen werden kann. Es gilt, der Jugend die Religion nicht als etwas Fertiges darzubieten, sondern mit der Jugend.gemeinsam die Religion aufzubauen. Mit dem Elternhaus ist der Anfang zu machen; Schulbaus und Gotteshaus stellen sodann die wichtigsten Stätten religiöser Belehrung und Betätigung dar. Auch das „Gemeindehaus" soll der Jugend srühzeitig vertraut werden; und schließlich soll der Erzieher auch die in der modernen Jugendbewegung liegenden sittlichen und religiösen Werte verständnisvoll fördern helfen. Eine Veranschaulichung, Verlebendigung und Verjugendlichung der Religion wird auch die Herzen unserer Kinder wieder gewinnen, nicht für ein Parteiprogramm, sondern für eine positiv jüdische Lebensauffassung und Weltanschauung. Vogel st ein (Breslau) referiert über „Unser Verhältnis zu der Vereinigung für das liberale Judentum und zu den jüdischliberalen Jugendvereinen". Er faßt sein Referat zusammen in die später von der Versammlung angenommenen Thesen: 1. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands stellt ausdrücklich ihre volle Selbständigkeit gegenüber der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland fest. 2. Die liberalen Rabbiner stellen gleichzeitig fest: a) die Notwendigkeit des Zufammenarbeitens mir den liberalen Laien, b) die Notwendigkeit der Organisation der liberalen Elemente in den einzelnen Gemeinden und in ganz Deutschland. 3. Die Aufgabe der liberalen Rabbiner in dieser Zusammenarbeit ist die Vertretung, Betonung und Vertiefung der positiv religiösen Momente im Judentum. 4. Zur Förderung des religiösen Lebens im liberalen Sinne sollen die liberalen Rabbiner, wo es angängig ist, liberale Jugendvereine begründen. 5. Wo dies nicht angängig ist, soll der liberale Rabbiner Arbeitsgruppen bilden, in denen die Jugend in liberalem Sinn jüdisch-religiös erzogen wird. F r e u d e n t h a l (Nürnberg) und G o l d m a n n (Leipzig) referieren über die aktuellen Fragen unserer Stellung zu Antisemitismus. Ostjudenfrage, Zionismus, Aufbau Palästinas, Jüdische Schule. Bestimmte Thesen zu diesen Fragen wurden von der Versammbrng nicht angenommen. Daaegen wurde die Resolution des dritten Referenten Kahlberg (Halle) über unsere Stellung zur Organisation der deutschen Juden einstimmig angenommen, welche lautet: Der liberale Rabbinerverband spricht sein lebhaftes Bedauern aus, daß das neue Organisationsgesetz den religiösen Charakter unserer Gemeinschaft so wenig betont und gewahrt hat. Denn es hat den Einfluß der natürlichen Führer des religiösen Judentums, der Rabbiner und Lehrer, fast gänzlich zurückgedrängt. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner verlangt deshalb von der Vereinigung für das liberale Judentum 1. daß auf 'den Listen der Liberalen in den einzelnen Wahlverbänden liberale Rabbiner an aussichtsreiche Stellen gesetzt werden, 2. daß die den Gemeindekörperschaften angehörenden Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum dafür eintreten, daß die Rabbiner zu allen Sitzungen der Gemeindekörperschaften mit beratender Stimme zugezogen werden. Ueber all diese Fragen wie auch über die Vorträge fand eine bis zum späten Abend währende Aussprache statt, an der sich die meisten Kollegen beteiligten. Zum ersten Vorsitzenden wurde an Stelle von Bloch einstimmig S e l i g m a n n (Frankfurt), zu Mitgliedern des Vorstandes Blumenthal, Freudenthal, Porges, Vogel st ein wieder und E i n st e in, Italiener und K a h l b e r g neu gewählt. * Die Grotzlofte U. O. B. B. für den Anfban Palästinas. Das Generalkomitee des U. O. Bne-Brith, Großloge für Deutschland, hat in oer Sitzung vom 22. Mai beschlossen, mit 'der Zionistischen Organisation und anderen an Palästina interessierten jüdischen

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