Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-05-27 · Heft 11 (27.5.1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 11 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229482-3229493--76264-3288842
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

SS. Jabtgang. Nr « Dxx Oemeindetzate. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. Korrespondenzen und Mschnchtrn. Deutschland. E. M. Berlin, 24. Mai. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hielt ihre Generalversammlung ab. Aus dem Jahresbericht -des Kuratoriums entnehmen wir, daß die im vorigen Jahre abgeschlossene Satzesänderung von den zuständigen Behörden genehmigt worden ist. Damit ist -der Anstalt der Name „Hochschule" wiedergegeben, -den sie bei der Begründung sich beigelegt hatte, aber 1883 in der Aera Puttkammer, bei der Erlangung der Rechte einer juristischen Person in „Lehranstalt" vertauschen mußte. Von den Dozenten konnte Professor Dr. Baneth auf eine 25jährige Amtstätigkeit zurückzublicken, worüber wir seinerzeit berichtet hatten. Die Zahl der Hörer befindet sich seit Kriegsende wieder in stetiger Zunahme. Im Sommer 1920 betrug sie 31, im Winter sogar 37, dazu 27 bzw. 29 Hospitanten. Unter den Hörern befindet sich eine Reihe von Studierenden, die nicht die jüdische Wissenschaft zu ihrem Hauptberuf erwählen, aber dennoch in ihr Ausbildung suchen. Ein Versuch, Abend-vorlesungen für weitere Kreise der Gebildeten einzurichten, fand nicht den erhofften Zuspruch. Das Vermögen der Anstalt wurde durch einige Stiftungen vermehrt, darunter ist vor allem die Stiftung des Fabrikbesitzers Josef Garbath-Rosenthal, Berlin-Pankow, zu erwähnen/ der zur Begründung einer Josef-und-Rosa-Garbath- Sti'j'tung, Lehrstuhlstiftung, ein Kapital von 100 000 Mark übergab und einen Jahresbeitrag von 3000 Mark zusagte. Im. ganzen hat, wie alle kulturellen Institute, auch die Hochschule bei -der gegenwärtigen Teuerung schwer zu ringen. Die Gehälter, für die 1919 noch 39 700 Mark ausgegeben wurden-, betragen heute 120 000 Mark lind reichen für die heutigen Verhältnisse immer noch nicht -aus. Ebenso sind die Kosten der Verwaltung ins Ungeheure gestiegen. Im Jahre 1920 stand die Anstalt einer sehr ernsten Lage gegenüber. Für die starken Anforderungen reichten die bisherigen Einnahmen in keiner Weise aus, und es mußte mit einem sehr erheblichen Fehlbetrag gerechnet werden. Nur eine Reihe größerer Beiträge, ferner eine Reihe namhafter Zuwendungen aus New Jork, endlich die von den jüdischen Gemeinden bewilligten Erhöhungen ihrer laufenden UnterstüFungen — namentlich von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin — ermöglichten es, der Notlage einigermaßen Herr zu werden. Fortbestand und Weiterentwicklung der Hochschule erheischen aber immer noch eine Stärkung ihrer wirtschaftlichen Grundlage. Das Kuratorium bittet daher dringend, ihr im reichen Maße Jahresbeiträge sowie einmalige Gaben oder Stiftungen zuzu,führen und es dadurch in den Stand zu setzen., den gesteigerten Anforderungen zu genügen und die Anstalt aus der den fortschreitenden Erfordernissen der Wissenschaft entsprechenden Höhe zu erhalten. Aus dem Kuratorium ist Kommerzienrat G r ü n f e l d ausgeschieden, an seiner Stelle Geheimvat Professor Dr. Nikodem. Caro eingetreten. Herr Max Weiß, der langjährige, unermüdliche Schatzmeister, der sich infolge hohen Alters außerstande sieht, sein Amt länger zu verwalten, wurde in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Hochschule zum Ehrenfchatzmeister ernannt. Neugewählt wurde Bankier Ernst Wallach. 22 Berlin, 24. Mai. Bekanntlich bereist zurzeit der Präsident des American, Joint Distribution. Committee, Herr Felix Warb u r g, Europa, um in Gemeinschaft mit den europäischen Vertretern des Joint, insbesondere Herrn Bernh'ard Kahn, an Orr und Stelle die bisherige Tätigkeit des Joint zu prüfen und Richtlinien für die weitere Arbeit zu geben. Vertreter des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, in dem bekanntlich alle großen jüdischen- Organisationen Deutschlands, weit- und ostjüdische, zusaMmengeschlossen sind und in dem das Fürsorg-ewerk für die Ostjuden zentralisiert ist, hatten eine Unterredung mir dem Herrn Präsidenten. Marburg. Dem Arbeiterfürsorgeamt sind bekanntlich die für Deutschland bestimmten Gelder des Joint Distribution Committee zur Ostjudenfürsorge zugeflo-ssen. Bei der Aussprache zeigt es sich, daß das Joint Distribution Committee durch sein europäisches Bureau auf das genaueste über die Tätigkeit des Arbeit-erfürsorgeamtes' unterrichtet war. Herr Marburg sprach über die Leistungen des A rbe rte r für so rgeamüe s feine volle Befriedigung aus. Er sagte, daß in Amerika besonders die ruhige Art und Weise gefallen habe, mit der das Arbeitersürsorgeawt, ohne sich irgendwie in -parteipolitische Streitigkeiten einzumifchen und ohne seiner Arbeit einen parteipolitischen Charakter zu geben, die großen Aufgaben, die an dieses herangetreten seien, fachlich und energisch gelöst habe. Er betonte, daß mit ganz wenigen Stellen des Joint eine so große Zufriedenheit in Amerika herrsche, wie gerade mit der deutschen Stelle des Arbeiberfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands. Herr Marburg bemerkte jedoch ausdrücklich, daß die Joint- Gelder für Deutschland nicht mehr wie bisher überwiesen werden könnten. Die No-t in den au her deutschen- Ländern, insbesondere der Ukraine, Polen und Rußland, sei fo außergewöhnlich.groß, daß dort vor allem tatkräftige Hilfe einsetzen mutz. Das deutsche Judentum müsse in der Lage sein, einen erheblichen- Teil der für die Ostjudenhilfe notwendigen Gelder selbst au,Mb ringen. Amerikas Entschluß über weitere Hilfe werde sicher von den Leistungen hier abhängen. Es steht zu hoffen., daß der durchaus berechtigten Forderung des Herrn Präsidenten Marburg Folge geleistet wird und das deutsche Judentum die Aufgaben erfüllt, die ihm zukommen. Berlin, 24. Mai. Zu dem im Inseratenteil veröffentlichten Preisausschreiben der S.-Maybaunr-Stistung erhalten wir folgende Erläuterung: Laut § 3 der Satzungen sollen „nur wissenschaftliche, d. h. durch die Quellen des Religionsg-esetzes oder durch Vorgänge aus der Religionsg-eschichte begründete Arbeiten einen Preis erhalten. An den Preisarbeiten könnensich nur Personen beteiligen, welche als Rabbiner fungieren oder die Rabbinatsprüfung zwar bestanden, aber noch kein Amt als Rabbiner übernommen haben. Die Arbeiten müssen in deutscher Sprache äbgesaht fein". Nach § 4 „bleiben die gekrönten Preisarbeiten Eigentum des Verfassers, der zu ihrer Veröffentlichung verpflichtet ist". Für dieses Mal ist der Preis auf YOO Mark bestimmt worden. Die Arbeiten müssen bis zum 18. November 1922 bei Herrn Dr. Cäsar Selig mann, Rabbiner zu Frankfurt a. M., Friedrichstraße 29, eingereicht sein. Jede Arbeit muß durch ein Motto oder ein Wortzeichen -ihren Verfasser kennzeichnen und in einem beigesügten geschlossenen Kuvert das Kennzeichen und den Namen des Verfassers enthalten. Erwünscht, aber nicht unbedingt erforderlich, ist eine Zusammenstellung und Schilderung der Modalitäten, nach welchen die Toravorlesung in den wichtigeren Gemeinden Deutschlands vollzogen wird. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands. 20 Berlin, 24. Mai. Am 1. h. M. fand in den Räumen des Brüdervereins die 37. Generalversammlung des Vereins „Freunde der T a u b st u m m e n, I e d i d e I l m i m" statt. Der zweite Vorsitzende, Herr Ludwig G i n s b e r g, teröffn-ete die Sitzung mit dem Dank an alle die, welche trotz der schlechten Verkehrsverhältnisse (1. Mai) die Mühe nicht gescheut hätten und hergekommen seien. Er bedauerte aufrichtig das Fehlen des von allen verehrten ersten Vorsitzenden, Geh. Rats Dr. Boas, und wünschte ihm recht baldige gute Besserung. Hierauf gab Herr Direktor Dr. Felix Reich den Bericht über die Taubstummenanstalt in Weißensee. „Im letzten Jahre ist die Zahl der Kinder auf 50 gestiegen, so daß wir in diesem Jahre von einer Neuaufnahme absehen wollen. Der Gesundheitszustand im verflossenen Jahre war sehr gut. Wir danken das neben der tatkräftigen Unterstützung unserer Gönner (auch ausländischer) vor allem dem herrlichen Anftaltspark." Herr Dr. Reich spricht dann über die Erfolge der Schule und hebt besonders die Leistungen der Lehrer hervor, die mit voller Hingebung an der sprachlichen Ausbildung, dem schwierigsten Teil der Taubstummenerziehung, arbeiten. Die neue Methode, die er selbst und der Kollege Meyer auch in unserer Anstalt erproben, hat gute Erfolge. Früher wurde mit den Kindern im ersten Halbjahre fast nur „Artikulation", d. h. Einzellaute, geübt. Es ist verständlich, daß diese Methode für die Kinder geiftlo-s w-ar; denn sie wußten ja nicht, wozu mit ihnen solche Kind und Lehrer anstrengenden Hebungen getrieben wurden. Erst bei der ersten deutbaren Lautverbindung bekam das Kind Freude am Sprechen. Jetzt sangen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.