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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-05-13 · Heft 10 (13.5.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 10 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Weihe gegeben. Mit einem Dankgebet für seine Verdienste um die Gemeinde schloß die eindrucksvolle Rede. Hierauf folgte Psalm 84, vom Chor in deutscher Sprache wirkungsvoll vorgetragen; das Alrsolo sang Frau Widetzky mit sympathischer Stimme. Der Chor unter der bewährten Leitung des Kapellmeisters K>elle r - m ann, der als Nachfolger Lewandowskis das Amt des Chordirigenten der Neuen Synagoge mit Umsicht und Energie bekleidet, erfreute die zahlreichen Besucher der Feier in besonderem Maße. Der Feier schloß sich dann der gewöhnliche Mahas-Gottesdienst an. Berlin, 10. Mai. Vom Z e n t r a I b u r ea u s ü r j ü«di s ch>e A u s w a n d e r u n g s - An g e l e g e n h e i t e n , H i l s s v e r e i n der Deutschen Juden, erhalten wir folgende Zuschrift: Es kommt in letzter Zeit öfters vor, daß Emigranten mit dem Reiseziel Argentinien in unserem Bureau erscheinen, um Beistand in folgender Angelegenheit nachzusuchen. Sie können nämlich die Weiterreise nicht antreten, weil sie es verabsäumt haben, sich die für sie notwendige Reiseerlaubnis seitens der argentinischen Einwanderungsbehörden in Buenos Aires rechtzeitig von ihren Angehörigen in Argentinien zu beschaffen. Ohne diese Einreiseerlaubnis aber erhalten sie nicht das Visum seitens des argentinischen Konsuls. Diese Unterlassung rächt sich oft schwer. Die Emigranten sind gezwungen, sich — was sehr erhebliche Kosten verursacht — telegraphisch mit ihren Verwandten in Argentinien in Verbindung zu setzen, und es vergeht eine geraume Zeit, bis Nachrichten und Papiere aus Argentinien eintresfen. In der Zwischenzeit müssen die Emigranten aber in Berlin bleiben, um auf die Papiere zu warten. Dieser nicht vorausgesehene Aufenthalt ist, insbesondere, wenn es sich um Familien handelt, mit vielen Kosten und Unannehmlichkeiten für die Emigranten verknüpft. Wir sehen uns daher gezwungen, wieder ausdrücklich auf die Zurzeit geltenden Bestimmungen hinzuweisen. Folgende Personen brauchen eine Spezialerlaubnis der argentinischen Einwanderungsbehörden in Buenos Aires für die Einreise: a l l e i n r e i f e n d e Kinder unter 15 Jahren, a l l e i n r e i s e n d e Personen über 60 Jahre, alleinreisende schwangere Frauen, allein reis ende Frauen mit Kindern unter zehn Jahren, Familien ohne Familienoberhaupt oder Vater. Reisende nach Argentinien, die zu den vorgenannten Personen oder Kategorien gehören, müssen sich cklso, um sich große Unannehmlichkeiten zu ersparen, ehe sie sich in Bewegung setzen, durch ihre Verwandten in Argentinien die geforderte Einreiseerlaubnis unbedingt zuschicken lassen. g/a Berlin, 10. Mai. Trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse hat die jüdische Gartenstadtgenossenschaft zusammen mit dein rührigen Bodenkulturverein eine jüdische Gartenbauschule ganz vor den Toren Berlins ins Leben gerufen. Auf einem Gelände, das von der jüdischen Gemeinde Berlin zur Verfügung gestellt wird und das zum 1. Oktober insgesamt mehr als 70 Morgen betragen dürfte, soll dem Bedürfnis der Jugend zur Berufsumschal'tung Rechnung getragen werden. Das Terrain liegt zwischen Buckow und Mariendorf und ist bequem mit der Straßenbahn zu erreichen. Ein tüchtiger und erfahrener Landwirt, ein früherer Athener, hat die Bebauung eines kleinen Teiles des Terrains bereits in Angriff genommen und mit der Aufzucht von Kleinvieh usw. begonnen. Eine Führung, die Herr Rittergutsbesitzer Brandt vor kurzem den Mitgliedern der jüdischen Gartenstadtgenosfenschast gewährte, befriedigte allgemein. Trotz der geringen Mittel gelang es Herrn Brandt, Baulichkeiten, Wohnung, Scheunen, Stallungen usw. freizubekommen und die Anlage zweckentsprechend herzurichten. Das Tempo der Entwicklung der Unternehmung wird natürlich von der Unterstützung der jüdischen Gartenstadtgenosfenschaft und des Bodenkülturvereins abhängen. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit bitten wir alle Freunde dieser Bestrebungen, sich mit Herrn Siegbert Wolfs, Kurfürstenvamm 216, in Verbindung zu setzen. r. Breslau, im April. Genreindevabbiner Dr. Hoffmann, der, wie bereits berichtet, als Nachfolger 'des unlängst verstorbenen Tr. Rosen,thal znm ersten Rabbiner an die Alte Synagoge beruf,en worden ist, wurde in gemeinsamer Sitzung von Gemeinde- Vorstand und Nepräsenta>n>t!enversa.mnrlung in sein neues Amt ein geführt. Seitens des Gemeindevorstandes begrüßte dessen Vorsitzender, Rentner Eduard Sachs, den neuen Seelsorger. Als der Amtsvorgänger des Herrn Rabbiners Dr. Hoffmnnn in den Ruhestand getreten sei, habe man sich, an ihn gewandt mit der Bitte, selber einen Nachfolger vorzuschl.agen «und aus Herrn Dr. Rosen thal s Vorschlag sei dann Rabbiner Dr. Hofsmanns Wahl einstimmig erfolgt. Den Willkommengruß der Repräsentantenversammlung entbot dessen Vorsitzender, Professor Dr. Wohl au er, und sprach den Wunsch ans, daß es dem Berufenen vergönnt sein möge, sich bald die Herzen aller Gemeindemitglieder zu erwerben. Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein von der Großen Synagoge begrüßte seinen neuen Amtskollegen und erhoffte ein friedliches Zusammenarbeiten mit -ihm zum Segen der ganzen Gemeinde. Gernei.nderabbiner Dr. Hoffmann dankte in bewegten Worten für seine Wahl und für die ihm zuteil -gewordene ehrenvolle Begrüßung und legte dann in großen Umrissen einige der Richtlinien dar, nach denen er fei-n Amt zu führen gedenke. — Am Vorabend zum Passahfeste wurde Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann feierlich in die bis ans den letzten Platz dicht besetzte Alte Synagoge, die Stätte seines, Wirkens, eingeführt und von Justizrat Dr. Hirsch ber-g namens der Genie indebehörden, sowie von Rabbiner Dr. Simonsohn als Amtsbruder begrüßt. In einer Ansprache antwortete Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann. Mit Chorgesang nahm die Feier ihren Anfang und ihr Ende. 22 Breslau, 6. Mai. Herr Dr. Rabin, über dessen Berufung an das Breslauer Jüdisch-Theologische Seminar wir kurz berichtet haben, steht im 38. Lebensjahr. Geboren als Sohn eines ukrainischen Rabbiners, empfing er die in Rußland übliche talmudische Ausbildung und erhielt die Rabbinatsautorisation durch angesehene litauische Rabbiner. Er studierte in Deutschland und in der Schweiz orientalische Sprachen, Geschichte und Philosophie, bestand in Bern die Doktorprüfung summa cum laude und — gleichfalls in der Schweiz — die Oberl-ehrerprüsung in Geschichte, Erdkunde, Philosophie und Pädagogik. Er wirkte mehrere Jahre als Lehrer an dem Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Iirden in Jerusalem und wurde dann nach Odessa als Leiter der dortigen Nabbinerbildungsanstalt berufen. Bei Kriegsausbruch weilte er in Deutschland, wurde interniert und trat bei dieser Gelegenheit 31t Gießen er Professoren in persönliche Beziehung; 1918 erhielt er ein Lektorat an der Universität Gießen für nachbiblische jüdische Geschichte, alsdann ein solches an der Universität Frankfurt a M., gleichzeitig einen Lehrauftrag für Hebräisch an der gleichen Universität. Herr Dr. Rabin wird am Seminar Bibelexegese und Geschichte lesen sowie den Mittelkursus für Tallnud übernehmen. Sein Hnuptarbeitsgebiet ist die Geschichte der Massora. 22 Forst i. L., 6. Mai. Die Beerdigung unseres so jäh dahingeschiedenen Predigers Herrn P u l v e r mache r fand von der Synagoge aus aus Kosten der Gemeinde statt. Die Herren Rabbiner Dr. Posner aus Kottbus und Dr. Schuf tan aus Görlitz hielten tiefempfundene Trauerreden. Herr Kantor Schatz aus Kottbus sowie der „Jüdische Jugendbund Forst" sangen -ergreifende Abschiedslieder. Die Synagoge konnte die Zahl der zur Trauerfeier Versammelten kaum fassen. Es nahmen daran teil Vertreter der Stadt sowie der -evangelischen und katholischen Geistlichkeit. — Der Entschlafene stammte aus Woclawek in Rußland. Bon dort nach hier berufen, war es ihm gelungen, sich nicht nur das volle Vertrauen seiner Gemeindemitglieder zu erwerben, er hat auch in der weiteren Bürgerschaft sich einen großen Freundeskreis erworben. Eine glänzende Rednergabe war ihm verliehen, und gern war er bereit, sie in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Der tragische Tod des wackeren Mannes, des lichtvollen Predigers, des treuen Seelsorgers seiner Gemeinde wird allseitig beklagt; äufrichtige Teilnahme wird den Hinterbliebenen entgegengebracht. Neben der Gattin beweinen drei Töchter den Heimgang des Entschlafenen. In der Bewohnerschaft von Forst wird das Andenken von Prediger Pulvermann in Ehren bleiben. 22 Dessau, 6. Mai. Unsere Gemeinde hat durch das Ableben des Herrn Geheimen Kommerzienrats Hugo Sonnenthal einen schmerzlichen Verlust erlitten, lieber fünfzig Jahre war er ehrenamtlich für unsere Gemeinde tätig, davon fast vierzig Jahre im Vorstände und die letzten zweiundzwanzig Jahre als Vorsitzender des Vorstandes. Bei der Trauerfeier in der Synagoge bemerkte man Ministerialdirektor Dr. Weber als Vertreter des Staatsrats, Bürgermeister Hesse und Stadtrat Dr. Neu m a n n vom Magistrat, Staatsministera. D. Dr. v. Laue, Ministerialrat Siegfried sowie zahlreiche Vertreter der Banken und der Industrie. Ter Vorstand und die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde

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