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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-05-13 · Heft 10 (13.5.1921) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 10 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
Seite 115 (sequence 7)
Language
German
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115 Händen sind, nicht vorgenonunen werden, weshalb die Ladung in Haifa vorgenommen wurde, von wo die Maschinen mit der Bahn nach Jaffa befördert wurden. Die Maschinen stammen aus> Elbing und sind die größten bisher nach Palästina eingesührten maschinellen Einrichtungen. Nachdem die Stürme der Winterzeit die Schisfahrt aus dem Genezarethsee erschwert hatten, konnte der Verkehr bei Beginn des Frühjahrs wieder ausgenommen werden. Es verkehren aus dem Genezarethsee zwei. Motorboote, ein jüdisches und ein arabisches, und infolge der Konkurrenz dieser beiden Unternehmungen ist der Fahrpreis um 50 Prozent gesunken. Außer diesen beiden Booten verkehrt dort noch ein Segelboot, das den jüdischen Chausseearbeitern gehört und -nur zu deren persönlicher Beförderung und zur Beförderung ihrer Lebensmittel und Arbeitsgerätfchaften dient. Die zionistischen Industriellen- Gu-tkind, Weiiler und Kahen ans Ni.g,a erwarben, wie diie „Stanidard" Jnldustriieatm»b Baubeda.vf-Gesellschast in. b. H. (Berlin) .mittei'lt, in Dentschlmtd die Ei-n>richkmg einer Konsitürenfabrik, welche in Jaffa errichtet )verden und die Herstellung von Fruchturarmeladen sowie von Schokolade, Karamels und die Verarbeitung von Mandeln ausfü-hren soll. Es handelt sich um Motoren, Dynamos, Walz-, Mahl- und Schälapparate, Pressen usw. Unterhandlungen wegen Ankaufs der Einrichtung einer Zementfabrik sind im Gange. Nach dem nunmehr festgestellten neuen Stadtplan von Jerusalem soll die Altstadt unverändert bestehen bleiben. Die Neustadt wird in zwei Teile geteilt, in denen zwecks moderner Entwicklung auch die Niederlegung von Häusern vorgesehen ist. * Zusammenstöße in Jaffa. Die „Telegraphen - Union" verbreitet nachstehende Nachricht aus London vom 3. Mai: „Offiziell wird aus Jerusalem gemeldet: Am Sonntag, den 1. Mai, hat in Jaffa ein Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden stattgefunden, wobei 20 Personen getötet und 150 verwundet wurden. Truppen, die hinzugerufen wurden, vertrieben die aufständischen Plünderer." Die „Jüdische Preßzentrale" (Zürich) verbreitet hierzu noch folgende Mitteilungen: Die Zionistische Organisation in London hat vom Waad Hazirim (Zionist Commission) ein Telegramm von Montag abend erhalten, in iVm es heißt: .Unruhen sind gestern -vorig-ökomimen in Jaffa. 22 Inden sind getötet, 80 verwundet wor'd'en. Viele Geschäfte! wurden aüslgepM-ndert. Einizelheiten fehlen." Ein weiteres Delegramini a-u-s Jaffa bestätigt die traurigen Vonfälle und berichtet, daß über Jaffa d-er, Belagerungszustand verhängt worden ist. Anlaß zu >den Vorfällen gab bie Maideuwnstrationi. Ein weitereis Reu'teri-Delegr'amim au.s Jerusalem meldet: ,.,Esi wird offizi-ell mitgeteilt, da^ß Sonn'tag in Jaffa ein Zusammenstoß zwischen Haufen von Arabern und Juden stattgesünden h>at. 20 Personen sind getötet un!d 160 verwundet worden. An den Ort der Unruhen wurden >mit größter Schnellig!k>eil Truppen ans Ludd entfend>et, iberoen >es, ohne 'tont Gew>ehr Gebrauch machen zu 'Müssen, gelang, die Unruhen zu unter'drückeni. Die Auslp-küindierung d-er> G'eschiäfte fand noch vor Ankunft d»er Truppen statt. Die Nahe ist wieder ihergiestellk." Nähere Einzelheiten stehen noch aus. Die Havas-Meldung von einer Teilnahme russischer Zionisten an einer bolschewistischen Demonstration, die zu den bedauerlichen Ausschreitungen die Veranlassung gegeben haben soll, ist sicherlich tendenziös entstellt. Michskl Auhbsum, Ehrenmitglied der Israelitischen Rultusgemeinde München. leichzeitig mit den Wahlen zu dem neugegründeten Verbände bayerischer israelitischer Gemeinden fanden in München auf Grund einer freiheitlichen neuzeitlichen Verfassung die Gemeindewahlen statt, welche nach vorhergegangenem leidenschaftlichen Wahlkampfe unter Zugrundelegung der Vethältniswahl annähernd die gleiche Verhältniszahl zeitigten wie das bisherige Wahlrecht. Die Liberalen erhielten zwei Drittel, die vereinigten Orthodoxen und Zionisten ein Drittel der abgegebenen Stimmen. Nach der neuen Verfassung besteht die Gemeindeverwaltung nunmehr aus einem zehngliederigen Vorstande und der aus 24 Mitgliedern zusammengesetzten Gemeindevertretung, sohin aus einem Oberhause und einem Unterhause, zwei Gemeindevertretungskörpern. die man in Bayern bisher nicht kannte. In der ersten Sitzung dieser beiden Vertretungskörpev wurde einstimmig beschlossen, dem bisherigen 1. Vorstand, Herrn Michael Nußbaum, der im Hinblick auf seine vorgerückten Jahre gebeten hatte, ihn von seiner Stelle zu entheben, die Ehrenmitgliedschast der Gemeinde zu verleihen. Der erste so ausgezeichnete Mann ist Michael Nutzbaum. Die Verleihung ehrt die Gemeinde in gleicher Weise wie den Geehrten. Nußbaum hat diese Auszeichnung verdient. Er ist kein Geilehrter, die man aus wissenschaftlichen Werken kennt. Er ist ein einfacher lind schlichter Mann aus dem Volke, dessen Werke in der Kultusgemeinde weiterleben, in der er sich durch seine Tätigkeit ein Denkmal gesetzt hat für alle Zeiten. Er ist geboren in Ditlofsrvda bei Würzburg am 5. November 1842., wohnt seit 1857 in München, wurde am 1. Mai 1887 in die Gemeindeverwaltung gewählt, der er nunmehr seit 34 Jahren angehört und seine ganze Kraft widmet. 1897 wurde ihm das Amt des 2. Vorstandes und 1917 das des 1. Vorstandes übertragen. Wie in der Gemeinde, so treffen wir im gesellschaftlichen Leben auf die Spuren seiner Tätigkeit. In der Gesellschaft Concordia, der ersten und ältesten jüdischen Gesellschaft, wirkte er über ein Menschenalter in der Vorstandschast, seit Jahrzehnten als erster Vorstand und seit nahezu 20 Jahren als deren Ehrenpräsident. Die München-Loge Bne Brith wäre im Jahre 1897 nicht gegründet worden, wenn er, dev Gvündungsmentor, nicht seine ganze Person hierfür eingesetzt hätte, und es war damals nicht leicht, dem Orden U. O. B. B. in Süddeutschland die erste Heimstätte zu schaffen. Es wird wenig Vereine geben, in welchen er nicht an leitender Stelle tätig ist. Ich nenne nur auszugsweise das Israelitische Pensionat, neune den ältesten Verein, den die Stadt München besitzt, den Israelitischen Aussteuerverein, und den von ihm gegründeten Kinderfpavverein, der Kindersparkörbchen in die Familien entsendet, die Kinder sparen und wohltun lehrt und bedürftige Kinder mit Milch versieht, ein Verein, der in keiner Gemeinde schien sollte. Wohin wir blicken, auf dem Felde der sozialen und charitativen Tätigkeit, überall sind die starke Hand und der starke Wille Nutzbaums sestzustellen. Michael Nußbaum, Ehrenmitglied der Jsr. Kultusgemeinde München. ' -O'

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