Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 10 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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113 Deshalb rechnen mir. eh'eima-ligen- Schüler der Jacoibson'-Schüle daraus, daß wir die Unterstützung aller iwohlhabM-d-cn jüdijschen Kr-eise finden, damit die großen S-u>mmen> die zur -Erhaltunig, unserer Schule binnen kurzer Frist nötig sind — es sind mindestens 2 Millionen —, und die wir bei aller Opferwilligkeit allein nicht Ausbringen können, zufa'mttnengebracht werden. Wir bitten die Führer der jüdischen Gemeinden — Rabbiner, Lehrer, Ge meind-ev orständie — sowie die Leiter der Jugendvereine, für unseren Zweck eisrigst und ohne Aufschub zu werben.. Beli'triäige nehmven 'entgegen irr Berlin: Deutsche Bank,, Depositenlkasse 0, für Konto Georg Tietz, i. Fa. Gebr. Tietz; i n Hannover: Gdbr. Dam mann, Bankgeschäft, für Konto Louis NeuberA i. Fa. Neuberg u. Blank; in A a ch e n : Dresdner Bank, sür Konto Carl Sv-llinger, i. Fa. Seide nhans Sollinger. Der Verein zur Stützung der Jaeobson-Schnle zu Seesen am Harz. Direktor Julius Blumenberg, Contin>ental'-Caouitchou'cu-nd Gn-tta- Percha-Compagnie, Hannover. Hugo Blumenseld in Firma F. u. M. Simon, Berlin. Leo Brandt, Prokurist, Hannover. Gustav Brandt i. Fa. I. Hertz, Hannover. Karl Brinkmann, Kaufmann, Hannover. K. Brachvogel, Kaufmann, Hannover. Siegfried Cohrßen, Kausmann, Neustadt a. d. Hdt. Albert Dannenberg, i. Fa. D. Mai, Würzb'urg. Gust. Dessauer, Rentner, Hannover. Otto Eichenberg, Kaufmann, Hannover. Eduard Eichwäld, Kaufinann, Hannover. Bankdirektor Fels, Deutsche Bank, Berlin. Georg Frank i. Fa. David u. Co., Berlin. Bankdirektor Gidion, Deutsche Bank, Berlin. Louis Graetz, Kaufmann, Hildesheim. Ernst Helft, Fabrikbesitzer, Bleicherode. Oscar Jsenstein i. Fa. Hannoversche- Holzstifte-Fabrik, Hannover. Hugo Kaufmann, Kanfmann, Aachen. Gustav Meyer i. Fa. Schmidt u. Sommerfeld, Hannover. Robert n. Fritz Marx, Kaufleute, Aachen. Alexander Milan, Direktor der Berliner Privat- Tel.-Ges., Berlin. Paul und Willy Meyer, Kausleute, Aachen. Bankdirektor a. D. Ad. Müller, Holzminden. Julius Müller, Oberpostsckretär, Hannover. Louis Neuberg i. Fa. Neuberg u. Blank, Hannover. Gebr. Pintus, Aachen. Bankprok.urist Leo Rheo, Wolsenbutte l. Fr. Rose, Lehrer, Seesen. Arthur Rosenthal i. Fa. Rosenthal u. Hirschfeld, Berlin. Ernst Rothstein, Kausmann, Berlin-Halensee. Harry Simon. Kausmann, Seesen. Carl Sollinger, Kausmann, Aachen. Julius Sollinger, Kaufmann Einbeck. Max Schwabe, Fabrikant, Barel i. O. Adolf Steinberg, Kaufmann, Goslar. Victor Spier, Wickrath i. Rhld. Georg Tietz i. Fa. Gebr. Tietz, Berlin. Benno Weinberg. Direktor. Dresden. Joses Westenberg, Hannover-Wülfel. Arthur Weingarten, Kaufmann, Hannover. * „Jüdische Kinderhilse." Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hatte aus ihrer letzten Tagung beschlossen, unter dein Namen „Jüdische Kinderhilfe" eine allgemeine Sammlung unter den deutschen Juden zu veranstalten, deren Ergebnis in erster Linie den notleidenden Jugendfürsorgeinstitutionen zugute kommen soll, dann aber auch der offenen Jugendpflege, insbesondere den Ferienkolonien usw., dienstbar gemacht werden soll. Ursprünglich schon für Beginn dieses Jahres geplant, ist diese Sammlung mit Rücksicht auf die „Deutsche Kinderhilfe" bis jetzt verschoben worden. Nachdem die Sammlung der „Deutschen Kinderhilse" nunmehr abgeschlossen ist, muß die Aktion für die notleidenden jüdischen Kinder in um so stärkerem Maß beginnen, als die aus der ,,Deutschen Kinderhilse" der jüdischen Jugendpflege zur Verfügung stehenden Summen bei weitem nicht ausreichen, um dem allgemeinen Notstand abzuhelfen. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat sich an alle ihr angeschlossenen Gemeinden und Organisationen gewandt, ihr bei der Durchführung der „Jüdischen Kinderhilfe" behilflich zu sein. Hoffentlich entspricht das Ergebnis der Dringlichkeit des Zweckes und der außerordentlichen Bedeutung, welche eine gesunde Heranwachsende Jugend für die Zukunft des deutschen Judentums besitzt. * Antisemitische Gelüste. In ganz Deutschland werden jetzt von antisemitischer Seite folgende „Hand- und Werbezettel des Deutschen Volksvats" verbreitet: Macht ganze Arbeit mit den Juden! Bestien reizt man nicht, mau tötet sie. Es bleibt jedem nnbenommen, zu entscheiden, ob die einzMien Juden Bestien sind odur nicht, aber das Judentum selbst, tft die Bestie allen nichtjüdischen! Völkern gegenüber. Es hat keinen Zweck, diese Bestien durch bloße Sticheleien 'noch mehr zu reizen., am wenigsten heute, wo sie die Macht.haben. Aber befreien muß man sich von diesen Bestien, inan reizt si-e nicht, man tötet sie! Die Juden haben 'das deutsche Volk 1918/19 an die Schlachtbank geführt. (!!!) Jetzt sinnen sie darüber nach, 'lute sie am besten den Schächtschnitt aus führen können." Der Verfasser und Verbreiter dieser empörenden Flugblätter ist der „Deutsche Volksrat" des Herrn Dr. Heinrich Püdor in Leipzig. Man hat bisher nichts, davon gehört, das; die Leipziger Staatsianwaltschaft in dieser Sache irgend etwas gegen den Herrn Dr. Pudor uuternonMNien hätte. Wir verweisen bei dieser Gelegenheit auch aus die von Th. Fritsch in Nr. 448 seines „Hammer" veröfsentlichten, ang-eblich von einem Arbeiter herrnhrende Aeußerung: „Wenn es nach einmal zum Blütvergießen unter Deutschen kommen sollte, dann müssen für jeden Deutschen vier Juden daran glauben: ein Rabbiner, ein Bankjude, ein Zeitungs- und «ein Handelsjude." # Antisemitische Ausschreitungen in München. Aus München wird geschrieben: Hier besteht eine Genteinschaft Gnosis, die sich die Versöhnung der Konfessionen zur Ausgabe gesetzt hat und deshalb rein loissenschaftliche Borträge von Vertretern deneinzelnen Konfessionen über ihre Glaubenslehren veranstaltet. Aut Dienstag, den 26. v. Ai., sprach nun in der Reihe der Borträge dort der Rabbiner Dr. B ä r w -et l d über I u d e n t u in u n d W e l t - anschauung. Der Vortrag wurde in einer ganz skandalösen Weise gestört. Der Vorsitzende 'Schnäbel hatte in einleitenden Worten nochmäls eigens darauf hingewiesen, daß .es sich um einen rein wissenschaftlichen Vortragiszyklus handle, in dem die verschiedenen Weltanschauungen zu Wort kom-meu sollen. 'Rabbiner Tr. Bärioäld hatte aber kaum eine Viertelstunde, und z'w-ar in durchaus sachlicher Weise gesprochen, als von.einem rückwärtigen Zugang und- -auch, vom Haupteingang her (die Kasse war geschlossen) je etwa ein- Dutzend meist jüngerer Männer i-itt den Saal eindrangen und zunächst störende Zurufe machten. Als die Zurufe sich verstärkten, protestierte Pater Holzapfel in energischen Worten gegen die Ruhestörung'. Auch ein protestantischer Geistlicher mahnte energisch zu anständigem Benehmen, sie lourden aber ausgelacht. Auch die Mahnung des Borsitzenden zur Ruhe war ohne Erfolg. Xk Ruhestörer drangen unter Tumult nach vorne, warfen Tische und Stühle-um, schl u ge u m i t Stöcken, G u m m i k n ü p P e l n u n d- S t u h 'l b e i n e n auf d i e B€ s lt dj c r% c i n, von denen m e h r e r e v e r l e tz t wurden. Ein Herr, der im Felde gestanden hatte, -erhielt drei klaffende Kopfwunden: der Vorsitzende lourdezu Boden geschlagen und zum Saat h i nausgeworfen. Ein bejahrter, fast erblindeter älterer Herr, der Schriftsteller Aub, der schon zu Boden 'geworfen war, konnte noch rechtzeitig in die Garderobe gebracht und dort versteckt werden. Die erschienene Polizei nahm die Verhaftung einer Anzahl von Ruhestörern vor. Man mußte, schreiben die „Münchener Neuesten Nachrichten", schon seit längerer Zeit beobachten, wie politische Gegensätze von einer Gruppe unreifer Menschen in einer ganz unerhörten Weise zu Akten des Terrors mißbraucht werden. Das Schamgefühl dieser Menschen ist derart verwirrt, daß sie 'sogar Gotteshäuser besudeln; so lourden 'letzthin in einer Nacht die beiden Münchener Synagogen mit Hakenkreuzen! verschmiert. Man kann natürlich nicht geistig mit Leuten kämpfen, die Gummiknüppel als Argumente in Welta-nschammgserörterungen verwenden. Hier kann -allein eine energische Hand der Polizei und exemplarische Bestrafung Wandel schassen. Vorgänge wie diese in der Gesellschaft „Gnosis" bedeuten eine Schande, vor allem auch f ü r d t e ch r i st l ich e 9t e l tgion , die derartige Burschen zu verteidigen behaupten, und -die sich füir solche Gemeinschan auf das entschiedenste bedankt.