Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 9 (28.4.1921)
- Date
- 1921-04-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachdem Herr Dr. K l -e t n den Gemeindetiag irn Namen der Synagogengemeinde Köln begrüßt hatte, erstattete der Sekretär, Herr Reinhardt, den Kassenbericht des verflossenen Jahres, aus dem sich in Einnahmen und Ausgaben nur 4200 Mark ergaben, und der Vorsitzende betonte, daß ein solcher Betrag keine ausreichende Betätigung aus irgendeinem Gebiete ermögliche. Er richtete einen dringenden Appell an die Gemeindevertreter, ihre Gemeinden zu einem größeren Beitrag zu veranlassen. — Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn (Bonn) sprach sodann über die Gesamtorganisation der deutschen Juden. Redner verstand es, durch seine lebhaften, klaren Ausführungen seine Zuhörer zu fesseln, und jeder einzelne stand im Banne des'Klal-Jsrael, der in der Gesamtorganisation seinen Ausdruck finden soll. Es wäre müßig, dem Referate durch eine nackte Inhaltsangabe gerecht werden zu wollen. Die historische Einstellung und Entwicklung der deutschen Judenheit, die Vorbereitung des Entwurfs und die Vorverhandlungen innerhalb und zwischen den Parteien, die Tagung.des! Gerneindetages am 23. Januar d. I. in Berlin mit den. schweren Problemen, wie: Zweckbestimmung, Autonomie der Einzelgemeinde, Ausländerwahlrecht, die Ergebnisse dieser Tagung, deren Grundzug Referent in dem Begriff Klal-Jsrael erkannt hat, alles das stand wieder vor dem -geistigen Auge der, Zuhörer. Nach einer sehr eingehenden Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der Provinzialverband rheinischer Synagogengemeinden begrüßt freudig die Verwirklichung der. Gesamtorganisation der deutschen Juden und erolickt in ihr allein die Grundlage für die fernere -gedeihliche Entwicklung dies deutschien Judentums in all seinen Richtungen. Er beschließt einstimiMg, mit allen Kräften für die Idee der Organisation und den Anschluß sämtlicher rheinischen Gemeind,m an die Organisation zu wirken." — Durch Herrn Lehrer Abraham (Essen) wurde die Frage der Beamtenbdfoldung angeschnitten, und nach längeren Debatten wurden folgende Resolutionen angenommen: „Der am 3. April in Köln tagende Gemeindetag des Provinzialverbandes rheinischer Shnagogengemeinden fordert tn Anbetracht der Verhältnisse in mittleren und kleineren Gemeinden den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund auf, schnellstens, noch, vor Jükrasttreten der Organisation, durch- He-rbeisüh-rung staatlicher Beihilfen oder auf Grund des Besteuerungsrechtes auf Schaffung von Mitteln bedacht zu sein, -um der Not der Beamten zu steuern." „Der am 3. Al-prit in Köln sagende Gemeindetag dies« Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden liegt bm Gemeinden nahe, nach Möglichkeit ihre Rabbiner, Lehrer und Kultusbeamten in die entsprechenden Besoldungsgruppen der Besoldungsgesetze vom M>ai und Dezember 1920 'einzuordnen." — In den Ausschuß wurden hinzugewählt die Herren Rabbiner Dr. Kobe r (Köln), Lehrer a. Di. Baum (Köln) und Max G o l d r e i ch (Beuel). S£2 Hannover, 22 April. D i e Frauen rühren sich. Gleich wie bereits in Rheinland und Westfalen geschehen, steht nunmehr auch die Gründung eines Provinzialverbandes jüdischer Frauenvereine für die Provinz Hannover und angrenzende Gebiete bevor. Eine vom Israelitischen Frauenverein Hannover E. B. zu diesem Zweck einberusene Tagung wird am Dienstag, den 3. M-ai di. I., i n Haunovier in den Räumen der Zion-Loge stattfinden. Man will eine Zentrale schaffen für die Gemeinschaftsarbeit, für Wahrnehmung gemeinsamer Interessen und für gegenseitigen Beistand zwischen Stadt und Land. Man will durch Austausch gegenseitiger Erfahrungen, Anregungen und Belehrungen beraten, in welcher Weise man den bisherigen Aufgaben, die dem Jüdischen Frauenverein obliegen (u. a. Sorge für Kranke und Sterbende, wie für Waisen und Arme, für Wöchnerinnen und sonstige Hilssbedürstige), noch gerechter werden kann wie bisher: man will aber auch in eine Prüfung der Frage eintreten, inwieweit und in welcher Weise sukzessiv auch andere Aufgaben der jüdischsozialen Hilfstütigkeit erfüllt werden können und erfüllt werden müssen, wie Jugendpflege, Berufsberatung, Stellenvermittlung, Arbeitsnachweis, Arbeit in der Gemeinde u. a. m. Der Verband soll nicht nur für die Vereine, sondern auch für diejenigen Frauen eine Zentralstelle bilden, in deren Gemeinden keine Frauenvereine bestehen. Die Tagung wird deshalb nicht nur von Delegierten der Vereine, sondern auch von Mitgliedern der Vereine und von den einzelnen Frauen der Provinz stark besucht werden. An die Tagung schließt sich eine öffentliche Versammlung jüdischer Frauen au, in der ein Vorstandsmitglied des Jüdischen Frauenbundes, nämlich die Frau Stadtverordnete, Justizrat Paula O l l e n d o r s aus Breslau, über das Thema: „Die jüdische Frau in Verein und Gemeinde" sprechen wird. Anmeldungen der Namen der Delegierten und Gäste sowie sonstige Korrespondenzen werden schnellstens erbeten an die Adresse von Frau Senator Fischer in Hannover-Linden, Niemeyerstraße 12. Von Aah rmv Lern. --- Die Kinderhil'fskom-misston der religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) von Amerika hat in dem Bestreben, die Vorteile der Quäkerspeisung auch den rituell lebenden jüdischen Kindern zuteil werden zu lassen, im Zusammenwirken mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin für 600 Kinder 'die Quäkerspeisung in ritu>eller Form eingerichtet. Es handelt sich zum Beispiel darum, an Stelle des bei der Quäke rspeisung sonst zur Verwendung kommenden Schweineschmalzes rituell zubereitetes Pflanzenfett zu verwenden. Die hierdurch entstandenen ziemlich erheblichen Mehrkosten trägt die Jüdische Gemeinde. Die Auswahl der Kinder erfolgt innerhalb des von dem Quäkerkomitee festgesetzten Rahmens und nach den für die Au>swahl allgemein festgestellten Grundsätzen, insbesondere auich der ärztlichen Untersuchung. Die „D >e u t s che Tageszei t u n g" hatte ihren Lesern eine Tatarennnchricht über „Sondergeschent an jüdische Kinder" vorgesetzt. Sie darf sich beruhigen. Irgendeine Bevorzugung jüdischer Kinder ist schon durch die .zentrale Organisation des gesamten Quäkerh.ils'Swerkes ausgeschilossen. — Am 2. Mm beginnen neue Unterrichtsk u r s e f ü r O st j u d e n in H e b r ä v f ch, D e u t sch, En gl i sch und Rech ne n. Sie firrden an> den vier Wochentagen Monta-g bis Donnerstag, von 7 bis 10 Uhr abends, in den Räumen des Königstndtischen Gymnasiums, klO, Elisabethstr. 57/58 (nahe Passage Mexanderplatz), eine Treppe, Zimmer 12, statt. Anmeldungen werden daselbst an den Unterrichtstagen ab 7 Uhr abends entgiegengenommen. ^l-ußerdem wird rm Hause der Talmud Thora „Knesseth! Jisroel", Linienstraße 19, jeden Sonnabend von 3 bis 5 Uhr ein Tal mudkursu s abgehalten. — Eine für das' Fortkommen der ausländischen, besonders der ostjüdischen Arbeiter wesentliche Entscheidung h>at das preußische Arbeitsministerimn .getroffen. Danach können 1. 'in Orten unter 100 000 Einwohnern grundsätzlich Arbeitgeber -auswärtige und ausländische Arbeiter ohne Befragung des Arbeitsnachweises oder anderer polizeilicher Stellen einstellen. 2. Für Orte über 100 000 Einwohner gilt dasselbe, es sei denn, daß die Zahl der unterstützten Arbeitslosen mehr als VA Prozent der gesamten Einwohnerschaft bildet. Dies sind im ganzen kaum zehn Städte im ganzen Reich. Die Entscheidung ist mit dem 1. April in Kraft getreten. — Vom 14. April bis zuin 3. Mai d. I. findet im Logenhaus, Berlin W, Kleiststrabe 101, eine Sonderausstellung statt. Jakob Steinhardt: Gemälde, Graphik; Jacob Pleßner: Plastiken, Zeichnungen. Besuchszeit: Freitag 12 bis 6 Uhr, Sonnabend -abends 8 bis 11 Uhr, Sonntag 12 bi* 2 Uhr mittags und Montag von 4 Uhr nachmittags bis 11 Uhr abends. — I Dem Dentisten He rm an n K atz, welcher seit Ausbruch des Krieges sich der deutschen Flüchtlinge in u nei -gennützi g st e r Welse beruflich an nahm, wurde neben vielen anderen hohen Auszeich nungen jetzt von der preußischen Sta-atsregierun-g die Rote-Kreuz- Medaille II. Klasse verliehen. — Der verstorbene Justizrat Dr. Edmund Fried mann hatte seine Broschüre -gegen eine Schrift von Richard Wagner nicht, wie vonuns in der vorigen Nummer irrtümlich angegeben, „vo-r ungefähr 20 Jahren", sjondern im Alter, «von kaum 20 Jahren veröffentlicht. — Wie wir Höven, wird Herr Dr. Rabin, Lektor für nachbiblische Literatur an der 'Universität Frankfurt a. M. und Gießen, tiem um ihn ergangenen Ruf als- Dozent am JüdischTheologischen Seminar in Breslau bereits zu Beginn des Sommerhatbjahres Follge leisten. Es besteht ferner Aussicht, daß bis dahin auch der durch> das! Ableben des Herrn Dr. Horovitz frei gewordene Lehrstuhl des Seminarrabiners durch einen sehr bekannten ©el'efyrien besetzt sein wird. — Aus Breslau wird uns geschrieben: Frau Regina Schlesinger, die Begründerin und Vorsitzende des Prinzeß-Lu>ise-Heims, die vor wenigen Monaten ihr vierzigjähriges Jubiläum begehen durfte, hat den Schlesischen Adler I. Klasse erhalten. — Frau Kammersängerin Jettka Finken st ein hat 1300 Mark als Ertrag ihres Jubiläumskonzertes dem Vorstände der Deutschen Kinderhilfe überwiesen. — Der Senior und stellvertretende Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Herr Max H er sch e l, ist am 11. d. M. nach kurzem Leiden ,im 81. Lebensjahrs