Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-04-28 · Heft 9 (28.4.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 9 (28.4.1921)
Date
1921-04-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229482-3229491--76231-3288807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lichten st e i n (Flöte) .und Senta Sönela n >d. Die Teilnehmer, Mitglieder und Freunde des Liberalen Vereins, die sehr zahlreich erschienen waren, spendeten den Künstlern reichen Beifall und kamen bald dank den überaus lustigen Darbietungen der Humoristen in eine richtige heitere Feststimmung, die ihren Höhepunkt im Tanz fand. Eine reichhaltige Tombola verschaffte manchem der Teilnehmer auch noch ein wertvolles Andenken, das er heimtragen konnte. Jni einer einleitenden Ansprache hob der Vorsitzende des Liberalen Vereins, Herr Justizrat P l >on s k e r, hervor, welche Bedeutung im jüdischen Gemeindeleben Berlins der Liberale Verein habe. Er betonte als Ziel und Zweck des Vereins die Einflußnahme auf die Entwickelung des jüdisch-religiösen- Lebens im liberalen Sinne und die Abwendung der nationaljüdischen Gefahr, die die Gemeinde bedrohe. Der Abend führte dem Liberalen Verein eine Anzahl neuer Mitglieder und Freunde zu. E. M. Berlin, 26. April. Der Kartellkonvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens, der zusammengeschlossen ist zu dem ausgesprochenen Zweck der Bekämpfung des studentischen Antisemitismus, beschäftigte sich auf seiner Jahrestagung mit der lebhaften Betätigung des Antisemitismus auf den deutschen Universitäten nach Lern Kriege. Das Ergebnis war der Entschluß, aus dem schon vor d-m Kriege mit Erfolg begangenen Wege sortzuschreiten, dem Antisemitismus, wie er zumal in der Satisfaktionsverweigerung und in der Verächtlichmachung der jüdischen Frau zutage tritt, mit Wort und Tat offen und bei jeder Gelegenheit entgegenzutreten und auf diese Weise bei allen einsichtigen Elementen das Gefühl für das den Juden angetane Unrecht wachzuhalten oder zu wecken. Die gegenwärtige schmachvolle Hetze auf den Universitäten wurde um so bitterer empfunden, als gerade eine unverhältnismäßig große Zahl von Verbandsmitgliedern im Felde geblieben ist; hierüber haben irreführende Statistiken in der Oesfentlichkeit ein gar falsches Bild verbreitet. Obwohl sich der Verband mit religiösen und ähnlichen Strömungen inner-halb des Judentums nicht besaßt,. hatte er schon vor Jahren zu der mehr politischen Frage des Zionismus durchaus abweisend Stellung genommen. Hieran wurde auch bei der letzten Tagung festgehalten. Schließlich wurde eingehend das Thema der körperlichen Ertüchtigung behandelt. Man war sich klar darüber, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen, zumal nach dem Fortfall des mtbiitärifchen Dienstjahres, der sportlichen Betätigung ein weiteres Feld eingeräumt werden muß als bisher. Dabei soll das Fechten, das gerade für die besonderen Kampfzwecke des Verbandes seine Bedeutung hat, nicht vernachlässigt werden. Ein für den Herbst geplantes Sportfest soll den Prüfstein für die erzielten Leistungen abgeben. - r. Breslau, 22. April. Anläßlich der Enthüllung des Denksteins, den die Gemeinde in dankbarer Verehrung ihrem verdienstvollen Seelsorger, Professor Dr. Guttmann, gewidmet hat, fand am 27. v. M., vormittags 10 Uhr, am Friedhofe in der Lohestraße in Anwesenheit der Familie und des nächsten Freundeskreises des Heimgegangenen eine kurze, würdige Feier statt, die Oberkantor Levin mit dem Gesänge „Herr, was ist der Mensch?" einleitete. Mit der Versicherung, daß Grab und Denkstein für alle Zeiten der Fürsorge und Pflege der Friedhofsverwaltung teilhaftig werden sollen, übergab Geheimrat Goldfeld namens des Gemeindevorstandes das Denkmal den Angehörigen des Verewigten. Anknüpsend an die Psalmenworte, die den Denkstein zieren: „Der Mund des Frommen spricht Weisheit und seine Zunge redet Recht, die Lehre feines Gottes ist in seinem Herzen, seine Schritte wanken nicht" pries Rabbiner Dr. V o g e l st e i n in meisterhafter, gemütvoller Rede die Tugenden seines verklärten Amtsvorgüngers, dessen Andenken in der Gemeinde, deren Führer er fast drei Jahrzehnte gewesen, für alle Zeiten unvergeßlich und unvergänglich in Segen sortleben wird. n. Breslau, 22. Llpril. Am Sonntag, den 27. v. M., fa>nd in der Neuen Synagoge Mädchenkonsirmation statt. Die schöne, weihevolle Feier hinterließ einen tiefen, erhebenden Eindruck bei den zahlreichen Anwesenden, die das Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllten. Nachdem Orgelspiel und Chorgesang die Feier eingeleitet hatten, hielt Rabbiner Dr. Sänger die Festpredigt. Mit feinem Verständnis für die seiner Obhut und Fürsorge anvertrauten jungen Seelen wußte er den Konfirmandinnen in bewegten und ergreifenden Worten ihre Pflichten gegen ihre Eltern und die Glaubensgemeinschaft vor Augen zu führen. Nachdem die jungen Mädchen ihr Glaubensbekenntnis abgelegt hatten, empfingen sie aus der Hand des Seelsorgers je das in unserem Gotteshause eingeführte Gebetbuch, welches der Vorstand seit einer langen Reihe von Jahren allen Konfirmanden zur Erinnerung an den bedeutungsvollen Lebensabschnitt als Festgabe schenkt. Mit dem Ehorgesang „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" endete die würdige Feier. M. Hamburg, 22. April. In der letzten Sitzung des Rep räsenta n tenko llegi ums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurden, der Antrag des Gemeindevorstandes aus Gründung eines Jugendamtes und die Bestätigung der Satzungen desselben einstimmig genehmigt. Ter Haiuptgegenstand der Sitzung: Antrag des Vorstandes laus Beitritt der Gemeinde zum Deutsch-Israelitischen Gemeindebund auf Grund seiner jetzigen Verfassung rief lebhafte Auseinandersetzungen hervor. Der Vorsitzende verlas zuerst eine mit zahlreichen Unterschriften versehene Eingabe, in lvelcher, gestützt auf ein Gutachten des Oberrabbiners, aus religiösen Gründen vor dem Eintritt der Gemeinde in den Gemeindebund im Interesse der Erhaltung des Friedens innerhalb der Gemeinde gewarnt wird. Oberlehrer Schloß begründete den Widerstand der Orthodoxen gegen den Beitritt auf Grund der abgeänderten Verfassung. Cs trenne sie eine ganze Weltanschauung von den meisten Mitgliedern des Gemeindebundes, und man könnte den Orthodoxen nicht genügend Kautelen zur Wahrung ihres Standpunktes gewähren. Der Redner stellte den Antrag aus Vertagung und Wahl -einer gemischten Kommission, um später über Mittel und Wege zu beraten, wie ein Beitritt zum Gemeindebund doch möglich wäre. Rektor Feiner und Dr. Fränkel wandten sich gegen eine Vertagung; in der konstituierenden Sitzung in Berlin seien fast alle Wünsche Hamburgs und namentlich die von orthodoxer Seite gestellten Anträge angenommen worden. Herr Gemeindevorsteher Dr. Samson erklärte im Namen des Gemeindevorstandes, daß dieser sich nicht an den Arbeiten einer gemischten Kommission beteiligen würde, da die Angelegenheit bereits seit zwei Jahren die Gemeindebehörden beschäftige und vollständig spruchreif sei. Nach stundenlanger Aussprache, in der Herr Dr. Kalmus als Delegierter der Hamburger Gemeinde bei den Berliner Gründungsverhandlungen nochmals darauf hiewies, daß man allen Wünschen der Orthodoxen entgegengekommen sei, wurde der Antrag aus Vertagung mitgroßer Mehrheit abgelehnt. Es wurde alsdann mit allen gegen eine Stimme -ein Antrag Dr. Lanzkrons angenommen, daß das Repräsentantenkollegium sich mit dem Beitritt der Gemeinde zum G-emeind-ebund einv >e r st a n d e n erklärt unter der Voraussetzung, daß der Gemeindevorstand auf dem ersten Bundestage den Antrag auf Ausnahme eines Passus in die Statuten stellt, wonach die Bundesorgane nichts unternehmen dürfen, was gegen die Vorschriften des überlieferten, gesetzestreuen Judentums verstößt. Köln, 22. April. Am 3. d. M. fand im Sitzungss-aail der Shnagogengemeinde Köln der elfte Gemeindetag des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden statt. Sämtliche größere Gemeinden des Verbandes und eine stattliche Anzahl von kleinen Gemeinden hatten ihre Vertreter entsandt. Der Vorsitzende, Herr Geheimer Sanitütsrat Dr. Apfel, eröfsnete den Gerneindetäg und gab eine Ueberstcht über die Arbeit des Verbandes während und nach dem Kriege. „Wir fühlen uns als ein Glied der Gesamtheit, ihr wollen wir dienen, und den Interessen der Gesamtheit werden wir uns ein- und unterordnen", das war das Leitmotiv der Ausführungen des Vorsitzenden, nach diesem Grundsatz hat der Provinzialverband bisher alle seine Aufgaben erfüllt, und diesem Grundsatz will er auch fernerhin treu bleiben. Er sprach insbesondere über die Arbeiten des Verbandes bezüglich der zeitgemäßen Aenderung der Gemeindestatuten und bezüglich der Unterstützung der kleinen, leistungsschwachen Gemeinden, um ihnen eine den Verhältnissen entsprechende Besoldung ihrer Beamten zu ermöglichen. Der Provinzialverband hat zu diesem Zweck eine Notaktion der kleinen und mittleren Gemeinden in die Wege geleitet. Die Aktion hat aber bisher nur 23 000 Mark ergeben. Abgesehen von den allgemein-wirtschaftlichen Verhältnissen, haben gerade die Mitglieder der Großgemeinden für deren Bestand, für die Erhaltung von Anstalten, humanitären Vereinen, für die Lösung der Gesamtausgaben der Judenheit in den letzten Jahren die allergrößten Opfer gebracht; an die Einzelmitglieder der Kleingemeinden aber werden nur selten solche Anforderungen gestellt, und so ist es eine allgemeine Ansicht, daß die Kleingemeinden ihren Aufgaben allein gerecht werden müssen, und sie vermögen, es, wenn sie durch weitblickende Führer zur Opferwilligkeit, zur Hingabe herangebildet werden. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.