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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-04-28 · Heft 9 (28.4.1921) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 9 (28.4.1921)
Date
1921-04-28
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 Amalie hatte noch keine Krankensuppe gekocht, ohne sich hinterher zu überzeugen, daß der Kranke sie auch bekam und nicht etwa ein gewissenloser Wärter. Auch bei.öffentlichen Sammlungen erkundigten sie sich bis zur Peinlichkeit nach Zweck und Art der beabsichtigten Gründung. In der Zeitung stand ihr Name nie, aber man wußte schon, wer sich hinter „N. N." und einer besonders großen Zahl verbarg. Von derselben schwerblütigen Art, nur nicht so resolut und von weicherem Willen, war auch Jakobs erste Frau gewesen, und so waren auch seine vier Töchter, die nun schon längst verheiratet waren, ernst, fromm, fast ein wenig menschenscheu und finster in ihrer weltfernen Abgeschlossenheit. Und nach diesen vier Maiertöchtern kam — das war ein vielbesprochenes Spiel der Natur, wie ja alles, was die Maiers betraf, viel besprochen wurde — ein Sohn, dev — wie der Schlammes sich ausdrückte — von der Familie wie weggeboren war, der „schöne Rudi", wie er in ganz bestimmten Kreisen, die den Maierschen sehr fern standen, hieß. Und der Name sickerte Durch und. sehr vieles von des schönen Rudi Abenteuern sickerte auch durch. Man gönnte beinahe dieser Altmodisch sittenstrengen Familie diesen Widerspruch im eigenen Lager, noch dazu, und hier bestätigte sich wohl wieder die Wunderkraft des Maierschen Familiensinns, daß sich die Wen und der Junge, der beschwerte Ernst und die glückselige Leichtigkeit, wunderbar miteinander vertrugen. Gerade dieses ihm und seiner Frau so unähnliche Kind war Herrn Jakobs Sonnenstrahl geworden und auch geblieben, als sich die kleinen Knabenstreiche zu Abenteuern ausgewachsen hatten, die zu Maiers Haus paßten wie die Faust aufs Auge. Und so wenig wie Vater Jakob hatte je Onkel Louis, der Kinderlose, Diesem liebenswürdige Weltkind widerstehen können, und selbst Tante Amalie, oder vielmehr die am meisten — aber nein, jetzt erzähle ich ja falsch. Zwischen Tante und Neffen war das Verhältnis erst so durchaus harmonisch und liebevoll geworden, längst, nachdem Herr Rudi, wie überall in der Welt, so auch im eigenen Hause gesiegt, nachdem er die Alten kurzerhand — heraus-gesetzt hatte. Na, das Wort „kurzerhand" paßt wohl nicht so recht. Dreifach vereint hatte die zähe Altmodischkeit und Pedanterie dem stürmischen Schwung und Wagemut der Jugend gegenübergestanden. Daß die beiden Generationen nicht hatten zusammenavbeiten können, war ja selbstredend. Natürlich siegte Jugend und Genie — von urtsilskühlen GeschäftslenteN hatte ich soundso oft gehört, daß Rudolf Maier ein geradezu genialer Kaufmann sei —, nicht schmerzlos für die Unterliegenden, aber verhältnismäßig schnell. Am schwersten hatte der Junge mit Tante Amalie kämpfen müssen. Zuletzt hatte wohl Jakob Maier, der als Aeltester und einstiger Geldgeber — seine erste Frau hatte, glaube ich, den Grundstock zu dem späteren Reichtum eingebracht — eine gewisse Autorität über Bruder und Schwägerin behalten hatte, das erlösende Wort gesprochen. Freiwillig war Frau Amalie ganz gewiß nicht gegangen, und ich habe gehört, sie habe bt.e ersten Jahre noch schwer unter der geschäftlichen Untätigkeit und dem Glauben an die eigene Unfehlbarkeit und Unentbehrlichkeit gelitten und Herrn Rudolfs hochfliegende Pläne noch jahrelang mit Mißtrauen beobachtet. Nun, alles rat Leben wird nach dem Erfolg beurteilt. (Fortsetzung folgt.) ie ihr frontet tausend Jahre, Knechte in Aegypterland, Euch zu führen in die Freiheit, Ist mein Judenherz entbrannt! Aber deren wache Augen Ihrer Brüder Schmach gesehn. Für die Frecheit nicht mehr taugen Lippen, die gelernt zu flehn: Erst verlernt die Knechtsgebärde, Erst vergeht den Sklavensinn — — Zu des freien Landes Erde Führ' ich freie Menschen hin! Vierzig Jahre wandre. wandre Nutzlos hin durch Wüstenland- Deine Männer werden andre. Deine Greise deckt der Sand. Und ich selbst — durch bange Frauen Hös'schen Launen einst zum Spiel —, ' 'Jiut vom Berge werd' ich schauen Meines Lebens Sehnsuchtsziell. Berlin. Thekla Skarra. Lrlrkrüchtk. Der Untergang des Pharao Necho. Die englischen Ausgrabungen in der hethitischen Residenz Karkemisch, die auch im vorigen Jahre fortgesetzt wurden, obwohl gerade an dieser Stelle die Franzosen mit den Anhängern' Kemals zu kämpfen hatten, haben nach dem Berichte, den Dr. Maas in der „Kunstchronik" den „Times" entnimmt, zu einer einzigartigen Entdeckung geführt. Die wohlterhalteneu Ueberreste eines großen Hauses der Außenstadt bewahrten eine Sammlung hethitischer Goldschmiedekunst, die aufs Jahr zu datieren ist. Im Jahre 604 v. Ehr. wurde der Pharao Necho des Akten Testaments am Euphrat zu Karkemisch vernichtend geschlagen. In der dick auf den Fußböden des Hauses liegenden Asche und namentlich in seinen Eingängen lagen ganze Haufen von Bronze- und eisernen Pfeilspitzen, Lanzenspitzen, zerbrochenen Schwertern usw., die zeigten, wie die Berteidigier von Raum zu Raum zurückgetrieben wurden. Siegelabdrücke von Paphrusdokumenten, die Nechos Kartusche tragen, identifizieren die Schlacht, von der der Prophet Jeremias berichtet; ein Bronzeschild mit Reliefs im ibnischen Stil weist auf griechische Söldner im. Heer des Pharao; Bronzefiguren der Isis und des Osiris zeigen die intimen Beziehungen zu Aegypten. Die politischen Intrigen der dekadenten hethitischen Herrscher und der daraus hervorgegangene Untergang des Reiches sind an dieser einzigen Stelle zu erkennen. Man erwartet bei Fortsetzung der Ausgrabungen neues Licht für die Geschichte des Orients. Wenn die politischen Zustände in Syrien es erlauben, will man in diesem Herbst und Winter weiter graben. Die in der Gegend kämpfenden Deutschen hatten so viel wie möglich zur Erhaltung der Ausgrabungen des Britifchen Museums getan und wie üblich Undank und Verleumdung geerntet. Litrrsrilchr Mittrilungm. — Vermittlung und gute Dienste in Vergangenheit und Zukunft. Von' Edgar d e M e l v i l l e. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha. 1920. Preis 14 Mark. Der holländische Verfasser, durch frühere Veröffentlichungen über die Friedenskonferenz im Haag, rühmlichst bekannt, gibt hier eine geschichtliche Darstellung der Bedeutung von Vermittlung und guten Diensten in der Vergangenheit und leitet daraus wichtige Schlüsse ab über den zukünftigen Charakter dieser sich untereinander ebenso wie von der Schiedsgerichtsbarkeit und Intervention nicht unwesentlich unterscheidenden Mittel zur friedlichen Beilegung internationaler Streitigkeiten durch Herbeiführung eines Kompromisses zwischen entgegengesetzten Forderungen. Diese Folgerungen müssen ein gesteigertes Interesse finden zu einer Zeit, wo durch den Völkerbund dem vermittelnden Rate verpflichtende Kraft gegeben werden soll. Die hierüber bisher entworfenen Pläne werden vollständig und ausführlich besprochen und im Hinblick auf das Zustandekommen des zu erwartenden Völkerbnudes kritisch gewürdigt; in den letzten der

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