Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 9 (28.4.1921)
- Date
- 1921-04-28
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
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101 das Heilige Land erhielte. In! seinem Expose kam Briand auch aus die Orientsrage zu sprechen und betonte, daß, was Palästina betr-effe, Frankreich vor einem Wkommen stehe. Palästina stehe unter eng- 1-ischem Manba-t, welche Tatsache auf einem Recht beruht, das er ehrlich, anerkenne. Die Behauptung Lamarcelles, die französische Fahne sei heruntergerissen worden, sei nicht wahr. J. P. Z. * Eine amerikanische Palästina-Gesellschaft. Aus einem am 20. März im „Jew-ish Eentr-e" stattgefundenen Bankett wurde die Gründung einer Gesellschaft zwecks Schaffung und Entwicklung verschiedener Industrien in Palästina bekanntgegeben, der zweihundert der reichsten New' Dorker Juden angehören und der bereits jetzt über eine Million Dollar zur Verfügung stehen. Hauptgrüvder dieser „American Palestine Companys stnd Dr. Benderli, der den ganzen Plan gelegentlich, seines letzten Besuches in Palästina ausgearbeitet, hat, sowie deren Präsident S. Lampert. Louis Marshall, der Toastmaster des Banketts, rief mit seiner Rede große Begeisterung hervor, in der er unter anderem sagte, Palästina sei unser Land und die Welt müsse seh>en, daß es uns ernst damit war, als wir sagten, daß wir Palästina zu haben wünschten. In -einem an Samuel übersandten Kabeltelegramm wird versichert, daß die American Palestine Company es auf sich nähme, zahlreiche für das Land sehr nötige Industrien aufzubauen. Von Mond war ein Glückwunschschreiben zur Gründung der erwähnten Gesellschaft eingetrossen. J. P. Z. * Professor Einstein nnd die zionistische Delegation in Amerika. New N o r k, 14. April. Die gesamte New Forker Presse widmete der Ankunft Dr. Weizmanns, Professor Einsteins und der übrigen zionistischen Delegation spaltenlange Artikel. Sie beschrieb den Empfang der Delegation durch viele Tausende von Juden als die gewaltigste Demonstration und einen geradezu triumphalen Einzug, wie er seit der Rückkehr Rocsevelts aus Uganda in New Jork nicht dagewesen sei. Zahlreiche spezielle Artikel werden der Persönlichkeit Albert Einsteins gewidmet. Eine besondere Delegation der Stadt New Jork, geführt von dem früheren Generalstaatsanwalt Wickersham, begrüßte in der New Jorker City Hall die Delegation, welche von dem New Uorker zionistischen Stadtrat Rosenblatt geführt wurde. Eine vieltausendköpfige Menge umlagerte das Rathaus und brachte Hochrufe aus. Im Namen der zionistischen Delegation, gleichzeitig für Professor Einstein, antwortete der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann. Am 10. April fand eine Begrüßungsfeier in der Metropolitan Opera statt. * Kanada. Der ämerikamsche Generalkonsul! in Kanadahat der kana-dischen „Hins" miitgeteilt, daß er Itlie Pässe von russischen und« baltischen Einwanderern, di-e via Kanadanach Amerika gehen wollen-, nickst Visieren werde, wenn ste kein Visum des amer-ik-anische-n Konsuls ihrer Ausreifelänideir 'beilbringen. Di>e jüdischen Auswanderer werden deshalb vor dem Versuch gewarnt, ohne amerikanisches Visum die Einreise nach Amerika aus dem Wege durch Kanada zu fluchen. * Aus und über Palästina. Emir Abdullah, der mächtigste Scheik des Ostjordanlandes, ist nach einer Meldung der „Times" mit der palästinensischen Regierung in Verhandlungen getreten wegen endgültiger Regelung der Verhältnisse des Ostjordanllandeis. Es soll eine zen'-triäke starke Verwaltung eingesetzt werden. Dem Emir Abdullah wird ein britischer Beamter als Verbindungsmann beigegeben werden. Nach -einer Meldung der „Times" hat Emir Abdullah' geäußert, daß eine Konser-enz führender arabischer undjüdischer Persönlichkeiten in Palästina notwendig sei-, um eine völlige Verständigungherbeizuführen. Di-e Araber wiürden d-ann w-ahrfcheinlich feststellen,, daß der Zionismus ste in-' keiner Weise bedrohe, wie dies häufig befürchtet werde. Die deu-tschien Benediktiner auf dem- Berge Zion, die im November 1918 Jerusalem hiatten verlassen müssen, sind in di-es>en Tagen auf Grund der vom Oberkommissar Sir Herbert Samueil erteilten Erlaubnis nach dort zurückgekehrt. Sie haben Kloster und- Kirche in gutem Zustande vorgesu-nden. Die Rückreise erfolgte Wer. Rom, wo sie vom Papste empfangen wurd-en. Im englischen Un-terh-ause teilte Staatssekretär Am-ery auf eine Anfrage des Abgeordneten Leonhard Lehle m-tt, daß insolgie der neuerlichen Verzögerung in der Ratifizierung d-es Friedens von Sävres d-i-e Erteilung von Konzessionen, in Palästina zur Förd-erung der wirtschaftlichen Entwicklung des' Landes wieder aufgen-o-mmen w-erd-en solle, soweit die Konzessionäre sich verpflichten-, die Mandatsbedingungen genau einzuh-alten, und die Konzessionen ni-cht in Konflikt mit irgendwelchen ber-ei-ts b>esteh-enden ger-ate-n. Nrrr solche Konzessionen-, welchp di-e Gewinnung und Verarbeitung von Oelen- und Mineralien betreffen, sollen nicht vor dem formellen Inkrafttreten des Friedens von Sevres erteilt w-erd-en. Im Februar -würden in Palästina Güter im Werte von 400000 ägyptischen Pfund Sterling -eingeführt, wogegen der Export nur 59 000 ägyptische Pfund Sterling betrug. Von den Haupteinfuhrländ-ern entfielen 155 000 Pfund Sterling -auf England, 64 000 auf Aegypten, 34 000 auf Indien, 25 000 -auf Nordamerika, 26 000 aus Holland, 21000 auf Italien und 15 000 auf Frankreich. Di,e wichtigsten Einfuhrgüter waren Kohle, Zucker und- Baumwolle. Infolge der sehr günstigen Ernteausfichten in- Palästina h>at di-e palästinische Regierung si-ch entschlossen, di-e Ausfuhr von Weizen und Mehl nunmehr srei-zugeben. Der Eisenbahnverkehr zwischen Haifa und Damaskus, der vor einigen Monaten durch d-en Heber fall d-er Beduinen auf die Station Wadi Kel im Narmuktal gestört -wordenwar, ist nunmehr wi-eder fr ei gegeben. Der Platz d>es Ueb-er falls liegt auf französischem Gebiet; eine S>ühn-e durch di-e französischen' Behörden ist bi-sher nicht vorgeno-mmen wo-rd>en. Es steht zu hoffen, d-aß di-e Behörd-ennunmehr -ernste Sicherheitsmaßregeln -tr-effen werden. Dem Gouver-neur von Haifa ist es gelungen, zwischen den jüd-ifch,en Ansiedlern vo-n Ch-edeva und denbenachbarten arabischen Grundbiesitzern ein U-ebereinkommen zu -erzi-elen, wonach die Juden sich verpflichlten, auf -ihre Kosten di-e Sümpfe von Cheder-a tro-ckenzulegen, wogegen die Araber -auf ihre Eigentumsansprüche -an dem. trockengelegten Teil der Sümpfe verzichten. Chedera gewinnt dadurcheinen erh-e'blichen Zuw-achis an Boden, und di-e Malar-i-ag-efahr wird dort bes>eiti-g,t sein. Nach d-en bisherigen Plänen soll die Universität Jerusalem eine Fakultät für jüdische und orientalische Wissenschaften (Philologie, Literatur, Geschichte, Recht, Archäologie, Religion und Philoso-phiie) en-th-alten, w-evche sich vorw-i-egend mit der jüdischen, aber auch mi,t d-er -arabischen und dien sonsti-gen Wissenschaften befaßt. Diese Fakultät wird auch sogleich als Lehrinsti-tut -eingeri-chtet w-erd-en und' sämtliche Grade verleihen. Ein Forschungsinstitut für d-i-e hebräische Sprache schli-e-ßt sich! an. Weiter sindiu-s Auge gefaßt für den Anfang reine Forschungsinstitute für. Physik, Ch-emie und Mikrobiologie. Eine S-chule für Rechts- und Staatswisse n'schaft so-ll d-er Universität angefügt werden. Z. K. Dir Lage in Mim. fe Bezalel unt Oholiab, die beiden Werkmeister am ersten Heiligtum Israels, in edlem Wettstreit nicht nur einander, sondern auch sich selbst zu übertreffen bemüht waren und das von ihnen gemeinsam begonnene Werk zur künstlerischen Vollendung brachten, berichtet 'die Tradition. Was liegt nun näher als der Gedanke, die beiden durch nationale und Schicksalsgemeinschast so eng verknüpften Met-vopolm, seien dazu bestimmt, im Wettstreit um die höchsten Kulturgüter miteinander um die Palme zu ringen? Tatsächlich ist es eine schon seit mehr als einem Jahrhundert bestehende, also beinahe ererbte Gepflogenheit, daß wir immer