Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-04-15 · Heft 8 (15.4.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 8 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229482-3229490--76212-3288787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

sr großen) Gemeinde wird eine Löwenherz-Stift-ung für arme Mische Wöchnerinnen verwaltet; die Familie Löwenherz ist eine durchaus eifrige Resormfamilie. Vor einigen Monaten haben Sie die Erbschaft von einer halben Million seitens -des Herrn Albert Beer angenommen; der Erblasser war ein eifriger Anhänger der Reformgemeinde. Ich habe nur diese Beispiele herausgegriffen, weil sie so nahe liegen. Ich könnte sie unendlich vermehren. Meine Herren! Das ist der Geist der Resormgemeinde. Sie erzieht ihre Mitglieder nicht sowohl zu Opfern für die Spezialgemeinde als für die Gesamtgemeinde und für das Gesamtjudentum. Herr Professor Loewe hat von dem „Theater" gesprochen, das sich fremde Glaubensgenossen in der Reform ansehen wollen. Ich habe den Ausdruck nicht gerügt, weil ich von Herrn Loewe eine temperamentvolle Ausdrucksweise gewohnt bin. Wievielfruchtbare Aufilärung für die Zukunft auch bei den einmaligen Besuchern hängen bleibt, läßt sich natürlich nicht genau messen. Im allgemeinen habe ich aber gefunden, daß die Resormideen überall und ausnahmslos Fortschritte machen. Wer lebr denn im reisen Alter noch so streng rituell wie in seiner Jugend? Die ganze Richtung geht unaufhaltsam nach links. — Ein Antrag auf Schluß der Debatte findet Annahme. In namentlicher Abstimmung wird mit 15 gegen 4 Stimmen die Bewilligung der Jahressubvention von 100 000. Mark, mit 12 gegen 7 Stimmen der Tesizitzuschuß von 50 000 Mark bewilligt. 6. Berlin, 12. April. Eine würdige und stimmungsvolle Gedächtnisse ier für Professor Le.w a ndow fk i veranstaltete der Verein für jüdische Geschichte u-nd Literatur am 3. April, dem 100. Geburtstage des Meisters. Der große Saal der Großloge in der Kleiststraße war dicht besetzt, es mußte noch der anstoßende weite Neben raum für die mehr als 1O0Ö Zuhörer benutzt werden. Die Feier wurde mit einem größeren Tonwerte Lewandowskis, dem Trio C-moll für Pianoforte, Violine und Violoncello, eröffnet. Die ausführenden Künstler waren die an der Spitze der Berliner Musikwebt stehenden Tr. James Simon (Pianoforte), Professor Dessau (Violine) und Emil Stegmann (Violoncell). Daß die Künstler es verstanden, die Zuhörer in der fast eine Stunde währenden Aufführung -in stummer Andacht von Anfang bis Ende zu fesseln, braucht wohl nicht besou-ders betont zu werden. Hieraus bestieg Herr Rabbiner Dr. Hoch seid die Rednertribüne und hielt die Gedächtnisrede auf den Meister. Besonders eingehend schilderte der Geistliche die großen Verdienste Lewandowftis um die moderne Gestaltung des Gottesdienstes, der in Verbindung mit den gediegenen deutschen Predigten seinerzeit und noch heute so viele bis dahin Laue und Indifferente für den Besuch der Synagoge und damit für das religiös Leben wieder-gewonnen hat. LewandowAi hat das musikalische Erbe der Väter mit feiner jüdischen Seele und -aus tief reli-giösem Gemüte erworben, um es zum Besitztum der Nachgeborenen aller religiö sen Parteien zu machen. Ter dritte Teil der Gedächtnisse ier, unter Leitung des Oberka-ntors Dav i d s o h n, hatte die Einführung in die gottesdienstlichen Melodien von Lewandowski zum Ziele. Eine sorgfältige Auswahl, die meist Melodien für die hohen Festtage umfaßte, ließ durch die meisterhafte Vorführung Davidfo-Hns, unterstützt von den: prächtigen Syn-ago-genchor der Fafanenstraße,, vergessen, daß man sich in einem Vortragssaale befand; man glaubte sich vielmehr in ernster Stimmung im Tempel am Neujahrsfeste und Versöhnungstage. Ter Organist Herr Otto Le v y sowie der rühmlichst bekannte Chorleiter Herr Theodor Schönberger 'trugen das Ihrige zum Gelingen der Gedächtnisfeier bei. Berlin, 12. April. Oberkantor Wilhelm Klein sang mm 22. März in einem eigenen Konzert im Oberlichtsaal der Philharmonie jüdische Volkslieder, mit denen er bei der zahlreichen Zuhörerschaft reichen Beifall erntete. Das jüdische Volkslied hat bei den Westjuden in den letzten Jahren, besonders seitdem es von namhaften Musikern kunstgerecht für die Öffentlichkeit bearbeitet wird, immer mehr an Boden gewonnen. Man har sich allmählich daran gewöhnt, diese Lieder, die meistens eine Fülle von Schönheit und Innigkeit in sich bergen, als . das zu betrachten, was sie -im Grunde sind: der seelische Ausdruck des in steter Unterdrückung lebenden Ostjud-en. Daher auch der melancholische Charakter der meisten dieser Gesänge. Das Programm enthielt jedoch auch mehrere humoristische Lieder, so daß der Humor nicht gar zu kurz kam. Der Vortrag des Herrn Oberkantor Wilhelm Klein wirkte faszinierend; man stand vom Anfang bis zum Ende unrer dem Banne seiner herrlichen Stimme, die nicht bloß in der Synagoge, sondern auch im Konzertsa-al das Auditorium zu begeistern' und zu erheben versteht. Die Cellistin Sela Trau und Irene Freim a n n am Flüge! trugen zu dem Gelingen des künstlerischen Abenos wesentlich bei. 22 Berlin, 12. Aprili. Der Lehrer Hort ehemaliger Zöglinge der hiesigen Leih rerbild ungsan stalt, E. V., hielt nach jahrelanger, durch die Zeit umstände entstandener Pause seine Generalversammlung ab. Die Verfammlunig war zahlreich -besucht, auch der Ehrenvorsitzende, Herr Seminardir-ekto-r a. D. Dr. Holzman, wohnte ihr bei.. Das älteste Verwaltungs-ra-tismitglied, Lehrer Becker, der nach dem Tode des Gründers und langjährigen Vorsitzenden, Lehrer Levy, provisorisch die Leitung des Lehrerhorts übernommen hotte, -gab -eine kurze Uebersicht über die bisherigen und die zukünftigen Aufgaben des Vereins, welchem durch die Begründung der Doris-und-Michael-Holzman-Stiftung erhebliche Mittel zur Erweiterung feiner Aufgaben zu Gebote stehen. Der Schriftführer, Herr Seminarlehrer Naftaniel, der seit der Begründung des Vereins bis heute in -umsichtiger Weise sein Amt ausübte, erstattete den Tätigkeitsbericht, Herr Lehrer S'ilberber g, der Kassierer, dessen Werbetätigkeit für die neue Stiftung dankbar anerkannt wurde, berichtete über den Stand der Kasse. Von den angenommen-en Satzungsänderungen sind nachstehende für d-ie Mitglieder von Interesse: 1. Der Verwalt,ungsvat fällt fort. An seine Stelle tritt ein Vorstand von fünf Mitgliedern, die sämtlich i.n Berlin ihren Wohnsitz h.aben müssen. 2. Der Vorstand hat das- Recht, nach Umfang der Be re insmittel in dringlichen Fällen unverzinsliche und m Raten rückzahlbare Dar'lehne bis zur Höhe von, 800 Mark zu bewilligen. 3. Aus den Mitteln der Doris-und-Michael-Holzman- Stiftung werden alljährlich an zwei bedürftige Mitglieder Beihilfen zu Badereifen vo-n je 800 Mart bewilligt. Meldungen sind an den Vorsitzenden, -unter Beifügung ärztlicher Bescheinigungen, zu richten. 4. In zweiter Reihe haben, -auch Witwen und unmündige Vollwaisen von ehemaligen Mitgliedern Anspruch ans Beihilfen zu Badereisen. In den V-orstand wurden gewählt: Seminardirektor Dr. G u -t - mann, erster Vorsitzender; Lehrer Becker, zweiter Vorsitzender; Seminarlehrer Naftaniel, erster Schrlftfüh-rer, Lehrer Berze s i n s k i, zweiter Schriftführer, Lehrer S il b e rbe r g, Rendant. Es ist zu wünschen, daß bei diesen erweiterten Zielen des Vereins keiner der ehemaligen Zöglinge der Lehirerbi-ldnngsia-nstalt dem Verein fern bleibt, zumal der Mindestbeitrag jährlich nur zehn Mark beträgt. Aber auch den Nichtlehrern unter 'Unseren wohlhabenden Glaubensgenossen sei die Förderung der Vereinsziele warm ans Herz gelegt! §2 Berlin, 12. April. Unter -reger Beteiligung fand am Freitag-, d-en 1. d. M., auf d-em alten Friedhof inder Schönhauser Allee di-e Beisetzung des Justizrats Dr. Edmund Friedemann statt. Unter den Anwesenden sah man die Vertreter des Akademisch-juristischen Vereins, dessen letzter lebender Mitbegründer Friedemann gewesen. Geheimrat B e n d a und der Neffe des Verstorbenen, Dr. Walter Friedemann, entwarfen in schlichten Worten eine Charakteristik der vielseitigen menschlichen und schriftstellerischen Persönlichkeit des Dahingegangenen, während Dr. Paul Nathan seiner langjährigen Verdienste als Stadtverordneter und Politiker gedachte und dem Entschlafenen als Mitbegründer und eifrigen Förderer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus den Dank des Vereins widmete. Professor Dr. Ludwig Stein sprach für die Humboldt-Akademie, der Friedemann während beinahe dreißig Jahren als Dozent der Geschichte an gehörte. Ein von der bekannten Bratschistin Fräulei-n Erna Schulz unter Harmoniumbegleitung von Herrn Stabernack vorgetragener Satz aus einer Sonate von Ariosti gab der Feier die nmsik-alische Weihe. — Justizrat Dr. Edmund Frie-dma-nn hat vor ungefähr 20 Jahren eine Broschüre veröffentlicht gegen die damals (ungefähr 1869) starkes Aufsehen erregende Schrift von Richard Wagner: „Das Judentum in der Musik". Er schrieb ferner über den Antisemitismus im alten Rom, über Friedrich Wilhelm IV. u. a. m. Ein historischer Roman „Catilina", der 1894 in zweiter Auflage erschien, wurde seinerzeit von der Kritik recht günstig beurteilt. 22 Berlin-Weisensee, 12. April. Am 26. v. M. feierte der „Verein zur Förderung -der Interessen der israelitischen Taubstummenin Deutschland" sein 25j'ährig-es Stiftungsfest. Der Fe-sts-aal konnte die Zahl der Tanbstumm-en und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.