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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-04-15 · Heft 8 (15.4.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 8 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ihrer Freunde kaum fassen; aus allen Teilen Deutschlands waren sie herbeigeströmt, und auch das Ausland war vertreten. In längerer Rede gab der Vorsitzende, Herr Kaiser, einen Rückblick über Entstehen und Geschichte des Vereins und ged ach,te in besonders herzlichen Worte der Verdienste des verstorbenen Direktors M. Reich um den Verein. Er begrüßte vor allem die noch ilebenden Mitbegründer, die sich sämtlich zu dem Feste eingef.unden hatten. Die Ziele des Vereins sind gegenseitige wirtschaftliche Unterstützung der Taubstummen und geistige Förderung. Die im Laufe der Zeit entstandenen Zweigvereine zu Breslau, Frankfurt a. M. und der Zweigverein von Hessen brachten durch Vertreter ihre Glückwünsche dar. Eine Pantomime von Herrn Oppenheimer und reizende Tanzvorsührungen zeigten, was die Taubstummen auf künstlerischem Gebiete leisten können. Am 27. März vereinte ein Gottesdienst, der erste gemeinsame der jüdischen Taubstummen Deutschlands, die Festteilnehmer, bei welchem Herr Direktor Dr. F. Reich die Predigt hielt. Bei dem sich anschließenden Essen überbrachten. die verschiedensten Vereine 'der Schicksalsgenossen ihre Glückwünsche. Mit einer Dereinssitzung sand das Fest seinen Abschluß. r. Breslau, 8. April. Zu einer ungemem weihevoll-wehmütigen Trauerkundgebung gestaltete sich am 5. d. M. die Beisetzung des Heimgegangenen Seminarrabbiners Dr. S. H o r o v i tz. Von einer Trauerfeier im Seminar, der Stätte seiner segens- und erfolgreichen Lehrtätigkeit, mußte abgesehen werden, da der Tod ihn im Israelitischen Krankenhause ereilt hatte. Eine Kopf an Kopf-gedrängte Menge Leidtragender füllte die Halle des altehrwürdigen Friedhofes in der Lohestraße, die von dem Gefühl beherrscht waren, ein Großer in Israel, ein Fürst im Reiche des Geistes, ein gütiger, edler Mensch ist mit Dr. S. Horovitz von dieser Erde geschieden. Die gesamte Juden-, heit, die Wissenschaft des Judentums hat einen unersetzlichen. Verlust erlitten und trauert mit der schwergeprüften Familie. Diesem Gefühl gaben nach einleitendem, stimmungsvollem Ehorgesange .die Redner beredtesten Ausdruck: Rabbiner Dr. S i m o n s o h n, als ehemaliger Hörer des Seminars und Schüler des Verewigten, Dozent Dr. Heinemann, der sich nur kurze Zeit des Zusammenwirkens mit Dr. Horovitz hatte erfreuen dürfen, Dr. Hahn (Essen) namens der gegenwärtigen Hörer des Seminars, der dem hochverehrten Meister warme Dankesworte seiner Jünger spendete, und Professor Julius G u t t - mann (Berlin) als Abgesandter der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Nach den üblichen Totengebeten beendete Chorgesang die erhebende und würdige Trauerfeier. Die Schatten der Dämmerung sanken bereits herab, als die Schollen auf die sterbliche Hülle des edlen Toten fielen, dessen Andenken bei allen, die ihn gekannt und verehrt, unvergessen in Segen fortleben wird. *** Kolberg, 8. April. Das Jahr 1920, das 46. im Dasein des Jüdischen, Kurho!spi>ta'ls zu Kvlberg, war, wie dem kürzlich erschcenenen 46. Jahresbericht zu entnehmen ist, das schwerste seit Ausbruch des Krieges und hat die Verwaltung vor Schwierigkeiten gestellt, die nur durch einen großen und empfindlichen Fehlbetrag überwunden werden konnten. Nicht bloß, daß die phantastische Höhe der Kosten der gesamten Lebensführung, insbesondere der Lebensmittel und der Brennstoffe, die unerhörte Höhe der Gehälter und Löhne weit über die dem Hospital zur Verfügung stehenden Betriebsmittel hinausgingen, sondern es galt auch, die durch die Benutzung des Hauses als Reservelazarett in den Kriegsjahren und durch seine Besetzung, durch die Truppen der Obersten Heeresleitung im vorigen Jahre überaus geicimdigten Gebäude, Geräte, Möbel, Wäsche und anderes mehr wiederherzustellen, was einen so großen Kostenaufwand erforderte, daß der Reparatur- und Erneuerungsfonds zur Bestreitung des Aufwandes angegriffen und nahezu vernichtet werden mußte. Zwar kann über die Einnahmen im Berichtsjahre nicht geklagt werden. Im Gegenteil, einzelne Titel der Einnahmequellen, wie. ganz besonders Kapitalszuwendungen zur Errichtung von Bettstiftungen und zur Erlverbung! der immerwährenden Mitgliedschaft, schließen sogar bei weitem höher als je in einem der Vorjahre. Aber solche Stiftungskapitalien dürfen satzungsgemäß nicht für den Betrieb verbraucht, sondern müssen unantastbar angelegt und nur der Zinsengenuß darf für die lausenden Ausgaben verwendet werden. 9kur die Jahrsbeiträge sind recht bedeutend im Berichtsjahre zurückgegangen, fodaß sie seit dem letzten Friedensjahre um fast 6000 Mark gesunken sind. — Der Anstaltsbetrieb wurde am 8.Juni eröffnet und am30. September geschlossen. Im ganzen wurden für die Pfleglinge 7598 und für das Personal 1631, also zusammen 9229 Verpflegungstage gezählt. Die unerschwingliche Teuerung der ganzen Lebensführung und besonders der Feuerung, der Gehälter und Lohne sowie sämtlicher Lebensmittel hatten Vorstand und Kuratorium vor der Eröffnung des Betriebes zu dem Beschluß gezwungen, nur die Hälfte der vorhandenen Betten in diesem Sommer zu belegen und ausschließlich die allernotwendigsten Bittsteller zu berücksichtigen, trotzdem 1210 Personen wegen Aufnahme in die Anstalt vorstellig geworden waren. Dieser Beschluß wurde notgedrungenauch streng durchgesührt, aber dennoch konnte die erstaunliche Höhe des Fehlbetrages, von dem oben berichtet worden ist, nicht vermieden werden, obwohl nur 264 (anstatt 500) Pfleglinge Aufnahme gefunden haben; davon waren 122 männlichen, 142 weiblichen Geschlechts, 101 Erwachsene und 163 Kinder; 112 wurden als geheilt, 142 als g ebessert und 3 als un geh eilt entlassen. Der Ver lauf der Betriebszeit war durchaus normal und nicht wie sonst durch interkurrente Krankheitsfälle oder durch irgendeinen sonstigen außergewöhnlichen Zwischenfall gestört. Der Bericht verzeichnet drei schwere Verluste, die die Anstalt durch den Tod des Herrn Kommerzienrats Alfred Löwenberg, des Herrn Manuel Schwarz (beide in Berlin) und des Herrn Bernhard Levy (Polzin) erlitten hat. Neben diesen schmerzlichen Trauerfällen wird im Bericht als Freudentag der 1. April 1920 erwähnt, an dem der Kurator der Anstalt, Herr Berthold Kir stein (Berlin), sein 25jähriges Geschäftsjubiläum als Mitinhaber der Firma Knauth u, Co. feierte. Das 46. Stiftungsfest der Anstalt wurde in üblicher Weise am 31. Juli in Verbindung mit dem Sabbatgottesdienst in der Haussynagoge durcheine Festpredigt gefeiert, an deren Schluß die im Laufe des Derwaltungsjahres errichteten Stiftungen und namhaften Schenkungen zur Erwerbung der immerwährenden Mitgliedschaft sowie die in derselben Zeit verstorbenen Wohltäter und Mitarbeiter namentlich erwähnt wurden. Darauf wurde eine Totenfeier für sämtliche Wohltäter des Hauses abgehalten. „Wir bitten recht dringend", heißt es zum Schluß des umfangreichen Berichtes, „zur Erhaltung unseres Haushaltes uns noch größere namhafte Spenden zuzuwenden, und namentlich ergeht an unsere alten Freunde die warme Bitte, ihre Jahresbeiträge, deren Betrag seit dem letzten Friedensjahre um Tausende zurückgegangen ist, möglichst zu erhöhen und uns neue Freunde mit recht namhaften einmaligen oder Jahresbeiträgen zu werben, so daß wir in die Lage versetzt werden, die kritische Uebergangszeit in die neuen Verhältnisse durchzuhalten." 8. Magdeburg, 8. April. Der hiesige SynagU'gienchpr veranstaltete unter der trefflichen Leitung des Herrn Kantor Max Pell er am 7. d. M. ein Konzert, das nach überein,stimmender Ansicht der zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder einen wohlgelungenen Verlauf nahm. Es galt, das fünfundzwanzigjährige Bestehen des Synagogenchors zu feiern und der Wiederkehr des hundertsten Geburtstages L o u : s L e w. an d o w s k i s, dieses um die Synagogenmusik hochverdienten Mannes, zu gedenken. Nach dem einleitenden Chorgesang: „Gott grüße dich" würdigte der Vorsitzende des Chores, Herr Siegfried Japhet, in einer ganz vorzüglichen Ansprache die Bedeutung dieser beiden Momente. Als Vertreter der beiden Körperschaften beglückwünschte Herr Sanitätsrat Dr. Frankenst e i n den Synagogenchor und dankte ihm für die allezeit bewiesenen Leistungen. Das feinsinnig zusammengestellte Programm, das im ganzen zehn Gesänge umfaßte, fand lebhaftesten Beifall. Dem Kantor Peller ist der Löwenanteil zuzuerkennen. Von den sonst Mitwirkenden, die Tüchtiges leisteten, sind zu nennen: Frau I. Richter, Fräulein Agathe Mannes, Herr David B i ck und allen voran die künstlerisch geschulte Sängerin Fräulein Edit Rosenbaum.. Möge der Synagogenchvr weiter eifrig und segensreich wirken im Dienst des synagogalen Lebens unserer Gemeinde! Frankfurt <*. M., 8. April. Es war ein kühner und gewagter Entschluß, als der Hilfsverein für jüdische Nerven- und Gemütskranke in Bad Ems auf Drängen, seines Begründers und langjährigen Vorsitzenden, des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Weingarten in Bad Ems, sich durch Ankauf und Beteiligung ein Mitbestimmungsrecht auf die bekannten, in gutem Ruf stehenden „Israelitischen Kuranstalten in Sayn" vor nunmehr einem Jahre erworben hat. Diese Anstalten sind von dem Kaufmann Isaak Jakobh im Jahre 1868 in kleinem Maßstabe gegründet worden und hatten sich unter seinem Sohne Benno Jakobh zu einer herrlichen Größe entwickelt. Schloßartig, in einem großen Part gelegen, erhebt sich in einer Entfernung von ca. 30 Metern von der Straßenfront das weitläufige Hauptgebäude der „Israelitischen Kuranstalten", die mit allen modernen

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