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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-04-15 · Heft 8 (15.4.1921) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 8 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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96 Gesicht in der Mutter Schoß und schluchzte bitterlich; sie wußte nur zu gut, daß Peth'is der einzige und erstgeborene Sohn seines mächtigen Vaters war, und daß sie niemals wieder in seine freundlichen Augen blicken werde. Kesiach. Von Z. Linsky (Abusamuep. s schallet aus Nacht und aus Enge Der alte, der süßtraute Sang; Weil Ketten der Knechtschaft einst brachen. Tönt heute noch Israels Dank! Und wundersam bannet die Sorgen Das heilige, heilende Wort, Das tröstet die Wandrer, die müden, Und scheucht alle Bitternis fort: „Nicht ewig sollen wir tragen Den Schimpf und die Schmach und den Spott; Der einst die Aegypter bezwungen. Der Hilst uns, der ewige Gott!" Blickt hin zu dem Lande der Väter, Dorthin, wo die Sonne erwacht! Ein Morgenrot ist uns erschienen, Verheißung verjüngender Macht! Da strömen die uralten Quellen Belebung für Judas Geschlecht, Da grünen urzeitliche Hügel, Da wächst unser ewiges Recht! Da ruft uns die Nahrung des Herzens, Da füllt sich der Becher mit Lust! Ein Ruf tönt zur Wallfahrt der Seelen, Und Hoffnungen weiten die Brust! So wollen den Seder wir halten In Stille, in Eintracht getrost. Und nicht in der Wetternacht zagen. Im Haß, der uns stürmend umtost! Wenn wir uns in Liebe nur einen Als Brüder zu ewigem Bund, Dann wird von dem Gotte der Treue Erlösung voll Wunder uns kund! Literarische Mitteilungen. — Die „Sittenlehrer". Von Dr. Z u n z. Mit Anmerkungen von , I. E l b o g e n. 1921. I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. Main. Die „Sittenlehrer", schickt der Editor in eineyr kurzen Wort „Zur Einführung" voran, bilden den V. Abschnitt in Zunz' Wert „Zur Geschichte und Literatur" (Berlin 1845, S. 122—157). Mit der Auswahl der „Sittenlehrer" wollte Zunz dar,legenwie sich im mittelalterlichen Frankreich und in Deutschland, frei, von fremden Einflüssen, die Sittenlehre der Bibel und des Talmuds entwickelt hatte. Daß dies dem Altmeister der Wissenschaft des Judentums gelungen ist, wissen alle diejenigen, die in seine Werke sich vertiefen und nicht ennüden, seine uns hinterlassenen Geistessichätze immer von neuem zu erwerben, um sie zu besitzen. Mit der Auswahl der „Sittenlehrer" verfolgte Zunz aber -auch den Zweck, der Welt zu zeigen, daß die Exegeten und die Gesetzeskundigen auch die Sittenlehrer waren: „Bei einem verfolgten Stamme, Lei einer verleumdeten Religion ist es wichtig, dies in Erinnerung zu bringen." Bon dem gleichen Gedanken war sicherlich auch Elbogen geleitet, indem er, seines großen Vorgängers gedenkend, bemerkt: „Heute, wo jeder Bube sich zum Zuchtmeister der jüdischen Lehre aufwirst, wird das Wort des Meisters nicht ungehört verhallen." Das wollen wir wünschen und hoffen. Wir müssen aber auch dafür sorgen, daß die Stimme dieser „Sittenlehrer", die in der von Ellbogen veranstalteten und mit wissenschaftlichen Anmerkungen versehenen Sonderausgabe zu neuem Leben erstanden sind, in die weitesten Kreise dringe und Freund und Feind davon überzeuge, daß die Sittenlehre des Judentums 'den Vergleich mit der anderer Bekenntnisse >nicht zu scheuen brauche. Möge diese treffliche- Schrift, die -als Wegweiser für den Lebenswandel des Menschen bezeichnet'zu werden verdient, in keinem jüdischen Hause fehlen! A. K. * — Chad Gadjo. Zeichnungen von Menachem Birnbaum. Welt- Verlag, Berlin 5680. Das fünfte Werk der „Welt-Drucke". Wer hat nicht von seiner frühesten Jugend an die Erzählung, von dem Lämmchen, die am Sederabend nach der Väterweise gesungen zu werden Pflegt, in bet Erinnerung? Und ist man dann älter geworden, so hat man wohl gar oft über diese anscheinend so schlicht einfache Erzählung nachgedacht, der doch ein so tiefer Sinn zugrunde liegt und die in ihrenwenigen Versen das ganze menschliche Leben umfaßt! Nun bringt der Welt-Verlag dies altjüdische Lied in kunstvoller Weise heraus, als ein höchstes Denkmal moderner Buchkunst! — Prachtvoll sind die hebräischen unddeutschen Typen, vollkommen friedensmäßig das Papier, und die Bilder, die Menachem Birnbaum gezeichnet hat, sprechen eindringlich zu den- Sinnen und dem Herzen des Beschauers, wenn man sich in ihre Art hineingelebt hat. — Altjüdisches Kulturgut erscheint uns hier im modernen Gewände! Wmn am Sederabend, wie es Vorschrift ist, über den Auszug aus Aegypten gesprochen werden soll, dann wäre es -gut,, wenn an vielen Familientischen dieses Buch von Hand zu Hand gehen möchte und seine Bilder sich, besonders tief in das Herz der Jugend einprägen würden, damit diese wieder sich mit dem Geist der Erzählung' erfüllt und sie lebendig forterbt von Geschlecht zu Geschlecht. Dr. W i l l y C o h m # — Educational Reforms in Europe in their Relation to Jewish Emancipation 1778 —1878. By Max J. Köhler, A. M. L. L. B. Reprinted from Jewish Forum. February 1919. Die hier gegebene Darstellung über Erziehungsreformen in Europa in ihren Beziehungen zur Emanzipation der Juden umfaßt einen Zeitraum von hundert Jahren, und zwar von Moses Mendelssohn, David Friedländer und dessen Schwager Isaak Daniel Jtzig bis zum Vertrage von Berlin. Das Jahr 1778 war es, in dem zum erstenmal an der Jüdischen freien Schule in Berlin Deutsch und Französisch in einer jüdischen Schule in Deutschland gelehrt wurde. Und im Vertrage von Berlin im Jahre 1878 wurde den Juden in Rumänien die Teilnahme am öffentlichen Schulunterricht gewährt — wenigstens auf dem Papier. Die Darstellung Köhlers zeugt von einer außerordentlichen Belesenheit in der Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Juden. Wir finden die Namen Güdemann, Straßburger, Deutsch, Kayserling, Spanier (Magdeburg), Fürst, Horwitz, Jsmar Freund, und auch Ludwig Geiger wird mehrmals angeführt. Besonders zeitgemäß sind die Ausführungen von A. Warschauer über die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarwesen. „Kein Volk der Erde", sagt Köhler, „hat solchen Nachdruck auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Erziehung und Schule für die Jugend gelegt als die Juden, und trotzdem hat man sie jahrhundertelang von den Pforten serngehälten, die zur Renaissance des Geistes, zu höherer Kultur und Bildung führten." Freilich vergebens, denn der Bildungsdrang der Juden hat schließlich alle hemmenden Schranken durchbrochen. Köhler führt ein schönes Wort von Salomon Schechter in dessen Werk: „Das Kind in der jüdischen Literatur" an. Es lautet: „Die Schule wurde als ein Berg Sinai angesehen und der Tag, an dem das jüdische Kind sie betrat, als das Fest der Offenbarung." Allen, die sich für die Fragen der Erziehung und des Unterrichts und für die geistige Befreiung bei den Juden interessieren, sei die Schrift Köhlers bestens empfohlen. Sanitätsrat Dr. Scherbel (Lissa i. P.). Druckfehlerbemchtigung. In der „Wochenschau" der vorigen Nummer, in der Wiedergabe des Vortrages des Ministerialrats Dr. I ö h l i n g e r über Bismarcks Stellung zur jüdischen Frage, ist versehentlich an einer wichtigen Stelle das Negationswort weggebli-eben. Es heißt da auf Seite 75 Absatz 2: „Man darf aber den Gegensatz Bismarcks zu den damals gerade nicht weitsichtigen politischen Führern als Gegensatz gegen die Juden auslegen", während der Text richtig lauten muß: „nicht als Gegensatz gegen die Juden auslegen". Die Redaktion.

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