Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 8 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
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91 diesen Bestien, man -veizt sie nicht, man tötet sie. Macht ganze Arö-ei-t >mi't den Juden . . Die rechtst aL-ikalen- Antisemiten und 'die linksradikalen Mioskauanhänger geben- -einander auch-hier nichts nach. Die einen Hetzen zum Bürgerkrieg, die and-eren zum Po-grom. Ein geheimem Antisemit-en- Lund in Breslau hat -bereits Iteg-onnen, in der OessentlichVeit herba-rtretende Juden zwar nicht zu töten, aber zu verprügeln. Ich h.alte die Gefahr einer Pogromhetze in Breslau für größer als die kommunistische; denn dieser steht die Arbeiterschaft unbedingt ablehnend g.eg>enüb>or, jener -aber -arbeiten die gesamte reakti-o!n<äre Studentenschaft, die Bismarck-Bündler und Schutz- und' T r u tz b ü txbl e, r vor. Ter Wahnsinn beid-er Bew-egungen umß aufs schärfste biekämpst werden, wo er sich zeigt. # Erklärungen Churchills in Jerusalem. Nach einer Reuter-Meldung erklärte Churchill in Jerusalem vor einer Abordnung des arabischen Kongresses, die die Zurückziehung d.'r Erklärung Balfours verlangte, nachdrücklich, die englifche Regierung sei entschlossen, sich an die Balsoursch-e Erklärung in ihren^ beiden Teilen' zu halten: nämlich wegen der Errichtung eines jüdischen na t i on ale n He i-ma t-s staate s und des Schu tze s de r nichtjüdi scheu Bevölkerung. Churchill empfing daraus eine jüdische Abordnung, der er erklärte, die Juden« müßten das Mißtrauen, das ihnen von d-er m'oh>annn-ed-ani'sch«en. Bevölkerung entoegengebra-cht werde., zerstreuen. Er sagte, die britisch-en Steuerzahler könnten nicht die Ausgaben für die Errichtung der jütischen N-ationalheimat tragen und die Juden müßten daher größere Anstrengungen machen, um die notwendigen Mittel aufzubringen. Ein Vertreter der jüdischen Abordnung erklärte, di>e Zivnilsten feien ber-eit, die Mittel) zu bef-chaiffen. * Unruhen in Palästina. Äus London wird unter dem 30. März gemeldet: Wie den „Times" aus Jerusalem gemeldet wird, h.at der Kriegsnnnister Winston Churchill gestern -t-i-e zionistische und christliche Vertretung in Gegenwart des Mtajors von Rothschild empfangen. Gleichezeitig werden große antisemitische Unruhen aus Haifa gemeldet, wobei ein Mohammedaner getötet und acht- Jud-n und Christen verwundet wurden. Der Belagerungszustand wurde über die Stadt verhängt. In Jaffa, Jerusalem und Bethlehem dauern die Unruhen zurzeit fort. Nähere Mitteilungen liegen bisher nicht vor. * Judenverfolgungen in Uerneu. In letzter Z-eit haben in Jemen wieder schwere Judenverfolgungen stattgefunden. D-er Jüdische Nati-o-na-lrat in Palästina (Wand leumi) wandte sich an den Oberkommissar S a m u e l -s mit der Bitte um Intervention bei der englischen Regierung zu-gunsten der Juden in Jemen. Ter Oberkvmmissar nahm sich der Angelegenheit lebhaft an und versprach, die englische Regierung um schleunigste Interventionin Jemen zu bitten. * 600 000-Dollar SPende für palästinische Landkärrfe. Nach einer Mitteilung Sir Alfred Monds hat Mistreß Mary Fels, die Witwe und Mitarbeiterin des Vorkämpfers für Bodenreform nach den Grundsätzen Henry Georges, Joseph Fels., mitgeteilt, daß sie dem Keren Hajessod 600 000 Dollar für LandWuse ini Palästina zur Verfügung stellen wolle. Es soll eine Form gefunden werden, wonach diese Stiftung innerhalb des Keren ^aj-essod ausschließlich fü-r dm Bodeukauf im Sinne der Bodensteuersorderung' Henry Georges verwendet werden soll. Mistreß Fels, die ein prominentes Mitglied der amerikanischen zionistischen Exekutive und eine der Dertreteri-nnen der amerikanischen Zionistinnm im großen Aktionskomitee ist, begab sich nach Palästina, um mehrere Modalitäten sestzuftellen. Saul horovitz. | ->2V bv “StP Die Gemeinde und das Jüdisch- Theologische Seminar in Breslau kommen nicht zur.Ruhe. Innerhalb eines halben Jahres ist es das dritte Mal, daß sie am Grabe eines hervorragenden Gelehrten Totenklage halten. der in seiner Art unersetzlich ist. Mit Dr. S. Horovitz erlischt die ältere Generation Breslauer Gelehrter, und es ist eine 'besondere Tragik, daß er, in verhältnismäßig jungen Jahren von schwerer Krankheit heimgesucht, lange vor seiner Zeit mitten aus seiner Arbeit, aus der Fülle wissenschaftlicher Pläne abberüsen worden ist. Wie vom König Saul darf man von Saul Horovitz sagen, daß er um Schulterlänge jedermann überragte. Er war ein Mann von seltener, vielleicht singulärer Begabung; eine leichte Auffassung vereinigte sich mit einem phänomenalen Gedächtnis und einem scharfen, klaren Verstände. Er galt an seiner Jugend als Wunderkind, setzte als Student seine Lehrer und Mitschüler in Staunen und blieb als Mann hinter dem Rufe, der ihmvoranging, nicht zurück. Was er an Wissen in sich ausgenommen, verarbeitet und behalten hat, grenzt ans Fabechafte. Er war ein Weiser von antikem Zuschnitt, weltabgewandt und bedürfnislos, erhaben über die Nichtigkeiten dieser Welt. Am liebsten hing er seinen Gedanken nach, arbeitete er im stillen an den wissenschaftlichen Problemen, die ihn stets beschäftigten. Die Oeffentlichkeit mied er, mußte er aber einmal heraustreten und das Wort nehmen, so staunte nian über den Geist und den Witz, die seine Rede würzten und zu einem hohen Genuß machten. Einer uralten Gelehrtenfamilie entsprossen, wurde er nach den Traditionen feines Hauses von Kindheit an im Talmud unterrichtet und erreichte frühzeitig eine solche Reife, daß man sein Wissen und seinen Scharfsinn weithin bewunderte, daß in Ungarn und Polen, den Hauptsitzen des dialektischen Talmudstudiums, sich sein Ruhm rasch verbreitete. Er dachte nicht ungern an die Kindheitserinnerungen zurück — wenn er auch viel zu bescheiden war, um die ihm gewordene Verehrung zu erwähnen — und er durste bei ihnen verweilen, weil er sich innerlich von dieser Welt gänzlich befreit hatte. Sicher hat es nur wenige Talmudisten gegeben, die so tief von den Lehren des alten Be th -h a - Mi d ra sch erfüllt waren und den Geist des Pilpul, der Enge so gründlich überwunden hatten. Mit etwa achtzehn Jahren wandte er sich auch den weltlichen Fächern zu, und spielend erlangte er die Reife für das Universitätsstudium. 1880 bezog er das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau, an dem er seine jüdische Bildung erweiterte und vertiefte, an dem er auch wissenschaftliche Methode kennenlernte und sich aneignete. Gleichzeitig studierte er an der Universität hauptsächlich Philosophie und orientalische Philologie. Bei seiner ausgesprochenen Sprachbegabung konnte es nicht fehlen, daß er nach kurzer Zeit das Arabische und Persische beherrschte wie das Hebräische. 1884 erhielt er das Doktor-, 1885 das Rabbinatsdiplom und fungierte dann rund ein Jahrzehnt als Rabbiner der Gemeinde Bielitz, wo er an dem unvergeßlichen S. I. Halberstamm einen treuen Freund und wissenschaftlichen Berater fand. Nach dem Tode David Rosins wurde er an die Stätte seiner Ausbildung als Dozent berufen, am 19. Januar dieses Jahres konnte er die Feier seiner fünfundzwanzigjährigen Amtstätigkeit begehen. Bei seinem Eintritt ins Amt übernahm er die Vorlesungen über die sprachwissenschaftlichen, homiletischen und religionsphilosophischen Fächer und dazu den Talmudunterricht in der zweiten Abteilung. Mit wahrem Feuereifer warf er sich auf das ihm bislang ferne Gebiet der Religionsphilosophie, der er, wie wir sehen werden, eine stattliche Reihe bedeutsamer wissenschaftlicher Untersuchungen gewidmet hat. Seine Liebe aber gehörte dem Talmud, den zu erforschen er nie müde wurde, über dessen literarische Probleme er mit seinem Lehrer Israel Lewy in I täglichem Umgänge Gedanken austauschte. Horovitz war vielleicht der einzige Talmudist, den sein unvergleichlicher Meister als ebenbürtig anerkannte, in dem er den würdigen Erben