Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 7 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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84 lliiteriurdjauiöiCn vereinigt i'ti(>or d>ns Thoma: Sipd Me n schonliebe, Gerechtigkeit und Dubdsamikeit an eine bestimmte Staatsform geknüpft, und «welche Staatsforrn g'ilbb «die beste Gewähr für ihre Durchführung? Diese Frage darf -höchstes Interesse benn* spruchen in einer Zeit, wo überall in der Welt alte Staatssormen in sich zusammenfallen, neue zum Durchbruch drängen und wo die Atenschheit so gern n-eit-e Hoffnung aus eine Weltenwende gründen möchte. Die Ergebnisse, zu denen die einzelnen Verfasser gegangen, sind verschieden; -aber wie sie auch lauten mögen: konstitutiorielle Demokratie, republikanische StaatsDersassung auf streng gesetzlicher Grundlage, sozial gerichtete Demokratie mit geläuterter Räteversassung mit beut Ziele des Weltstaates, demokratische, nicht sozialistische Republik — «der Begriff tritt hinter «den Inhalt zurück, der die ausgestellten Forderungen erfüllt. So wird denn auch eine jede der hier dargebotenen, duach das ernste Bemühen, dem Wiederaufbau der menschlichen Gesellschaft zu dienen, verbundenen Abhandlungen von Angehörigen aller politischen Richtungen mit Gewinn gelesen lverden. Dem interessanten, lehrreichen Inhalt der Publikation entspricht auch ihre äußere Ausstattung, für die sowohl der Großloge für Deutschlanid ^als auch deru rühri'ge^li Verlaig der Tank aller gebührt, die den Rainen 'des edlen Stifters noch nicht vergessen haben. A. K. * — G yges — Die Judenheit. Von Rabbiner Dr. Fuchs (Chelllnitz). Verlag Gustav Engel, Leipzig 1921. Eine sehr iuteressante, zum. Teil geistvolle Schrift, die die im höheren 2hm? lvieder aktuell 'geloordene Frage der Judenheit und des Judentums in Deutschland bchandelt. Der Verfasser, der selbst im liberalen Lager steht, kritisiert mit seltenem Freimut den Liberal ismus im Juidentiun als iiberuumden und für die Zukunft ausgeschaltet. Er hätte noch weiter gehen und geschichtlich beweisen können, daß Reformen, die sich aus den Kultus beschränken, im Judentum gar nicht fruchtbar sein können, weil sie gegen die Struktur des jüdischen Seelenlebens sind. Das alte Judentum kennt fast nur solche Reformen, die ins soziale Leben einschneiden. Diese sind; häufig viel radikaler als die neueren, aber wo Leben ist, da kann es andere Formen annehmen und neue Wege gehen. Sobald man das Judentuim in die Synagoge verbannt, müssen sich die Reformen als verfehlte Operationen erweisen. Was wirklich überlebt ist, schaltet das Judentum ohne operativen Eingriff von selber aus. Der Berfasser sieht das Ge me i n scha s ts ge f ü h l de r Inden als das eigentliche Judentum «an, also -den großen Rahmen des jüdischen Lebens, in dem das Religiöse als wichtiger, aber nicht alleiniger Faktor wirkt. Das ist nicht neu, aber gesund. Rur muß auch dieses Ge-, meinschaftsgesü'hl gepflegt werden, und wo es weder im Gotteshaius noch in der Famiilie Nahrung findet, kann es leicht verkümmern. Es fehlt uns eben an einem jüdischen Milieu, wo sich alles Jüdische' natürlich ausleben könnte. Ich verstehe auch nicht, warum der Berfasser nicht konsequent weitergeht. Was er konstruiert, ist dem Worte nnd dem Sinne nach Na t i on altsmu s, —- Nationalismus freilich in jüdischer Gestalt, religiös verankert, frei tunt Chauvinismus und Engherzigkeit. Der deutsche Jude ist ein Jude deutscher Kultur oder, wenn man will, ein Deutscher jüdischer Abstammung. -Warum soll man das in einer freien Zeit nicht-frei aussprechen? Aeuhere Rücksichten haben das Judentum in den letzten Jahrzehnten verflacht, haben ihm alle Wärme und alle Eigenart genommen. Es ist Zeit, daß wir damit brechen. Jedenfalls ist die Schrift sehr anregend und zum Teil in die Tiefe schürfend, und ich kann sie allen Freunden einer ernsten Lektüre, namentlich der reifen. Jugend, untern empfehlen. Fab in s Schach. * - H e r m mm Schiff: Schief Levi n ch e mit sein e r Kalle. Hambnrg/Berlin 1919, Hoffmann u. Campe. Der berühmte Verlag Heinrich Heines bringt in einer Sammlung von Neudrucken als erstes dieser Serie einen Roman heraus, der vorüber einein halben Jahrhundert erschienen ist, und der uns auch jetzt noch, mancherlei zu. sägen hall Gewiß sind die Zustände der ostjüdischen Bevölkerung seitdem anders geworden, und viele Voraussetzungen treffsur für.heute nicht mehr zu, doch sind eine Reihe von'Typen in ihm geschildert, die schon allein durch ihre Charakteristik ein Zeichen ablegen für die Kunst des Verfassers. Da sehen wir die Gestalt des Rabbiners, der sein Leben lang „lernt", umgsben von seinen Schülern, während in seinem Hause seine wunderschöne Tochter Mariamne heranblüht. Als sie sich mit dem kleinen, schiefen Levin verlobt, muß es uns von vornherein klar werden, daß dies zu einer Katastrophe führt. Der Verlag hat lange gezögert, ehe er sich zu der Neuherausgabe dieses Buches entschlossen hat, weil er zunächst meinte, daß er dem erbitterten und ungerechten Judenhaß, der jetzt über die Welt geht, dadurch neue Nahrung geben würde; doch mühten die Menschen schon recht töricht sein —. allerdings sind sie es ja auch —, -um aus den Verhältnissen der vergangenen Tage auf die Gegenwart zu schließen. Ob der Verfasser die Zustände in der alten Judengasse getreu geschildert hat, möchten wir noch.dahingestellt sein lassen; ein Dokument jüdischer Entwickelung ist es zweifellos. Dr. Willy C o h n. vüchrrrinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. \ Franz Rosen z w eig : Hegel und der Staat. Erster Band: Lebensstation (1770—1806); zweiter Band: Weltepochen (1806—1837). München und Berlin 1920, Verlag von R. Oldenbourg. Ernstes und Heiteres aus dem jüdischen Leben. Erinnerungen, Erzählungen, Kulturbilder und Humoresken von Bergingenieur L. R o s e n t h a l. Leipzig, Verlag von Gustav Engel, 1921. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Hest 7/9. Juli—September 1920. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. Freie Zionistische Blätter. Erstes Heft, Januar 1921. Verlag der Freien Zionistischen Blätter, Heidelberg, Rohrbacher Straße 75. Die Juden in Abessinien. Von Karl Rathiens, wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Geographischen Seminar der Hamburger Universität. 1921. W. Genie, Wissenschaftlicher Verlag, Hamburg. Sittenlehrer. Von Dr. Zunz. Mit Anmerkungen von- I. E l b o g e h. 1921 I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Juden und Deutsche. Ein Resnme von Anton K u h. Erich Reiß Verlag, Berlin. Ter hermeneutische Kontext in der talmudischen Literatur. Eine verspätete Jübiläumsschrift von Prof. Dr. Adolf Schwarz, Rektor der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien. Wien 1921. Im Selbstverlag des Verfassers. Rasse nnd Politik. Von Prof. Dr. Julius Goldstein. Im Neuwert-Verlag. Schlüchtern 1921. Seder ha Haggada lllek Schmurim. Erzählung von dem Auszuge Israels aus Aegypten fü-r die beiden Pessachabende. Rach W. Heidenheim neu übersetzt von Rabbiner Dr. Selig Bamberger. Erste Auflage der Neuausgabe. Mit zehn Bildern, gezeichnet nach alten Holzschnitten von Stanislaus Bender. Frankfurt a. M. (Rödelheim), Druck und Verlag von M. Lehrberger u. Co. 19-21. Lerichtiguns. In Nr. 3*3 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1920, S. 282/283, brachten wir einen Artikel von Regina Reiher (Breslau), betitelt „Emilie Kaula", zum Abdruck. Vor einiger Zeit ging uns die Mitteilung zu, das; dieser Artikel in seinen wesentlichen Teilen die Wiedergabe eines Nekrologes sei, den Herr Alfred Freiherr Menst v. K la r b a ch (München) im 17. Bande des von Anton Bettelheim hera-usgegebenen „Bi-ogivaphischen- Jahrbuches und deutschen Nekrologes" Vertag Georg Reimer, Berlin 1917, S. 97—100, veröffentlicht hat. Wir haben uns bei Prüfung des Sachverhalts von der Richtigkeit der uns Zugegangenen Mitteilung überzeugt, was wir mit dem Ausdruck lebhaften Bedauerns gegenüber dem Verfasser hiermit seststellen. D i e R e d a k t i o n.