Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 7 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229489--76192-3288766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
83 Elias: Wir warten mir auf den Rahbi. SchwülWas für Ehre hat man auf feine alten Tage! Wird mir meine Neche nicht glauben, wenn ich nach Hause komme in unser Dorf und werde sagen:'Neche, dein Schwül hat gesessen am Sederabend mit.dMr'Wdbi'an einem Tisch. Ein a nd erer: Und was für ein Rabbi! Der Wirt in der Herberg'.hat mir erzählt, die Güte in Person. Ein dritter: Nun, man wird ihn doch bald kennenlernen. F e ldm a n n: Horch, /da ist sein Schritt. (Felbmann, Elias .und Lew gehen »m die Tür.) Rabhi (eintretend): Gut Jontes, meine Freunde! Ist noch ein Plätzchen frei für den einzigen Gast, der ungebeten kommt? L ea: Sie sind uns immer willkommen. Herr Rabbiner! (Elias hat sich abgewandt und sich in di« Nähe des Fensters begeben, während Lea den Rabbiner zum Ehrenplatz geleitet.) Rabbi (zu Lea): Der Vater ist traurig. (Lea geht zw Was, der sich gerade »nständlich schneuzt, und führt ihn auf den Platz neben dem Rabbiner.) Rabbi (zw Elias): Mein Anblick, lieber Freund, ruft das Leid in Ihnen wach, das ich. Ihnen ungewollt angetan hatte. Heute aber bin ich gekommen, um ihnen eine große Freude zu machen, eine große Freude, Reb Krongold. Elias: Rabbi! (Lea hat ihren Platz verlassen und ist mit dem Ausdruck gespannter Erwartung hinter beide getreten.) Rabbi: Ich habe hier einen Brief. Woher mag der Brief wohl stammen, Reb Krongold? Elias: Einen Brief von — von — Lea (die sich >an einen Stuhl sesthält, während Aron Veilchenblum hinter sie tritt, um sie zu stützen): David? R a b b i: Nicht von David, — aber er enthält die Nachrichtdaß — David lebt. Lea (vor Was aus die Knie sinkend): Vater! — Nun ist alles wieder gut. Elias (der unwillkürlich die Hände gefaltet): Sarah! Wenn sie das wüßte! Rabbi: In der Unglücksnacht, als ich nach David forschte, da wußte niemand etwas von ihm. Aber ich sagte mir, zur Vollstreckung des Todesurteils werden die Russen durch den überraschenden Angriff der Deutschen, keine Zeit gehabt haben. Wenn er also nicht gefallen ist, so kann er nur in die Gefangenschaft .der Deutschen geraten sein. Euch sagte ich nichts von meinen, vielleicht trügerischen Hoffnungen. Aber einem deutschen Offizier gab ich Davids Namen und meine Adresse an, damit er mich benachrichtige.könne, sobald er etwas von. ihm. hörfe. Das ist nun geschehen. David befindet sich gesund in einem deutschen Gefangenenlager und sendet-allen herzliche Grirße. Er hofft auf ein frohes Wiedersehen nach dem Kriege. Elias: Daß ich dies noch erlebe» durfte! — Rabbi, wie soll ich Ihnen danken? R abbi: Nicht mir danket, sondern Gott! — Wir müssen ihm beide danken. —- .Denn auch für mich war es eine große Erlösung, daß ich Ihnen endlich die erhoffte, freudige Nachricht bringen durfte. Fühlte ich mich doch als mitschuldig an Ihrem Unglück. Le a (die inzwischen waMend, von Aron unterstützt, ihren Platz wieder eingeti«n«nen): Es gibt nur eine Schuldige, ehrwürdiger Rabbi, und das bin ich. Ja, nun sollen Sie alles wissen, und auch .du, Vater, idü sollst nicht zu gut von mir denken. — Ich bin die Ursache, daß David zum Tode verurteilt worden war-, ich, — ndin, schlecht hatte ich es jedoch nicht gemeint; ich fürchtete Nur die Wiederholung eines Pogroms in d ieser Stadt, wie ich ihn in feiner ganzen Schrecklichkeit kennengelernt hatte. Ich 'sah deutlich ein, daß nur durch die Besetzung unserer Stadt seitens der Deutschen das Unheil abzuwenden sei.' Von Stünde zu stunde hoffte ich auf ihren Eittzug. Denn die gereizte Stimmung der Bevölkerung, meine Ausweisung und manche änderen Anzeichen deuteten auf die Nähe der Gefahr. Da hörte ich von David, daß sein Regiment den Befehl habe, die hevanziehenden Deutschen zurückzutrerbeu. Und ich tat, was ich nachher bitter bereut habe. Ich versuchte, ihn zum Vaterlandsverrat zu bewegen zugunsten feiner Gläubensgenossen. Ich schilderte ihm die Schrecken eines Pogroms in so lebhaften Farben, daß er zu feinem Unglück meinen Plan nicht bald ablöhnte, sondern sich eine Bedenkzeit ausbat. Nach deren Ablauf erklärte er mir freilich, daß die Erfüllung meines Verlangens unmöglich sei. Aber fein Schicklal war bereits besiegelt, weil die Magd und ihr Freund unsere erste Unterredung belauscht und den Unschuldigen des Verrates angeklagt hatten. — Nach mir aber, der Anstifterin, wurde nicht gefahndet. David hatte wohl, um mich zu schonen, angegeben, daß ich geflohen fei. Rabbi: Und dann? Lea: Was dann geschah, wissen Sie. — Ich konnte es nicht über mich bringen, dem Vater ein offenes Geständnis abzulegen. Ich dachte in meiner Verzweiflung daran, freiwillig den Tod zu suchen. Aber, durch ein Versprechen gebunden, zwang ich mich, weiter zu leben, um zu sühnen, versuchte alle meine Kräfte der Pflege des lieben Vaters und dem Wohle gedrückter Glaubensgenossen dienstbar zu machen. — Eine Anerkennung verdiene ich dafür zwar nicht, aber Vater, kannst du mir verzeihen? Elias: Muß ich denn nicht, wenn Gott dir verziehen hat? N a b b i: Das Fest, das wir heute feiern, ist eine Erinnerung an hie Befreiung unserer Vorfahren aus der Knechtschaft, aus dem Lande Aegypten. Auch hier war Aegypten. Auch hier seufzten wir jahrhundertelang unter der rohen Faust unserer Bedrücker. Aber dieses Mal brauchten wir nicht auszuziehen aus dem Lande der Knechtschaft, um die Freiheit zu suchen, sondern unsere Peiniger wurden vertrieben, und ihre Besieger brachten uns die Rettung. Und bei dem ersten, befruchtenden Sonnenstrahl der Freiheit, der unsere düsteren Gassen erleuchtete und erwärmte, da senkten Sie, liebe Lea, tausendfältigen Samen in die Ende, begossen ihn heimlich mit Ihren Tränen, und er ist anfgegangen zu einer Blüte, die herrliche Früchte verspricht. Fahren Sie fort auf diesem Wege, mein Kind, bis wieder der beseligende Friede die Völker vereinigt und menschlichere Gefühle einziehen in die erstarrten Herzen! , Elias: Wenn dann die Gefangenen zurückkehren werden aus allen Ländern, dann werden wir auch unseren David Wiedersehen, und du wirst ihm entgegengehen, meine Tochter, als seine Braut. * Rabbi: Der Ewige möge uns gnädig sein, daß diese Zeit bald herannahe, und nun lasset uns beginnen mit der Feier des Pessachsestes! Literarische Mitteilungen. -• Her S k a a t u n b b i e V e rwirklichung b e t f 111.* I i ch e n I d e e. Vier soziologische Stubten von Walter B r i n ih e r , Erwin Seligm ann, Alfred Wien.er, Hans Felix Zeck. H>eM!U>s.geigeben. von der. Movitz Manheimer - Stiftung' der Großlog-e für Deutschland. Preis, 10 Mark. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gytha. -. Die Preisarbeitender .Groß löge zeichnet eine wohlerwogene . Planmsäßigkeit aus. Nachdem in den bisher veröffentlichten zunächst die Forderungen der Humanität .als Grund-Pfeiler der menschlichen Gesellschaft, sobann die Friedenspflichten des einzelnen unddie Friledenspslichten der Nationen, schließlich -die eine gemeinsame Verwaltung ‘ .durch >die Mesamtheilt hier Völker zuliasfenben Weltwertö behandelt worben sind, sind Wer vier geistvolle