Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 4 (9.1.1838)
- Date
- 1838-01-09
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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io jeder geoffenbarten Religion vorangehen, weshalb er sie mit der einzigen Waffe zu widerlegen meint, daß das Absolute durchaus unerkennbar sei, und demnach auch die ewigen Wahrheiten als Glaubenssätze in die Religion zurückgeführt werden müssen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, sagt er, daß die vorkantische, wölfische Schule, zu der Mendelsohn gehörte, diesen zu dem Jrrthum verleitet habe, Vernunftwahrheiten, die er durch Demonstrationen für beweisbar hielt, aus der Religionslehre zu verbannen. Da nun aber die kritische Philosophie Kants bewiesen hat, daß Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, da sie keine Objecte menschlicher Erfahrung sind und außer den Grenzen unseres Erkenntnißvermögens liegen, für uns durchaus unbeweisbar sind, und nur als Postulate der praktischen Vernunft oder subjective Glaubenssätze Giltigkeit haben, so gehören sie wieder in das Gebiet des Glaubens und müssen in der Religionstehre als Glaubensartikel wieder ihre Stelle einnehmen. So rasonnirt Hr. Dr. F., den derselbe Vorwurf trifft, daß er das Judenthum von der kantischen Philosophie abhängig macht, den er an Mendelsohn Ln Bezug auf die Dogmatik seiner Zeit gerügt hat. Zuvörderst wollen wir das Jrrthümliche in dem Räsonnement des Hr. Dr. Fr. dahin berichtigen, daß er zwei wesentlich von einander verschieden? Momente durcheinander geworfen und fehlerhaft mit einander verwechselt. Ich meine nämlich: die Behauptung, die Mendelsohn Ln seinem „Jerusalem". aufstellt, daß die Lehre des Judenthums nur Gesetze und keine Glaubenslehren enthalt und ausdrücklich lehrt, mit der, von spätem Religionslehrern weiter ausgebildeten, Ansicht, daß das geoffenbarte Gesetz, wenn es auch Glaubenslehren enthalt und lehrt, dennoch keine Glaubensartikel, d. h. Grundprincipien, die allen andern Lehren, in gewisser Hinsicht, übergeordnet sind, hat. Diese beiden Punkte scharf von einander zu -scheiden, ist für den Erfolg gegenwärtiger Untersuchung von äußerster Wichtigkeit, indem dieser Unterschied uns zur genauen Betrachtung einer jeden dieser Ansichten in ihrer Getrenntheit am sichersten führt. Mendelsohn, der bekanntlich die aufdringliche Herausforderung zum Kampfe über Glaubenswahrheiten mit bester Art von sich weisen wollte, war es lediglich darum zu thun, die Behauptung hinzustellen, daß die jüdische Offenbarungslehre nur Gesetzgebung aber keine Glaubenslehre sei, mithin der Kampf über Glaubenssätze durchaus nicht aus dem Gebiete der jüdischen Theologie geführt werden müsse. Belletristik. Israelitische Lebensbilder.") 4 Der Jüngling. b. Die Leier. * Eine Leier ist mir angeerbet Aus vergangnen, grauen Zeiten, Wenn Geschlecht auch nach Geschlecht versterbet, Tönen dieser Leier Saiten: Als der Schöpfer rief sein schaffend Werde, Ward die Lei'r just nach der grünen Erde. Wenn die Lieder durch die Seele wallen, Aus der Seele durch die Leier: Alte Weisen, alte Sange Hallen Wieder aus des Busens Feier, Unsrer Vorzeit ist es längst entsprungen, Was sich neu die Jugend hat errungen. Von der Menschheit ew'gem Schmerz und Harme Gibt uns Hiob ew'ge Kunde, Drohend Zürnen dem verderbten Schwarme Sprühet aus Jesaias Munde: David singt des Herren Herrlichkeiten, S a l o m o n die Eitelkeit der Zeiten. Horch! wie an deS wüsten Meeres Strande Völker ein Triumphlied singen — Auf dem Siegeswagen durch die Lande Will Debora's Stimme dringen — Liebeslispeln fließt in Salom's Hainen — AuS Jeremias Aug' ein ew'ges Weinen! Diese Leier ist mir überkonrmen, Und in ihre Saiten greif' ich, Alles, was im Schacht der Brust entglommen, Schwell' aus ihr hervor geläufig: Wenn entfalten sich der Seele Flügel, Ziehen über Zeit und Meer und Hügel. *) Diese iftael. Lebensbilder fassen bis jetzt: 1) „Das Kind. Der Mutter Gebet an der Wiege" in No. L; b. ,,DeS Vaters Segen" in No. 12; 2) „Der Knabe," in No. 18.; 3) „Der ältere Knabe" in No. 41.; 4) „Der Jüngling. Die Welt" in No. 96. des vor. Ihrg. — (Fortsetzung folgt.)