Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 6 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Gaffel und Albert Maaß zu- Schatzmeistern. Außerdem wurden ftelben Beisitzerdarunter zum ersten Male eine Dame, Frau Seligsohn, gewählt. Alsdann fand eine Besprechung über die Neuorganisation des Liberalen Vereins statt, die aber nicht mehr zu Ende geführt werden konnte. In einer neuen Verfcvmmbung» soll dieser Punkt ausgiebig besprochen werden. vr. M. Berlin, 15. März. Jedesmal, wenn der Verein zur Pflege hebräischer Gesänge mit einem Konzert an die Oefsentlichkeit tritt, weiß man, daß die Darbietungen diejenigen, die ein Interesse für derartige Musik haben — und der Kreis ist wahrlich nicht klein —/ stets von neuem angenehm überraschen. Der Leiter dieser Konzerte, Herr Kapellmeister Kellermann, besitzt eben die glückliche Gabe) Interessantes auf dem Gebiet hebräischer Gesänge immer wieder aufzufinden und sie in stilvoller Weise unserem Empfinden nahezubringen. Sein Forschen, verbunden mit hoher Musikalität, macht ihn zum geborenen' Vermittler dieser Musik. Sowohl seine Bearbeitungen wie eigenen Kompositionen sichern ihm eine eigene Stellung auf diesem Gebiet. So ist sein „Hajom harass olom" für Bariton und Chor, vor allem das große Chorstück „Ato jozarto" mit Sopran- und Baritonsolo, sowie eine von ihm bearbeitete hebräische Melodie für Violine und Orgel jedes eine musikalische Delikatesse. Daß sein Chor diesmal wieder auf der Höhe eines weltstädtischen Klangkörpers stand, ist schon eine Selbstverständlichkeit geworden. Intonation, Klangfülle und Abschattierungen waren musterhaft und machten dem Chor und seinem Leiter gleiche Ehre. Die Wahl der Solisten war eine glückliche. Fräulein -Frieda Wolfs (Deutsches Opernbaus) geschulte Stimme vereinigte sich vortrefflich müt dem voluminösen Bariton des Herrn Benno Ziegler (Staatsoper). Der innige Geigenton von Fräulein Jbolhka Gharfa s bot eine hohe künstlerische Abwechslung innerhalb der Gesänge. Ein besonderes Bravo dem unermüdlichen Professor Walter Fischer, der meisterhaft den Orgelpart beherrschte, und dem Herrn Wohlgemut, der mit durchdringendem, aber noblem Trompetengeschmetter im Verein mit der Harfmrin Fräulein Annie Rosent ha l einem Franzosen aus dem Jahre 1840 ein Dakapo für seine Komposition „Waj’hi foinsoa“ einbrachte. Allerdings klang auch seine Komposition etwas schöner als die des Versailler „Friedensvertrages". Der stürmische Beifall, mit dem alle Darbietungen am 2. d. M. in der Hochschule für Musik ausgenommen wurden, läßt die sichere Vermutung zu, daß auch durch dieses Konzert dem Verein viele neue Anhänger znströrnen werden. L2 Berlin, 15, März. Unsere Leser haben erfahren, daß Herr Direktor Dr. Holz man am 7. Januar d. I. seinen 80. Geburtstag begehen konnte. In seiner großen Bescheidenheit hatte er sich alle Ehrungen und Festbesuche verbeten. Um ihm dennoch ihre Dankbarkeit auszudrücken, hatte der Lchrerhort ehemaliger Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt in Berlin, in Verbindung mit dem Verein ehemaliger Schüler Der Knabenschule und dem Elternbeirat, sowie einer Reihe seiner Verehrer beschlossen, eine Sammlung einzuleiten, über deren Verwendung der Gefeierte beschließen sollte. Alle diejenigen, die sich an der Sammlung beteiligt haben, wird es freuen zu hören, daß sie 30 000 Mark ergeben hat, die nach dem Willen des Dr. Holzman zu einer Direktor - Michael - Holzman - Stiftung verwendet werden und aus deren Zinsen Unterstützungen zu Badereisen und Kurzwecken an bedürftige Lehrer oder deren Frauen und Witwen, und zwar jedesmal am Geburtstage des Gefeierten, gewährt werden sollen. Da sich bereits eine ähnliche Stiftung, Doris-Ho-lzman-Stiftung, in der Verwaltung des Lehrerhort befindet, können alljährlich 2000 Mark verwendet werden. Die G e n e r a lv e r s a m m l u n g des Lehrerhort, die für den 2 5. März in Aussicht genommen ist, zu der noch besondere Einladungen ergehen werden, soll neben anderen Punkten auch Näheres über die Verteilung beschließen. £2 Berlin, 15. Mär^ Das Rabbinerseminar zu Berlin- (Artilleriestraße 31) hat t a l m u d i sche Fortbildungskurse fürjunge Akademiker und Kauslente eingerichtet, -die unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Wrefchner stehen. Vorerst findet ein dreistündi'gjer Talmudunterricht und ein einstündilger Aiidraschvortrag statt. Von April ab sollen die Kurse wesentlich erweitert werden. Meldungen können entweder schriftlich an das Sekretariat des Rabbinerseminars, oder mündlich beim Leiber' 'der Kurse zu dien Unterrichtszeiten (Sonntag: 3 bis 4, Dienstag abends BH bis 10 Uhr, Sabbat 3 bis 4 Uhr) erfolgen. — Das Kuratorium des Rabbinerseminars erläßt. ein Preisausschr eiben aus der Fritz-Rau- S/ti f t u ng. Die Preisfrage kauitet: „Der iHöhew- (Bamoth^-) Kultus nach Bibel un«d Talmud." Ter Preis beträgt 750 Mark; zur Bewerbung zugelassen sind die gegenwärtigen und ehemaligen Hörer des Rabbinerseminars. Genauere Bedingungen werden auf Wunsch vom Sekretariat des Rabbinerseminars, Berlin, Artilleriestraße 31, verschickt. r. fBteälau, 11. März. Eine weihevolle Trauerfeier fand am letzten Dienstag, mittags, für den am 5. -d. M. verstorbenen Rabbiner Dr. Rosenthal in der Alten Synagoge, an der Wallstraße, der Stätte seines langjährigen Wirkens, statt. Dichtgefüllt war der weite Raum, der, trotzdem die Sonne hell durch die Kuppel brach, im feierlichen Scheine sämtlicher Flammen der Kandelaber prangte. Zu den Seiten des vor dem Aron hakodesch aufgebahrten Sarges hielten die Chargierten zweier jüdischer Studentenverbindungen mit ihren Fahnen die Totenwacht. Pünktlich um 1 Uhr begann die Feier. Chorgesang erklang, und dann betrat der Amtsgenosse des Verstorbenen Dr. Simonsohn die Kanzel. In warmen, tief empfundenen Worten zeichnete er das Bild des edlen Mannes, zeigte ihn in seiner tiefen Frömmigkeit, seiner echten Güte und Bescheidenheit, seiner hohen Gelehrsamkeit, die ihn zum Führer und Lehrer der großen Gemeinde machte, deren allverehrter Seelsorger er über ein Menschenalter war. Nach ihm sprach Dr. Hoff mann, der, zum Nachfolger Dr. Nosenthals erwählt, herbeigeeilt war, um seinem Meister und Freund die letzte Ehre zu erweisen. Auch er betonte die seltene Art des hochgelehrten Mannes, dem es gewährt ward, die drei Kronen zu tragen, die Krone der Thora, die ihn zum Lehrer machte, die Krone des königlichen Priesters, als den er sich am Altar zeigte, und die Krone des guten Namens, den er sich durch sein vorbildliches Leben erwarb. Was an ihm sterblich war, wird zu Staube, aber das Göttliche, das aus ihm strahlte, wirkt fort und bleibt immer lebendig. Unter Chorgesang wurde dann der Sarg hinausgetragen, wo sich der unabsehbare Leichenzug ordnete. Voran fuhren die Studenten, dann folgten die Schüler der Religionsschule mit ihren Lehrern, und hinter dem Leichenwagen schlossen sich den Angehörigen viele Rabbiner und eine ungezählte Schar von Leidtragenden an. Langsam ging es durch die Straßen bis hinaus zum Friedhof auf der Lohestraße, in dessen Halle wieder Chorgesang den Sarg empfing. Dort hielt Rabbiner Dr. Vogel st ein die Trauerrede. Er pries den hervorragenden Seelsorger, dem es gelungen sei, Einheit und Friede in der Gemeinde aufrechtzuerhalten, und richtete Worte des Trostes an die Angehörigen, die mit berechtigtem Stolze dies kostbare Leben ihr eigen hatten nennen können. Ihm reihten sich Rabbiner Professor Dr. M a r g o l i e s aus Florenz, der Schwiegersohn des Verstorbenen, und die Herren Justizrat Hirschberg und Professor Dr. W o h l a u e r als Vertreter der Gemeindebehörden, des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung an. Rabbiner Dr. K o p f st ei n (Beuthen) entbot die Abschiedsgrüße und den Dank der Gemeinde Beuthen, der Stätte zwanzigjähriger gesegneter Wirksamkeit des teuren Entschlafenen; ferner sprachen Professor Dr. Elbogen, Dr. Hildesheimer und Rabbiner Dr. Löwenth-al (Berlin). Prediger Bähr (Waldenburg) pries die Verdienste des Heimgegangenen um die schlesische jüdische Lehrerschaft und drückte deren Dank aus. Und auch ein Abgesandter des Prinzeß- Luisen-Heim fehlte nicht in der Reihe der Redner. Und dann folgte Rede aus Rede von Vertretern anderer Gemeinden und all der vielen Verbände, denen der Verstorbene angehört hatte, seiner Schüler und seiner Freunde; auch die Großloge Bne-Bvith in Berlin hatte dem Expräsidenten der hiesigen Lessing-Loge ihre Grüße durch ihren Meister Timendorfer aus Berlin entboten. — Der Abend sandte schon seine Schatten voraus, als endlich der Sarg zu Grabe getragen wurde. Langsam senkten sich über ihn noch einmal die Fahnen der studentischen Korporationen, dann verschwand er in der Tiefe. Langsam fielen die Schollen hinab, die irdischen Reste eines Mannes zu decken, dem Liebe ein dauerndes Denkmal in vielen Herzen errichtet hat und dessen Andenken in seiner Gemeinde fortleben wird. M. Hamburg, 11. März. In der letzten Sitzung des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurde ein Antrag des Dr. Kalmus einstimmig angenommen, an den Gemeindevorstand das Ersuchen zu richten, die jüdischen Institute urw Vereine darauf hinzuweifen, daß das Repräsentantenkollegium den Standpunkt vertritt, daß bei Vergebung von Arbeiten in erster Linie die hiesigen, jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden