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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 berücksichtigt werden müßten, wenn diese mit ihren Forderungen und Leistungen nicht hinter den anderen Zurückbleiben. Sodann brachte Herr Feiner die Notlage der Lehrerschaft -zur Sprache. Es wurde beschlossen, an den Vorstand das Ersuchen zu richten, möglichst bald eine Regelung der Lehrergehälter vorzunehmen. Bei den alsdann vorgenommenen Vorstandswahlen des Kollegiums für das Jahr 1921 wurde Herr Alfred Lisser einstimmig wieder zum ersten Vorsitzenden, gewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde für den eine Wiederwahl ablehnenden Herrn.M. Ezechel Herr Dr. Caro gewählt. Airs die Anfrage des Kollegiums, welche Schritte der Gemeindevorstand unternommen hat bzw. zu unternehmen gedenkt, damit Mitglieder des Reprüsentantenkollegiums als solche in Kommifsionen der Gemeinde gewählt werden, erwidert der Vorstand, daß er zurzeit Satzungsänderungen der einzelnen Kommissionen nicht für empfehlenswert hält, da auf Grund -übereinstimmender Beschlüsse beider Gemeindebehörden ein Ausschuß eingesetzt ist, der über eine Verfassungsänderung der Gemeinde beraten soll. — Dem Verbände der Deutschen Inden wurde zur Deckung seines Fehlbetrages im Jahre 1920. ein Betrag von 3000 Mark bewilligt. Der Jahresbeitrag für die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wurde auf 1500 Mark erhöht. Als Mitglieder des Gemeindevorstandes wurden die Herren Jakob A l e x a n d e r und Jos. LiPPmann wiedergewählt. - München, 11. März. Rabbiner Tr. Jakob aus Dortmund hatte es übernommen, in einer öffentlichen - Studentenversammlung über das Thema: „Die deutschen Juden.in der deutschen Volksgemeinschaft" zu sprechen. Schon nach seinen ersten Worten wurde er durch Planmäßig vorbereitete Störungen unterbrochen. Die Störungen wuchsen sich schließlich zum minutenlangen Toben der Herren Studenten aus, die sich mit Trillerpfeifen und Heultrommeln ausgerüstet hatten. Nur dem Eingreifen zweier Professoren ist es zu danken, daß der. Redner wenigstens eine Zeitlang zu Worte kam. Die Aussprache stand auf dem tiefsten Niveau und endete in Lärm. ° S£2 Frankfurt a. M., 11. März. Die „ Z e n t r a le f ü r M a z z o t h v e r s o r g u n g G. m. b. H." schreibt uns: „Der Herr Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat sich infolge det ihm vorgebrachten Klagen der jüdischen Bevölkerung über die Unzulänglichkeit der bisher für die Nt azzoth Versorgung zum nächsten Pessachfeste von der Reichsgetreidestelle bereitgestellten Mehlmenge veranlaßt gesehen, eine weitere Mehlmenge für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Wir sind hierdurch in den Stand gesetzt, die Kopfanteile höher zu bemessen, als in unserem Rundschreiben vom November in Aussicht gestellt'werden tonnte. Unter dem Vorbehalte, daß es ohne Zwischenfall möglich sein wird, die verfügbare Mehlmenge zu verbacken, setzen wir hierdurch im Sinne von Ziffer III, 4 der „Grundsätze für die Herstellung und den Vertrieb von Mazzoth (Osterbrok) nach $ I. Absatz I der Ne ich sgetreideordnung für die Ernte 1920" den Kopfanteil wie folgt' fest: B e st e l l - schei n A: 4X> P fund , B e st e l l s ch e i n B: 2 P s u n d. Die Lieferung von M a z z o t h an die Verbraucher wird den Bäckereien vom heutigen Tage an freigegeben. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß die Reichsgetreidestelle im Interesse der Mazzothverbraucher mit Verfügung vom 16. Februar (Nä-Nr. B 100) eine Abänderung der Bestimmungen über den Abzug der Brotmarken vorgenommen hat. Diese Verfügung ändert Absatz III, Ziffer 5 der oben erwähnten „Grundsätze" dahin ab, daß die Brotkarte um diejenige Brot menge (nicht Mehlmenge) gekürzt wird, die der bestellten Mazzothmenge entspricht. Tie Kommunalverbände haben der Verbrauchern die Brotkarten bei der Ausgabe derart zu kürzen, daß für je 100 Gramm Mazzoth 100 Gramm Brot (nicht Mehl) in Ansatz zu bringen sind. Etwa sich ergebende Markenbruchteile werden zugunsten des Verbrauchers abgerundet. Tie Kommunalverbände sind durch die erwähnte Verfügung vom 16. Februar ^entsprechend benachrichtigt worden. Mit Rücksicht auf den höheren Preis der neu zur Verfügung gestellten Menge hat sich eine Abänderung der Höchstpreise als notwendig erwiesen. Diese betragen nunmehr: für ein P su n d M azzoth 5 M a r k, f ü r e i n P s u n d gem a h l e n e M a z z o t h 5,20 Mark. Von MH und Fern. — Tie für Montag, den 21.Mär.z, angezeigte ordentliche Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden ist in Rücksicht aus die Abstimmung in Oberschlesien auf Montag, den 4. April, verschoben worden. — T i e Freie jüdische Volkshochschule zu Berlin hielt am 24. Februar Ihre Generalversammlung im Logenhause ab. Bei den Vorstandswahlen wurden neugewählt zum Vorsitzenden Herr Rechtsanwalt Heinrich S t e r n, zum stellvertretenden Vorsitzenden Tr. Bruno Kirschner; zum Schatzmeister wurde David Wölpe wieder gewählt. — Dev Oberkantor Wilhelm Klein, der von einer erfolgreichen Tournee aus Schweden zurückgekehrt ist. gibt am Dienstag,- den 22. März, \m . Oberlichts aal . einen jüdischen Liederabend. — Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Rechtsanwalt. Dr. Klee, hat sein. Amt als Vorsitzender niedergelegt, mit der Begründung, daß er in grundlegenden zionistischen Fragen mit dem von der Majorität des auf dem letzten Delegiertentage gewählten Geschästssührenden Ausschusses nicht übereinstimme. /Herr Dr. Klee wird aber dem Geschäftssührenden Ausschuß als Mitglied weiter angehören. — Am 4. d. M. ist Herr Fritz Mordechai Kaufmann, Generalsekretär des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, im 33. Lebensjahre verschieden. Der Verewigte war, wie ihm mit Recht nachgerühmt wird, eine edle, starke, und arbeitsfreudige Persönlichkeit, der dem Judentum und der leidenden Judenheit, insbesondere unseren verfolgten Brüdern aus dem Osten, seine reichen Gaben und seine ganze Kraft gewidmet hat. Ehre seinem Andenken. — Dem Verwaltungsbeamten beim Magistrat Berlin Herrn Max Salomon wurde die Rote-Kreuz-Medaille verliehen. — Kurz vor Schluß des Blattes geht uns die traurige Nachricht zu, daß der Berliner Lehrer Herr Emil Fla nt er am 14. d. M. im 61. Lebensjahre plötzlich verschieden ist. — Der 79jährige Vorsitzende der Synagogengemeinde Osterode i. Ostpr., Herr L. Wittenberg, feierte mit seiner Gattin unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise das schöne Fest der goldenen Hochzeit. — In der Synagoge zu Landsberg a. W. sprach Herr Oberkantor Magnus T a v i d s o h n aus Berlin über die Entstehung der jüdischen geistlichen Musik. Das „Neumärkische Volksblatt" bringt über den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag einen ausführlichen Bericht, der mit folgender Bemerkung schließt: Heute in d e r Z e i t de r A n t i s e m i t e n h e tz e , d i e direkt widerliche F o r m e n a n z u n e h men beginnt, wäre es n u r. m i t Freuden zu begrüßen, wenn w e i t e Kreise unseres Volkes eine Ahnung von der klanglichen Schönheit und Ge? m ü t s t i e f e e ch t j ü d i s ch e r M u s i k erhalten würden. Musik i st die Sprache d e r S e e l e, sie lügt nicht. Die jüdische Musik könnte viele der antisemitischen H e tz l ü g e n viel besser widerlegen, als Hunderte v o n F l u g b l ä t t e r n und Br o s ch ü r e n. — Aus Elberfeld wird uns geschrieben: Ter Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Elberfeld, Albert W e y l, feierte am 6. März das Jubiläum seiner sünfundzwanzigjährigen Zugehörigkeit zum Gemeindevorstand. In einer Festsitzung des Gesamtvorstandes und des Repräsentantenkollegiums, zu der auch die Gemeindebeamten und die Vertreter der gemeinnützigen Anstalten eingeladen waren, durste der Jubilar außer zweier künstlerisch ausgestatteter Adressen den Tank und die allseitige Anerkennung für sein verdienstvolles Wirken in der Gemeinde entgegennehmen. Die Bekanntgabe von Stiftungen zu den verschiedensten Zwecken beschloß die eindrucksvolle Feier. -- Zu der von uns in Nr. 4 vom 18. Februar veröffentlichten Notiz über eine geheimnisvolle Entführung aus dem Wormser Israelitischen Altersheim wird uns aus Worms geschrieben: Die „Entführung" aus dem israelitischen Altersheim betreffend, teilen mir Ihnen mit, daß die betreffende Person aus Anordnung des Anstaltsarztes und der amtlichen Behörde in eine Nervenanstalt verbracht wurde. ----- In Wien ist der langjährige Herausgeber der Korrespondenz Wilhelm,. Negierungsrat Ignaz- Wilhelm, im 80. Lebensjahre gestorben. Er stammte aus Boskowitz in Mähren. Er hat durch fast 60 Jahre die Korrespondenz, die die Fühlung zwischen der Polizei und der Presse besorgt, in gewissenhafter Weise geleitet. Das Begräbnis fand aus der israelitischen Abteilung des Zentralsriedhofes statt. — Ter bekannte einstige Reichstagsäbgeordnete Moritz Mezei, an dessen Namen sich seit Jahrzehnten alle Freiheits- und Kulturbestrebungen des ungarischen Judentums knüpfen, beging die Feier seines 80. Geburtstages. Die Pester Israelitische Religionsgemeinde hat aus t diesem Anlasse in. sämtlichen Tempeln während des Sabbatgottesdienstes besondere Feiern veranstaltet. Verantwortlicher Redakteur: Alber tKatz in Berlin-Pankow, Florasträße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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