Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 6 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- Seite 71 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229488--76175-3288742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
—— 71 Sonne so warm schien, da habe ich sie eistmak heimlich beobachtet, wie sie mit den Kindern im freien Ball spielte. Die Kleinen waren so ausgelassen und übermütig, als ob es gar nicht unsere Kinder wären. Es war ein herzerfreuender Anblick. Fräulein Lea lachte und tobte mit den Kindern, von deren Lust fortgerissen, als ob sie selber eines wäre. Aber doch kam es mir so vor, als ob ihre Fröhlichkeit gezwungen wäre. Denn zuweilen nahm ihr Gesicht den schwermütigen, ja verzweiselten Ausdruck an, den ich schon oft an ihr wahrnahm, wenn sie sich unbeobachtet glaubte. Isaaks oh n (mit dem Fing:r drohend): Aron, Aron! Aron: Unsinn, über die Jahre bin ich doch hinaus. Nennen Sie mir einen Menschen, der an einem solchen Weibe ohne Interesse vorübergeht. Jsaaksohn: Sie haben ja gehört, daß auch ich ihre Verdienste anerkenne. Aber ganz im Ernst gesprochen, bin ich der Meinung, daß auch die Deutschen ihren redlichen Anteil dabei haben. Unter der Riussenherrschast schwebten wir in beständiger Furcht vor Pogrom und Tod und dadurch waren wir eben in den traurigen Zustand geraten, in welchem wir uns bis jetzt befanden. Hätten uns die Deutschen nicht Lebenslust und Licht geschaffen, so hätte Lea ihre Ideen niemals zur Ausführung bringen können. (Es klopft, bald daraus tritt Dorsteher Feldmann ein.) F e l d m a n n : Gut Jontef, meine Herren-! Große Ehre steht Ihnen heute abend bevor, große Ehre, Herr Krongold. Was meinen Sie wohl? — Der Rabbi wird kommen. (Schluß folgt.) Licht in Judas Leiten. Purim 1921. Motto: Bei den Jehudim war Licht und Freude, war Lust und Ehre. (Esther 8, 16.) er zagen Herzens ist, den schreckt die Nacht, Mag auch das Sternenheer ihm tröstMd winken: „Sei ohne Furcht! Denn vor der Sonne Wacht Muß nächt'ges Grauen nebelhaft versinken!" Doch wem die Hoffnung ewig Kräfte leiht. In Mut und Trotz des Lebens Weg zu schreiten, Ten schrecken weder Nacht, noch Not und Streit; er wandelt als ein Kämpfer durch -die Zeiten. Umhüllet seinen Pfad auch Dämmerschein, In seinem Zelt wird Licht und Freude sein. — Bald zagend und bald kämpfend bist auch du, Volk Juda, durch Jahrtausende geschritten. Der Brüder Haß vergönnte dir nicht Ruh', Und schuldlos hast du Schmach und Qual gelitten. Die Hoffnung nur erhellte deinen Pfad; "Sie war dir Feuersäule in der Wüste, Gab dir zum Leiden Kraft und Mut zur Tat, Bis dich ein neuer Morgen rettend grüßte. Drmn zage nicht, bricht auch die Nacht herein; In Judas Zelt wird Licht und Freude sein. Du trugst dein Joch im Pharaonenland; Amaleks Haß sahst du am Wege lauern. Er hetzte dich durch Wüsten, Flut und Brand, Und heute noch macht er dein Herz erschauern. Dich aber beugt nicht tausendjähriges Leid; Du stelltest an dein Schicksal keine Fragen. Das Gut in dir, dem Göttlichen geweiht. Gab dir die Dulderkraft, es still zu tragen. Bricht über Völker auch die Nacht herein; In Judas Zelt wird Licht und Freude sein. Dir rauscht ein heil'ger Quell, der nicht verrinnt; Dir leuchten Sterne, die nicht untergehen. Und wenn das Leid dir graue Schleier spinnt, Blick' nur empor zu lichten Himmelshöhen. Dann träufelt Balsam in dein wundes Herz Aus deinem Glauben, deinem Gotterkennen, lind deiner Feste Zauber bannt den Schmerz, Daß deine' Wundenmale nicht mehr brennen. In dunkler Nacht strahlt dir ein Frührotschein; In deinem Zelt wird Licht und Freude sein. Gelsenkirchen. S. Katz. tzsdglls. mein Volk ist wie ein rätselhafter Schacht, Der unerschöpflich reiche Werte birgt. Und nimmer müde Gottes Allmacht wirkt Wie Bergmannspochen in der Wetternacht. Und unablässig fördert das Geschick Die Antwort auf der Menschheit bange Frage, Ein jubelndes Glückauf zum hellen Tage, Nach bergeschwerer Mühsal Trost und Glück. In dir. Hadasia, ward mein Träumen wahr, Jehudas Kind, du, Persiens Königin, Nimm deines Stammes Dank und Jubel hin Als schönste Krone iür dein dunkles Haar. Bern dt Götz (Berlin-Wittenan). Litrrarilchr Mitteilungen. — Targum Schein zum Buche Esther. Ueberfetzt und mit Anmerkungen versehen von Professor Dr. A. Sulzbach. 1920. I. Kaufmann Verlag, Frankfurt a. M. Eine Publikation von Professor Sulzbach bedarf keiner besonderen Empfehlung; er erfreut sich mit Recht des Rufes, daß er in seinen Schriften kein ^21 bietet. Das gilt auch von seiner uns jetzt vorliegenden Uebersetzung des Targum Scheni zur Esther- Rolle, die ebenso sehr dem aramäischen Original entspricht, wie sie der Eigenart der deutschen Sprache vollkommen gerecht wird. Zwar hat das Targum Scheni, wie wir wissen und wie auch der Verfasser in der Vorrede angibt, schon drei Uebersetzungen erfahren; „von diesen aber sind zwei längst vergriffen — und die eine von P. Cassel ist in den Kreisen der Nichtgelehrten wohl kaum bekannt". Besondere Erwähnung verdienen seine Anmerkungen, die, „obgleich auf das notwendigste beschränkt", doch eine Fülle von wissenschaftlichen Hinweisen enthalten, die über manche dunkle Stelle des Textes erwünschte Auskunft geben und so wesentlich zum besseren Verständnis des Targum Scheni beitragen. Möge das Buch, das in der Sulzbachschen Uebertragung sich ganz besonders als Lektüre für die reifere jüdische Jugend eignet, die ihm gebührende Beachtung finden und einen großen Leserkreis sich erwerben. A. K. * — Baron, Salo: „Die Judenfrage auf dem Wiener Kongreß." Auf Grund von zum Teil ungedruckten Quellen dargestellt, mit Unterstützung der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemein de in Wien. Wien u>nid Berlin, Löwit, 1920. 211 'S. 8°. Gelber, N. M.: „Aktenstücke zur Judenfrage am Wiener Kongreß 1814/15." Wien, Verlag des „Esra", 1920. 41 S. 8°. Auf Grund eingehenden Studiums der einschlägigen Literatur und ganz besonders der Akten des Wiener Staatsarchivs gibt Baron eine sehr wertvolle Darstellung von der BehantdlU'Nig der Judenfrage am Wiener Kongreß. Nachdem er in der Einleitung den damaligen Stand der Judenfrage in Deutschland und besonders in den vier freien Städten dargelegt hat (S. 7 bis 45), schildert er 1. das Auftreten der Judenfrage auf dem Kongreß (S. 46 ff.), 2. das Einschreiten der Mächte (S. 72 ff.), 8. den Kasnpf der Delegierten (S. 101 ff,), 4. die Wiener Salons (S. 117 ff.) und 5. die Entscheidung (S. 1-46 ff.). Der Derfasser hat